Neues aus dem Ausland am Freitag

Neues aus dem Ausland am Freitag

Palästinenser sagen Impfdosen-Tausch mit Israel ab

TEL AVIV/RAMALLAH: Die Palästinensische Autonomiebehörde hat nach eigenen Angaben einen Tausch von rund einer Million Biontech/Pfizer-Impfdosen mit Israel im Kampf gegen die Corona-Pandemie abgesagt. Die bereits ins Westjordanland gebrachten Impfdosen würden nach Israel zurückgeschickt, teilte ein Sprecher der Autonomiebehörde am Freitagabend mit. Die Impfdosen entsprächen nicht den Vorgaben, sagte er mit Verweis auf deren baldiges Ablaufdatum. Israel hatte zuvor mitgeteilt, es habe bereits 100.000 Impfdosen geliefert.

Israel wollte nach eigenen Angaben aktuell rund eine Million Impfdosen an die Palästinenserbehörde liefern, deren Haltbarkeit in Kürze abgelaufen wäre. Israel sollte dagegen im gleichen Umfang Dosen aus einer Lieferung von Pfizer für die Palästinenserbehörde im Herbst erhalten, hieß es.

Israels Regierung hatte mitgeteilt, es gebe der Autonomiebehörde die Dosen, weil sein eigener Vorrat den aktuellen Bedarf im Land abdecke. In dem Neun-Millionen-Einwohner-Land sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums bereits knapp 5,5 Millionen Einwohner einfach geimpft, davon rund 5,1 Millionen bereits zweifach. Im Westjordanland und Gazastreifen mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern sind laut Gesundheitsministerium in Ramallah dagegen nur rund 440.000 Menschen einfach geimpft, davon 261.000 bereits zweifach.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sowie US-Abgeordnete hatten Israel vorgeworfen, es helfe den Palästinensern nicht bei deren Impfkampagne.


Merkel und Macron: Russland und Türkei sind große Herausforderungen

BERLIN: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht die EU im Umgang mit Russland und der Türkei vor «großen Herausforderungen». «Einerseits gibt es Meinungsverschiedenheiten, anderseits sind wir aufeinander angewiesen, wenn wir bestimmte Fragen gemeinsam gestalten wollen. Das ist die Migrationsfrage, das ist die Frage der Zukunft Libyens, das ist die Frage der Zukunft Syriens», sagte Merkel am Freitag in Berlin zum Verhältnis zur Türkei. Sie sprach zum Auftakt eines Besuchs des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Beim G7-Gipfel sei auch das Verhältnis zu Russland eine große Frage gewesen. «Russland ist eine große Herausforderung für uns. Russland ist aber auch der große kontinentale Nachbar der Europäischen Union», so Merkel. «Wir müssen feststellen, dass wir alle hybriden Angriffen ausgesetzt sind. Aber, wir haben auf der anderen Seite ein großes Interesse, wenn wir Sicherheit und Stabilität in der Europäischen Union wollen, dass wir auch mit Russland im Gespräch bleiben, so schwer es auch ist.»

Macron stimmte ihr zu: «Ich teile alles, was zur Türkei und zu Russland gesagt wurde.» In der Beziehung zur Türkei müssten Positionen der EU-Länder Griechenland und Zypern sowie die eigene strategische Position im östlichen Mittelmeer, im Nahen Osten, in Libyen und im Kaukasus beachtet werden. Gegenüber Russland müsse eine gemeinsame Linie gefunden werden. Merkel dankte US-Präsident Joe Biden dafür, den Dialog mit der russischen Regierung aufgenommen zu haben.

Auf der Tagesordnung von Merkel und Macron stand ein Abendessen im Kanzleramt. Neben europapolitischen Themen soll es vor allem um die deutsch-französische Abstimmung vor dem Europäischen Rat gehen, zu dem die Staats- und Regierungschefs der EU am 24. und 25. Juni in Brüssel zusammenkommen.


Russischer Oppositioneller zu zwei Monaten Hausarrest verurteilt

ST. PETERSBURG: Ein oppositioneller Abgeordneter des St. Petersburger Stadtparlaments ist wegen angeblichen Drogenkaufs zu zwei Monaten Hausarrest verurteilt worden. Maxim Resnik, der im Herbst erneut für das Parlament kandidieren wollte, nannte die Gerichtsentscheidung vom Freitag allerdings politisch motiviert. Sein Anwalt kündigte an, Beschwerde einzulegen. Die russische Justiz wirft dem 46 Jahre alten Resnik Medien zufolge vor, im März 18 Gramm Marihuana gekauft zu haben.

Auch die EU verurteilte das Vorgehen der Justiz als «einen weiteren Schlag gegen den politischen Pluralismus in Russland». Die Sprecherin des inhaftierten Kremlgegners, Alexej Nawalny, sprach von einem «mittlerweile typischen Vorgehen der Behörden» vor Wahlen. Im September steht in Russland auch die Wahl zur Staatsduma an.


Französische Küstenwache rettet 80 Migranten aus dem Ärmelkanal

PARIS: Die französische Küstenwache hat 80 Migranten gerettet, die beim Überqueren des Ärmelkanals in Seenot geraten waren. Am Freitagnachmittag wurden Menschen aus drei Booten in Sicherheit gebracht, wie es in einer Mitteilung der Behörden hieß. Demnach gab es keine Verletzten.

Immer wieder überqueren Migranten den Ärmelkanal, um Großbritannien zu erreichen. Oft unternehmen sie die Reise in kleinen Schlauchbooten. Die Überfahrt ist gefährlich, vor allem weil der Meeresarm von vielen großen Schiffen befahren wird. Dabei kommen häufig Menschen ums Leben.


Tschechien erkennt Adoption durch Homo-Paar nicht an

BRÜNN: Tschechien erkennt die Adoption eines Kindes durch ein in den USA lebendes homosexuelles Paar vor einem US-Gericht nicht an. Das gab das Oberste Gericht mit Sitz in Brünn (Brno) am Freitag bekannt. Es berief sich dabei auf eine frühere Entscheidung des Verfassungsgerichts. Man könne es nicht zulassen, dass auf diese Weise die heimische Gesetzgebung umgangen werde, hieß es zur Begründung. Nach tschechischem Recht ist die gemeinsame Adoption eines Kindes für eingetragene Lebenspartner ausgeschlossen.

Im konkreten Fall handelt es sich um ein schwules Paar aus einem Tschechen und einem Mann aus Trinidad und Tobago, die in den USA leben und dort zwei Kinder adoptiert haben. Sie beriefen sich auf die Entscheidung eines Familiengerichts im US-Bundesstaat New Jersey. Das Paar argumentierte, dass die Nichtanerkennung der Adoption unter anderem zu Schwierigkeiten bei Reisen nach Tschechien führe. Zudem würden die Kinder in dem EU-Mitgliedstaat vom Erbe ausgeschlossen.


Institut: Antijüdische Vorurteile in palästinensischen Schulbüchern

BRÜSSEL: In palästinensischen Schulbüchern werden einer EU-geförderten Untersuchung zufolge antijüdische Vorurteile und Gewaltverherrlichung verbreitet. Durch einen Fokus auf Menschenrechte und weltbürgerliche Erziehung erfüllten die 172 untersuchten Schulbücher und Lehrpläne jedoch generell die Standards der Vereinten Nationen. An etlichen Stellen werde auch zu Toleranz, Barmherzigkeit, Vergebung und Gerechtigkeit aufgerufen. Zu diesem Ergebnis kam eine am Freitag veröffentlichte Untersuchung des Braunschweiger Georg-Eckert-Instituts. Die Autorinnen und Autoren betonen explizit, dass die Analyse ein komplexes Bild ergeben habe.

Insbesondere in Büchern für den Arabischunterricht seien «emotional aufgeladene Darstellungen israelischer Gewalt» erkannt worden. Diese neigten dazu, «den israelischen Gegner zu entmenschlichen und ihm gelegentlich Bosheit und hinterlistiges Verhalten vorwerfen». Palästinensische Gewalt, auch gegen Zivilisten, werde hingegen als legitimes Mittel zum Widerstand in bestimmten Perioden der palästinensischen Geschichte dargestellt.

Weiter werde das Wort «Israel» in den meisten Büchern vermieden, stattdessen werde hauptsächlich von der «(zionistischen) Besatzung» gesprochen. Juden werden demnach zumeist mit negativen Zuschreibungen versehen, was auf eine bewusste Verfestigung antijüdischer Vorurteile hinweise. In Karten werde zudem der Staat Israel oft ausgeblendet.

In Büchern von 2020/2021 sei das «eskalative Potential» jedoch stark zurückgegangen, stellten die Autorinnen und Autoren fest. In Büchern, die von israelischen Behörden für den Unterricht palästinensischer Kinder in Ostjerusalem herausgegeben werden, werde die friedliche Koexistenz von Israelis und Palästinensern dargestellt.


Polizeieinsatz nach mutmaßlichen Schüssen im Nordosten Frankreichs

METZ: In der französischen Stadt Bitche nahe der Grenze zu Deutschland sind offenkundig Schüsse gefallen. Sicherheitskräfte waren im Einsatz und sperrten Teile der Stadt ab, sagte die Gendarmerie der Deutschen Presse-Agentur am Freitagnachmittag. Die Schüsse gingen demnach wohl von einem angetrunkenen Menschen aus. Er wurde am frühen Abend festgenommen und der Einsatz beendet, hieß es von der Gendarmerie.

Ob es sich um Schüsse aus einer echten Waffe oder einer Schreckschusspistole gehandelt habe, war zunächst unklar. Verletzte gebe es nicht. Wie die Regionalzeitung «Le Républicain Lorrain» und andere Medien am Freitag online berichteten, waren Geschäfte und Restaurants vorsichtshalber geräumt worden. Bitche liegt im Département Moselle in der Region Grand-Est. Auf Deutsch heißt sie Bitsch.


Polizist wegen Todes von jüngstem Gezi-Opfer verurteilt

ISTANBUL: Acht Jahre nach den regierungskritischen Gezi-Protesten in der Türkei hat ein Gericht einen Polizisten im Zusammenhang mit dem Tod des jüngsten Opfers der Proteste verurteilt. Der Mann sei wegen Tötung zu 16 Jahren und 8 Monaten Haft verurteilt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag.

Elvan war im Juni 2013 am Rande der Gezi-Proteste im Istanbuler Viertel Okmeydani von einer Tränengaskartusche am Kopf verletzt worden. Nach Darstellung von Elvans Eltern war der Teenager unterwegs gewesen, um Brot zu kaufen. Am 11. März 2014 starb der Junge im Alter von 15 Jahren nach monatelangem Koma.

Die Gezi-Proteste entzündeten sich Ende Mai 2013 an der geplanten Bebauung des Gezi-Parks in Istanbul. Sie weiteten sich zu landesweiten Demonstrationen gegen den als immer autoritärer empfundenen Führungsstil Recep Tayyip Erdogans aus. Erdogan war damals Ministerpräsident. Seit August 2014 ist er Staatspräsident.


Berichterstatter empfiehlt Annahme von HDP-Verbotsantrag

ISTANBUL: Kurz vor der Entscheidung über einen Verbotsantrag gegen die prokurdische Partei HDP in der Türkei hat ein vom Gericht ernannter Berichterstatter die Annahme empfohlen. Mängel im Antrag seien laut Berichterstatter beseitigt worden, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag.

Die Generalstaatsanwaltschaft in der Türkei hatte Anfang Juni erneut eine Verbotsklage gegen die Oppositionspartei beim Verfassungsgericht eingereicht. In der rund 850 Seiten langen Anklageschrift wird der Partei unter anderem Separatismus vorgeworfen. Zudem werde darin ihre Schließung und politische Betätigungsverbote für rund 500 Parteimitglieder gefordert, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte bereits Mitte März eine erste Verbotsklage eingereicht. Diese wurde aber wegen formaler Mängel nicht angenommen.

Die 15 Mitglieder des Verfassungsgerichts sollen am Montag über die Annahme oder die Ablehnung des Antrags entscheiden. Für eine Annahme des Antrags ist eine Zweidrittelmehrheit im Gremium notwendig. Eine Anwältin der HDP, Mavis Aydin, sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Gericht sei nicht an die Entscheidung des Berichterstatters gebunden.


Chrupalla bei Konferenz des Verteidigungsministeriums in Moskau

BERLIN: Der AfD-Spitzenkandidat und Fraktionsvize Tino Chrupalla soll am kommenden Mittwoch an einer Konferenz des russischen Verteidigungsministeriums als Redner teilnehmen. Wie ein Fraktionssprecher am Freitag berichtete, reist Chrupalla dafür an diesem Sonntag auf Einladung der russischen Regierung nach Moskau. Während seines Besuches, der bis Freitag andauern werde, seien «zahlreiche Gespräche mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft geplant, darunter auch Repräsentanten deutscher Unternehmen in Russland», hieß es seitens der Fraktion weiter.

Chrupalla wertete die Einladung als Zeichen dafür, «dass unsere Bemühungen um einen Neustart der deutsch-russischen Beziehungen in Moskau auf fruchtbaren Boden gefallen sind». Der sächsische Bundestagsabgeordnete, der an der Seite von Jörg Meuthen Co-Vorsitzender der AfD ist, war im vergangenen Dezember bereits zusammen mit dem AfD-Abgeordneten Paul Hampel von Russlands Außenminister Sergej Lawrow empfangen worden. Im März war dann die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel zusammen mit zwei weiteren Abgeordneten aus ihrer Fraktion in Moskau gewesen. Das Trio traf damals unter anderem Mitarbeiter des Außenministeriums, Abgeordnete der Staatsduma und Wirtschaftsvertreter.

Der AfD-Verteidigungspolitiker und NRW-Landesvorsitzende Rüdiger Lucassen sagte, er unterstütze die Reise von Chrupalla ausdrücklich. «Es ist ein ganz normaler Vorgang, wenn deutsche Politiker außenpolitische Kontakte pflegen. Die AfD steht für eine Entspannungspolitik mit Russland», sagte Lucassen, der als Oberst bei der Bundeswehr war, auf Anfrage. Joachim Wundrak, der als Generalleutnant in den Ruhestand gegangen war und jetzt für die AfD in den Bundestag will, sagte: «Alles, was dazu beiträgt, Spannungen abzubauen, müsste doch willkommen sein.»

Um das deutsch-russische Verhältnis ist es zur Zeit schlecht bestellt. Das geht unter anderem auf den Konflikt um die Ukraine sowie die Vergiftung und spätere Inhaftierung des Kremlgegners Alexej Nawalny zurück.


Zwei Tote nach Unfall in Kläranlage

PILSEN: In einer Kläranlage im tschechischen Pilsen ist es zu einem tödlichen Unfall mit giftigen Gasen gekommen.

Zwei Männer starben, als in einem Gebäude unter anderem Schwefelwasserstoff in hoher Konzentration austrat, wie die Agentur CTK am Freitag unter Berufung auf die Einsatzkräfte berichtete. Zwei weitere Männer wurden wiederbelebt und ins Krankenhaus gebracht. Drei Arbeiter hatten sich noch rechtzeitig ins Freie retten können. Die genaue Ursache für das Unglück steht noch nicht fest. Für die Anwohner besteht den Angaben zufolge keine Gefahr.


Mindestens vier Tote bei Untergang von Migrantenboot vor Lanzarote

MADRID: Beim Untergang eines Migrantenbootes vor der Küste der spanischen Insel Lanzarote sind mindestens vier Menschen ertrunken. Man habe in der Nacht auf Freitag zunächst die Leichen von zwei Frauen und einem Mann geborgen, teilte der spanische Seerettungsdienst mit. Eine Tote sei schwanger gewesen, hieß es. Am Freitag sei vor der Kanaren-Insel auch der leblose Körper eines Minderjährigen entdeckt worden. Nach einem vermissten Migranten werde am Freitag im Atlantik weiterhin «fieberhaft» gesucht.

44 Menschen - darunter zwei Babys - seien lebend geborgen worden. Einige von ihnen hätten erzählt, dass im Schlauchboot insgesamt 49 Menschen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara unterwegs gewesen seien. Am Freitag erreichten zwei weitere Boote mit insgesamt 110 Migranten die kanarischen Inseln. Sie trafen nach amtlichen Angaben jeweils auf Fuerteventura und El Hierro ein.

Das Unglück mit mindestens vier Toten geschah etwa 600 Meter vor dem Hafen von Órzola im Nordosten von Lanzarote. Das Schlauchboot sei in der Nacht mutmaßlich auf Steine aufgefahren und gekentert. Die erste Rettungsaktion sei von Bewohnern des Ortes durchgeführt worden, die die verzweifelten Schreie der Migranten gehört hätten. Bald seien diese von Rettungsdiensten unterstützt worden.

Die Kanaren liegen im Atlantik nur etwa 100 Kilometer westlich der Küste Westafrikas. Die Zahl der Menschen, die die lebensgefährliche Überfahrt von Afrika über den Atlantik in Richtung der Inselgruppe wagen, war im vorigen Jahr stark gestiegen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR wurden 2020 mehr als 22.000 Migranten gezählt. 2021 hat sich diese Tendenz nach diesen amtlichen Informationen leicht abgeschwächt. Bis Mitte Juni hätten mehr als 5800 Menschen aus Afrika versucht, die Kanaren zu erreichen. Über die Zahl der Toten auf See gibt es kaum verlässliche Angaben.


Lava-Fontänen am Nachthimmel: Ätna und Stromboli wieder ausgebrochen

CATANIA: Mit meterhohen Lavafontänen haben der Ätna auf der italienischen Insel Sizilien und der Stromboli auf der gleichnamigen Vulkaninsel erneut für ein nächtliches Naturschauspiel gesorgt.

Der mehr als 3300 Meter hohe Ätna spuckte in der Nacht zu Freitag wieder aus seinem Krater auf der Südost-Seite Feuer, wie das nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) am Freitag in Catania mitteilte. Die Lava ergoss sich über den Hang des Berges, und eine Rauchsäule stieg meterhoch in den Nachthimmel.

In der Nacht registrierte das Institut auch wieder Ausbrüche am Stromboli. Die Vulkaninsel befindet sich im Mittelmeer, ungefähr 70 Kilometer nordöstlich von Sizilien. Die Lavaströme des mehr als 900 Meter hohen Vulkans fließen oft bis zur Küste der Mini-Insel.

Über Verletzte oder größere Schäden durch die Ausbrüche gab es zunächst keine Berichte. Die beiden Vulkane waren nach INGV-Angaben in den zurückliegenden Wochen immer wieder ausgebrochen.


Lastwagen überfährt Gewerkschafter bei Demonstration

BIANDRATE: In Italien hat ein Lastwagen nahe Mailand nach Medienberichten während einer Demonstration einen Gewerkschafter überfahren und tödlich verletzt. Der Vorfall ereignete sich am Freitagvormittag während eines nationalen Warnstreiks des Gewerkschaftsverbundes SI Cobas an einem Supermarkt, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Die Carabinieri nahmen den Fahrer demnach in Gewahrsam und verhörten ihn. Auf ihrer Facebook-Seite sprach die Gewerkschaft von Mord an ihrem Koordinator.

Ersten Berichten zufolge versuchten einige Dutzend Demonstranten Laster an der Ein- und Ausfahrt zu dem Unternehmen in Biandrate etwa 65 Kilometer westlich der norditalienischen Metropole Mailand zu hindern. Ein Fahrer soll mit den Blockierern in Streit geraten sein, wie die Zeitung «Corriere della Sera» schrieb. Er soll dann die Durchfahrt erzwungen haben und dabei den Gewerkschafter, der später starb, und zwei weitere Menschen, die ins Krankenhaus kamen, angefahren haben. Der Lastwagenfahrer flüchtete laut Bericht zunächst, wurde aber von der Polizei später aufgegriffen.

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi zeigte sich während eines Besuchs in der katalanischen Stadt Barcelona betroffen von den Vorkommnissen. Arbeitsminister Andrea Orlando forderte sofortige Aufklärung in dem Fall. Viele Politiker Italiens drückten ihr Entsetzen aus.


Britischer Reporter isst nach falscher Wahlprognose Teile eines Huts

LONDON: Ein britischer Reporter der «Financial Times» hat nach einer falschen Wahlprognose Wort gehalten und Teile eines Huts verspeist. Der politische Chef-Reporter der Zeitung, Jim Pickard, veröffentlichte am Freitag auf Twitter ein Video, in dem er einen schwarzen Hut zerschneidet und Teile davon aufisst.

Die konservative Tory-Partei hatte bei einer Nachwahl im englischen Wahlkreis Chesham and Amersham nahe London eine überraschende Niederlage erlitten. Das Unterhausmandat ging an die Liberaldemokraten - ein Ausgang, den Pickard auf Twitter noch am Vortag hartnäckig bezweifelte: «Ich sehe heute viel Spekulation, aber ich werde meinen Hut essen, wenn die Liberaldemokraten hier gewinnen.» Der Reporter wurde eines Besseren belehrt - und löste sein Versprechen postwendend ein. Nach drei Hut-Schnipseln reichte es Pickard allerdings. Es gebe nämlich eine Sache, die noch schlimmer sei als dumme Tweets, erklärte er am Ende seines Videos: «Tod durch Hut essen».


Dubai-«Oktoberfest» wird ein Fall für deutsche Justiz

DUBAI/MÜNCHEN: Das geplante «Oktoberfest» in Dubai wird zum Fall für die Justiz. Am Freitag kommender Woche (25. Juni) verhandelt das Landgericht München I über eine einstweilige Verfügung der bayerischen Landeshauptstadt gegen die Veranstalter des Dubai-«Oktoberfests», wie eine Sprecherin bestätigte. Zuvor hatte die «Mediengruppe Münchner Merkur tz» darüber berichtet.

Unter dem Motto «Oktoberfest goes Dubai» werde der unzutreffende Eindruck erweckt, das Oktoberfest ziehe in diesem Jahr nach der erneuten corona-bedingten Absage in München nach Dubai um, hatte das Wirtschaftsreferat schon Mitte Mai mitgeteilt. Die Stadt verlangt von den Organisatoren eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, in der sie sich bereiterklären, nicht mehr mit dem Oktoberfest München für ihr Event zu werben.

«Es ist aus Sicht der Landeshauptstadt München erschreckend, dass Dritte die Absage zum Anlass nehmen, sich selbst zu bereichern, indem sie den weltweiten guten Ruf des Oktoberfests ausnutzen und suggerieren, dass eine Verbindung zwischen dem Original und der Veranstaltung in Dubai bestehe», sagte der Münchner Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU). «Ziel unseres rechtlichen Vorgehens ist es, den weltweit guten Ruf des Münchner Oktoberfestes zu schützen.»


Erleichterungen bei Einreisen nach Deutschland

BERLIN: Die deutsche Regierung erleichtert ab dem Wochenende Einreisen für weitere Bürger aus Nicht-EU-Ländern.

Angesichts gesunkener Infektionszahlen würden Einreisen «zu allen zulässigen Aufenthaltszwecken einschließlich Tourismus» aus den USA, Taiwan, Hongkong, Macau, Albanien, Serbien, Nordmazedonien und dem Libanon ab Sonntag zugelassen, teilte das Bundesinnenministerium am Freitag mit.

Damit werde die Liste der Drittstaaten, aus denen unbeschränkt nach Deutschland eingereist werden könne auf insgesamt 15 Länder erweitert.

Auf der Liste standen bereits Australien, Israel, Japan, Neuseeland, Singapur, Südkorea und Thailand. Wer seinen Wohnsitz in einem dieser Staaten habe, dürfe auch ohne wichtigen Reisegrund und unabhängig von seinem Impfstatus einreisen, heißt es weiter. Personen aus anderen Drittstaaten dürfen laut Innenministerium nur nach Deutschland einreisen, «wenn sie eine wichtige Funktion ausüben», wenn ihre Reise «zwingend notwendig ist» oder wenn sie vollständig geimpft sind.


Konflikte und Corona: Millionen Menschen von Hungersnot bedroht

GENF: Konflikte, Gewalt, Klimawandel und Corona: Immer mehr Menschen rutschen in verheerende Armut ab. 41 Millionen droht nach UN-Schätzungen eine Hungersnot, wie das Welternährungsprogramm (WFP) am Freitag in Genf berichtete. Anfang des Jahres lag diese Zahl bei 34 Millionen.

Die größte humanitäre Organisation der Welt benötigt in diesem Jahr insgesamt 15 Milliarden Dollar (knapp 13 Milliarden Euro). Damit sollen weltweit 139 Millionen Menschen mit überlebenswichtigen Nahrungsmitteln versorgt werden. Ein Drittel davon sei jetzt dringend nötig, um Hungersnöte abzuwenden. Nötig sei die größte Aktion in der 60-jährigen Geschichte des Programms. Das WFP wurde für seine Arbeit im vergangenen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

«Der kleinste Schock würde die 41 Millionen Menschen in eine Hungersnot treiben», sagte WFP-Sprecher Tomson Phiri in Genf. In vielen Ländern gebe es längst nicht mehr genug zu essen für die Menschen, darunter in Äthiopien, Madagaskar, Südsudan und Jemen. Auch in Nigeria und Burkina Faso seien einige Gegenden betroffen. Hilfe sei auch in Afghanistan, im Libanon, Sudan und in Syrien nötig.


Orangenbande stiehlt 38 Tonnen Zitrusfrüchte

SPARTA: Professionelle Orangendiebe haben im Süden der griechischen Halbinsel Peloponnes während der diesjährigen Orangensaison rund 38 Tonnen Zitrusfrüchte beiseite geschafft. Die vier Männer führten in der Region der Stadt Sparta einen Betrieb als Orangenpflücker und boten lokalen Bauern ihre Dienste an. Dabei sollen sie in mindestens 35 Fällen große Mengen der Früchte abgezweigt und selbst verkauft haben, wie griechische Medien am Freitag berichteten.

Ermittler kamen der Bande schließlich auf die Spur - gegen die Männer wird nun ein Verfahren wegen schweren Diebstahls eingeleitet. Die mutmaßlichen Täter sollen mit dem Verkauf der Früchte rund 7700 Euro ergaunert haben.


Tauschen eine Million Impfdosen mit Palästinensern aus

TEL AVIV/RAMALLAH: Israel liefert nach eigenen Angaben rund eine Million Biontech/Pfizer-Impfdosen an die Palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland. Die Impfdosen gegen das Coronavirus würden sonst in Kürze ablaufen, hieß es in einer Mitteilung der israelischen Regierung am Freitag. Im Gegenzug werde Israel den gleichen Umfang an Dosen aus einer Lieferung von Pfizer für die Palästinenserbehörde im Herbst erhalten. Die Autonomiebehörde bestätigte den Vorgang zunächst nicht.

Israels Regierung schrieb in der Mitteilung, es gebe der Autonomiebehörde die Dosen, weil sein eigener Vorrat den aktuellen Bedarf im Land abdecke. In dem Neun-Millionen-Einwohner-Land sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums bereits knapp 5,5 Millionen Einwohner einfach geimpft, davon rund 5,1 Millionen bereits zweifach. Im Westjordanland und Gazastreifen mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern sind laut Gesundheitsministerium in Ramallah dagegen nur rund 440.000 Menschen einfach geimpft, davon 261.000 bereits zweifach.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sowie US-Abgeordnete hatten Israel vorgeworfen, es helfe den Palästinensern nicht bei deren Impfkampagne.


Schlammlawinen nach Starkregen an Südküste der Halbinsel Krim

JALTA: Nach dem Osten ist nun die bergige Südküste der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim von schweren Regenfällen betroffen. Im Touristenort Jalta und der Umgebung der Hafenstadt Sewastopol fiel Behördenangaben zufolge in der Nacht zum Freitag innerhalb weniger Stunden so viel Regen wie sonst innerhalb von zwei Monaten. In der gebirgigen Gegend gingen demnach mehrere Schlammlawinen nieder und blockierten Straßen. In Internetvideos waren im Wasser treibende Autos auf überfluteten Straßen zu sehen.

Den Angaben zufolge starb ein junger Mann. Er sei in einem Bach von den Fluten mitgerissen worden, berichtete die russische Staatsagentur Tass. Zudem habe es mehrere Verletzte gegeben.

Im Osten der Halbinsel in der Großstadt Kertsch ging das Hochwasser unterdessen zurück. Dennoch standen örtlichen Medienberichten zufolge weiterhin Dutzende Wohnhäuser unter Wasser. Tags zuvor hatte Starkregen zu Überschwemmungen geführt. Hunderte Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Zehntausende Menschen waren ohne Strom.

Unklar ist, inwieweit der ergiebige Regen geholfen hat, die Wasserreserven des Gebietes zu füllen. Nach der Annexion der Halbinsel durch Russland im Jahr 2014 hatte die Ukraine den Nord-Krim-Kanal mit Wasser vom Fluss Dnipro komplett gesperrt. Er deckte mehr als 80 Prozent des Wasserbedarfs der Krim. Wegen anhaltender Trockenheit und Übernutzung vorhandener unterirdischer Ressourcen wird Wasser vor allem in der touristisch beliebten Südkrim seit Monaten rationiert.


Steinmeier verneigt sich vor Opfern des Überfalls auf UdSSR

BERLIN: Rund 80 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der Millionen Opfer gedacht.

«Der deutsche Krieg gegen die Sowjetunion war eine mörderische Barbarei», sagte er am Freitag in Berlin. «So schwer es uns fallen mag: Daran müssen wir erinnern!» Die Erinnerung an dieses Inferno, die Feindschaft und die Entmenschlichung bleibe für alle Deutschen eine Verpflichtung und für die Welt ein Mahnmal.

«Wir sollten erinnern, um zu verstehen, wie diese Vergangenheit in der Gegenwart fortwirkt», forderte Steinmeier. «Nur wer die Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart lesen lernt, nur der wird zu einer Zukunft beitragen können, die Kriege vermeidet, Gewaltherrschaft ablehnt und ein friedliches Zusammenleben in Freiheit ermöglicht.» Deutschland müsse alles für den Frieden mit und zwischen den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion tun.

Am 22. Juni jährt sich der Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion zum 80. Mal. Historiker schätzen die Zahl der Opfer auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion auf etwa 27 Millionen. Besonders stark von dem Vernichtungsfeldzug betroffen waren die heutigen Länder Belarus, Ukraine und Russland. «Niemand hatte in diesem Krieg mehr Opfer zu beklagen als die Völker der damaligen Sowjetunion», sagte Steinmeier. Diese Opfer aber seien nicht so stark in das kollektive Gedächtnis eingebrannt, wie ihr Leiden es fordere.


Portugal feiert «Wunder»: Vermisster Zweijähriger im Wald gefunden

LISSABON: Portugal feiert ein kleines Wunder: Ein seit dem frühen Mittwochmorgen vermisstes zweieinhalbjähriges Kind ist nach 40 Stunden in einem Waldgebiet der Gemeinde Proença-a-Velha lebend gefunden worden - in etwa vier Kilometer Entfernung von der Wohnung der Eltern. Der kleine Noah sei am Donnerstag kurz nach 20 Uhr (21 MESZ) von Passanten gesehen worden, die sofort die Polizei alarmiert hätten, berichteten die Zeitung «Diário de Notícias» und andere Medien am Freitag unter Berufung auf die Behörden.

Der Junge sei vermutlich weggelaufen, es gebe keine Hinweise auf Fremdverschulden, sagte ein Polizeisprecher. Das Kind weise leichte Kratzer auf und sei geschwächt, ansonsten gehe es ihm aber gut. Aus Sicherheitsgründen habe es die Nacht in einer Klinik in Castelo Branco ca. 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon verbracht.

Die Suche nach Noah, an der fast 130 Angehörige des Zivilschutzes, von Polizei und Feuerwehr mit Hilfe von Drohnen und Freiwilligen teilgenommen hatten, hatte ganz Portugal in Atem gehalten. Am Freitag war die gute Nachricht Hauptthema vieler TV-Sendungen und auch in den sozialen Netzwerken. Die Zeitung «Correio da Manha» und andere Medien titelten unisono: «Ein Wunder!».


Frau irrtümlich für tot erklärt

KEMEROWO: Weil ihre Bankkarte bei einer Leiche gefunden wurde, ist eine Frau in Russland irrtümlich für tot erklärt worden. Das sei nur deshalb bemerkt worden, weil die Frau im Februar keine Rente mehr überwiesen bekommen habe, teilte die Staatsanwaltschaft in der westsibirischen Stadt Kemerowo am Freitag der Staatsagentur Ria Nowosti zufolge mit.

Bei einer Nachfrage im zuständigen Amt sei ihr gesagt worden, dass sie angeblich im vergangenen November gestorben sei. Der Staatsanwaltschaft zufolge war in einem Wohnheim eine Frauenleiche gefunden worden - wegen der Bankkarte hätten die Ermittler ihr eine falsche Identität zugeordnet. Drei Polizisten würden nun zur Verantwortung gezogen, so die Staatsanwaltschaft. Unklar war zunächst, wie Bankkarte der lebendigen Frau zu der Leiche gelang.


Hunderte italienische Ausgrabungsfunde in Belgien beschlagnahmt

ROM: Ermittler haben Hunderte Kulturschätze einer heimlichen Ausgrabung von einem Kunstsammler in Belgien zurück nach Italien geholt. Es handle sich um rund 780 Stücke, die zusammen einen Marktwert von geschätzt elf Millionen Euro hätten, teilten die Carabinieri am Freitag mit. Die Aktion sei von der Staatsanwaltschaft im süditalienischen Foggia koordiniert und gemeinsam mit der EU-Behörde für justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (Eurojust) durchgeführt worden.

Die Sammlung des Belgiers stammte den Angaben zufolge von einer illegalen Ausgrabung in der Adria-Region Apulien im Süden Italiens. Die Funde seien europaweit ausgestellt worden, etwa in Genf und Paris, und seien sehr selten. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben seit 2017 in dem Fall ermittelt. Die Sammlung wurde demnach zurück nach Italien gebracht. Der Belgier wurde wegen Hehlerei und illegaler Ausfuhr angezeigt. Am Montag wollen die Ermittler auf einer Pressekonferenz in Bari nähere Informationen bekanntgeben.


Großbritannien will bessere Strafverfolgung von Vergewaltigungen

LONDON: Die britische Regierung will künftig sensibler mit Vergewaltigungsopfern umgehen und die Verfolgung solcher Sexualstraftaten verbessern. Es habe sich gezeigt, dass «der Prozess der Strafverfolgung in allen Stadien daran scheitere, die Beschwerden Tausender Opfer zu bewältigen», sagte der britische Justizminister Robert Buckland der BBC zu einem am Freitag veröffentlichten Untersuchungsbericht. Der Minister entschuldigte sich persönlich bei den Opfern für die Versäumnisse.

Der Anteil der angezeigten Fälle und die Zahl der Verurteilungen nach Vergewaltigungen ist in Großbritannien in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Dem Bericht zufolge gibt es jedes Jahr geschätzt rund 128.000 Vergewaltigungsfälle, von denen aber nur etwa jeder fünfte angezeigt wird. Lediglich in 1,6 Prozent der Fälle wird jemand verurteilt. Seit 2016 gab es bei der Zahl der strafrechtlich verfolgten Fälle laut dem Bericht einen «dramatischen Rückgang». Viele der Opfer, meistens Frauen, schrecken vor Anzeigen zurück, weil der Prozess als belastend gilt oder der Täter aus ihrem engeren privaten Umfeld ist.

Die neuen Pläne der britischen Regierung sehen vor, dass die Aussagen von Vergewaltigungsopfern per Video voraufgezeichnet werden können, um ihnen die oft belastende Situation der Aussage im Gerichtssaal zu ersparen. Außerdem soll die Auswertung ihrer Handys von Wochen und Monaten auf unter 24 Stunden beschleunigt werden, damit Betroffene in der schweren Zeit nach einer Vergewaltigung nicht auf Kontakte zu Freunden oder Familie verzichten müssen.

Die Pläne der Regierung wurden von Opposition und Opferorganisationen kritisch aufgenommen. Die Vorschläge gingen nicht weit genug, so der Vorwurf.


Überschwemmungen und Erdrutsche nach Unwettern in Südtirol

BOZEN: Schwere Unwetter, Überschwemmungen und Erdrutsche haben in Südtirol im Norden Italiens Schäden und Straßensperrungen verursacht. An einem Bach riss eine Mure ein Auto mit und verschüttete es teilweise, wie die Feuerwehr am Freitag mitteilte. Ein Mensch konnte demnach unverletzt in Sicherheit gebracht werden. Im Bezirk Bozen waren nach Angaben der Einsatzkräfte 15 Feuerwehren über mehrere Stunden im Einsatz.

Auf Fotos der Retter waren von Schlammmassen und Geröll überschwemmte Straßen zu sehen. Die Feuerwehr verbreitete auch ein Video, das braune Wassermassen zeigt, die einen Hang herunterschießen. Viele Straßen mussten zeitweise gesperrt werden, darunter auch die Brennerstaatsstraße zwischen Bozen und Brixen.


Fitnesstracker überführt Ehemann als Mörder

ATHEN: Wende in einem grausamen Kriminalfall: Ein 33 Jahre alter Grieche hat gestanden, seine 20 Jahre alte Frau im Beisein des gemeinsamen Babys erstickt zu haben. Das bestätigte am Donnerstagabend die griechische Polizei per Tweet. Überführt wurde der Mann durch die Daten des Fitnesstrackers seiner Frau - sie stimmten nicht mit seinen zeitlichen Angaben zum Geschehen überein.

Der Fall, der sich bereits am 11. Mai in einem Vorort Athens ereignete, hatte wegen seiner Brutalität ganz Griechenland geschockt. Der Mann hatte angegeben, die Familie sei nachts von drei Unbekannten überfallen worden. Sie hätten ihn gefesselt, Geld verlangt und dann die Frau vor seinen Augen und in Anwesenheit der elf Monate alten Tochter erstickt. Auch den Hund der Familie sei von den Tätern getötet worden, damit er nicht bellt. Die Polizei veröffentlichte Videos, die zwei der mutmaßlichen Täter auf einem Motorrad zeigten. Schnell geriet jedoch auch der Ehemann selbst in Verdacht.

Zum Verhängnis wurde ihm schließlich die Technik: Eine Auswertung des Fitness-Uhr der jungen Frau zeigte, dass sie in der betreffenden Nacht früher gestorben war, als der Mann angegeben hatte. Auch sei ihr Puls zuvor normal gewesen, obwohl er bei einem Raubüberfall sehr hoch hätte sein müssen, berichten griechische Medien unter Berufung auf Polizeikreise. Auch dass er selbst gefesselt gewesen sei, konnten die Beamten widerlegen: Sein Handy hatte sich im betreffenden Zeitraum innerhalb der Wohnung bewegt.

Der 33 Jahre alte Mann, von Beruf Hubschrauberpilot, hatte als mutmaßliches Opfer noch Interviews gegeben und gesagt, er wünsche niemandem das, was ihm widerfahren sei. Nun aber hat er laut griechischer Polizei nach einem erneuten mehrstündigen Verhör gestanden. Er gab an, seine Frau habe ihn verlassen und das Kind mitnehmen wollen. Auch das deckt sich mit den Erkenntnissen der Beamten: Die Frau hatte vor ihrem Tod online nach Hotels gesucht, um die gemeinsame Wohnung verlassen zu können.


Hitzewelle im Westen der USA mit rekordverdächtigen Temperaturen

PHOENIX: Der Westen der USA brütet unter einer anhaltenden Hitzewelle - vielerorts mit Temperaturen von mehr als 45 Grad Celsius. In den US-Bundesstaaten Kalifornien, Nevada, Arizona und Utah sei am Freitag und Samstag mit rekordverdächtigen Temperaturen zu rechnen, teilte der Nationale Wetterdienst mit und warnte vor «gefährlicher und exzessiver Hitze» in weiten Teilen der Staaten.

Laut Vorhersage sollte das Thermometer in Nevadas Casino-Stadt Las Vegas am Freitag Werte zwischen 45 und 48 Grad anzeigen. Für Phoenix, die Hauptstadt Arizonas, sagten Meteorologen Temperaturen von bis zu 46,1 Grad voraus. Am Donnerstag (Ortszeit) hatten Wetterbehörden dort bereits rekordverdächtige Werte von 47,7 Grad gemessen.

Nach Einschätzung von Wissenschaftlern verschärft der Klimawandel Trockenheit, Hitze und Wetterextreme, die zu heftigeren Waldbränden beitragen können. Der Westen der USA erlebte im vergangenen Jahr eine äußerst heftige Waldbrandsaison.


Motorrad-Stuntman stirbt kurz vor Weltrekordversuch

BERLIN: Der US-amerikanische Motorrad-Stuntman Alex Harvill ist kurz vor einem Weltrekordversuch auf seiner Maschine verunglückt. Der 28-Jährige starb bei einem Probesprung auf dem Flughafen von Grant County im Bundesstaat Washington, wie der Sheriff des Counties am Donnerstag (Ortszeit) auf Facebook mitteilte. Demnach sollte am Freitag eine Autopsie durchgeführt werden, um die genaue Todesursache zu bestimmen.

Nach Angaben der Veranstalter wollte Harvill am Donnerstag versuchen, den Rekord für den weitesten Sprung von einer Rampe zu brechen - dieser liegt den Angaben zufolge bei 107 Metern. Der Unfall habe sich bei der Vorbereitung auf den Sprung ereignet.

Der Stuntman hatte bereits einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für einen Motorradsprung aus dem Jahr 2013. Nach Angaben des Promi-Portals «TMZ» war Harvill im vergangenen Monat zum zweiten Mal Vater geworden.


«Washington Post»: Republikaner müssen bei «Obamacare» kooperieren

WASHINGTON: Der oberste Gerichtshof der USA hat eine Klage gegen die Gesundheitsreform abgewiesen, die in der Amtszeit des früheren Präsidenten Barack Obama eingeführt wurde. Dazu schreibt die «Washington Post»:

«Dies sollte kein Schock sein; die Klage (von Texas und anderen republikanisch geführten US-Bundesstaaten, die Teile der Gesundheitsreform für verfassungswidrig erklären lassen wollten,) basierte auf fadenscheinigen Argumenten, bei denen selbst viele Erzkritiker des ACA («Affordable Care Act») einräumten, sie seien falsch. (...)

Die Bereitschaft, den ACA als geltendes Recht zu akzeptieren, würde dem Kongress die Voraussetzungen für Verbesserungen bieten. (...) Anstatt ihren Kreuzzug fortzusetzen, eine erfolgreiche Regelung zu untergraben, (...) ist es höchste Zeit, dass die Republikaner dazu beitragen, dass sie besser funktioniert. (...)

Das Land hat sich das Prinzip zu eigen gemacht, dass die Regierung sicherstellen sollte, dass alle Amerikaner Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung haben. Republikaner sollten endlich aufrichtig kooperieren, um dies zu verwirklichen.»


Kim: Nordkorea zu Konfrontation und Dialog mit den USA bereit

PJÖNGJANG: Nordkorea muss sich nach den Worten von Machthaber Kim Jong Un zugleich zum Dialog und zur Konfrontation mit den USA bereithalten. Kim betonte jedoch am dritten Tag eines Treffens des Zentralkomitees der herrschenden Arbeiterpartei am Donnerstag in Pjöngjang, dass es nötig sei, «sich besonders auf Konfrontation vollständig vorzubereiten». Es gelte, die Würde des Staats und seine Interessen für eine unabhängige Entwicklung zu schützen, wurde Kim am Freitag von den Staatsmedien zitiert. Kim ist auch Parteichef.

Die international isolierte Führung in Pjöngjang hatte sich bisher mit Blick auf die neue Nordkorea-Politik Washingtons abwartend verhalten. US-Regierungsvertreter beschrieben den neuen Ansatz als «abgestufte praktische Herangehensweise», um im Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm eine Verhandlungslösung zu finden. Weitere Details wurden bisher nicht bekannt. Die Verhandlungen zwischen beiden Ländern kommen seit dem gescheiterten Gipfeltreffen Kims mit dem früheren US-Präsidenten Donald Trump im Februar 2019 in Vietnam nicht mehr voran.

Kim ging nicht direkt auf den Kurs der US-Regierung ein. Jedoch hieß es, er habe beim Parteitreffen eine «detaillierte Analyse der politischen Tendenz der neu eingesetzten US-Regierung gegenüber unserer Republik» vorgelegt. Bereits im März hatte Nordkorea der Biden-Regierung eine feindselige Politik vorgeworfen.

Beim Treffen des Zentralkomitees soll die bisherige Umsetzung der wichtigsten politischen Vorgaben für dieses Jahr analysiert werden. Bei einem Parteikongress im Januar hatte Nordkorea einen neuen wirtschaftlichen Entwicklungsplan für die nächsten fünf Jahre vorgelegt. Zum Beginn des Komitee-Treffens am Montag hatte Kim die Bevölkerung auf eine schlechtere Versorgung mit Nahrungsmitteln eingestellt.


Präsidentenwahl im Iran angelaufen - Machtwechsel erwartet

TEHERAN: Die Präsidentenwahl im Iran hat begonnen. Mehr als 59 Millionen Stimmberechtigte wählen am Freitag einen Nachfolger für Präsident Hassan Ruhani, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten durfte. Wegen der Corona-Krise wurde die Öffnungszeit der Wahllokale verlängert und ihre Zahl auf mehr als 70.000 erhöht. Erste Ergebnisse werden laut Innenministerium am Samstag oder spätestens Sonntag erwartet. Der neue Präsident soll dann im August vereidigt werden.

Nach der Wahl erwarten Beobachter einen politischen Machtwechsel. Von den zunächst sieben zugelassenen Kandidaten gingen am Wahltag nur noch vier ins Rennen. Ein erzkonservativer Kleriker, ein Reformer, ein ehemaliger General und ein Hardliner. Als klarer Favorit wird der Kleriker und Justizchef Ebrahim Raeissi gehandelt. Außenseiterchancen werden dem reformorientierten Ökonomen Abdolnasser Hemmati eingeräumt, der insbesondere auf Proteststimmen hofft.


«Reaktion auf Brandballons»: Israel attackiert Ziele im Gazastreifen

GAZA/JERUSALEM: Israels Luftwaffe hat nach eigenen Angaben mehrere Militäreinrichtungen und einen Raketenstartplatz der islamistischen Hamas im Gazastreifen beschossen. Der Angriff sei eine «Reaktion auf Brandballons» gewesen, die zuvor aus dem Küstengebiet in Richtung Israel losgeschickt worden seien, teilte das Militär in der Nacht zu Freitag über Twitter mit. Die Armee befinde sich in erhöhter Bereitschaft «für verschiedene Szenarien und wird ihre Angriffe auf Hamas-Terrorziele in Gaza fortsetzen», hieß es.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte das Militär Luftangriffe auf militärische Einrichtungen der Palästinenserorganisation im Gazastreifen geflogen. Es waren die ersten seit Inkrafttreten der Waffenruhe mit der Hamas vor vier Wochen gewesen. Auch diese Luftangriffe waren mit vorherigen Brandballon-Attacken begründet worden. Militante Palästinenser lassen immer wieder solche mit Spreng- und Brandsätzen beladenen Ballons über die Grenze nach Israel fliegen, um dort Schäden zu verursachen.

Israels Streitkräfte hatten sich im vergangenen Monat einen elftägigen Konflikt mit militanten Palästinensern im Gazastreifen geliefert. Dabei wurden in Israel nach Behördenangaben 13 Menschen getötet, in Gaza starben palästinensischen Darstellungen zufolge 255 Menschen. Ägypten vermittelte schließlich eine Waffenruhe zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas, die am 21. Mai in Kraft trat.


Wieder Journalist erschossen

TEHUANTEPEC: Erneut ist in Mexiko ein Journalist getötet worden. Der Lokalreporter Gustavo Sánchez wurde am Donnerstagmorgen (Ortszeit) in der Nähe der Pazifikküste im Süden des Landes von Unbekannten erschossen, wie die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Oaxaca mitteilte. Er war demnach mit einer anderen Person per Motorrad auf einem Weg zwischen zwei kleinen Orten unterwegs, als auf sie das Feuer eröffnet wurde. Zum Zustand und der Identität der zweiten Person gab es zunächst keine Angaben.

Mexiko ist eines der gefährlichsten Länder für Journalisten. Gleich acht wurden dort im vergangenen Jahr nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen wegen oder bei ihrer Arbeit getötet - mehr als in jedem anderen Staat. Insgesamt gibt es in dem nordamerikanischen Land mit rund 126 Millionen Einwohnern im Schnitt fast 100 Morde am Tag - in Deutschland waren es im gesamten vergangenen Jahr 245. Aufgeklärt werden die allermeisten Taten in Mexiko nie.

Bisweilen kommt es allerdings zu Urteilen wie dem gegen einen der Mörder des 2017 erschossenen Journalisten Javier Valdez. Der Auftragskiller wurde am Donnerstag zu 32 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, wie die Menschenrechtsorganisation Propuesta Cívica mitteilte. Am Dienstag war zudem ein ehemaliger Bürgermeister wegen Beteiligung am Mord an der Journalistin Miroslava Breach, ebenfalls 2017, zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Gustavo Sánchez hatte für Online-Medien in der Isthmus-Region von Oaxaca über Lokalnachrichten berichtet. Nach Angaben mehrerer Organisationen zum Schutz von Journalisten hatte er vergangenen Juli bereits ein Attentat überlebt. Auch danach sei er bedroht worden und habe die Behörden um Schutz gebeten. «Wir bedauern, dass die Schutzmaßnahmen des [mexikanischen Innenministeriums] zu spät kamen», teilte Reporter ohne Grenzen über Twitter mit.


Montenegros Parlament entlässt Justizminister wegen Genozid-Äußerung

PODGORICA: Das Parlament in Montenegro hat am Donnerstagabend Justizminister Vladimir Leposavic wegen untragbarer Äußerungen zum Massaker von Srebrenica aus dem Amt entlassen. Der pro-serbische Politiker hatte im März öffentlich den Völkermord-Charakter der Kriegsverbrechen in Zweifel gezogen, die bosnisch-serbische Truppen im Juli 1995 an muslimischen Einwohnern der ostbosnischen Enklave Srebrenica begangen hatten.

Der Entlassungsvorschlag von Ministerpräsident Zdravko Krivokapic fand bei der Abstimmung im Parlament nur deshalb eine Mehrheit, weil die pro-westliche Oppositionspartei DPS dafür stimmte. Aus dem Regierungslager votierte lediglich die kleine pro-westliche Partei URA für die Abberufung des Ministers. Die pro-serbische Demokratische Front (DF), die die Hauptstütze der Regierung Krivokapic darstellt, stimmte dagegen. Der Regierungschef selbst ist parteilos und steht der serbisch-orthodoxen Kirche nahe. Seine Regierung ist seit Dezember im Amt.

Die neue Koalition, die von konservativen pro-serbischen und liberalen pro-westlichen Kräften unterstützt wird, gilt als zerbrechlich. Die Entlassung von Leposavic stieß die DF nun völlig vor den Kopf, ohne die - wie sich am Donnerstag zeigte - die Regierung Krivokapic nur mehr noch zusammen mit der oppositionellen Präsidentenpartei eine Mehrheit hat.


Unwetter im Südwesten Frankreichs - Tausende Haushalte ohne Strom

PARIS: Heftige Gewitter sind am Donnerstagabend über Teile Frankreichs gezogen.

Hagel, Starkregen und Windböen richteten vor allem im Südwesten des Landes große Schäden an. Tausende Haushalte etwa in der Region Okzitanien waren ohne Strom, wie mehrere Medien berichteten. Die Regionalzeitung «La Dépêche du Midi» berichtete dort von zahlreichen gesperrten oder unbefahrbaren Straßen. Etliche Bäume seien wegen des heftigen Windes umgestürzt. Mindestens zwei Menschen seien verletzt worden. Für weite Teile Frankreichs hatte der Wetterdienst Météo-France wegen der Hitzegewitter die hohe Warnstufe Orange ausgerufen.

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