Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Neues aus dem Ausland am Donnerstag

FDA-Gremium empfiehlt Corona-Auffrischungsimpfungen mit Moderna

WASHINGTON: Nach der Genehmigung von Corona-Auffrischungsimpfungen für ältere Menschen und Risikogruppen mit dem Mittel von Biontech/Pfizer hat sich ein Expertengremium der US-Arzneimittelbehörde FDA auch für solche Impfungen mit dem Mittel von Moderna ausgesprochen. Mit Moderna geimpfte Menschen, die älter als 65 Jahre sind, sowie jüngere, die wegen Vorerkrankungen oder ihrem Job einem höheren Risiko ausgesetzt sind, sollten mindestens sechs Monate nach ihrer bisherigen zweiten Impfdosis eine Auffrischungsimpfung mit einer halben Dosis des Mittels bekommen, entschied das Gremium am Donnerstag. Die Empfehlungen des Gremiums sind nicht bindend, typischerweise folgt die FDA ihnen aber.

Zuvor hatte die FDA eine Auffrischungsimpfung für ältere Menschen und Risikogruppen mit dem Mittel von Biontech/Pfizer bereits genehmigt, diese Impfungen sind in den USA auch schon angelaufen.

Am Freitag will das Expertengremium über mögliche Booster-Impfungen für Menschen beraten, die mit dem Mittel von Johnson & Johnson geimpft wurden. Rund 170 Millionen Menschen in den USA sind mit den Mitteln von Biontech/Pfizer oder Moderna geimpft, rund 15 Millionen mit dem von Johnson & Johnson.


UN: Humanitäre Krise im Norden Äthiopiens spitzt sich zu

NAIROBI: Die humanitäre Krise im Norden Äthiopiens spitzt sich nach Angaben des UN-Nothilfebüros (OCHA) weiter zu. Die Versorgung der Notleidenden vor allem in der Krisenregion Tigray sei weiterhin stark eingeschränkt, hieß es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Die Auslieferung lebensrettender Medikamente und Impfstoffe gegen Polio und Masern nach Tigray werde weiterhin blockiert. Auch die Versorgung von mehr als 5,2 Millionen Menschen mit Lebensmitteln und Wasser sei nur unzureichend möglich.

Berichten zufolge soll die Zentralregierung in Addis Abeba Anfang der Woche eine neue Militäroffensive in der Region begonnen haben. OCHA bezeichnete die Sicherheitslage als «unberechenbar», in den Grenzregionen Tigrays habe es in der vergangenen Woche Zusammenstöße gegeben.

Premierminister und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed hatte im November eine Militäroffensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die bis dahin dort an der Macht war. Die TPLF dominierte Äthiopien gut 25 Jahre lang, bis Regierungschef Abiy 2018 an die Macht kam und sie verdrängte. Viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und fordern mehr Autonomie. Seit Anfang August hat sich der Konflikt auf die Nachbarregionen Afar und Amhara ausgeweitet.

Hilfsorganisationen haben wegen der Sicherheitslage und bürokratischer Hürden nur einen eingeschränkten Zugang zu den Notleidenden. Beiden Konfliktparteien wird vorgeworfen, humanitäre Hilfe zu untergraben. Ende September hatte die äthiopische Regierung sieben leitende Mitarbeiter humanitärer UN-Organisationen des Landes verwiesen. Auch andere Hilfsorganisationen wie beispielsweise Ärzte ohne Grenzen (MSF) mussten die Arbeit teilweise oder ganz einstellen.


Tausende demonstrieren für Freilassung von Ex-Präsident

TIFLIS: In der Georgien haben Tausende Menschen für die Freilassung des inhaftierten Ex-Präsidenten Michail Saakaschwili demonstriert. Die Protestler zogen am Donnerstag ins Zentrum der Hauptstadt Tiflis und riefen «Freiheit für Mischa». Der 53 Jahre alte Politiker lebte bis vor kurzem in der Ukraine. Er wurde Anfang Oktober nach seiner Rückkehr in die Südkaukasus-Republik festgenommen. Wegen Amtsmissbrauchs wurde er in seiner Heimat per Haftbefehl gesucht.

Saakaschwili war von 2004 bis 2013 Präsident der am Schwarzen Meer gelegenen Ex-Sowjetrepublik. Er setzte unter anderem prowestliche Reformen durch. Nach seiner Abwahl wurde der Politiker, der die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzt, in Abwesenheit zu mehreren Haftstrafen verurteilt. In der Ukraine hatte Saakaschwili zuletzt einen Beraterposten inne. Seine Festnahme sorgte auch für Spannungen mit Kiew.

Kurz nach der Festnahme landete die von Saakaschwili gegründete Oppositionspartei Vereinigte Nationale Bewegung bei der Kommunalwahl mit 30,7 Prozent auf dem zweiten Platz hinter der Regierungspartei Georgischer Traum. Georgien mit seinen 3,7 Millionen Einwohnern befindet sich seit der Parlamentswahl im Herbst vergangenen Jahres in einer politischen Krise: Die Opposition beklagte damals Fälschungen und boykottierte zwischenzeitlich die Arbeit in der Volksvertretung.


Armee in Nigeria verkündet Tod des IS-Anführers in Westafrika

LAGOS: Der Anführers der Terrormiliz Islamischer Staat in Westafrika, Abu Musab al-Barnawi, soll nach Angaben des Militärs in Nigeria tot sein. Er könne bestätigen, dass Al-Barnawi tot sei, sagte General Lucky Irabor am Donnerstag in der Hauptstadt Abuja.

Irabor äußerte sich nicht dazu, wie und wann Al-Barnawi gestorben sein soll. Die Informationen konnten nicht unabhängig überprüft werden. In der Vergangenheit hat das nigerianische Militär Angaben über die Tötung von Milizenführern verbreitet, die sich später als falsch herausstellten.

Die Miliz Islamic State West Africa Province (ISWAP) spaltete sich im August 2016 von der islamistischen Miliz Boko Haram ab. Beide Milizen sind an blutigen Kämpfen in Nigeria und im westlichen Afrika beteiligt, durch die in der gesamten Region sehr viele Menschen gestorben und vertrieben worden sind. Die Bundeswehr ist mit derzeit etwa 1200 Bundeswehrsoldaten Teil einer UN-Mission und einer EU-Ausbildungsmission im westafrikanischen Mali.


USA kehren in den UN-Menschenrechtsrat zurück

NEW YORK: Nach ihrem Rückzug unter Präsident Donald Trump werden die USA wieder Teil des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen. Die Vereinigten Staaten wurden am Donnerstag von der UN-Vollversammlung in New York in das 47-köpfige Gremium mit Sitz in Genf gewählt. Auch 17 weitere Länder werden für die Zeit von 2022 bis Ende 2024 Teil des Rates sein - darunter Indien, Argentinien und Luxemburg sowie die für ihre Menschenrechtslage kritisierten Länder Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Eritrea. Für keinen der Sitze, die nach einem geografischen Schlüssel vergeben werden, gab es konkurrierende Bewerber.

«Wir werden hart arbeiten, um sicherzustellen, dass der Rat seine höchsten Bestrebungen wahrt und diejenigen, die weltweit gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei kämpfen, besser unterstützt», teilte US-Außenminister Antony Blinken nach der Abstimmung mit. Die Wahrung von demokratischen Werten wie Freiheit, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit sei der Grundpfeiler der Regierung von Präsident Joe Biden.

Der Menschenrechtsrat hat immer wieder kritische Berichte über die Verletzung der Menschenrechte in einigen Konflikten erstellt. Andererseits werfen ihm Kritiker vor, Missstände bei Großmächten wie China nicht ausreichend zu verurteilen. Es kommt auch immer wieder vor, dass Länder vertreten sind, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.

Die Trump-Regierung hatte das Gremium unter anderem auch deshalb als Unglaubwürdigkeit bezeichnet. Die USA kündigen im Juni 2018 unter Trump den Rückzug aus dem Menschenrechtsrat - auch wegen seiner häufigen Kritik an Israel. Auch die USA gerieten wegen Rassismus-Vorwürfen ins Visier des Rates.


Taliban-Delegation trifft türkischen Außenminister in Ankara

ISTANBUL: Erstmals seit der Machtübernahme in Afghanistan ist eine Delegation der Taliban zu Gesprächen in die Türkei gereist. Man habe bei dem Treffen etwa betont, wie wichtig es sei, Frauen und Mädchen den Schulbesuch und das Arbeiten zu erlauben, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Donnerstag nach dem Treffen. Die Taliban hätten die Türkei ihrerseits gebeten, weiter in Afghanistan zu investieren und Hilfe zu leisten.

Nach der Machtübernahme hatten die militant-islamistischen Taliban Schülerinnen der 7. bis 12. Klasse den Schulbesuch untersagt. Demnach dürfen sie den Unterricht erst wieder aufnehmen, wenn ein «sicheres Lernumfeld» geschaffen sei. Universitäten dürfen junge Frauen besuchen, allerdings nur in nach Geschlechtern getrennten Seminaren. Jungen dürfen seit dem 17. September landesweit wieder in die Schulen gehen.

Die Taliban hatten Ende August erklärt, eine enge Zusammenarbeit mit der Türkei anzustreben, etwa in Wirtschaft und Bildung. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte erklärt, sein Land wolle den Taliban beim Aufbau von Infrastruktur helfen.

Die Türkei hat ihre Soldaten aus Afghanistan abgezogen. Während andere Länder ihre diplomatischen Vertretungen in Kabul geschlossen haben, ist die türkische Botschaft weiter offen.


Kein Durchbruch bei Atomberatungen zwischen dem Iran und der EU

TEHERAN: Die Atomberatungen zwischen Vertretern der Europäischen Union und des iranischen Außenministeriums in Teheran sind ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen. Beide Seiten einigten sich auf eine Fortsetzung in den kommenden Tagen in Brüssel, wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete.

Hintergrund des Treffens sind Bemühungen, die Verhandlungen über eine Rückkehr zum Wiener Atomabkommen von 2015 wieder aufzunehmen. Diese sind seit der iranischen Präsidentenwahl im Juni und dem Regierungswechsel in Teheran unterbrochen. China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland bemühen sich darum, dass die USA wieder zu dem Abkommen zurückkehren und der Iran seine Verpflichtungen wieder einhält. Das Wiener Abkommen sollte verhindern, dass der Iran Atomwaffen baut. Im Gegenzug sollten Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden.

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hatte die Vereinbarung 2018 aufgekündigt, Wirtschaftssanktionen gegen den Iran erneuert und auch die ausländischen Konten des Landes wieder gesperrt. Die Sanktionen sind mitverantwortlich für die die bislang schlimmste Wirtschaftskrise des Landes.

Als Reaktion auf die US-Sanktionen begann Teheran 2019 die ihm im Abkommen auferlegten technischen Beschränkungen zu überschreiten. Unter anderem erhöhte das Land die Urananreicherung von den erlaubten 3,67 auf 60 Prozent. Dieser Reinheitsgrad bereitet vielen Ländern Sorgen, weil solches Material sehr schnell zu waffenfähigem Uran für Atomsprengköpfe weiterverarbeitet werden könnte.


Brüder retten Mann bei Brand im fünften Stock von Hausfassade

LYON: Mit einer mutigen Aktion haben zwei Brüder im französischen Lyon bei einem Wohnungsbrand im fünften Stock einen an der Fassade hängenden Mann gerettet. Als der Mann am Donnerstag um Hilfe rief und bereits dichter Qualm aus dem Fenster drang, rannten die zwei in das Gebäude, berichtete der Sender BFMTV. «Halt dich fest, wir kommen», rief einer der beiden dem Mann zu. Einer der Brüder beugte sich weit aus einem Fenster neben der Wohnung, während der andere sein Bein festhielt.

So gelang es dem Helfer, den Arm des Mannes an der Fassade zu greifen und ihn durchs Fenster ins Haus zu ziehen. Nach der Rettungsaktion, die ein Passant mit dem Handy filmte, trugen die Brüder den Mann das Treppenhaus herunter ins Freie. «Er konnte nicht mehr laufen, wir mussten ihn tragen.» Verletzt wurde trotz der Dramatik niemand, das Hausdach wurde durch die Flammen beschädigt.


Norwegische Polizei: Motiv des Täters von Kongsberg unklar

OSLO: Der Sicherheitsdienst der norwegischen Polizei ist mit seiner Einschätzung des tödlichen Angriffs in Kongsberg als Terrorhandlung am Donnerstag ein wenig zurückgerudert. In einer Pressekonferenz sagte der Chef des PST: «Die Tat wirkt wie ein Terrorakt, aber wir kennen die Beweggründe des Täters nicht.»

Der 37-jährige Däne, der beschuldigt wird, am Mittwochabend in der norwegischen Kleinstadt Kongsberg fünf Menschen getötet zu haben, sei im Gesundheitswesen ein- und ausgegangen. PST-Chef Hans Sverre Sjøvold betonte, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Es sei aber richtig, dass der Mann dem PST bekannt gewesen sei.

Die Staatsanwältin teilte unterdessen mit, dass der Mann eine umfassende Erklärung abgegeben habe. Er habe sein Tun auch begründet, doch man wolle die Details nicht der Öffentlichkeit mitteilen. Bislang wurde der Mann nicht konkret des Terrors beschuldigt.

Ein alter Jugendfreund des inhaftierten Mannes sagte in einem Interview mit der Internetzeitung «Nettavisen», er habe die Polizei bereits 2017 informiert, dass er seinen Freund für gefährlich halte. Norwegische Medien berichteten über Youtube-Videos, in denen ein Mann, bei dem es sich um den Verdächtigen handeln soll, sich als Muslim bezeichne und eine Handlung angekündige. Ein Sprecher des Sicherheitsdienstes sagte, er kenne das Video nicht und könne auch nicht bestätigen, dass es sich darin um den Inhaftierten handelt. Es sei aber sehr wahrscheinlich.


Nach Gewalttat in Norwegen: Medien übernehmen erfundenen Täternamen

BERLIN: Nach der Gewalttat von Kongsberg kursiert ein falscher Name des mutmaßlichen Täters im Netz. Mehrere internationale Medien fielen offenbar sogenannten Internet-Trollen zum Opfer und übernahmen den ausgedachten Namen «Rainer Winklarson» - eine Anlehnung an den bürgerlichen Namen des Videobloggers «Drachenlord», Rainer Winkler, der auf der Plattform Youtube mehr als 150.000 Abonnenten hat.

Der Youtuber hat über die Jahre im Internet zweifelhaften Ruhm erlangt und ist immer wieder das Ziel von Spott und Häme seines Publikums. Es kam wiederholt zu Polizeieinsätzen im mittelfränkischen Altschauerberg, wo sich Hunderte Leute versammelten, um Winkler zu provozieren. Es ist denkbar, dass auch diese Aktion erneut nur diesem Zweck diente. Auch die Polizei Mittelfranken wies auf Twitter darauf hin, dass es sich um Falschinformationen handelt.

Auf Twitter kursierten mehrere Fotos, die Winkler beim Bogenschießen zeigen. Es wurde behauptet, darauf sei «Rainer Winklarson» beim Training zu sehen. Auch solle er eine Ankündigung der Tat veröffentlicht haben. Während viele Internetnutzer den Namen direkt als Anspielung erkannten, übernahmen vor allem internationale Medien die Falschinformation, darunter italienische, griechische und französische Nachrichtenseiten.

Festgenommen wurde nach der Gewalttat am Mittwochabend ein 37-jähriger Däne. Die Polizei geht davon aus, dass er allein gehandelt hat. Der Sicherheitsdienst der norwegischen Polizei (PST) stufte den tödlichen Angriff inzwischen als Terrorhandlung ein. Die zuständige Staatsanwältin hatte mitgeteilt, der Mann habe gestanden.


Polens Parlament billigt Bau von Befestigung an Grenze zu Belarus

WARSCHAU: Polens Parlament hat den Plan der Regierung zum Bau einer dauerhaften Befestigung an der Grenze zu Belarus gebilligt. Hintergrund ist der wachsende Andrang von Migranten aus Krisengebieten, die über Belarus illegal in die EU einreisen wollen. Bei der Abstimmung am Donnerstag unterstützte die Mehrheit der Abgeordneten das Projekt, das laut Innenminister Mariusz Kaminski den Bau der «soliden, hohen Barriere, die mit einem Überwachungssystem und Bewegungsmeldern» vorsieht. Polnische Regierungsvertreter reden von einer «Barriere» oder «Sperre» - sie vermeiden den Begriff «Mauer», der von der Opposition verwendet wurde.

Die Regierung in Warschau beschuldigt den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, in organisierter Form Flüchtlinge aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Lukaschenko hatte Ende Mai angekündigt, sein Land werde Migranten nicht mehr an der Weiterreise in die EU hindern - als Reaktion auf verschärfte westliche Sanktionen.

Polen hat bereits Ende August mit dem Bau eines provisorischen Zauns entlang der Grenze begonnen. Dabei handelt es sich um einen Stacheldrahtverhau von etwa 2,50 Metern Höhe, der von Soldaten der polnischen Armee errichtet wird. Dieser soll nun von einer dauerhaften Barriere ersetzt werden. Für das Projekt ist ein Etat von umgerechnet 366 Millionen Euro vorgesehen. Nachdem der Sejm, die erste Kammer des Parlaments, dem Gesetzentwurf zugestimmt hat, geht er nun an die zweite Kammer, den Senat.


Sloweniens Premier attackiert EU-Abgeordnete - Präsident kontert

BRÜSSEL: Nach mehreren Twitter-Attacken auf EU-Abgeordnete hat der Präsident des Europaparlaments David Sassoli den slowenischen Regierungschef Janez Jansa zur Ordnung gerufen. Man fordere Jansa dringend dazu auf, die Provokationen zu unterlassen, schrieb der Italiener am Donnerstag auf Twitter. «Angriffe auf Mitglieder dieses Hauses sind auch Angriffe auf europäische Bürger.» Der Streit ist besonders brisant, weil Slowenien derzeit turnusgemäß den Vorsitz der EU-Staaten innehat. Eine konstruktive Zusammenarbeit könne nur auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt beruhen, schrieb Sassoli.

Derzeit sind Mitglieder des Justizausschusses in Slowenien unterwegs, um sich ein Bild etwa von Rechtsstaat und Medienfreiheit in dem Land zu machen. Auf Twitter warf Jansa ihnen Voreingenommenheit vor und fragte, wie oft sie schon einen deutschen Kanzler, niederländischen Premier oder französischen Präsidenten besucht hätten.

Jansa teilte am Donnerstag unter anderem ein Bild auf Twitter, auf dem US-Milliardär George Soros in der Mitte eines Netzes mehrerer EU-Abgeordneter abgebildet ist. Dies seien «Soros-Marionetten im EU-Parlament», stand dabei. Soros ist ein aus Ungarn stammender Holocaust-Überlebender, der mit seiner Stiftung zahlreiche Zivilorganisationen unterstützt. Unter anderem ist auf dem Bild auch die Leiterin der Slowenien-Delegation Sophie in 't Veld zu sehen.

Kritiker werfen Jansa, dessen Partei wie CDU und CSU zur christdemokratischen Parteienfamilie in Europa gehört, seit längerem vor, unter anderem unabhängige Medien in Slowenien unter Druck zu setzen. Im März war es im Europaparlament zum Eklat gekommen, nachdem Jansa bei einer Anhörung zur Lage der Medien in seinem Land geforderte hatte, dass ein von ihm vorgelegtes Video gezeigt werde. Nachdem ihm der Wunsch verwehrt wurde, kam es zum hitzigen Wortwechsel mit der Ausschussvorsitzenden in 't Veld. Schließlich verließ Jansa den Webstream, ohne sich zu verabschieden.


Kanzlerin Merkel erhält in Belgien höchsten Orden des Königshauses

BRÜSSEL: Bundeskanzlerin Angela Merkel erhält an diesem Freitag den höchsten vom belgischen Königshaus vergebenen Verdienstorden. Die Auszeichnung «Grand Cordon de l'Ordre de Léopold» soll am Mittag bei einem Besuch Merkels auf dem Schloss zu Laeken im Norden Brüssels verliehen werden. Dorthin hat König Philippe die CDU-Politikerin zusammen mit dem belgischen Premierminister Alexander De Croo zu einem Essen eingeladen.

Am Nachmittag wollen Merkel und De Croo dann im Egmont-Palast im Zentrum der Stadt über die internationalen und europäischen Bemühungen zur Begrenzung des Klimawandels und den Ende der kommenden Woche anstehenden EU-Gipfel reden. Bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten am kommenden Donnerstag und Freitag sollen insbesondere die jüngst stark angestiegenen Energiepreise ein Thema sein.

Nach den politischen Gesprächen und einer Pressekonferenz wird Merkel auf Einladung von De Croo an einem Konzert sowie einem sich anschließenden Abendessen teilnehmen.


Biden trifft Papst Franziskus Ende Oktober in Rom

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden will vor dem G20-Gipfel Ende Oktober in Rom Papst Franziskus treffen. Die Audienz gemeinsam mit Bidens Ehefrau Jill ist für den 29. Oktober geplant, wie das Weiße Haus am Donnerstag mitteilte. Themen seien die Achtung der Menschenwürde sowie der Kampf gegen die Covid-19-Pandemie, die Klimakrise und die Armut. Biden ist der erste Katholik im Weißen Haus seit John F. Kennedy und betont stets, dass der Glaube ihm dabei geholfen habe, persönliche Tragödien durchzustehen.

Weitere Informationen zu möglichen Treffen mit Staats- und Regierungschefs am Rande des Gipfels sollten noch bekanntgegeben werden, so das Weiße Haus weiter. Biden reist nach dem Gipfel weiter zum Klimagipfel nach Glasgow. Nach dem schweren Zerwürfnis im U-Boot-Streit zwischen den USA und Frankreich hatten Biden und der französische Staatschef Emmanuel Macron zuletzt angekündigt, sich Ende Oktober in Europa zu treffen. Es war offen, ob das Gespräch am Rande des Gipfels in Rom stattfinden wird.


Kolumbien startet Kartenausgabe für Schutz venezolanischer Migranten

BOGOTÁ: Mehr als ein halbes Jahr nach der Ankündigung eines temporären Schutzstatus für fast eine Million venezolanischer Migranten ist Kolumbiens Regierung einen wichtigen Schritt vorangekommen. Der kolumbianische Präsident Iván Duque überreichte die erste Karte, die die Migranten aus dem Nachbarland als Begünstigte des Schutzstatus ausweist, in der Metropolregion Bogotá an den 49 Jahre alten Venezolaner Oscar Enrique Soto, wie in einem offiziellen Video in der Nacht auf Donnerstag (Ortszeit) zu sehen war.

Der neue Schutzstatus soll zehn Jahre gelten. Er soll auch rund 800.000 Venezolanern, die bereits mit temporären Genehmigungen in dem südamerikanischen Land sind, mehr Sicherheit geben. Sie müssen demnach keine neuen Papiere beantragen.

«Diese mutige humanitäre Geste dient als Beispiel für die Region und den Rest der Welt», hatte UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi im Februar gesagt, als Kolumbien den temporären Schutzstatus vorstellte. «Es ist eine lebensverändernde Geste für die 1,7 Millionen vertriebenen Venezolaner, die nun von zusätzlichem Schutz, Sicherheit und Stabilität profitieren werden.» Der vorübergehende Schutzstatus ermöglicht auch den Zugang zur Grundversorgung, einschließlich des Gesundheitssystems und der Covid-19-Impfung.

Kolumbien hat offiziell an die 1,8 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen, mehr als jedes andere Land. Rund 5,6 Millionen Menschen haben Venezuela angesichts von Armut und Gewalt verlassen, das einst reiche südamerikanische Land steckt in einer tiefen Krise.


Weitere Leiche in Polens Grenzgebiet zu Belarus entdeckt

WARSCHAU: In Polens Grenzgebiet zu Belarus hat die Polizei eine weitere Leiche gefunden. Bei dem Toten handele es sich um einen 24-Jährigen aus Syrien, der sich zuletzt in Belarus aufgehalten habe, sagte ein Sprecher der Polizei in der Woiwodschaft Podlachien am Donnerstag der Agentur PAP. Dies gehe aus den Dokumenten hervor, die bei dem Mann gefunden wurden. Den Angaben zufolge hatte die Besatzung eines an der Grenze patrouillierenden Polizeihubschraubers die Leiche des Mannes am Mittwoch auf einem Feld in der Nähe des Dorfes Klimowka entdeckt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Regierung in Warschau beschuldigt den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, in organisierter Form Flüchtlinge aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Lukaschenko hatte Ende Mai angekündigt, dass Minsk Migranten nicht mehr an der Weiterreise in die EU hindern werde - als Reaktion auf verschärfte westliche Sanktionen.

Laut PAP markiert der Leichenfund den fünften bekannten Todesfall unter Migranten an der polnisch-belarussischen Grenze. Die Angaben von Grenzschutz und Polizei lassen sich nicht unabhängig überprüfen, da Polen in der Grenzregion zu Belarus den Ausnahmezustand verhängt hat. Journalisten und Vertreter von Hilfsorganisationen dürfen nicht hinein.

Mitte September hatte Regierungschef Mateusz Morawiecki darüber informiert, dass die Leichen von drei Menschen im Grenzgebiet entdeckt worden seien. Wenige Tage später berichtete der Grenzschutz, dass ein Mann aus dem Irak an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben sei, nachdem die Grenzer ein Gruppe von Migranten angehalten hatten.


Washington und Athen bauen militärische Kooperation aus

ATHEN/WASHINGTON: Die Vereinigten Staaten und Griechenland arbeiten enger in der Verteidigung zusammen. Am Donnerstag wurde in Washington ein Vertrag über die Nutzung des größten Marine- und Luftwaffe- Stützpunktes im östlichen Mittelmeer bei Souda auf der Insel Kreta um fünf Jahre verlängert. Bislang musste dieses Abkommen jedes Jahr neu ausgehandelt werden. Dies teile der griechische Außenminister Nikos Dendias im griechischen Staatsfernsehen aus den USA mit.

Anschließend unterzeichnete Dendias den neuen Vertrag mit seinem US-Amtskollegen Antony Blinken. «Wir sind Griechenland dankbar, weil ihr (Griechen) ein glaubwürdiger Partner seid», sagte Blinken im Fernsehen. Die USA sollen künftig auch mehrere neue Stützpunkte nutzen können. Darunter sind Flughäfen in Mittelgriechenland sowie der strategisch wichtige Hafen von Alexandroupolis nahe der Grenze zur Türkei für die logistische Unterstützung der militärischen Unternehmungen auf dem Balkan, im Osten Europas und im östlichen Mittelmeer.

Das neue Abkommen gilt als Reaktion der USA auf die immer schlechter werdenden Beziehungen zum Nato-Partner Türkei. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan arbeitet immer enger mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen. Griechenland wiederum ist seit Jahren mit immer schärfer werdenden Drohungen und Infragestellungen griechischer Hoheitsrechte in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer seitens der Türkei konfrontiert und rüstet auf. Die USA lieferten in den vergangenen Monaten zahlreiche Hubschrauber und andere Waffensysteme an Griechenland.

Das Abkommen mit den USA ist das zweite mit einer Großmacht, das Athen binnen wenigen Wochen unterzeichnet. Anfang September hatte der griechische Regierungschef ein neues Kooperationsabkommen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron unterzeichnet. Athen hat von Frankreich 24 Kampfbomber des Typs Rafale geordert und wird drei französische Fregatten kaufen.


Lange Haft nach bizarrem Mordgeständnis von Obdachlosem in London

LONDON: Mit einer bizarren Begründung hatte ein Obdachloser in England nach fast 38 Jahren einen Mord gestanden - nun ist der Mann zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. «Wissen Sie was, ich bin obdachlos, ich werde nicht mehr auf der Straße schlafen», sagte der heute 59-Jährige einem Beamten, als er sich nach Jahrzehnten stellte. «Soll doch die Regierung nach mir sehen.»

Das Londoner Strafgericht Old Bailey verurteilte den Mann am Donnerstag zu 15,5 Jahren hinter Gitter. Es handele sich um eine schreckliche Gewalttat, die seit Jahrzehnten auf dem Gewissen des Täters gelastet habe, so das Gericht.

Im Prozess hatte sich der Obdachlose schuldig bekannt, im Dezember 1983 einen 50-Jährigen getötet zu haben. Er habe ihn mit einem Marmor-Aschenbecher erschlagen, als er sich über eine Bemerkung des Mannes geärgert habe. Der Fall war 1985 zu den Akten gelegt worden. Nach dem Geständnis konnten die Beamten DNA, die damals an einer Zigarettenkippe am Tatort gefunden worden war, dem Täter zuordnen.


VW-Chef: Tesla-Wettbewerb annehmen - um Jobabbau «geht es nicht»

WOLFSBURG/ALPBACH: VW-Konzernchef Herbert Diess hat seinen obersten Führungszirkel auf einen zunehmend härteren Wettbewerb mit Tesla eingeschworen. Auch der Stammsitz Wolfsburg müsse dabei «effizienter, schneller werden», sagte der Vorstandsvorsitzende laut Teilnehmerkreisen bei einer internen Konferenz im österreichischen Alpbach. Er bekräftigte, dass dies zunächst keine direkten Folgen für die Stellen habe. «Ich habe, wenn ich an Wolfsburg denke, nicht den Abbau von Arbeitsplätzen im Kopf», betonte Diess am Donnerstag. «Darum geht es nicht. Mir geht es darum, wie wir miteinander arbeiten. Wir brauchen eine neue Denkweise. Es geht nicht nur um die Marke (VW), sondern auch um den Konzern. Es geht um Wolfsburg.»

Am Mittwoch hatten Spekulationen über eine möglicherweise bevorstehende Streichung Zehntausender Jobs bei Europas größtem Autohersteller für Aufregung gesorgt. Die Konzernleitung stellte daraufhin klar, dass keine Pläne für konkrete, weitere Kürzungen in der Schublade lägen - man die angespannte Kostenlage und Auslastung einiger Standorte aber intensiv diskutieren müsse. Dabei spielen auch der aktuelle Leerlauf durch die Lieferkrise bei Mikrochips, die Ertragsziele von Volkswagen und die wachsende Rivalität mit Tesla eine Rolle. Der US-Konkurrent will bald die ersten E-Autos in seiner Fabrik bei Berlin fertigen.

«Ich weiß, einige von euch hassen das», sagte Diess den Angaben zufolge bei dem Treffen von rund 200 Führungskräften sowie weiteren, per Video zugeschalteten Managern aus China. «Aber in erster Linie ist es Tesla. Der Abstand vergrößert sich. Sie werden schneller. Sie liefern. Sie werden besser im Bauen von Autos. Sie sind die einzige Marke, die trotz Covid wächst. Sie haben eine vollvernetzte Flotte rund um die Welt. Wir müssen diesen Wettbewerb annehmen.»


Pakistans Airline setzt Kabul-Flüge wegen Sicherheit aus

ISLAMABAD: Pakistans staatliche Fluggesellschaft PIA hat wegen Sicherheitsbedenken ihre Flüge aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgesetzt. Die Maßnahme gelte sofort, sagte Sprecher Abdullah Hafeez Khan am Donnerstag. Unklar war zunächst, für wie lange der Flugverkehr ausgesetzt bleibt.

Gründe für die Entscheidung seien Sicherheitsbedenken sowie das Verhalten der Taliban, sagte Kahn. Demnach war das PIA-Personal Einschüchterungen seitens der neuen, militant-islamistischen Machthaber ausgesetzt gewesen. Was das genau bedeutete, erklärte Khan nicht weiter.

PIA hatte trotz der schwierigen Umstände den Flugverkehr aufrechterhalten, während andere Fluglinien ihren Betrieb einstellten. Die Taliban sollen die pakistanische Fluglinie zudem angewiesen haben, ihre Flugpreise auf das Niveau von vor ihrer Machtübernahme Mitte August zu senken.

Pakistans Staatsfluglinie hatte vor dem Fall Kabuls an die Taliban fünf Flüge pro Woche in die afghanische Hauptstadt angeboten.


Weitere Evakuierungen auf Vulkaninsel La Palma - Beben der Stärke 4,5

LA PALMA: Wegen näherrückender Lava haben die Behörden auf der Vulkaninsel La Palma die Evakuierung von etwa 300 Menschen angeordnet. Damit stieg die Zahl der Menschen, die sich vor den Folgen des Vulkanausbruchs in Sicherheit bringen mussten, auf mehr als 7000, wie der staatliche TV-Sender RTVE am Donnerstag berichtete. Zugleich seien weitere etwa 100 leichte bis mittlere Erdbeben registriert worden. Eines habe die Stärke von 4,5 gehabt und sei damit das heftigste seit dem Ausbruch des Vulkans am 19. September gewesen.

Am Nachmittag gab es spektakuläre Bilder, als der Trichter des Vulkans überlief und große Mengen Lava über dessen Rand flossen. Experten betonten jedoch, dies sei ein von Zeit zu Zeit normaler Vorgang, wie RTVE berichtete. Die Lava werde voraussichtlich auf ihrem bisherigen Weg Richtung Meer strömen ohne neue Zerstörungen anzurichten.

Seit die Nordflanke des Vulkankegels am vergangenen Samstag zusammengebrochen ist, verstärkte sich der Lavafluss durch bewohnte Gebiete Richtung Meer. Auch war die austretende Lava mit rund 1200 Grad heißer als zuvor und damit dünnflüssiger und etwas schneller. Die Auswertung der Daten des europäischen Erdbeobachtungssystems Copernicus wurden bisher 1548 Gebäude von der Lava zerstört und eine Fläche von 680 Hektar von Lava und Asche bedeckt. Das entspricht etwa 950 Fußballfeldern. Zu Schaden kam bisher niemand.

Der Flughafen der Insel war nach Angaben des Betreibers Aena weiter betriebsbereit, wurde aber nur von wenigen Fluggesellschaften wie Binter angeflogen. Der Flugverkehr zu den anderen großen Touristeninseln der Kanaren - Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria oder Lanzarote - lief normal.


Steinmeier und Maas kondolieren Norwegen nach Terrortat

BERLIN: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Außenminister Heiko Maas (SPD) haben den Hinterbliebenen der Terrortat in Norwegen ihr Beileid ausgedrückt. Steinmeier schrieb laut Mitteilung an den Norwegischen König Harald V.: «Meine aufrichtige Anteilnahme gilt den Angehörigen und Freunden der Opfer. Ich hoffe inständig, dass die Verletzten schnell und vollständig genesen. Es betrübt mich, dass Norwegen zehn Jahre nach dem schrecklichen Terroranschlag in Utøya und Oslo erneut von Gewalt heimgesucht wird.» Deutschland stehe an der Seite von Norwegen um die Demokratie gegen Gewalt und Hass zu verteidigen.

Außenminister Maas schrieb auf Twitter: «Ich bin schockiert über das brutale Attentat in Norwegen. Fünf Menschen wurden mit Pfeil und Bogen aus dem Leben gerissen. Weitere sind verletzt. Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei den Opfern dieses Terrorangriffs und ihren Angehörigen. Ich wünsche ihnen viel Kraft.»

Am Mittwochabend hatte ein Mann in der norwegischen Kleinstadt Kongsberg zahlreiche Menschen mit mehreren Waffen angegriffen, darunter auch Pfeil und Bogen. Fünf Menschen wurden getötet, zwei weitere verletzt. Ein 37-jähriger Däne wurde festgenommen. Am Donnerstag stufte der Sicherheitsdienst der norwegischen Polizei den Angriff als Terrortat ein.


Fünf Frauen verklagen Belgien wegen Verbrechen gegen Menschlichkeit

BRÜSSEL: Fünf Frauen haben den belgischen Staat wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Kolonialzeit in der heutigen Demokratischen Republik Kongo verklagt. Die Frauen werfen Belgien vor, sie und andere Kinder entführt und in christliche Waisenhäuser gebracht zu haben. «Meine Klientinnen wurden entführt, misshandelt, ignoriert, aus der Welt gezwungen», sagte Anwalt Michèle Hirsch am Donnerstag bei einer Anhörung vor einem Brüsseler Gericht, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete.

Die fünf Frauen wurden zwischen 1946 und 1950 im Kongo geboren, unter der Herrschaft des belgischen Kolonialstaates. Ihre Mütter waren Kongolesinnen, ihre Väter Belgier. Wie viele andere Kinder von belgisch-kongolesischen Paaren seien sie von ihren Familien getrennt und unter die Obhut des Kolonialstaates gestellt worden, so die Vorwürfe laut Belga. Zunächst seien sie in ein christliches Waisenhaus gebracht worden, schreibt die Zeitung «Le Soir». Als Unruhen im Kampf für die Unabhängigkeit ausbrachen, habe der belgische Staat sie im Kongo zurückgelassen, so der Bericht.

Der belgische Kolonialstaat hat während seiner Herrschaft im Kongo, in Ruanda und in Burundi systematisch Kinder von belgisch-kongolesischen Eltern, die auf Französisch «métis» genannt werden, von ihren Familien getrennt. Der damalige belgische Premierminister Charles Michel entschuldigte sich 2019 offiziell bei den Opfern. Dieser Entschuldigung seien jedoch keine Reparationen gefolgt, sagte der Anwalt Hirsch. Die Frauen forderten nun eine Entschädigung vom Staat und Zugang zu den staatlichen Dokumenten, die ihre Fälle betreffen, sagte Anwältin Sophie Colmant.

Der Kongo war bis 1960 eine belgische und eine französiche Kolonie. Heute ist das Territorium in die Demokratische Republik Kongo und die Republik Kongo, auch Kongo-Brazzaville genannt, unterteilt.


Seenotretter mit Migranten an Bord warten auf sicheren Hafen

ROM: Seit rund vier Tagen wartet das Schiff der italienischen Organisation ResQ mit knapp 60 geretteten Bootsflüchtlingen an Bord auf einen sicheren Hafen. Das teilten die privaten Seenotretter am Donnerstag mit. Sie hatten die Menschen nach eigenen Angaben in der Nacht zum vergangenen Sonntag im Mittelmeer an Bord geholt. Die Männer und Frauen stammten unter anderem aus Syrien, Äthiopien, Eritrea und Ägypten. Unter ihnen seien 17 Minderjährige gewesen.

Zwischenzeitlich evakuierte die italienische Küstenwache eine Person aus gesundheitlichen Gründen von der «ResQ People», wie eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur sagte. Das Schiff fährt unter deutscher Flagge. Früher hieß es «Alan Kurdi» und gehörte zur Regensburger Organisation Sea-Eye.

Immer wieder wagen Menschen auf ihrer Flucht und mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in überfüllten Booten den gefährlichen Weg über das Mittelmeer in Richtung Europa. Oft ist ihr Ziel Italien. Auf der Überfahrt geraten sie mitunter in Seenot. Laut Zahlen der Vereinten Nationen starben in diesem Jahr knapp 1180 Migranten im zentralen Mittelmeer.


Tadschikistan: Halbe Tonne Drogen aus Afghanistan beschlagnahmt

DUSCHANBE: Bei einem der größten Funde von Drogen afghanischer Herkunft seit fünf Jahren hat die Polizei in der zentralasiatischen Republik Tadschikistan rund 500 Kilogramm Rauschmittel beschlagnahmt. Die Drogen, darunter Heroin, Opium und Haschisch, seien in der Hauptstadt Duschanbe sichergestellt worden und für den Schwarzmarkt auch in Europa bestimmt gewesen, teilten die Behörden am Donnerstag mit. Es seien sechs Menschen festgenommen worden, die meisten Einheimische und ein Verdächtiger aus Usbekistan.

Die Ex-Sowjetrepubliken, die an Afghanistan grenzen, befürchten seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban eine Zunahme des Drogenschmuggels. Der Schwarzmarktwert der Drogen liege bei 6 Millionen US-Dollar (rund 5,2 Millionen Euro), teilte die Polizei in Duschanbe weiter mit. Bei dem mutmaßlichen Chef der Drogenbande seien Immobilien und teure Autos beschlagnahmt worden.

Im vergangenen Jahr stellten die tadschikischen Sicherheitsbehörden nach offiziellen Angaben fast zweieinhalb Tonnen Drogen sicher. Immer wieder werden dort öffentlich die Mengen verbrannt. Tadschikistan hat eine 1400 Kilometer lange Grenze mit Afghanistan, das als führende Nation bei der Produktion illegaler Drogen gilt.

Traditionell ist die vergleichsweise durchlässige Grenze das «Haupteinfallstor» für den Drogenschmuggel. Auch Russland, das in Tadschikistan seine größte militärische Auslandspräsenz hat, zeigte sich zuletzt beunruhigt wegen der Gefahr des illegalen Handels.


Drei Tote nach Angriffen auf Tempel

DHAKA: Hunderte radikale Muslime haben im mehrheitlich muslimischen Bangladesch hinduistische Tempel angegriffen und bei einer Eskalation der Situation sind mindestens drei Menschen getötet worden. Sie starben, während die Polizei die Tempelangreifer im südlichen Chandpur Distrikt stoppen wollte, sagte eine Behördenmitarbeiterin der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Es sei unklar, ob sie am Mittwochabend von der Polizei erschossen oder anders getötet wurden. Inzwischen sei die Lage unter Kontrolle. Paramilitärs seien in rund ein Drittel der Bezirke des südasiatischen Landes geschickt worden, um für Sicherheit zu sorgen, hieß es.

Die radikalen Muslime begannen hinduistische Tempel und Götterstatuen anzugreifen, nachdem Bilder viral gingen, auf denen bei einem Hindu-Fest ein Koran auf dem Knie einer Statue des Affengottes Hanuman zu sehen war. Im Islam wird der Koran als Wort Gottes angesehen und Muslime müssen sich waschen bevor sie das heilige Buch anfassen dürfen. So können für Muslime viele Taten als Entweihung gesehen werden. Von den hinduistischen Festveranstaltern hieß es, dass sie den Koran schnell von der Statue entfernten, nachdem sie von seiner Präsenz erfahren hätten.

In der Region der ehemaligen Kolonie British India, zu der auch das heutige Bangladesch zählt, gibt es seit Jahrhunderten immer wieder Spannungen zwischen Hindus und Muslimen. Meist leben die religiösen Gruppen zwar friedlich nebeneinander, aber manchmal kommt es zu gewalttätigen Eskalationen.


Polnisches oder EU-Recht? Morawiecki bezieht Stellung im EU-Parlament

STRAßBURG: Im Streit um das Verhältnis von EU-Recht zu nationalem Recht will Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki im EU-Parlament Stellung beziehen. Am kommenden Dienstag werde Morawiecki mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und den Europaabgeordneten debattieren, teilte ein Sprecher des EU-Parlaments am Donnerstag mit.

Hintergrund ist ein umstrittenes Urteil des polnischen Verfassungsgerichts. Dieses hatte am 7. Oktober entschieden, Teile des EU-Rechts seien nicht mit der polnischen Verfassung vereinbar. Dies stellt einen Eckpfeiler der europäischen Rechtsgemeinschaft in Frage und sorgte für scharfen Widerspruch aus Brüssel. Die EU-Kommission hat deutlich gemacht, den Vorrang des EU-Rechts mit allen Mitteln verteidigen zu wollen.

Polens nationalkonservative PiS-Regierung baut seit Jahren das Justizwesen im Land um. Die EU-Kommission hat wegen der Reformen bereits mehrere Vertragsverletzungsverfahren gegen Warschau eröffnet und Klagen beim EuGH eingereicht. Unter anderem hat die Brüsseler Behörde auch Zweifel an der Unabhängigkeit des polnischen Verfassungsgerichts, welches nun das Urteil fällte.


Gericht: Frankreich muss Verfehlungen beim Klimaschutz kompensieren

PARIS: Frankreich muss wegen nicht eingehaltener Klimaziele einem Gerichtsurteil zufolge Ausgleich leisten. Das Pariser Verwaltungsgericht entschied am Donnerstag, dass der französische Staat bis Ende kommenden Jahres zu viel ausgestoßene Treibhausgase kompensieren muss. Konkret geht es darum, dass Frankreich das von ihm gesetzte Maximalvolumen für die Jahre 2015 bis 2018 um mehrere Millionen Tonnen Treibhausgase überschritten hat. Bereits im Februar hatte das Gericht Frankreich für Versäumnisse im Kampf gegen die globale Erwärmung verantwortlich erklärt.

Welche Schritte genau Frankreich nun zum Ausgleich ergreifen soll, überließ das Gericht der Regierung. Es betonte jedoch, dass dies rasch geschehen solle. Denn übermäßige Treibhausgasemissionen verursachten kontinuierliche und anwachsende ökologische Schäden.

In dem Verfahren hatten vier Umweltorganisationen Frankreich wegen Untätigkeit verklagt. Die Entscheidung vom Donnerstag bezeichnete die Organisation Notre Affaire à Tous als Teil des Bündnisses als «großen Sieg für unsere Zukunft und unsere Rechte».


Bundeskanzlerin Merkel mit Europapreis Karl V. ausgezeichnet

MADRID: Bundeskanzlerin Angela Merkel ist von Spaniens König Felipe VI. mit dem diesjährigen Europapreis Karl V. ausgezeichnet worden. An der feierlichen Zeremonie im Königlichen Kloster von Yuste rund 230 Kilometer westlich von Madrid nahmen am Donnerstag unter anderem auch Regierungschef Pedro Sánchez und der deutsche Botschafter in Spanien, Wolfgang Dold, teil.

Die Christdemokratin erhalte die Auszeichnung in Anerkennung ihrer Verdienste um die europäische Einigung, sagte Guillermo Fernández Vara, Regierungschef der Extremadura und Präsident der Europäischen und Iberoamerikanischen Akademie der Yuste-Stiftung. Der König sagte, der Preis gehe an eine Persönlichkeit, die ihrer Zeit stets voraus gewesen sei. Merkel habe sich immer für konstruktive Lösungen eingesetzt, Kompromisse gesucht und damit zur europäischen Einigung und auch zu den besonders engen Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland beigetragen.

Merkel rief die europäischen Länder zur Überwindung ihrer Meinungsverschiedenheiten auf. «Europa ist nur so stark, wie es einig ist», sagte sie bei ihrer Dankesrede. Zugleich warnte sie, seit einiger Zeit wirkten «Fliehkräfte in der Europäischen Union». Sie entstünden, wenn der Kitt der gemeinsamen Werte brüchig werde, wenn sich Erwartungen an die EU nicht erfüllten und wenn wirtschaftliche und soziale Unterschiede zu groß würden. «Wenn dann kurz- oder mittelfristig nationale Interessen über den Nutzen des gemeinsamen europäischen Projekts und der rechtlichen Grundlage gestellt werden, dann kommen wir in eine Schieflage», warnte die scheidende Kanzlerin.

Die 1992 gegründete Europäische und Iberoamerikanische Akademie der Yuste-Stiftung verleiht den angesehenen Europapreis Karl V. seit 1995. 2006 erhielt sie auch der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl. Ähnlich wie die Stadt Aachen mit ihrem Karlspreis zeichnet die Organisation damit engagierte Europäer aus. In einem Palast neben dem Kloster in der Provinz Cáceres in der Extremadura verbrachte der erkrankte Karl V. 1558 seine letzten Tage. Der 1500 in Gent geborene Habsburger war von 1530 bis zu seiner Abdankung 1555 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.


London führt nächtliche U-Bahnen an Wochenenden wieder ein

LONDON: Partygänger in London können nach langer Pause bald wieder an Wochenenden die ganze Nacht hindurch mit der U-Bahn durch die britische Hauptstadt fahren. Am 27. November werde der 24-Stunden-Betrieb an Freitagen und Samstagen auf zwei Linien, der Victoria und der District Line, wieder aufgenommen, teilte Bürgermeister Sadiq Khan am Donnerstag mit.

Das Angebot war wegen der Corona-Pandemie eingestellt worden. Nun unterzeichneten mehr als 138.000 Menschen eine Petition, die die Rückkehr der sogenannten Night Tube fordert. Ein Grund war dabei, mehr Sicherheit für Frauen zu bieten. Viele Anhänger der Petition verwiesen auf den Mord an der Londonerin Sarah Everard, die im März auf dem Heimweg von einer Freundin von einem Polizisten abgefangen und verschleppt worden war.

«Die Night Tube war seit der Einführung 2016 ein großer Erfolg», twitterte Khan. «Dieses Angebot wird dazu beitragen, die Sicherheit zu erhöhen und erlaubt allen, Londons Kultur und Nachtleben zu genießen.» Weitere Linien sollen folgen, wenn mehr Personal zur Verfügung steht. Derzeit fahren auch an Wochenenden die letzten U-Bahnen um 1.00 Uhr (Ortszeit/2.00 Uhr MESZ), dann ist Pause bis 5.30 Uhr. Nachtbusse fahren in London rund um die Uhr.


Vize-EU-Außenbeauftragter in Teheran zu Atom-Verhandlungen

TEHERAN: Der Vize-Außenbeauftragte der Europäische Union, Enrique Mora, ist am Donnerstag in Teheran eingetroffen. Er soll mit der iranischen Regierung die Wiederaufnahme der Verhandlungen zur Wiederherstellung des Wiener Atomabkommens von 2015 vorbereiten. Iranischen Medienangaben zufolge hat er kurz nach seiner Ankunft bereits den iranischen Vize-Außenminister Ali Bagheri, der auch das neue Atomteam des Irans leiten soll, getroffen.

Die im April wiederaufgenommenen Verhandlungen über die Wiederherstellung des Wiener Abkommens wurden nach der Präsidentenwahl im Juni und dem Regierungswechsel in Teheran unterbrochen. China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland bemühen sich um die Rückkehr der USA zu dem Abkommen. Der Iran soll zudem technische Verpflichtungen eingehen.

Der Wiener Deal sollte den Bau iranischer Atomwaffen verhindern und im Gegenzug die Sanktionen gegen den Iran aufheben. Der damalige US-Präsident Donald Trump hatte die Vereinbarung 2018 aufgekündigt, die im Vertrag aufgehobenen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran erneuert und auch die ausländischen Konten des Landes wieder gesperrt. Die Sanktionen sind mitverantwortlich für die die bislang schlimmste Wirtschaftskrise des Landes.

Als Reaktion auf die US-Sanktionen begann Teheran 2019 die ihm im Abkommen auferlegten technischen Beschränkungen zu überschreiten. Unter anderem erhöhte das Land die Urananreicherung von den erlaubten 3,67 auf 60 Prozent.


London will 1000 Schlachter aus Ausland wegen Schweinestau

LONDON: Um den enormen Schweinestau auf britischen Bauernhöfen zu lösen, will die Regierung in London Medienberichten zufolge bis zu 1000 Visa für ausländische Schlachtermeister ausgeben. Wie der Sender Sky News und die Zeitung «Daily Mail» am Donnerstag berichteten, sollen die Anforderungen deutlich erleichtert werden. So könnte die Regierung darauf verzichten, fortgeschrittene Englisch-Kenntnisse zu verlangen.

Nach Schätzungen des Schweinezüchterverbands National Pig Association droht rund 120.000 Tieren die Keulung. Schlachthöfe können die Schweine wegen fehlender Metzger nicht verarbeiten, die Bauernhöfe haben nicht ausreichend Platz, um die Tiere weiterhin unterzubringen. Bisher seien bereits 6000 gesunde Schweine auf Bauernhöfen gekeult worden, so der Verband. Wenn es keine Lösung gebe, müssten demnächst 10.000 Tiere pro Woche bereits auf dem Hof getötet werden.

Die britische Regierung kämpft bereits mit Sondervisa für Lastwagenfahrer und für die Geflügelfleischindustrie gegen Engpässe. Weil dem Land laut Branchenverband Road Haulage Association etwa 100.000 Lkw-Lenker fehlen, blieben zuletzt Supermarktregale und Zapfsäulen leer. Auch die Häfen klagen wegen des Fahrermangels über einen Container-Rückstau. Am wichtigsten Hafen wurden bereits Containerschiffe abgewiesen. Handelsexperten warnen zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts vor Nachschubproblemen etwa bei Spielwaren und Elektrogeräten. Europaweit sind Lastwagenfahrer rar. In Großbritannien erschweren allerdings neue, strenge Brexit-Einwanderungsregeln den Zuzug neuer Fachkräfte.


Schwelbrände in Torfmooren: Dichter Smog in russischem Jekaterinburg

JEKATERINBURG: Wegen Torfbränden hat sich in der russischen Metropole Jekaterinburg am Ural dichter Smog ausgebreitet. Es sei eine erhöhte Konzentration schädlicher Stoffe in der Luft gemessen worden, teilte die regionale Verbraucherschutzbehörde am Donnerstag mit. Auf Fotos im Internet ist zu sehen, wie von Hochhäusern teils nur noch die obersten Etagen aus einer dicken weißen Nebelschicht herausragen. Wegen der schlechten Sicht wurden Teile der Stadtautobahn gesperrt.

Vor einigen Tagen hatte unweit der Stadt trockenes Gras Feuer gefangen, das sich auf die Moore ausbreitete. Mittlerweile seien die Schwelbrände im Torf auf eine Fläche von 4,8 Hektar begrenzt worden, teilte der Zivilschutz mit. Zwischenzeitlich waren es rund 120 Hektar gewesen. An den Löscharbeiten seien mehr als 70 Einsatzkräfte beteiligt, erklärte die Behörde.


Armenien und Aserbaidschan bringen Konflikt vor UN-Gericht

DEN HAAG: Im bitteren Konflikt um die Südkaukasus-Region Berg-Karabach hat Armenien das Nachbarland Aserbaidschan vor dem Internationalen Gerichtshof der schweren Menschenrechtsverletzungen beschuldigt. Aserbaidschan sei verantwortlich für Gewalt, Hass und Rassismus gegen Armenier, erklärten die Rechtsvertreter des Landes am Donnerstag in Den Haag. Die höchsten UN-Richter müssten Sofortmaßnahmen gegen Aserbaidschan verhängen, um die «Spirale von Gewalt und Hass» zu stoppen.

Gut ein Jahr nach dem Krieg um Berg-Karabach brachten beide Staaten nun ihren Konflikt vor das UN-Gericht. Auch Aserbaidschan reichte Klage ein. Die soll in der nächsten Woche verhandelt werden. Wann das Gericht urteilen wird, ist noch nicht bekannt.

Armenien beschuldigt das Nachbarland der Verfolgung und Diskriminierung von Armeniern und beruft sich dabei auf die UN-Konvention gegen Rassismus. Kriegsgefangene seien gefoltert und exekutiert und Leichen getöteter Soldaten geschändet worden. Kriegsgefangene würden trotz internationaler Verpflichtungen nicht freigelassen, kulturelle und religiöse Stätten würden zerstört, erklärten die Rechtsvertreter. «Die Täter werden von staatlichen Instanzen Aserbaidschans unterstützt, ermutigt und verherrlicht.»

Hintergrund des Rechtsstreits ist der Krieg um die seit Jahrzehnten umkämpfte Region Berg-Karabach. Mehr als 6500 Menschen wurden bei den Kämpfen vom 27. September bis zum 9. November vergangenen Jahres getötet. Aserbaidschan hatte schließlich mit türkischer Hilfe weite Teile des Anfang der 1990er Jahre verlorenen Gebietes zurückerobert. Armenien sieht Russland als seine Schutzmacht.


Mehr als 1000 Feuerwehrleute kämpfen gegen neuen Brand in Kalifornien

LOS ANGELES: Mehr als 1000 Feuerwehrleute kämpfen im US-Bundesstaat Kalifornien gegen ein sich schnell ausbreitendes Feuer. Das sogenannte Alisal-Fire bei Santa Barbara breitete sich örtlichen Behördenangaben zufolge bis Mittwochabend (Ortszeit) auf mehr als 62 Quadratkilometern Fläche aus. Die Flammen waren am Montag aus zunächst unbekannter Ursache ausgebrochen. Starke Winde hätten sie angefacht. Die Feuerwehr war mit Löschflugzeugen im Einsatz. Die Flammen seien bisher zu fünf Prozent eingedämmt worden, hieß es.

Ein Highway-Abschnitt im US-Westküstenstaat wurde gesperrt. Zudem ordneten örtliche Behörden Evakuierungen an. Die Häuser zahlreicher Menschen im Bezirk Santa Barbara wurden von den Flammen bedroht. Diese seien auch gefährlich nahe an das ehemalige Feriendomizil des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan herangerückt, berichtete die Zeitung «Los Angeles Times» unter Berufung auf einen Manager der Ranch.

Der Westen der USA und Kanadas wurde im Sommer viele Wochen lang von einer Serie von Waldbränden heimgesucht. Flächenbrände in Kalifornien gab es immer schon, doch nun sind die Feuer nach Expertenangaben heißer, häufiger und größer.


Rückgabe von Benin-Bronzen: Absichtserklärung unterzeichnet

LAGOS: Deutschland und Nigeria haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, die die Rückgabe von mehr als 1000 aus dem ehemaligen Königreich Benin geraubte Bronzen 2022 an Nigeria vorsehen könnte. Das teilte der Informations- und Kulturminister des westafrikanischen Landes, Alhaji Lai Mohammed, am Donnerstag mit.

Die Absichtserklärung sei demnach von einer deutschen Delegation und nigerianischen Vertretern am Mittwoch in der Hauptstadt Abuja unterzeichnet worden. Ihr solle ein Abkommen zwischen beiden Ländern im Dezember folgen, so Mohammed. «Die deutsche Regierung und das deutsche Volk haben einen mutigen Schritt gemacht, indem sie sich bereit erklärt haben, die Artefakte freiwillig und ohne großen Zwang von Seiten Nigerias zurückzugeben», sagte der Minister.

Bronzen aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin sind in zahlreichen deutschen Museen zu finden. An den Gesprächen zur Vorbereitung für Rückgaben beteiligt sind zunächst das Linden-Museum in Stuttgart, das Museum am Rothenbaum (Hamburg), das Rautenstrauch-Joest-Museum (Köln), das Völkerkundemuseum Dresden sowie das Ethnologische Museum Berlin. Allein das Berliner Museum verfügt über rund 500 historische Objekte aus dem Königreich Benin, darunter etwa 400 Bronzen. Der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu dem das Ethnologische Museum gehört, hat Ende Juni den Weg frei gemacht für Verhandlungen mit zuständigen Stellen in Nigeria über die Rückführung von Objekten. Ziel sind «substanzielle Rückgaben» im kommenden Jahr.


Seniorin in Südfrankreich geköpft - Tatverdächtiger gefasst

AGDE: Im Süden Frankreichs ist eine 77 Jahre alte Frau enthauptet worden. Sicherheitskräfte fanden die Leiche der Frau in ihrer Wohnung in Agde, wie die Polizei der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag mitteilte. Ihr Sohn hatte die Behörden alarmiert, da er sie trotz des üblichen täglichen Kontakts nicht erreichen konnte. In der Wohnung in der Küstenstadt fanden die Beamten Kampfspuren. Hinweise auf einen Einbruch habe es nicht gegeben, hieß es. Die genauen Umstände der Tat waren zunächst unklar.

Am Abend berichtete der Sender France Info von der Festnahme eines Tatverdächtigen. Es handele sich um einen Mann in die fünfzig, der bei der Rentnerin kleinere Arbeiten verrichtete. Die pensionierte Grundschullehrerin lebte seit dem Tod ihres Mannes vor zwei Jahren alleine, so der Sender. Zu den näheren Umständen der Tat wurde nichts bekannt. Nach Informationen des Senders BFMTV entwendete der Tatverdächtige eine Bankkarte der Seniorin und hob damit 1000 Euro ab.


Italien verstärkt Überwachung vor G20-Gipfel in Rom

ROM: Im Vorfeld des G20-Gipfels Ende Oktober in Rom bereitet sich das italienische Innenministerium auf mögliche Ausschreitungen vor. Um einen sicheren Ablauf zu gewährleisten sei es notwendig, zusätzlich 500 Soldaten einzusetzen, teilte das Ministerium am späten Mittwochabend mit. Außerdem werde die Überwachung des Luftraums über der Hauptstadt und an «sensiblen Zielen» verstärkt. Die Polizei will auch Webseiten und die sozialen Medien ins Visier nehmen. Die Zeitung «La Repubblica» schrieb in ihrer Donnerstagsausgabe, Rom werde von einer umfassenden roten Zone um den Veranstaltungsort «gepanzert».

Der G20-Gipfel ist für den 30. und 31. Oktober im südlichen Teil Roms geplant. Italien hält derzeit den G20-Vorsitz. Es besteht die Sorge vor Ausschreitungen auch mit Blick auf die Krawalle am vergangenen Wochenende in Rom. Am Samstag hatten Menschen gegen die Corona-Regeln der Regierung demonstriert. Dabei kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Einige Demonstranten griffen den Sitz des Gewerkschaftsbundes CGIL an. Darunter waren auch Anhänger der rechtsextremen Partei Forza Nuova. Mehrere Menschen wurden verletzt.


Zahl der Toten bei Hochhausbrand steigt auf 46

KAOHSIUNG: Bei einem Brand in einem Hochhaus in der südtaiwanischen Hafenstadt Kaohsiung sind am Donnerstag nach Medienberichten mindestens 46 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Opfer könnte noch steigen, da viele Bewohner in den oberen Stockwerken eingeschlossen waren, als es im Gebäude brannte. Die Feuerwehr berichtete lokalen Reportern am Brandort, dass 46 Tote gefunden worden seien. Die Bergungsarbeiten dauerten an.

Das 13-stöckige Wohn- und Geschäftshaus hatte am frühen Morgen stundenlang gebrannt, bis rund 150 Feuerwehrleute das Feuer unter Kontrolle bringen konnten. Der Brand war nach unbestätigten Berichten im ersten Stock des 40 Jahre alten Hauses ausgebrochen, wie die Nachrichtenagentur CNA berichtete.

Nach Angaben von Beamten waren Fluchtwege versperrt, was auch die Rettungsarbeiten erschwert habe. Mehr als 100 Menschen, viele von ihnen Senioren mit körperlichen Behinderungen oder Demenz, hätten in dem Gebäude gelebt, sagte ein lokaler Beamter der Agentur. Er zeigte sich betroffen, dass viele es nicht geschafft haben könnten, das brennende Haus zu verlassen.

In dem bewohnten Teil des Hochhauses zwischen dem siebten und elften Stock soll es rund 120 Haushalte gegeben haben. In den unteren sechs Stockwerken waren mehrere leerstehende Restaurants, Karaoke-Clubs und ein Kino. Deswegen hatte das Gebäude auch den Namen «Geisterhaus».


Angreifer möglicherweise radikalisiert

OSLO: Der Mann, der am Mittwoch in der norwegischen Stadt Kongsberg fünf Menschen getötet haben soll, war bereits zuvor im Fokus der Polizei. Es gab Hinweise auf eine Radikalisierung des Mannes, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Die Hinweise deuteten an, dass der 37-jährige Däne zum Islam konvertiert sei.

Der Mann wird verdächtigt, am Mittwochabend in der Innenstadt von Kongsberg zahlreiche Menschen mit mehreren Waffen, darunter auch Pfeil und Bogen, angegriffen zu haben. Fünf Menschen wurden getötet, zwei verletzt. Alle sind im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Bei seiner Flucht vor der Polizei beschoss er die Beamten mit Pfeilen. Nach Angaben des Sprechers wurden möglicherweise alle Opfer erst nach Eintreffen der Polizei getötet. Aufgrund der umfangreichen Ermittlungen wollte er zunächst keine weiteren Details bekanntgeben.

Solange das Motiv des Täters unklar ist, ermittelt die Polizei wegen Terrorverdachts. Der mutmaßliche Täter ist bereit, mit der Polizei zusammenzuarbeiten.


Welthungerindex 2021 verzeichnet Rückschritte bei Hungerbekämpfung

BERLIN: Die Welthungerhilfe verzeichnet in ihrem jährlichen Index Rückschritte wegen Konflikten und den Folgen des Klimawandels. «Die Welt ist bei der Hungerbekämpfung vom Kurs abgekommen und entfernt sich immer weiter vom verbindlichen Ziel, den Hunger bis 2030 zu besiegen», teilte die Organisation am Donnerstag in Berlin zur Veröffentlichung des Welthungerindex 2021 mit. Weltweit hungern demnach etwa 811 Millionen Menschen und 41 Millionen leben am Rande einer Hungersnot. Besonders dramatisch sei die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan.

Der neue Welthungerindex untersucht die Ernährungslage in 128 Ländern und bestätigt «die deutlichen Rückschritte bei der Hungerbekämpfung». 47 Länder werden demnach bis 2030 noch nicht einmal ein niedriges Hungerniveau erreichen, 28 davon liegen in Afrika südlich der Sahara.

«Unsere Befürchtungen im letzten Jahr haben sich leider bestätigt. Hungersnöte sind zurück und multiple Krisen lassen die Zahl der Hungernden immer weiter steigen», so Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe. «Die Corona-Pandemie hat die angespannte Ernährungslage in vielen Ländern des Südens noch einmal verschärft und Millionen Familien haben ihre Existenzgrundlage verloren. Die größten Hungertreiber bleiben aber Konflikte und der Klimawandel.»


Neuwagen-Transporteure kämpfen wegen Chipmangels ums Überleben

BRÜSSEL: Transporteure von Neuwagen fürchten angesichts von Schwierigkeiten in der Autobranche um ihre Existenz. Hintergrund ist dem Verband der Europäischen Fahrzeuglogistik (ECG) zufolge der Mangel an Mikrochips, der Fahrzeugbauern schon seit längerem zusetzt. «Die Branche kämpft vor dem vorhersehbar dritten schlechten Jahr in Folge ums Überleben und benötigt die Unterstützung der Automobilindustrie», sagte Verbandspräsident Wolfgang Göbel vor Beginn der ECG-Jahreskonferenz am Donnerstag in Brüssel. Der Verband vertritt eigenen Angaben zufolge knapp 140 Unternehmen, darunter die Güterverkehrstochter der Bahn, DB Cargo.

Die vertretenen Unternehmen kümmern sich um den Transport von Fahrzeugen über Autobahnen, Schienen oder per Schiff. In der Autoindustrie kommt es derzeit immer wieder zu Produktionsstopps und Schichtausfällen, weil Halbleiter fehlen.


Verteidiger: Angreifer redet mit Polizei

OSLO: Nach dem tödlichen Angriff am Mittwoch auf zahlreiche Menschen in der norwegischen Stadt Kongsberg ist der mutmaßliche Täter bereit, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Er habe in einem Verhör in der Nacht Angaben zur Tat gemacht, sagte sein Verteidiger im Anschluss der Presse. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen 37 Jahre alten Dänen, der in Kongsberg lebt, hieß es in einer Mitteilung der Polizei.

Der Mann wurde festgenommen, nachdem er in der Innenstadt von Kongsberg zahlreiche Menschen unter anderem mit Pfeil und Bogen angegriffen haben soll. Fünf Menschen wurden getötet, zwei verletzt. Zum Motiv hatte die Polizei am späten Abend keine Angaben machen können. Eine Terrortat wurde nicht ausgeschlossen. Für 10.00 Uhr haben die Ermittler eine Pressekonferenz angesetzt.

Die Staatsanwältin sagte dem norwegischen Sender TV2, der Mann habe die Taten zugegeben. Er sei der Polizei zuvor bekannt gewesen. Sie bestätigte, dass er mehrfach mit dem norwegischen Gesundheitswesen in Kontakt gewesen war.


Aktivisten: Neun Tote bei israelischem Luftangriff

DAMASKUS: Bei einem israelischen Luftangriff in der westsyrischen Provinz Homs sind Aktivisten zufolge neun pro-iranische Kämpfer ums Leben gekommen. Sieben Menschen seien bei dem Vorfall nahe der Stadt Palmyra kurz vor Mitternacht zum Teil schwer verletzt worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag mit. Das syrische Verteidigungsministerium hatte in der Nacht zunächst von einem Toten und drei Verletzten gesprochen. Ziel der Angriffe sei unter anderem ein Sendemast gewesen.

Ein israelischer Armeesprecher sagte: «Wir kommentieren keine Berichte in ausländischen Medien.»

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von mehreren Explosionen nahe einem Militärflugplatz im Osten von Homs, nachdem israelische Kampfflieger das Grenzgebiet zwischen dem Irak, Syrien und Jordanien bombardiert hätten. Die Luftangriffe trafen demnach mehrere Einrichtungen pro-iranischer Milizen. Darunter befänden sich ein Ausbildungszentrum und ein Sendemast. Einige Geschosse seien jedoch von der syrischen Luftabwehr abgefangen worden. Über Schäden gab es zunächst keine Angaben. Der Militärstützpunkt sei bereits vor vier Tagen Ziel eines Angriffs nicht identifizierter Drohnen gewesen, hieß es weiter.

Die israelischen Angriffe in Syrien gelten als Versuch, den Iran, einen der wichtigsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, daran zu hindern, seinen militärischen Einfluss in der Region auszubauen.


Japans Regierungschef löst Parlament für Neuwahlen auf

TOKIO: Japans neuer Regierungschef Fumio Kishida hat das Unterhaus des Parlaments aufgelöst.

Damit machte er am Donnerstag den Weg für Wahlen frei. Die Wähler der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt sind aufgerufen, am 31. Oktober über die Besetzung des mächtigen Unterhauses abzustimmen. Damit wählen sie indirekt auch die nächste Regierung des Landes. Die seit Jahrzehnten fast ununterbrochen regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) geht mit ihrem neuen Vorsitzenden Kishida und ihrem Koalitionspartner Komeito in den Wahlkampf. Die zersplitterte Opposition versucht, sich möglichst koordiniert dagegen zu stellen. Beobachter erwarten jedoch, dass die Regierungskoalition ihre Mehrheit in der Kammer verteidigen wird.


Frankreichs Präsident Macron kickt für einen guten Zweck

PARIS: Als Staatsmann im adretten Anzug agiert Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in der Regel auf politischem Parkett, nun läuft der 43-Jährige für eine Halbzeit bei einem Fußballspiel auf.

Im Pariser Vorort Poissy kickt der Präsident an diesem Donnerstag mit dem Variétés Club de France bei einem Benefizspiel, wie der Élysée-Palast mitteilte. Anlass ist der 50. Geburtstag des Clubs, in dem sich ehemalige Profispieler und andere zu Freundschafts- und Wohltätigkeitsspielen zusammengetan haben. Der Ertrag des Spiels mit Macron gegen die Mannschaft eines Krankenhauses kommt einer Krankenhausstiftung zugute. Anschließend hat der Präsident Mitglieder und Freiwillige des Clubs zum Essen eingeladen, in den Élysée-Palast.


Opposition schmiedet Allianz gegen Regierungspartei

TEGUCIGALPA: Rund eineinhalb Monate vor der Präsidentenwahl in Honduras hat die Opposition eine Allianz gegen die Regierungspartei von Amtsinhaber Juan Orlando Hernández geschmiedet. Die Linkskandidatin Xiomara Castro, Ehefrau von Ex-Präsident Manuel Zelaya (2006-2009), soll nun als Spitzenkandidatin der Regierungsgegner am 28. November ins Rennen gehen, wie die linke Partei Libre und die liberale Partei PSH am Mittwoch mitteilten. Der Fernsehmoderator Salvador Nasralla trat zugunsten von Castro als Spitzenkandidat zurück und bewirbt sich nun um das Amt des Vizepräsidenten. «Ich fühle mich geehrt, denn wir werden das erste Mal in der Geschichte von Honduras eine Frau als Präsidentin haben», sagte Nasralla.

Das mittelamerikanische Land leidet unter Korruption, Gewalt und einer massiven Auswanderungswelle in Richtung USA. Kritiker werfen Amtsinhaber Hernández Verbindungen zum organisierten Verbrechen vor, der konservative Politiker weist die Anschuldigungen zurück. Sein Bruder wurde in den USA wegen Drogenhandels zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Hernández tritt bei der kommenden Wahl nicht erneut an. Für die Regierungspartei geht der Bürgermeister der Hauptstadt Tegucigalpa, Nasry Asfura, ins Rennen.


Nach Gewalttat : Verdächtiger ist 37-jähriger Däne

KONGSBERG: Nach der Gewalttat in Norwegen mit fünf Toten und zwei Verletzten hat die Polizei Details über den festgenommenen Verdächtigen veröffentlicht. Bei ihm handele es sich um einen 37-jährigen Dänen, der aber in der südnorwegischen Kleinstadt Kongsberg lebe, teilte die Polizei am frühen Donnerstagmorgen mit. Er sei angeklagt worden. Der Mann war am Mittwochabend festgenommen worden. Zuvor hatte ein mit Pfeil und Bogen bewaffneter Mann in Kongsberg Menschen angegriffen. Die Polizei geht davon aus, dass er allein gehandelt hat. Die Hintergründe der Tat blieben jedoch zunächst unklar. Auch ein terroristisches Motiv konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden.

Die Angriffe ereigneten sich nach Angaben der Polizei an mehreren Orten in der Stadt. Der Täter habe sich über ein größeres Gebiet hinweg bewegt, teilten die Ermittler mit. Der Vorfall ereignete sich am Vorabend des Regierungsantritts des neuen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre.

Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen: Vor gut zehn Jahren erlebte Norwegen den schwersten Terroranschlag seiner modernen Geschichte. Am 22. Juli 2011 zündete der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik zunächst im Osloer Regierungsviertel eine in einem Transporter versteckte Bombe und tötete dabei acht Menschen. Danach fuhr er zur etwa 30 Kilometer entfernten Insel Utøya, wo er sich als Polizist ausgab und das Feuer auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jährlichen Sommerlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnete.

69 Menschen, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, kamen auf Utøya ums Leben. Breivik nannte rechtsextreme und islamfeindliche Motive für seine Taten. Er wurde im August 2012 zu der damaligen Höchststrafe von 21 Jahren mit einer Mindesthaftzeit von zehn Jahren verurteilt.


In Felsspalte gefangener Hund nach fünf Tagen Martyrium gerettet

NEW YORK: Fünf Tage lang steckte ein Hund in einer engen Felsspalte in einem Nationalpark im US-Bundesstaat New York fest - nun ist er unverletzt gerettet worden. Das zwölf Jahre alte Tier namens Liza habe das Martyrium im Minnewaska State Park Preserve ohne Futter und Wasser überstanden, teilten die staatlichen Parks am Mittwoch (Ortszeit) mit. Am 7. Oktober sei eine Frau mit ihrem Hund gewandert, dabei sei er in den Spalt gestürzt. Man habe sein Bellen gehört. Parkmitarbeiter hätten in den folgenden Tagen versucht, die Stelle zu erreichen. Am Dienstag schließlich hätten es Helfer des Tierschutzvereins Ulster County und eines Höhlenrettungsteams geschafft, den Hund aus der engen Spalte zu retten.

Zwei Retter hätten den Hund mit einer Kamera beobachtet, dann sei es gelungen, ihn mit einer Fangstange mit Schlinge zu holen. Er sei so weit angehoben worden, dass er in einen Rucksack gelegt werden konnte, um dann schließlich in Sicherheit an die Oberfläche gebracht zu werden. Der Hund sei zwar hungrig und durstig, aber bei guter Gesundheit. Später sei er seiner Besitzerin gebracht worden. Während der Beobachtung mit der Kamera sei zu sehen gewesen, wie der Hund an den feuchten Wänden der Felsspalte leckte und sich so wahrscheinlich mit Flüssigkeit versorgte. In dem Park herrscht laut Verwaltung eigentlich Leinenzwang.


Ausschuss zur Kapitol-Attacke nimmt sich weiteren Trump-Anhänger vor

WASHINGTON: Der Ausschuss zur Untersuchung der Kapitol-Attacke hat von einem ehemaligen hohen Mitarbeiter des US-Justizministeriums Dokumente eingefordert. Jeffrey Clark sei mutmaßlich an dem Versuch beteiligt gewesen, das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen 2020 in Zweifel zu ziehen, teilte der Ausschuss im Repräsentantenhaus am Mittwochabend (Ortszeit) mit. «Wir müssen die Rolle von Herrn Clark bei diesen Bemühungen im Justizministerium verstehen und erfahren, wer in der gesamten Verwaltung beteiligt war», sagte der Vorsitzende, Bennie Thompson.

Anhänger Trumps hatten am 6. Januar den Sitz des US-Kongresses in Washington erstürmt. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Trump musste sich wegen des Angriffs einem Amtsenthebungsverfahren stellen, weil er seine Anhänger zuvor in einer Rede aufgestachelt hatte. Am Ende des Verfahrens wurde der Republikaner jedoch freigesprochen. Der Ausschuss im US-Repräsentantenhaus soll die Hintergründe des Angriffs auf das Kapitol untersuchen.

Der Ausschuss fordert von Clark auch eine Zeugenaussage. Ein Bericht des Justizausschusses des Senats hatte offengelegt, wie Trump nach der Wahl versucht hatte, auf das Justizministerium Druck auszuüben. Der Ausschuss beruft sich auf den Bericht. Clark schlug demnach vor, in einem Brief Abgeordnete in US-Bundesstaaten aufzurufen, die Bestätigung der Wahlergebnisse zu verzögern. Zudem sollte auf einer Pressekonferenz erklärt werden, dass das Ministerium Vorwürfen des Wahlbetrugs nachgehe. Beide Vorschläge seien abgelehnt worden.

Berichten nach wurde der damalige geschäftsführende US-Justizminister Jeffrey Rosen am Mittwoch von dem Gremium verhört. «Ich kann das nicht bestätigen», sagte Ausschussmitglied Adam Schiff dem Sender CNN. Trump hatte zuletzt versucht, die Ermittlungen des Ausschusses zu blockieren und auf das sogenannte Exekutivprivileg gepocht. Dabei handelt es sich um das Vorrecht des Präsidenten, dem Kongress oder Gerichten gewisse Informationen vorzuenthalten. US-Präsident Joe Biden hat dies für erste vom Ausschuss angeforderte Aufzeichnungen des Weißen Hauses aus der Trump-Zeit abgelehnt.


Solberg: «Grauenvolle» Nachrichten aus Kongsberg

OSLO: Norwegens scheidende Ministerpräsidentin Erna Solberg hat den Betroffenen der Gewalttat in der Kleinstadt Kongsberg ihre Anteilnahme ausgedrückt. «Unsere Gedanken gehen zuallererst an die Betroffenen und ihre Angehörigen», sagte Solberg am späten Mittwochabend auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Oslo. Sie wird am Donnerstag nach ihrer Wahlniederlage vor einem Monat von dem Sozialdemokraten Jonas Gahr Støre an der Regierungsspitze abgelöst. Auswirkungen auf den Regierungswechsel habe die Tat nicht, sagte Solberg.

«Die Meldungen, die heute Abend aus Kongsberg kommen, sind grauenvoll», sagte Solberg. «Der Täter hat furchtbare Handlungen gegen mehrere Menschen begangen. Das ist eine sehr dramatische Situation, die die Gemeinschaft in Kongsberg hart trifft.» Es sei wichtig, zu unterstreichen, dass man noch nichts Genaueres zu dem Vorfall wisse.

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