Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Papst Franziskus empfängt Argentiniens Präsidenten

ROM: Knapp fünf Monate nach Verabschiedung eines historischen Abtreibungsgesetzes in seinem Heimatland Argentinien hat Papst Franziskus Staatspräsident Alberto Fernández im Vatikan empfangen. Die Zusammenarbeit in Bereichen von gegenseitigem Interesse solle weiter ausgebaut werden, hieß es nach dem Treffen am Donnerstag nach einem Bericht von Vatikan News in einer Erklärung. Man habe über die Corona-Pandemie sowie die Finanzkrise und den Kampf gegen Armut in Argentinien gesprochen.

Besuche in seinem Heimatland hat Papst Franziskus bisher vermieden. Spekuliert wird, dass sich der ehemalige Erzbischof von Buenos Aires in dem politisch stark polarisierten Land nicht vereinnahmen lassen. Dennoch hoffen viele Argentinier auf den Besuch «ihres» Papstes.

Belastet wurde das Verhältnis auch durch die Verabschiedung des Abtreibungsgesetzes im Dezember, wonach der Abbruch einer Schwangerschaft nun bis zur 14. Schwangerschaftswoche legal ist. Zuvor waren Abtreibungen in dem südamerikanischen Land nur in besonderen Fällen erlaubt, etwa nach einer Vergewaltigung oder bei Gefahr für das Leben der Mutter. Franziskus hatte sich vor der Abstimmung gegen das Gesetz ausgesprochen.


Ukrainische Justiz ermittelt gegen Abgeordneten wegen Hochverrats

KIEW: In der Ukraine wird gegen den russlandfreundlichen OppositionsaAbgeordneten Viktor Medwedtschuk wegen Hochverrats ermittelt. Ein Gericht habe den 66-jährigen deshalb bis zum 9. Juli unter Hausarrest gestellt, berichteten mehrere ukrainische Medien am Donnerstagabend in Kiew. Medwedtschuk stehe unter Verdacht, Militärgeheimnisse an den Nachbarn Russland verraten zu haben. Bei einer Verurteilung drohen bis zu 15 Jahren Gefängnis.

Der Abgeordnete selbst bezeichnete die Vorwürfe als politisch begründet, weil die Opposition gegen den prowestlichen Kurs der Regierung sei. Gegen den Ex-Chef der Präsidialverwaltung unter Präsident Leonid Kutschma und dessen Frau hatte Staatschef Wolodymyr Selenskyj bereits im Februar Sanktionen verhängt. Drei oppositionelle TV-Sender wurden geschlossen.


Verschwundene Aktivistinnen : UN fordert Aufklärung

MEXIKO-STADT: Mehr als 40 Tage nach dem Verschwinden von zwei Menschenrechtsaktivistinnen in Mexiko hat die UN die Behörden zu einer «dringenden Untersuchung» aufgefordert. Jedes Jahr werden in Mexiko Dutzende Aktivisten ermordet, mehr als 87.000 Menschen gelten in dem nordamerikanischen Land als verschwunden.

«In Mexiko sind Frauen, die sich für die Menschenrechte einsetzen, mit Gewalt von verschiedenen Akteuren konfrontiert, einschließlich bestimmter Beamter, und dies wird durch strukturelle Diskriminierung aufgrund des Geschlechts noch verschärft», sagte Guillermo Fernandez, Vertreter des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in Mexiko, in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Eine Frau mit mexikanischer und britischer Staatsbürgerschaft war zuletzt am 26. März bei einer Demo gegen Polizeigewalt vor dem Verwaltungsgebäude des Ortes Nochixtlán im südlichen Bundesstaat Oaxaca gesehen worden. Die Bürgermeisterin und zwei Polizisten wurden inzwischen wegen des Verdachts auf erzwungenes Verschwinden festgenommen. Bei der zweiten Frau handelt es sich um die Gründerin einer Organisation, die sich unweit von Mexiko-Stadt um Opfer von Gewalt gegen Frauen und Menschenrechtsverletzungen kümmert. Auch sie wird seit März vermisst.

Die Straflosigkeit ist ein großes Problem in Mexiko. Mehr als 90 Prozent der Delikte werden dem Nationalen Statistikinstitut zufolge nicht angezeigt. Von den gemeldeten Straftaten werden laut Zahlen des Thinktanks IEP nur etwa drei Prozent aufgeklärt. Immer wieder werden örtlichen Sicherheitskräften und Behörden eine Beteiligung an Gewaltverbrechen vorgeworfen. Im Schnitt werden in Mexiko knapp 100 Morde am Tag gemeldet, rund zehn Prozent der Opfer sind Frauen.


Armee: Drei Raketen aus Libanon auf Israel abgefeuert

TEL AVIV/BEIRUT: Aus dem Libanon sind nach Militärangaben drei Raketen auf Israel abgefeuert worden. Sie seien aber vor der Küste im Norden des Landes ins Mittelmeer gefallen, teilte die israelische Armee am Donnerstagabend mit. Libanesische Sicherheitskreise bestätigten, es seien drei Raketen vom Süden des Libanons aus abgefeuert worden. Es war zunächst unklar, welche Gruppierung für den Angriff verantwortlich ist. Das israelische Fernsehen berichtete, es gebe weder Verletzte noch Sachschaden.

Kurz nach dem Raketenangriff flogen offenbar Kampfflugzeuge Israels über dem Südlibanon nahe der gemeinsamen Landesgrenze. In der Gegend sei «israelische Aktivität in der Luft» beobachtet worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der libanesischen Armee.

Die UN-Friedenstruppe Unifil im Libanon rief beide Seiten zu «höchster Zurückhaltung» auf. Unifil-Kommandeur Stefano Del Col war demnach am Abend in Kontakt mit beiden Parteien, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. Die Truppen der UN-Mission seien am Boden und arbeiteten mit den libanesischen Streitkräften zusammen. Die Blauhelme überwachen seit 1978 das Grenzgebiet beider Länder. Derzeit sind rund 10.000 UN-Soldaten an dem Einsatz beteiligt.

Der Libanon und Israel befinden sich offiziell noch im Krieg. An der gemeinsamen Grenze kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah. Sie ist eng mit dem Iran verbündet und sieht wie Teheran in Israel einen Erzfeind. Der letzte Krieg zwischen der Hisbollah und Israel endete vor 15 Jahren. Wer die Raketen aus dem Libanon abfeuerte, blieb zunächst unklar.


Korruption nach Erdbeben: Ex-Funktionär nach Mexiko ausgeliefert

MEXIKO-STADT: Ein Ex-Funktionär in Mexiko-Stadt ist wegen des Verdachts auf Missbrauch von Geldern für den Wiederaufbau nach einem Erdbeben von Spanien nach Mexiko ausgeliefert worden. Edgar Tungüí war nach einem schweren Erdbeben im Jahr 2017 von der Regierung der mexikanischen Hauptstadt damit beauftragt worden, die Verteilung von Mitteln für den Wiederaufbau von mehr als 7300 Wohnungen zu verwalten. Ihm wird vorgeworfen, rund 48 Millionen Peso (knapp 2 Millionen Euro) an unberechtigte Empfänger geleitet zu haben.

Tungüí sei am Mittwoch in Mexiko angekommen und am Donnerstag einem Richter vorgeführt worden, teilte Mexikos Generalstaatsanwaltschaft mit. Er war demnach am 1. April in Madrid festgenommen worden.

Bei dem Erdstoß der Stärke 7,1 am 19. September 2017 waren 369 Menschen ums Leben gekommen, 228 davon in Mexiko-Stadt. Dutzende Gebäude in der Hauptstadt stürzten ein, mehr als 100 mussten wegen Erdbebenschäden später abgerissen werden.


Behörden stoppen Abschiebung in Glasgow nach massiven Protesten

GLASGOW: Nach heftigen Protesten von Anwohnern ist die Abschiebung von zwei Menschen in Schottland gestoppt worden. Die Männer wurden wieder freigelassen, nachdem etwa 200 Demonstranten am Donnerstag stundenlang ein Fahrzeug der Migrationsbehörde in der Stadt Glasgow blockiert hatten. Ein Mann hatte sich unter den Wagen gelegt, um ihn an der Abfahrt zu hindern.

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon und ihr Justizminister Humza Yousaf kritisierten die Aktion des britischen Innenministeriums heftig. Das «feindselige Umfeld» der britischen Regierung sei in Schottland nicht willkommen, twitterte Yousaf.

Die schottische Polizei, die nicht an der Abschiebung beteiligt, aber mit zahlreiche Kräften im Einsatz war, ordnete schließlich die Freilassung der beiden Männer an. Damit solle ihre Sicherheit und Gesundheit ebenso wie die der Demonstranten gewährleistet werden. Einer der Männer stammt aus Indien. Er sagte der Nachrichtenagentur PA, er sei von der Unterstützung überwältigt.

Vom Innenministerium in London lag zunächst keine Reaktion vor. Das Büro des zuständigen Staatssekretärs Kevin Foster sagte alle vereinbarten Interviews für den Tag ab, wie PA meldete.


Nawalnys Team will zu Protesten nur noch spontan aufrufen

MOSKAU: Das Team des im Straflager inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny will Proteste künftig nicht mehr im Voraus ankündigen. Sie sollten nur noch spontan stattfinden, schrieb der Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow am Donnerstag in mehreren sozialen Netzwerken. Er verwies zur Begründung auf die mehr als 1700 Festnahmen allein bei den Protesten im April in Russland, zu denen Tage im Voraus aufgerufen worden war. Kremlchef Wladimir Putin habe gezeigt, das Repressionsniveau gegen Organisatoren und Teilnehmer zu erhöhen, meinte der im Ausland lebende Wolkow.

Die russischen Behörden gehen seit Monaten gegen Nawalnys Team vor. Derzeit entscheidet ein Moskauer Gericht über einen Antrag der Staatsanwaltschaft, verschiedene Organisationen des Oppositionellen als extremistisch einzustufen. Die politischen Regionalstäbe des Oppositionellen sind bereits auf die Liste extremistischer und terroristischer Organisationen gesetzt worden. Nawalnys Mitarbeiter kritisieren das Verfahren als politisch motiviert.

Bereits im Januar hatte es landesweit Proteste mit Tausenden Festnahmen gegeben. Die Gründe für die Proteste seien nicht verschwunden, schrieb Wolkow und verwies auf Korruption, wirtschaftliche Stagnation und Putins vierte Amtszeit als Präsident. Nawalny ist bereits seit 115 Tagen inhaftiert. Seine Anwälte wollen nun gegen den Strafvollzug klagen, weil sie keine Handys und Laptops mehr zu den Treffen mit dem 44-Jährigen im Straflager bringen dürften, wie der Jurist Wadim Kobsew der er kremlkritischen Zeitung «Nowaja Gaseta» sagte.


9000 weitere Reservisten der israelischen Armee mobilisiert

TEL AVIV: Israels Verteidigungsminister Benny Gantz hat angesichts der Eskalation im Gaza-Konflikt die Mobilisierung von weiteren 9000 Reservisten genehmigt. Dies teilte sein Büro am Donnerstag mit. Die zusätzlichen Kräfte sollen demnach unter anderem dem südlichen und zentralen Regionalkommando der Streitkräfte zugeteilt werden. Am Dienstag hatte die israelische Armee bereits 5000 Reservisten mobilisiert.

Militante Palästinenser im Gazastreifen setzten am Donnerstag ihre Raketenangriffe auf Israel fort, während Israel weiterhin Ziele in dem Palästinensergebiet beschoss. Nach Angaben der Armee wurden seit Montagabend rund 1750 Raketen auf Israel abgefeuert. Dabei wurden in Israel bislang sieben Menschen getötet. Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 87 Menschen.


Macron will zu Beruhigung im Gaza-Konflikt beitragen

PARIS: Nach der Eskalation im Gaza-Konflikt will der französische Staatspräsident Emmanuel Macron zu einer raschen Beruhigung beitragen. In einem Telefonat mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas habe der 43-Jährige die Raketenangriffe der islamistischen Hamas und «anderer terroristischer Gruppen» auf Israel verurteilt, teilte der Élyséepalast am Donnerstag in Paris mit. Macron habe auch sein Beileid für die zahlreichen Opfer in der palästinensischen Zivilbevölkerung bekundet.

Macron wolle auch mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu telefonieren. Geplant seien weitere Kontakte mit Partnern in der Region, unter anderem mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Seit Montagabend beschießen militante Palästinenser im Gazastreifen Israel mit Raketen. Israels Armee reagiert darauf mit Angriffen auf Ziele im Gazastreifen, vor allem durch die Luftwaffe.


Mahnbescheid gegen Premierminister Johnson aufgehoben

LONDON: Ein Mahnbescheid über 535 Pfund (rund 623 Euro) gegen den britischen Premierminister Boris Johnson ist aufgehoben. Es gebe keinen Fall mehr, sagte ein Richter am Donnerstag und nahm die Forderung zurück. Die Regierung hatte den am Mittwoch bekannt gewordenen Bescheid zuvor als «unbegründet» bezeichnet. Es handle sich um Rechtsmissbrauch, so ein Sprecher. Worum es bei der Forderung ging, war unklar.

Die BBC berichtete unter Berufung auf Gerichtsdokumente, es handele sich um Forderungen im Zusammenhang mit Verleumdungsvorwürfen gegen den Premier. Ein Regierungssprecher hatte zuvor lediglich versichert, es habe nichts mit der aufwendigen Renovierung der Dienstwohnung Johnsons zu tun. Der konservative Politiker war wegen offener Fragen zur deren Finanzierung in den vergangenen Wochen unter Druck geraten.

Mahnbescheide können in Großbritannien ähnlich wie in Deutschland ohne eingehende inhaltliche Prüfung auf Antrag von Gläubigern erlassen werden. Wird kein Widerspruch eingelegt, können sie durchgesetzt werden.


Russland «enttäuscht» von Deutschlands Europarats-Vorsitz

MOSKAU: Kurz vor dem Ende der deutschen Präsidentschaft im Ministerausschuss des Europarats hat sich Russland «enttäuscht» gezeigt über die Rolle Berlins. Deutschland sei nicht sechs Monate lang Vorsitzender einer europaweiten Organisation gewesen, sondern ein Flaggschaff antirussischer Kräfte, sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa, am Donnerstag der Staatsagentur Tass zufolge. Es seien Angriffe auf Russland organisiert worden. Als Beispiel verwies Sacharowa auf die jüngsten Äußerungen des Ministerkomitees unter Außenminister Heiko Maas, dass sich die Menschenrechtslage auf der Halbinsel Krim seit der «illegalen Annexion» durch Moskau entscheidend verschlechtert habe.

Das Verhältnis zwischen Berlin und Moskau ist so eisig wie schon lange nicht mehr. Russland sieht sich zu Unrecht in die Verantwortung genommen für den Anschlag auf den Kremlgegner Alexej Nawalny, für den Mord an einem Georgier im Berliner Tiergarten und für den Hackerangriff auf den Deutschen Bundestag 2015.

Der Europarat mit Sitz im französischen Straßburg setzt sich gemeinsam mit seinem Gerichtshof für die Wahrung der Menschenrechte in seinen 47 Mitgliedstaaten ein. Er ist kein Organ der Europäischen Union. Das Ministerkomitee besteht aus den Außenministern der 47 Länder. In dem Gremium wird die Politik des Europarats festgelegt. Deutschland hatte den Vorsitz im November übernommen.


Frankreichs Innenminister lässt Nahost-Demonstrationen verbieten

PARIS: Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin lässt geplante Nahost-Demonstrationen in Paris verbieten. 2014 sei die öffentliche Ordnung massiv gestört worden, teilte Darmanin am Donnerstag via Twitter als Begründung mit.

Tausende Menschen hatten vor sieben Jahren gegen die damalige israelische Militäroffensive im Gazastreifen demonstriert. Bei Ausschreitungen attackierten Randalierer auch eine Synagoge und jüdische Geschäfte.

Er habe den Pariser Polizeipräfekten angewiesen, die Demonstrationen am Samstag zu untersagen, so Darmanin. Auf die Demonstrationen ging er nicht weiter ein. Die Präfekten seien als oberste Vertreter des Zentralstaates in den einzelnen Regionen aufgefordert worden, besonders wachsam zu sein.

Bei der Eskalation im Gaza-Konflikt haben militante Palästinenser Raketenangriffe auf Israel fortgesetzt. Das israelische Militär setzte seinerseits massive Angriffe auf das Küstengebiet fort.


Johnson will gegen «unbegründeten» Mahnbescheid vorgehen

LONDON: Boris Johnson will gegen einen Mahnbescheid vorgehen, der gegen ihn ausgestellt wurde. Das sagte ein Sprecher des britischen Premierministers am Donnerstag. Tags zuvor war bekannt geworden, dass ein Gericht bereits im vergangenen Oktober einen Mahnbescheid über 535 Pfund (rund 623 Euro) gegen den Regierungschef erlassen hatte. Das geht aus einem öffentlich zugänglichen Register hervor. Die Regierung bezeichnete den Bescheid als «unbegründet». Es handle sich um einen Fall von Rechtsmissbrauch und man werde sich darum bemühen, dass er zurückgenommen werde, so ein Sprecher.

Worum es bei der Forderung geht, war zunächst unklar. Mahnbescheide können in Großbritannien ähnlich wie in Deutschland ohne eingehende inhaltliche Prüfung auf Antrag von Gläubigern erlassen werden. Wird kein Widerspruch eingelegt, können sie durchgesetzt werden. Die BBC berichtete unter Berufung auf Gerichtsdokumente, es gehe um Forderungen im Zusammenhang mit Verleumdungsvorwürfen gegen den Premier. Ein Regierungssprecher hatte zuvor lediglich versichert, es habe nichts mit der aufwendigen Renovierung der Dienstwohnung Johnsons zu tun. Der konservative Politiker war wegen offener Fragen zur deren Finanzierung in den vergangenen Wochen unter Druck geraten.


Netanjahu: Einsatz in Gaza «wird einige Zeit dauern»

TEL AVIV: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Bürger des Landes erneut auf einen längeren Einsatz im Gazastreifen eingestimmt. «Es wird einige Zeit dauern, aber mit großer Entschlossenheit, sowohl defensiv als auch offensiv, werden wir unser Ziel erreichen - die Ruhe im Staat Israel wiederherzustellen», sagte er am Donnerstag bei einem Besuch der Raketenabwehreinheit. Die Verteidigung durch das System «Iron Dome» (Eisenkuppel) gebe Israel Raum für Angriffe, so Netanjahu. Demnach seien schon fast 1000 Ziele der militanten Palästinenser beschossen worden.

Präsident Reuven Rivlin verurteilte die Gewalt auf Israels Straßen. Sie sei «eine echte Bedrohung für die israelische Souveränität». Die gemäßigte Mehrheit von Juden und Arabern müsse sich für Rechtsstaatlichkeit und eine gemeinsame Existenz einsetzen, forderte Rivlin. «Wir dürfen nicht zulassen, dass Extremisten den Ton angeben.»

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern war zuletzt auch auf arabische Ortschaften im israelischen Kernland übergeschwappt. In Akko im Norden des Landes wurde nach Angaben des israelischen Fernsehens ein jüdischer Einwohner von arabischen Demonstranten lebensgefährlich verletzt. In Bat Jam südlich von Tel Aviv griff Medienberichten zufolge eine jüdische Menge einen arabischen Einwohner brutal mit Knüppeln an. Auch arabische Geschäfte wurden attackiert.

Am Dienstag hatten arabische Einwohner der Stadt Lod eine Synagoge sowie Dutzende Autos in Brand gesetzt und Schaufenster eingeworfen. Bürgermeister Jair Revivo sprach von einem «Bürgerkrieg».


Ägypten schickt Delegation zur Vermittlung nach Tel Aviv und Gaza

KAIRO: Nach der Eskalation im Gaza-Konflikt bemüht sich Ägypten erneut um Vermittlung zwischen Israelis und Palästinensern. Eine ägyptische Delegation traf dafür am Donnerstag in Tel Aviv ein, um auf eine Feuerpause zwischen beiden Seiten hinzuarbeiten, wie es aus Sicherheitskreisen hieß. In den Gesprächen solle es auch um Wohnungsräumungen gehen, die palästinensischen Familien in Jerusalem drohten. Am Mittwoch führte eine Delegation aus Kairo bereits Gespräche mit der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas und der militanten Gruppe Islamischer Dschihad im Gazastreifen.

Ägypten ist im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern schon mehrfach als arabischer Vermittler aufgetreten. In der letzten besonders schweren Eskalation im Gaza-Krieg 2014 hatte das Land ebenfalls mit auf eine Waffenruhe hingewirkt. Israelische und palästinensische Unterhändler hatten dafür in Kairo über ägyptische Vermittler Papiere mit ihren jeweiligen Forderungen ausgetauscht.


Samsung stockt Investitionen in Chip-Technologie auf

SEOUL: Der südkoreanische Elektronikriese Samsung will angesichts der globalen Halbleiter-Knappheit seine Milliarden-Investitionen in die Chip-Technologie kräftig aufstocken. Bis 2030 sollen 171 Billionen Won (etwa 125 Milliarden Euro) in das Geschäft mit modernen Chip-Prozessoren und der Auftragsfertigung (Foundry) investiert werden, wie der weltweit größte Hersteller von Speicherchips am Donnerstag mitteilte. Damit sollten die Forschung im Bereich der Prozessor-Technologie und der Bau neuer Produktionsanlagen beschleunigt werden. Samsung hatte ursprünglich im April 2019 Investitionen von 133 Billionen Won angekündigt.

Samsung Electronics hat sich zum Ziel gesetzt, seine Marktführerschaft für Speicherchips, die etwa in Smartphones zum Einsatz kommen, auch auf sogenannte Logikchips bis zum Ende dieses Jahrzehnts ausweiten. Zu diesem Zweck habe Samsung in den vergangenen zwei Jahren mit verschiedenen Halbleiterdesign-Unternehmen, Teileherstellern und Ausrüstern sowie Forschungseinrichtungen zusammengearbeitet, hieß es.

Zudem begann das Unternehmen eigenen Angaben zufolge mit dem Bau einer neuen Produktionslinie in seinem Fertigungskomplex in der etwa 65 Kilometer südlich von Seoul entfernten Stadt Pyeongtaek. Die Anlage soll in der zweiten Hälfte 2022 fertiggestellt werden.

Auch andere große Chip-Unternehmen wie der Branchenprimus Intel in den USA und TSMC in Taiwan wollen mit weiteren Milliarden-Investitionen ihre Kapazitäten deutlich erweitern. Die Knappheit wurde auch von der sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach Technik wie Laptops in der Corona-Pandemie ausgelöst.


Gericht bestätigt Urteil nach tödlichem Pool-Unfall in Prag

PRAG/BRÜNN: Vor knapp vier Jahren starb eine Zwölfjährige aus Baden-Württemberg nach einem Badeunfall in einem Hotelpool in Prag. Das Oberste Gericht Tschechiens in Brünn (Brno) hat nun eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren für einen verantwortlichen Bauleiter bestätigt, wie am Donnerstag aus der Urteilsverkündung hervorging. Der Mann wurde der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden. Der Berufungsantrag wurde in weiten Teilen abgewiesen.

Das Mädchen war am 18. August 2017 beim Tauchen von einem Abflussrohr angesaugt worden und hatte sich nicht mehr selbst befreien können. Erst mit Hilfe der Feuerwehr gelang es, das Kind aus dem Wasser zu holen. Es starb wenige Tage später im Krankenhaus. Mutter und Zwillingsschwester des Mädchens mussten das Unglück mitansehen.

Gutachter stellten folgenschwere Verstöße gegen technische Normen bei Planung und Bau der Anlage fest. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Schutzgitter an dem Rohr «völlig ungeeignet» gewesen seien. Zudem sei die Saugleistung der insgesamt sechs Pumpen viel zu hoch gewesen. Die Einlassöffnung befand sich in einer Tiefe von 2,6 Metern.

Für mehr Sicherheit in Hotelpools setzt sich seit Jahren der deutsche Verein «Parents4safety» ein. Er hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Unfälle an Ansauganlagen dokumentiert, fast alle davon im Ausland. «Alter und Schwimmfähigkeit verlieren an Bedeutung, solange Ansaugöffnungen tödliche Kräfte entwickeln», warnt der Verein auf seiner Internetseite.


Russland will kommerziellen Fang von Walen und Delfinen verbieten

MOSKAU: Russland will den kommerziellen Fang von Walen und Delfinen verbieten. Das kündigte Regierungschef Michail Mischustin am Donnerstag in Moskau an. Ab wann das neue Gesetz gelten soll, sagte der Ministerpräsident zunächst nicht. «Wir rechnen damit, dass dies helfen wird, die Tiere vor rücksichtsloser Ausrottung zu retten.» Russland hatte den kommerziellen Fang im vergangenen Jahr bereits erschwert. Ausgenommen von der neuen Regelung ist offenbar der Fang von Walen und Delfinen für wissenschaftliche Zwecke.

Vor zwei Jahren hatten mehr als 100 im Osten Russlands gefangen gehaltene Wale international für Schlagzeilen gesorgt. Nach Ansicht von Tierschützern wurden sie in viel zu kleinen Becken in einer Bucht am Japanischen Meer gehalten. Die Aktivisten hatten von einem «Wal-Gefängnis» gesprochen und befürchtet, die Tiere könnten an chinesische Aquarien verkauft werden. Sie wurden letztlich in einer aufwendigen Aktion wieder ins Meer freigelassen.


300 Gendarmen suchen mutmaßlichen Todesschützen

NÎMES: Dramatischer Großeinsatz in Südfrankreich: Rund 300 Gendarmen haben einen 29-Jährigen gesucht, der zwei Männer in einem Dorf erschossen haben soll. Die Sicherheitskräfte setzten in dem abgelegenen und bewaldeten Gelände im Département Gard auch Hunde und Hubschrauber ein.

Die Gendarmerie, die zu den Streitkräften gehört, aber auch Polizeiaufgaben übernimmt, veröffentlichte am Donnerstag einen Fahndungsaufruf mit einem Bild des Gesuchten. Dieser sei gefährlich. Der Gesuchte wurden vom seinem Vater in einer emotionalen Audio-Botschaft dazu aufgerufen, sich zu ergeben: «Valentin, es ist Papa, ich liebe dich, wir lieben dich.»

Der 29-Jährige wird verdächtigt, am Dienstag in dem Dorf Plantiers seinen Chef und einen Arbeitskollegen in einem Sägewerk mit Kopfschüssen getötet zu haben. Die Hintergründe des Verbrechens sind bisher unklar - es könnte nach Medienberichten um einen Konflikt über die Arbeitszeit gegangen sein. Der Staatsanwalt von Nîmes, Éric Maurel, sagte im Sender BFMTV, er könne nicht sagen, ob der Gesuchte noch lebe oder nicht.

In Medien war von einer «Menschenjagd in den Cevennen» die Rede. Der Angreifer sei zu Fuß geflüchtet und sei wohl mit einem Präzisionsgewehr und einer Pistole bewaffnet, berichtete die Gendarmerie. Der Verdächtige sei Sportschütze und Jäger, schrieb die Tageszeitung «Le Parisien».


Israel greift Anlage des Hamas-Geheimdienstes an

TEL AVIV: Israelische Kampfjets haben nach Militärangaben eine Anlage des Hamas-Geheimdienstes beschossen. Auf dem Areal befindet sich das wichtigste militärische Beobachtungszentrum der Organisation, wie die Armee am Donnerstag mitteilte. Dutzende Mitglieder der islamistischen Hamas sollen sich demnach zur Zeit des Angriffs dort aufgehalten haben. Ob es Tote oder Verletzte unter ihnen gab, sagte die Armee nicht.

Als Reaktion auf fortwährende Raketenangriffe militanter Palästinenser auf israelische Städte setzte das israelische Militär am Donnerstag seine massiven Angriffe auf den Gazastreifen fort. Ziel sind vor allem Einrichtungen der Hamas und der militanten Gruppe Islamischer Dschihad.

Einem Armeesprecher zufolge wurden in Israel bislang sieben Menschen durch Beschuss getötet. Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 87 Menschen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stimmte die Bürger des Landes zuletzt erneut auf einen längeren Einsatz im Gazastreifen ein.


USA wollen erstmal keine Sicherheitsratssitzung zum Nahost-Konflikt

NEW YORK: Die Vereinigten Staaten lehnen eine für Freitag angedachte erneute Sitzung des UN-Sicherheitsrates zur eskalierenden Gewalt in Nahost ab. Die USA kündigten in einem internen Schreiben Diplomatenangaben zufolge an, die von 9 der 15 Ratsmitgliedern angefragte offene Sitzung nicht unterstützen zu können, weil die diplomatischen Bemühungen andauerten.

«Wir glauben, dass ein offenes Treffen morgen diese deeskalatorischen Bemühungen nicht unterstützen wird», hieß es darin. Die Amerikaner schlugen die Verlegung der Beratungen auf Dienstag vor. Kreise im mächtigsten UN-Gremium gehen nun davon aus, dass die angedachte Sitzung damit wahrscheinlich zunächst nicht stattfindet.

Der Sicherheitsrat hatte sich diese Woche bereits zwei Mal wegen der Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern getroffen. Die USA - der wichtigste Verbündete Israels - hatte eine gemeinsame Stellungnahme des Gremiums bislang verhindert.


Deutsche Welle bedauert TV-Interview mit Aktivisten zu Gaza-Konflikt

BONN: Die Deutsche Welle (DW) hat für einen Fehler in einem TV-Interview zur Eskalation im Gaza-Konflikt um Entschuldigung gebeten und den Beitrag entfernt. Ein Sprecher des deutschen Auslandssenders teilte am Donnerstag mit, dass in der am Dienstag ausgestrahlten Nachrichtensendung ein palästinensischer Aktivist schwerste Vorwürfe gegenüber Israel geäußert habe. «Wir sind der Ansicht, dass seine Äußerungen antisemitisch sind und terroristische Akte rechtfertigen sollten.»

Vorbereitung und Durchführung des Interviews seien mangelhaft gewesen, hieß es von dem Sprecher weiter. «Auch wenn es in einer Live-Situation nicht immer möglich ist, Äußerungen von Interviewgästen komplett zu unterbinden, hätte dieser Fehler nicht passieren dürfen. Wir bedauern dies.»

Das Interview strahlte die Deutsche Welle in der englischsprachigen Nachrichtensendung «The Day» aus. Seit mehreren Tagen gibt es von militanten Palästinensern im Gazastreifen Raketenangriffe auf Israel.

Der Sprecher betonte: «Die DW hat das Ziel, immer ausgewogen und faktenbasiert zu berichten. Das gilt auch für unsere Berichterstattung über den Nahostkonflikt. In diesem Fall und der besagten Sendung ist uns das leider nicht gelungen.»


Dänemark beginnt mit Exhumierung von Nerz-Kadavern

KOPENHAGEN: In Dänemark hat am Donnerstag die Exhumierung von mehreren Millionen getöteten Nerzen begonnen. Sie waren im vergangenen Jahr gekeult worden, nachdem in den Nutztieren mutierte Coronavirus-Varianten aufgetreten waren, die sich auch auf Menschen übertrugen.

Die Kadaver waren zunächst an mehreren Standorten vergraben worden, wurden aber durch Fäulnisgase teilweise wieder an die Oberfläche gebracht. Wie die dänische Nachrichtenagentur Ritzau berichtete, sollen sie nun in mehreren Etappen verbrannt werden. Insgesamt handelt es sich um vier Millionen Tiere, die wegen ihres Pelzes gezüchtet wurden. Sie wiegen geschätzt mehr als 13.000 Tonnen.

Die eigentlichen Arbeiten sollen erst Ende des Monats beginnen und sich bis Mitte Juli hinziehen. Am Donnerstag begann lediglich eine Testphase, weil keine der 13 beteiligten Müllverbrennungsanlagen Erfahrungen mit der Mischung aus Nerz-Kadavern, Kalk, Erde und Salz habe, hieß es in dem Ritzau-Bericht.

Auch das Erdreich unter den Nerz-Gräbern müsse abgetragen und ersetzt werden, hieß es weiter. Erst dann sei mit einem Ende der Geruchsbelästigung für Anwohner zu rechnen. Ein Mitarbeiter der dänischen Umweltbehörde riet den Menschen in angrenzenden Ortschaften laut dem dänischen Rundfunksender DR von Gartenpartys bis zum Abschluss der Arbeiten ab. Auch nur die Fenster offen zu lassen oder Wäsche im Freien aufzuhängen, sei nicht empfehlenswert.


Kreml: Mögliches Treffen von Putin und Biden auch online denkbar

MOSKAU: Ein mögliches Treffen von Kremlchef Wladimir Putin mit seinem US-Kollegen Joe Biden könnte aus Sicht Moskaus auch als Video-Konferenz abgehalten werden. Das müssten am Ende Epidemiologen entscheiden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Er antwortete damit auf eine Frage von Journalisten, ob der russische Präsident Biden persönlich treffen könnte oder ob sie sich online austauschen.

An diesem Donnerstag wollte Putin ein Gespräch mit UN-Generalsekretär António Guterres führen, der sich derzeit in Moskau aufhält - allerdings im Video-Format. Peskow begründete die Entscheidung mit der Pandemie und einer entsprechenden Empfehlung von Experten. Der Präsident, der laut Kreml bereits gegen das Coronavirus geimpft ist, müsse alle Vorsichtsmaßnahmen beachten.

Biden hatte Putin angesichts erheblicher Spannungen zwischen beiden Staaten ein Gipfeltreffen in einem Drittland vorgeschlagen, nach seinen Vorstellungen im Sommer in Europa. Der Kreml hat bislang offengelassen, ob Putin die Einladung annimmt. Biden wird Mitte Juni unter anderem wegen eines Nato-Gipfels nach Europa kommen.


Angriff auf Schule : Noch fünf Schüler in ernstem Zustand

KASAN: Zwei Tage nach dem Amoklauf an einer Schule in Russland kämpfen die Ärzte weiter um das Leben von fünf schwer verletzten Schülern. Der Zustand eines Kindes sei äußerst schlecht, sagte eine Sprecherin der Republik Tatarstan am Donnerstag der Staatsagentur Tass zufolge in Kasan. «Alle sind aber stabil.» Sie hätten entweder Schusswunden oder Knochenbrüche erlitten.

Am Mittwoch waren neun Verletzte zur Behandlung in die Hauptstadt Moskau geflogen worden. Sie hätten den Transport gut verkraftet, sagte die Sprecherin. «Die Ärzte tun alles in ihrer Macht stehende, um das Leben und die Gesundheit zu retten.»

Bei dem Angriff auf eine Schule in der Großstadt Kasan etwa 720 Kilometer östlich von Moskau waren am Dienstag neun Menschen getötet und 23 verletzt worden. Die meisten Opfer waren Schüler.

Die Polizei hatte nach der Tat einen 19-Jährigen festgenommen. Der Tatverdächtige war am Mittwochabend zu zwei Monaten Untersuchungshaft verurteilt worden. In diesem Zeitraum solle auch ein psychologisches Gutachten erstellt und seine Schuldfähigkeit überprüft werden, teilte das Gericht mit. Der Mann wurde wegen Mordes angeklagt.


Armee: Dutzende Raketen in der Nacht auf Israel abgefeuert

TEL AVIV: Militante Palästinenser haben nach Angaben der israelischen Armee in den vergangenen Stunden Dutzende Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Seit 20.00 Uhr am Mittwochabend wurden rund 130 Starts registriert, schrieb die Armee am Donnerstagmorgen bei Twitter. Etwa 25 seien noch im Gazastreifen niedergegangen, Dutzende seien vom Abwehrsystem Eisenkuppel («Iron Dome») abgefangen worden. Auch in der Küstenmetropole Tel Aviv waren in der Nacht wieder Warnsirenen ertönt.

Militante Palästinenser hatten am Montagabend mit massiven Raketenangriffen auf Israel begonnen. Israel beschoss anschließend vor allem aus der Luft Ziele in dem von der islamistischen Hamas beherrschten Gebiet.


Polizei: Fünf Verletzte bei nächtlichen Angriffen auf Israel

TEL AVIV: Bei den Raketenangriffen aus dem Gazastreifen auf Israel sind in der Nacht auf Donnerstag nach Angaben der Polizei fünf Menschen in Petach Tikwa leicht verletzt worden.

Wie ein Sprecher am Morgen mitteilte, gab es einen direkten Treffer in der Stadt. Ein Gebäude und dessen Umgebung seien schwer beschädigt worden. Fünf Menschen seien leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Experten zur Kampfmittelbeseitigung seien vor Ort. Petach Tikwa liegt im Osten der Küstenmetropole Tel Aviv.


Vogelküken an lauten Straßen lernen schlechter singen

SEEWIESEN: Ständiger Verkehrslärm stört Jungvögel beim Erlernen ihres Gesangs und hemmt ihr Immunsystem. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen bei Starnberg. «Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass junge Singvögel genau wie menschliche Kinder besonders anfällig für die Auswirkungen von Lärm sind, weil dieser das Lernen in einem kritischen Entwicklungsstadium beeinträchtigen kann», sagte der Leiter des internationalen Forschungsprojekts, Henrik Brumm, am Mittwochabend.

Die Forscherinnen und Forscher halten es sogar für möglich, dass Verkehrslärm auf Dauer den Vogelgesang an sich verändern kann. Lärmbedingte Kopierfehler häuften sich wahrscheinlich an, wenn der Gesang von einem Vogel zum anderen weitergegeben werde, so ihre Vermutung.

Für die Studie hatte das Forschungsteam männlichen Zebrafinken-Küken regelmäßig den Gesang erwachsener Männchen vorgespielt. Eine Gruppe Vögel bekam zusätzlich Lärm zu hören, wie er entlang stark befahrener Straßen auftritt. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die Tiere aus lauten Nestern schwächere Immunreaktionen hatten. «Lärm scheint also eine Quelle für chronischen Stress bei diesen Jungvögeln gewesen zu sein», so ihr Fazit. Zudem sei die stimmliche Entwicklung der Küken stark verzögert und die Genauigkeit beim Erlernen des Gesangs deutlich geringer gewesen.

Die Forscher beobachten Zebrafinken schon länger. Im Herbst 2019 hatten sie eine Studie veröffentlicht, wonach Küken, die mit Straßenlärm aufwuchsen, kleiner waren als solche aus einem ruhigen Nistplatz. Später würden sie den Rückstand zwar wieder aufholen, Langzeitfolgen seien aber nicht auszuschließen. Andere Untersuchungen ergaben beispielsweise, dass Vögel lauter und zu anderen Zeiten singen, um Straßengeräusche zu übertönen.


Australischer Bundesstaat kämpft gegen verheerende Mäuseplage

SYDNEY: Sie zerstören die Ernte, beißen Menschen und übertragen Krankheiten - der australische Bundesstaat New South Wales hat mit der schlimmsten Mäuseplage seit rund 40 Jahren zu kämpfen. Nun stellt der Staat vor allem seinen Bauern und Produzenten Finanzhilfen von umgerechnet rund 32 Millionen Euro zur Verfügung, wie der Landwirtschaftsminister des Bundesstaates, Adam Marshall, dem Radiosender 2GB am Donnerstag sagte. Damit sollen die durch die Schäden erlittenen Verluste kompensiert werden, zudem sollen kleine Unternehmen und auch Haushalte Rabatte für den Kauf von Fallen und Gift bekommen. Landwirte sollen demzufolge chemische Giftköder sogar kostenlos erhalten, «um diese Geißel zu bekämpfen».

Marshall sagte: «Eine Plage von diesem Ausmaß haben wir wirklich seit den frühen 80er Jahren nicht mehr gesehen, und jeder hat gehofft, dass die kühlen Bedingungen im Winter die Zahl der Mäuse eindämmen würde. Bis jetzt hat nichts funktioniert.» Er kündigte an, die Genehmigung eines bislang verbotenen Gifts einholen zu wollen. Das sogenannte Bromadialon sei «das stärkste Mäusegift», das man auf der Welt bekommen könne. Die Nagetierplage treibt in dem Bundesstaat seit Monaten ihr Unwesen.

Von Anfang Januar bis Ende April wurden der Gesundheitsbehörde des Staats 23 Fälle von Leptospirose gemeldet. Das ist eine seltene Krankheit, die zu Nierenversagen und Hirnhautentzündung führen kann - und häufig von Mäusen übertragen wird. Im gesamten Jahr 2020 waren es laut australischer Nachrichtenagentur AAP elf Fälle.


Jemen-Vermittler Griffiths neuer Chef von UN-Nothilfebüro

NEW YORK: Der britische Jemen-Vermittler Martin Griffiths leitet künftig das UN-Nothilfebüro Ocha. Der 69-Jährige folgt auf den ebenfalls britischen Diplomaten Martin Lowcock, der im Februar angekündigt hatte, sich von seiner Position zurückzuziehen, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können.

Griffiths hatte sich in den vergangenen Jahren als Jemen-Vermittler mit unermüdlicher Arbeit unter komplizierten Umständen einen Namen gemacht. Er soll in der Stellung bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist. Griffiths hat viele Jahre Erfahrung in Konflikt-Vermittlung und humanitärer Arbeit: Von 1999 bis 2010 führte er das Zentrum für humanitären Dialog in Genf, von 2014 bis 2018 das Europäische Friedensinstitut.


US-Präsident Biden betont Selbstverteidigungsrecht Israels

WASHINGTON/TEL AVIV: US-Präsident Joe Biden hat angesichts der eskalierenden Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern das Selbstverteidigungsrecht Israels betont. Das Weiße Haus teilte am Mittwochabend (Ortszeit) mit, Biden habe bei einem Telefonat mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu die Raketenangriffe der Hamas und anderer Terrorgruppen gegen Israel verurteilt. Der US-Präsident habe außerdem «seine unerschütterliche Unterstützung für Israels Sicherheit und für Israels legitimes Recht, sich selbst und sein Volk zu verteidigen», zum Ausdruck gebracht. Biden habe Israel zugleich ermutigt, «einen Weg zur Wiederherstellung einer nachhaltigen Ruhe zu beschreiten».

Netanjahus Büro teilte mit, der Premierminister habe Biden in dem Gespräch für die amerikanische Unterstützung des israelischen Rechts auf Selbstverteidigung gedankt. Netanjahu habe auch angekündigt, «dass Israel weiterhin Maßnahmen ergreifen werde, um die militärischen Fähigkeiten der Hamas und der anderen im Gazastreifen operierenden Terrororganisationen anzugreifen». Biden äußerte am Rande eines Auftritts im Weißen Haus am Mittwoch seine Hoffnung, dass die Gewalt bald gestoppt werden könne.

Die US-Regierung hatte sich zuvor zutiefst besorgt gezeigt und die Konfliktparteien eindringlich zur Deeskalation aufgerufen. US-Außenminister Antony Blinken sagte am Mittwoch, er habe den zuständigen Spitzendiplomaten Hady Amr gebeten, umgehend in die Region zu reisen und sich mit Vertretern beider Seiten zu treffen. Amr werde in Bidens Namen auf eine Deeskalation drängen. «Israel hat das Recht, sich zu verteidigen», sagte Blinken. «Die Palästinenser haben ein Recht darauf, in Sicherheit zu leben.»

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hat sich in den vergangenen Tagen wieder zugespitzt. Militante Palästinenser feuerten nach Angaben der israelischen Armee bisher mehr als 1000 Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel ab. Israels Luftwaffe habe ihrerseits Hunderte Ziele in dem abgeschotteten Küstengebiet attackiert. Auf beiden Seiten gab es Todesopfer.


Wieder Raketenalarm in Tel Aviv

TEL AVIV: In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv ist am Donnerstag erneut Raketenalarm ausgelöst worden.

In der Stadt waren heulende Warnsirenen und Explosionen zu hören. Es war die fünfte Angriffswelle seit Dienstagabend. Die Küstenmetropole - Israels Wirtschaftszentrum - wurde in der Nacht zum Mittwoch so heftig mit Raketen beschossen wie nie zuvor.


Israels Sicherheitskabinett beschließt Ausweitung der Gaza-Angriffe

JERUSALEM: Israels Sicherheitskabinett hat nach Medienberichten eine Ausweitung des Militäreinsatzes gegen die im Gazastreifen herrschende islamistischen Hamas beschlossen. Die Armee solle von sofort an gezielt «Symbole der Hamas-Herrschaft» in dem Palästinensergebiet angreifen, berichtete der Sender Kanal 12 am Mittwochabend. Lokalen Medienberichten zufolge wurden das Finanzministerium im Herzen der Stadt Gaza sowie eine Bank der Hamas zerstört. Dies solle der Hamas die finanzielle Kontrolle im Gazastreifen erschweren.

Bei israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen waren nach Angaben des von der Hamas geführten Innenministeriums schon alle Polizeigebäude in dem Küstengebiet zerstört worden. Die Hamas wird von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu lehnt den Berichten zufolge eine Waffenruhe zu diesem Zeitpunkt ab. Die USA wollen einen Spitzendiplomaten in die Region schicken, um sich mit führenden Vertretern beider Seiten zu treffen. Hady Amr will auch im Namen von US-Präsident Joe Biden auf eine Deeskalation der Gewalt drängen. Auch Unterhändler Ägyptens, Katars und der Vereinten Nationen bemühen sich nach Medienberichten um eine Beruhigung.

Seit Montagabend beschießen militante Palästinenser Israel massiv mit Raketen. Dabei sind bislang fünf Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden. Israels Armee reagiert darauf nach eigenen Angaben mit dem umfangreichsten Bombardement seit dem Gaza-Krieg von 2014. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza beträgt die Zahl der seit Montag getöteten Palästinenser 65 - darunter 16 Kinder und fünf Frauen. 365 Menschen seien verletzt worden.


Biden spricht mit Netanjahu - USA schicken Spitzendiplomaten

WASHINGTON: Vor dem Hintergrund der eskalierenden Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern hat US-Präsident Joe Biden mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu telefoniert. Das sagte Biden am Mittwoch (Ortszeit) im Weißen Haus. Der US-Präsident betonte zugleich: «Israel hat das Recht, sich selbst zu verteidigen.» Biden äußerte seine Hoffnung, dass die Gewalt bald gestoppt werden könne. Seine Regierung hatte sich zuvor zutiefst besorgt gezeigt und die Konfliktparteien eindringlich zur Deeskalation aufgerufen.

US-Außenminister Antony Blinken sagte am Mittwoch, er habe den zuständigen Spitzendiplomaten Hady Amr gebeten, umgehend in die Region zu reisen und sich mit Vertretern beider Seiten zu treffen. Amr werde auch in Bidens Namen auf eine Deeskalation drängen.

Blinken verurteilte die Raketenangriffe der «Terrororganisation Hamas» aus dem Gazastreifen auf israelische Zivilisten auf das Schärfste. «Israel hat das Recht, sich zu verteidigen», sagte er. «Die Palästinenser haben ein Recht darauf, in Sicherheit zu leben. Und das Wichtigste ist jetzt, die Gewalt einzudämmen.» Der Minister fügte hinzu, die USA seien weiterhin einer Zweistaatenlösung verpflichtet. «Diese Gewalt bringt uns weiter weg von diesem Ziel.»

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hat sich in den vergangenen Tagen wieder zugespitzt. Militante Palästinenser feuerten nach Angaben der israelischen Armee bisher mehr als 1000 Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel ab. Israels Luftwaffe habe ihrerseits Hunderte Ziele in dem abgeschotteten Küstengebiet attackiert. Auf beiden Seiten gab es Todesopfer.

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