Neulich, am Strand: Residentenschicksal

Heute machen wir einen Blick in die Zukunft: Juli 2019. Nun ist sie wieder vorbei. Die Hochsaison 2018/19. Überwinterer, Winterverkürzerer oder sonstige Langzeit- oder Weihnachts­touristen, alle sind sie wieder zu Hause. Die meis­ten werden eine schöne Zeit erlebt haben. Die Schwerenöter und Liebesgockel unter ihnen hängen am heimatlichen PC und halten sich und ihre Ferienbegleiterin auf diese Weise auf dem neuesten Stand. Es ist schon der Wahnsinn, was den Thai-Ladys in der Abwesenheit ihrer Farangs alles passiert! Und weswegen die Farangs auch immer wieder Geld, mal mehr, mal weniger, senden sollen. Wir werden es spätestens in der nächsten Saison erfahren, wenn die von Amors Pfeil getroffenen wieder mit ihrer Angebeteten die Promenade heruntergeschlendert kommen. Doch nun kommen erst einmal ruhige Zeiten auf uns Residenten zu.

Für uns Hiergebliebenen ist es doch immer wieder faszinierend zu beobachten, wie eine Thai-Lady ihren Farang innert kürzester Zeit durch den nächsten ersetzen kann. Selbstverständlich ist jetzt der Aktuelle der Farang ihres Lebens. Wenigstens bis zu seiner Abreise. Ob der von seinem Vorgänger etwas Spitz bekommen hat? Oder gar von seinem Nachfolger, der ja schon in einigen Tagen angereist kommt? Vielleicht noch einen, zwei Tage zu früh? Dass wäre allerdings Sch...! Das wäre doch interessant zu wissen. Doch das geht uns ja nichts an. Und überhaupt, wen inte­ressiert denn das schon, hä? Etwa SIE? Ja? Wirklich? Nein, DAS hätte ich jetzt nicht von Ihnen erwartet!

Ich bin auch froh, dass eine Menge Leute, die hier die Sau rausgelassen haben, wieder weg sind. In meiner Lieblingsbar ist mein Lieblingsplatz wieder unangefochten mein Platz. Der Lärmpegel ist deutlich tiefer und die unangenehmen Seiten der Massensauferei sind passé. Nur eins ist immer wieder anders als vor jeder Hochsaison. Die Ladys sind nämlich von den großklotzigen Teilzeitaufenthaltern komplett verzogen worden. Komme ich nun daher, wollen die Mädels, noch bevor ich mich hinsetzen kann, auch schon ihren ersten Ladydrink. „Nun mal langsam“, beschwichtige ich. Zuerst will ich ja meinen eigenen Durst löschen. „No Customer!”, heulen die Damen. „No money, no honey”, fügt die Mamasan noch dazu. Betreten schauen mich die verlassenen Schönheiten an. Wenn man es glauben würde, kämen aus ihren Augen gleich Kullertränen. „Ja, ja. Ihr habt nun euren Spaß gehabt“, gebe ich zu bedenken. „Euer ATM ist abgereist und nun soll ich in seine Lücke springen?“, frage ich die Mädchen auf ihren Barhockern. „Au, ja! Was für eine gute Idee“, jubilieren sie. „Hau die Glocke!“, rufen sie belustigt, bereit, die Dauerparty noch etwas zu verlängern. Ich realisiere, dass ich nie einen Hauch von dem, was ich ihnen sagen will, rüberbringe werde. „Stopp, stopp, stopp! Ich will mein Bier und meine Ruhe. OK?“, stelle ich klar. „Aber Johnny aus London hat doch auch immer...“, beginnt eine Lady aufs Neue. „Ach ja, Johnny! Ruf ihn mal an. Er soll mal ein paar Pfund runterschicken. Ich saufe dann mit“, gebe ich zurück. „Johnny hat immer die Glocke gehauen. Der war kein Kiniau und nicht so knausrig, wie du“, beendet die Thai vorwurfsvoll. Dazu wippt sie ihre Nase in meine Richtung in die Luft. Will heißen: Johnny ist der bessere Kunde als du. „Weißt du, Johnny hat hier auch nur mein Geld rausgehauen. Die Kohle, die er von mir geborgt hat, hat er hier versoffen, aber nicht zurückgezahlt, bevor er abgehauen ist. Denk nicht dran, dass du ihn hier nochmals siehst“, kläre ich sie auf. „Oh, jeh“, schaut sie mich wie ein Bernhardinerhund an. „Bekomme ich jetzt ein Bier?“, ich wippe die Nase in die Luft. „Aber dann bist du ja ein reicher Mann. Du musst nicht nach Hause Geld verdienen“, ihre Mine ist blitzartig wieder lachend. „Du bist ein reicher Mann. Du könntest locker eine Runde zahlen. Du willst nur nicht, du Geizkragen du! Du hast nämlich so viel Geld, das du an Johnny ausleihen kannst, so viel er zum Saufen braucht. Also brauchst du dein Geld gar nicht. Und uns willst du verhungern lassen. Du Schweinekerl, du!“, es wird ihr gleich eine Träne runterlaufen.

„Denkt an uns arme Residenten!“

„Bekomme ich nun mein Bier, oder soll ich die Bar wechseln?“, wende ich mich an die Mamasan. Und schon steht das kühle Nass da. „Sorry, you misunderstand!“, entschuldigt sie sich. „Na klar. ICH bin zu blöd zu verstehen. Logisch. Jetzt bin ich wieder der Doofkopf“, ärgere ich mich. Klar. Blöd genug, um Johnny Geld zu pumpen, war ich ja. Also was soll es. „Mai pen rai“, antworte ich. Die Farangs kommen ja hierher und schmeißen mit der Kohle um sich. Jeder will zeigen, was für ein Hirsch er ist. Und wenn die große Party vorüber ist, ziehen sie ab und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Da bekommen die Thai-Mädels natürlich ihre eigene Sicht der Dinge. Vor allem, was die finanzielle Potenz der Gäste anbelangt. Und wer will es einer gutgebauten, aufreizenden Lady verargen, wenn sie ihren Marktwert am nächs­ten Farang testet. Deshalb liebe Touristen: Denkt an uns, arme Residenten, und versaut uns nicht die Mädels und die Preise. Bis ihr wiederkommt, überprüfen wir für euch das Angebot und sorgen dafür, dass Thailand bis zur nächsten Hochsaison überlebt.

Khun Ten, klamm

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