Nachrichten aus der Wirtschaft am Freitag

Collage: DER FARANG
Collage: DER FARANG

Ukraine: Deutschland sollte Gaslieferung durch Nord Stream 1 stoppen

KIEW: Der ukrainische Staatskonzern Naftogaz und der staatliche Netzbetreiber haben an Deutschland appelliert, russische Erdgas-Lieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 einzustellen oder zumindest spürbar zu drosseln. Die Leitung durch die Ostsee sei unter anderem erlaubt worden, um die Gasversorgung Europas zu sichern, sagte Konzernchef Serhij Makohon am Freitag im ukrainischen Fernsehen. «Aber wir sehen, dass Russland diese Prinzipien völlig verletzt.» Er fordere daher das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur auf, die Lieferungen auszusetzen oder mindestens stark zu begrenzen.

Die 1224 Kilometer lange und 2011 in Betrieb genommene Pipeline, die durch die Ostsee nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern führt, ist die wichtigste Verbindung für russisches Erdgas nach Deutschland. 2021 wurden Unternehmensangaben zufolge mehr als 59 Milliarden Kubikmeter vom westrussischen Wyborg aus transportiert. Deutschland und andere europäische Länder lehnen einen sofortigen Ausstieg aus russischem Gas aus, weil sie eine Wirtschaftskrise befürchten.


Slowakei verringert Erdgas-Abhängigkeit von Russland

BRATISLAVA: Die Slowakei hat ihre Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen beträchtlich verringert. Das gaben Ministerpräsident Eduard Heger und Wirtschaftsminister Richard Sulik am Freitag bekannt. Heger verkündete an einer neu errichteten Erdgas-Kompressorstation in der ostslowakischen Gemeinde Vyrava den Beginn des Testbetriebs einer Gaspipeline, die Polen und die Slowakei verbindet. Die mit EU-Förderungen gebaute Leitung werde der Slowakei ermöglichen, Gas auch aus Norwegen und Übersee zu beziehen.

Wirtschaftsminister Richard Sulik gab in Bratislava die Unterzeichnung von mehreren Gaslieferverträgen bekannt. Eine Vereinbarung mit Norwegen könne ab Juni 32 Prozent des slowakischen Bedarfs abdecken. Weitere 33 Prozent seien durch gleichzeitig abgeschlossene andere Vereinbarungen zur Lieferung von Flüssiggas mittels Tankern über die Ostsee und Polen gesichert.

Um die Verhandlungen nicht zu gefährden, habe er über die Details bisher Stillschweigen bewahrt. «Heute kann ich Ihnen mitteilen, dass wir unsere Abhängigkeit von russischem Gas um 65 Prozent reduziert haben», sagte Sulik. Bisher bezog die Slowakei mehr als 80 Prozent ihres Erdgasbedarfs aus Russland.


Eurokurs gestiegen - EZB-Referenzkurs: 1,0722

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Freitag gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0722 (Donnerstag: 1,0697) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9327 (0,9348) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84875 (0,85073) britische Pfund, 136,05 (135,95) japanische Yen und 1,0258 (1,0283) Schweizer Franken fest.


Portugals Parlament verabschiedet umstrittenen Haushalt für 2022

LISSABON: Mit knapp siebenmonatiger Verzögerung hat das Parlament in Portugal den umstrittenen Staatshaushalt für 2022 verabschiedet. Der Etat wurde am Freitag in Lissabon mit deutlicher Mehrheit angenommen. Die Ablehnung des Haushaltsplans durch das Parlament hatte im November zu einer Regierungskrise und einer Neuwahl geführt, bei der aber die regierenden Sozialisten von Ministerpräsident António Costa Ende Januar völlig überraschend die absolute Mehrheit der Sitze in der «Assembleia da República» errangen. Deshalb war die Regierung diesmal nicht auf die Stimmen der Opposition angewiesen, die nahezu geschlossen gegen den Entwurf votierte. Der Haushalt wurde mit 120 zu 109 Stimmen verabschiedet.

Im Etat des früheren Euro-Krisenlandes ist ein Defizit von nur 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vorgesehen. Das wären 0,9 Punkte unter dem Ergebnis von 2021. Ungeachtet der pandemiebedingten Probleme hatte Portugal im vergangenen Jahr erneut eine beachtliche Ausgabendisziplin gezeigt. Der Fehlbetrag von 2,8 Prozent lag 1,5 Prozentpunkte unter dem im Haushalt für 2021 festgelegten Ziel und auch 0,2 Punkte unter der von Brüssel festgelegten Obergrenze. Allerdings sollen die wegen der Corona-Krise ausgesetzten EU-Schulden-Regeln wegen des Ukraine-Krieges erst wieder 2024 gelten.

Costa sagte nach der Verabschiedung, Portugal habe die Krise am Freitag «endgültig überwunden». Die Ausgabenpolitik der Sozialisten wird unterdessen sowohl von der konservativen als auch von der linken Opposition sowie vom Gewerkschaftsdachverband CGTP scharf kritisiert. Die vorgesehene Anhebung der Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst sei zu gering und führe vor allem in einer Zeit hoher Inflation zu einem großen Kaufkraftverlust, heißt es. Vor dem Parlament protestierten am Freitag Hunderte für höhere Löhne.


Twitter zahlt nach Datenschutz-Klage 150 Millionen Dollar

WASHINGTON: Twitter hat der US-Regierung zufolge Kontaktdaten von Nutzern für Werbung verwendet - das kostet den Online-Dienst nun 150 Millionen Dollar. Das Unternehmen einigte sich auf eine Strafzahlung in dieser Höhe, um eine Datenschutzklage amerikanischer Behörden beizulegen.

Dax steigt auf Fünf-Wochen-Hoch

Der Dax hat mit weiteren Kursgewinnen seinen positiven Trend bestätigt. Am Nachmittag gewann der Leitindex 0,67 Prozent auf 14.327 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,66 Prozent auf 29.624 Punkte hoch.


Mercedes ruft in USA Hunderttausende Autos zurück

WASHINGTON: Mercedes-Benz muss bei knapp 235.000 Pkw in den USA ein Software-Problem beheben. Betroffen sind nach Unternehmensangaben bestimmte Fahrzeuge vieler Klassen, etwa CLA, GLA, GLE, GLS, A sowie C der Baujahre 2017 bis 2022. Hinzukommen knapp 20.000 Vans und kleinere Transporter wie der Sprinter aus den Baujahren 2019 bis 2021.


Shanghai-Lockdown schlägt durch - Verschärfte Lieferprobleme drohen

ROTTERDAM: Der deutschen Wirtschaft droht als Folge chinesischer Lockdowns und Schiffsstaus eine Verschärfung der Lieferprobleme. Nach Angaben des Instituts für Weltwirtschaft und des Rotterdamer Hafens ist die Zahl der aus China Richtung Westen fahrenden Schiffe gesunken. Die Londoner Schifffahrtsberatung Drewry schätzt, dass in Shanghai allein im April 260.000 für den Export bestimmte Container nicht verladen wurden.


Fluggastzahl erreicht zwei Drittel des Vorkrisenniveaus

BERLIN: An den deutschen Flughäfen haben die Passagierzahlen im April rund zwei Drittel des Vor-Corona-Niveaus erreicht. 13,6 Millionen Gäste bedeuteten eine Steigerung um nahezu 500 Prozent im Vergleich zum April des Jahres 2021, wie der Flughafenverband ADV berichtete. Das waren 64,2 Prozent des Aufkommens aus dem April 2019.


Bahn: Gespräche zu 9-Euro-Ticket auf einigen IC-Abschnitten laufen

BERLIN: Wenige Tage vor dem Start des 9-Euro-Tickets sind noch nicht sämtliche Fragen zum Geltungsbereich geklärt. So gilt die Aktionsfahrkarte nicht auf einigen Intercity-Abschnitten, auf denen Fahrgäste mit anderen Nahverkehrsfahrkarten zusteigen dürfen.


Störung von Zahlungsterminals im Einzelhandel hält an

ESCHBORN: Im deutschen Einzelhandel müssen Kunden beim bargeldlosen Bezahlen weiter mit Einschränkungen rechnen. Die Störung bei Verifone-H5000-Bezahlterminals, von der alle Netzbetreiber betroffen seien, dauere an, teilte der Zahlungsdienstleister Concardis mit. Der Hersteller Verifone arbeite mit Hochdruck an einer Lösung.


Scholz: Weltweite Finanzkrise wegen China-Krediten in Afrika droht

STUTTGART: Mit Blick auf die umfassende Vergabe von chinesischen Krediten an ärmere Staaten vor allem in Afrika warnt der deutsche Kanzler Olaf Scholz vor einer weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise.

Deutschland stimme sich mit im sogenannten Paris Club zusammengeschlossenen westlichen Gläubigerländern ab und informiere über die Kreditvergaben, um frühere Fehler nicht zu wiederholen. «Eine der ganz, ganz großen Ambitionen, die wir verfolgen, ist es, China als Land, das auf neue Weise viele Kredite vergibt, da miteinzubeziehen», sagte Scholz am Freitag beim Katholikentag in Stuttgart.

Es bestehe die «wirklich ernste Gefahr, dass die nächste große Schuldenkrise des globalen Südens aus Krediten stammt, die China weltweit vergeben hat und selbst nicht ganz überblickt, weil da so viele Akteure dabei sind», warnte der Kanzler. «Das würde dann sowohl China als auch diesen globalen Süden in eine große Wirtschafts- und Finanzkrise stürzen und übrigens den Rest der Welt nicht untangiert lassen.» Es sei ein ernstes Anliegen, dies zu ändern, sagte Scholz.

Der Kanzler nannte als europäische Initiative unter anderem die Strategie «Global Gateway». Mit ihr will die Europäische Union aufholen und rund 150 Milliarden Euro für Infrastrukturprojekte in Afrika bereitstellen.


Nach Ernteprognose: Moskau sagt 50 Millionen Tonnen Getreideexport zu

MOSKAU: Das russische Landwirtschaftsministerium hat die vorläufige Prognose für die Getreideernte bestätigt und zugesagt, bei diesem Ergebnis mindestens 50 Millionen Tonnen Getreide zu exportieren. Derzeit prognostiziere das Ministerium eine Ernte von 130 Millionen Tonnen. Bei diesem Ergebnis «können wir 50 Millionen Tonnen für den Export ausführen», sagte Vizelandwirtschaftsministerin Oxana Lut laut der Nachrichtenagentur Interfax bei einem Auftritt auf dem russischen Getreideforum am Freitag. Der Export könne sich auch auf mehr als 50 Millionen belaufen, fügte sie hinzu.

Im Gegensatz dazu wird das derzeit geltende Exportverbot für Sonnenblumen über den August hinaus verlängert. Lut begründete dies mit mangelnden Reserven im eigenen Land für die Herstellung von Sonnenblumenöl.

Russland ist wie die Ukraine einer der größten Getreideexporteure weltweit. Der von Russlands Präsident Wladimir Putin befohlene Angriffskrieg gegen das Nachbarland hat auf den Weltmärkten zu einem deutlichen Anziehen der Lebensmittelpreise geführt. Experten befürchten angesichts der blockierten ukrainischen Häfen eine Hungersnot in Teilen der Welt. Moskau hat Vorwürfe zurückgewiesen, darauf zu spekulieren und wirft seinerseits dem Westen vor, durch Sanktionen gegen Russland die Lebensmittelkrise zu verschärfen.


G7-Bekenntnis zur Stromversorgung ohne Kohle

BERLIN: Die sieben großen Industrienationen bekennen sich dazu, die Stromgewinnung aus Kohle zu beenden. Zum Abschluss des Treffens der Klima- und Umweltminister in Berlin verpflichteten sich die G7-Staaten am Freitag erstmalig zum Ziel einer überwiegend dekarbonisierten Stromversorgung bis zum Jahr 2035. Nach Angaben des Wirtschaftsministerium sagten die Teilnehmer in der Abschlusserklärung ferner zu, ihre Klimaambitionen zu steigern und die entsprechenden Finanzhilfen für ärmere Länder bis 2025 zu verdoppeln.

Bundeswirtschafts- und -klimaminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einem «starken Signal für mehr Klimaschutz». Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) ergänzte: «Es ist kein verzagtes Weiter-so, sondern ein mutiges Jetzt-erst-recht.»


Bundesbankpräsident erwartet mehrere Zinserhöhungen dieses Jahr

FRANKFURT/MAIN: Angesichts der Inflation stellt Bundesbankpräsident Joachim Nagel mehrere Leitzinserhöhungen der EZB in diesem Jahr in Aussicht. «In unserer Juni-Sitzung müssen wir ein deutliches Signal geben, wohin die Reise geht», sagte Nagel dem «Spiegel». «Aus meiner heutigen Sicht müssen wir dann im Juli einen ersten Zinsschritt machen und weitere in der zweiten Jahreshälfte folgen lassen.»


Schulze fordert Putin zu Freigabe von ukrainischem Getreide auf

KIEW/BORODJANKA: Entwicklungsministerin Svenja Schulze hat bei ihrem Ukraine-Besuch den russischen Präsidenten Wladimir Putin dazu aufgefordert, Getreidelieferungen über die ukrainischen Häfen zu ermöglichen. «Putin ist daran schuld, dass es in vielen Ländern jetzt womöglich zu Hungerkatastrophen kommt», sagte Schulze am Freitag der Deutschen Presse-Agentur im Kiewer Vorort Borodjanka.

Schulze wies die russischen Vorwürfe zurück, dass die westlichen Sanktionen eine globale Hungerkrise provozierten. Lebensmittel seien von den Sanktionen ausgeschlossen, betonte die Ministerin, die als zweites deutsches Regierungsmitglied in die Ukraine gereist ist. «Was Putin aber faktisch macht, ist, dass er die Häfen bombardiert und dadurch verhindert, dass Lebensmittel aus der Ukraine überhaupt exportiert werden können». Das müsse aufhören, forderte Schulze.

Russland hatte die teilweise Aufhebung der westlichen Sanktionen als Bedingung für die Lösung der globalen Lebensmittelkrise genannt. Zugleich wies Moskau Vorwürfe zurück, ukrainische Häfen zu blockieren. Diese seien durch von der Ukraine selbst gelegte Seeminen unzugänglich. Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte immerhin erstmals am Donnerstag Zeitfenster und Korridore für die mögliche Ausfahrt ausländischer Schiffe aus ukrainischen Gewässern. Für die Sicherheit der Hafenausfahrt sei aber Kiew zuständig.


Umweltministerin: G7 mit «konkreten Vereinbarungen» zum Kohleausstieg

BERLIN: Die G7-Umwelt- und Energieminister haben nach Aussage von Bundesumweltministerin Steffi Lemke bei ihrem Treffen in Berlin konkrete Vereinbarungen zum Kohleausstieg getroffen. «Es gibt ganz konkrete Erklärungen und Vereinbarungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien, aber auch beispielsweise zum Kohleausstieg», sagte die Grünen-Politikerin in der Sendung «Frühstart» von RTL und ntv. Die Abschlusserklärung der Tagung werde «eine sehr starke Betonung von Klimaschutz, von Schutz der biologischen Vielfalt der Natur und aber auch Engagement gegen Plastikverschmutzung» haben.

Die G7-Umwelt- und Energieminister beraten seit Mittwoch in Berlin, am Freitag wollten sich Lemke und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei einer Pressekonferenz mit den Ministern Großbritanniens und Japans zu den Ergebnissen äußern. Am Nachmittag sollte eine Abschlusserklärung veröffentlicht werden.

Deutschland hat derzeit den Vorsitz der Staatengruppe, zu der auch Frankreich, Italien, Kanada und die USA gehören, inne. An dem Treffen nahmen auch Vertreter aus Indonesien teil, derzeit Vorsitzland der G20-Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer.

Laut Lemke haben die G7-Minister auch vereinbart, dass noch in diesem Jahr die Weltnaturschutzkonferenz stattfinden soll, um den Ozeanschutz stärker in den Blick zu nehmen.


SEC will strengere Regeln für nachhaltige Investmentfonds

WASHINGTON: Die US-Börsenaufsicht SEC will die Regeln für Investmentfonds verschärfen, die als nachhaltig vermarktet werden. Die Behörde stellte am Mittwoch (Ortszeit) Entwürfe für eine Reform der stark in die Kritik geratenen Anlagekategorie ESG vor. ESG ist die englische Abkürzung für Environmental, Social and Governance. Unter diesem Label werden von der Finanzbranche Investmentprodukte angeboten, bei denen Kriterien wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung stärker berücksichtigt werden sollen. Die Anlageklasse hat in den vergangenen Jahren starken Zulauf verbucht.

Experten bemängeln jedoch schon lange, dass dieser Markt zu schwach reguliert sei. Sie fordern klarere und einheitliche Definitionen und Vorschriften. Dem will die SEC nun nachkommen und dafür sorgen, dass Finanzprodukte, auf denen ESG draufsteht, diesen Ansatz auch tatsächlich verfolgen. So soll zum Beispiel schon bei der Namensgebung von Investmentfonds sichergestellt werden, dass diese sich damit konkret zu bestimmten Anlagestrategien verpflichten und sie nicht bloß zu Marketing-Zwecken verwenden. Bislang handelt es sich bei den Regelentwürfen der SEC lediglich um Vorschläge.


Probleme in China, Chancen in Europa - Gefühlsmix vor Hannover Messe

HANNOVER: Die Kriegs- und Krisenrisiken für die globale Konjunktur müssen aus Sicht der deutschen Elektro- und Digitalbranche zusätzlicher Ansporn sein, um den klimaschonenden Umbau der Industrie energischer voranzutreiben. Der Präsident des Verbands ZVEI, Gunther Kegel, sieht kurz vor der Hannover Messe eine nach wie vor kritische Gemengelage, in der sich aber auch positive Entwicklungen zeigten. «Mit Blick auf Corona können wir in Europa hoffentlich den nächsten Herbst durchstehen, ohne wieder Lockdowns verhängen zu müssen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Kegel ist Chef des Ausstellerbeirats der Messe, die vom 30. Mai bis 2. Juni stattfindet.

«Anders in China: Dort zeichnet sich gerade ab, dass die Null-Covid-Strategie scheitert», warnte der Unternehmer. «Der mehrwöchige Stillstand in Shanghai wird einen Schock durch die Lieferketten der Welt jagen, dessen Folgen wir erst in sechs bis acht Wochen sehen werden.» Kegel glaubt: «Da kommt noch etwas auf uns zu.»

Eigentlich sind die Hersteller von Elektro- und Digitaltechnik sowie Elektronik in einer guten Position, weil viele ihrer Produkte auf die großen Themen erneuerbare Energien, CO2-Verringerung, Digitalisierung und Energieeffizienz zugeschnitten sind. Ein schnelleres Umschwenken in Richtung Erneuerbare werde die Nachfrage insgesamt stützen, sagte Kegel. «Deshalb glauben wir, dass wir an unserer Prognose eines Wachstums von 4 Prozent in diesem Jahr festhalten können.»

Die wichtigste Industrieschau der Welt wird am Sonntagabend eröffnet. Sie ist nach einer pandemiebedingten Absage 2020 und einer Online-Ausgabe 2021 verkürzt und dauert bis zum Donnerstag.


Habeck sieht begrenzten Zeitraum für Verhandlungen um Öl-Embargo

BERLIN: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hält eine Einigung auf ein Öl-Embargo trotz des Widerstands der ungarischen Regierung weiterhin für möglich. Der Grünen-Politiker machte am Donnerstag in Berlin aber zugleich deutlich, dass er den Zeitraum für Verhandlungen für begrenzt hält. Mit Blick auf die Tage vor dem nächsten EU-Gipfel Anfang kommender Woche sagte Habeck: «Ich nehme an, das ist der Korridor, wo entweder eine Einigung zu erzielen ist oder man sich andere Instrumente überlegen muss.»

Habeck äußerte Verständnis für Vorbehalte gegen das Öl-Embargo. «Die Staaten haben unterschiedliche Versorgungssituationen, das ist hinzunehmen», sagte Habeck, der anlässlich des Treffens der Minister für Klima, Energie und Umwelt der sieben großen Industriestaaten (G7) sprach. Er habe auch für Deutschland immer wieder darauf hingewiesen, dass vor Entscheidungen Vorbereitungen zu treffen seien. Es sei «aber natürlich auch wichtig, dass Europa geschlossen bleibt und zusammen bleibt». Deswegen müssten alle Staaten ihre Anstrengungen unternehmen, ihre Öl-Abhängigkeit zu reduzieren. «Das gilt auch für Ungarn.»

Die EU-Kommission hatte Anfang März ursprünglich vorgeschlagen, wegen des Ukraine-Kriegs den Import von russischem Rohöl in sechs Monaten und den von Ölprodukten in acht Monaten zu beenden. Ungarn und die Slowakei sollten 20 Monate Zeit bekommen. Auch Nachbesserungsangebote konnten die ungarische Regierung bislang nicht dazu bewegen, ihre Ablehnung aufzugeben.


US-Wirtschaft im Winter geschrumpft

WASHINGTON: Die US-Wirtschaft ist im Winter etwas deutlicher als bislang angenommen geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel im ersten Quartal annualisiert um 1,5 Prozent, wie das Handelsministerium am Donnerstag in Washington laut einer zweiten Schätzung mitteilte. In einer ersten Schätzung war ein Rückgang von 1,4 Prozent ermittelt worden.

Im vierten Quartal war die Wirtschaft noch um 6,9 Prozent gewachsen. Belastet wurde die Wirtschaft im ersten Quartal vor allem durch eine deutliche Ausweitung des Handelsbilanzdefizits. Dies dürfte auch auf die gestiegenen Energie und Rohstoffpreise zurückzuführen sein. Der private Konsum und die Investitionen entwickelten sich solide.

US-Wachstumszahlen werden auf das Jahr hochgerechnet, also annualisiert. Sie sind daher nicht direkt mit Wachstumsdaten aus Europa vergleichbar, wo auf eine Annualisierung verzichtet wird.


Britische Regierung kündigt Sondersteuer für Energieriesen an

LONDON: Angesichts explodierender Lebenshaltungskosten will die britische Regierung Energieunternehmen mit einer Sondersteuer belegen und Verbraucher entlasten. Der Plan, den Finanzminister Rishi Sunak am Donnerstag im Parlament in London vorlegte, sieht vor, dass durch die vorübergehende Abgabe im Laufe des kommenden Jahres 5 Milliarden Pfund (knapp 6 Mrd Euro) in die Staatskasse gespült werden. Öl- und Gasunternehmen müssen demnach ihre Gewinne mit 25 Prozent versteuern. Freibeträge soll es für Investitionen geben. Die Steuer solle solange erhoben werden, bis die Energiepreise wieder ein normales Niveau erreichen, sagte der Schatzkanzler.

Haushalte sollen im Gegenzug in diesem Jahr um 400 Pfund entlastet werden. Acht Millionen Rentner sollen darüber hinaus mit 300 Pfund unterstützt werden. Für bestimmte Sozialhilfeempfänger soll es eine weitere Entlastung von 650 Pfund geben.

«Wir müssen sicherstellen, dass für diejenigen, für die es zu schwierig wird und deren Risiken zu hoch sind, Unterstützung da ist», sagte der konservative Politiker. Sunak fügte hinzu: «Diese Regierung wird nicht Däumchen drehen, während in unserem Land die Gefahr herrscht, dass manche so sehr unter die Räder kommen, dass sie sich nie wieder erholen.»

Die Energiepreise in Großbritannien sind zum 1. April wegen der Anhebung des staatlichen Preisdeckels massiv in die Höhe geschossen. Eine weitere Erhöhung wird im Oktober erwartet. Der Aufsichtsbehörde Ofgem zufolge müssen britische Haushalte dann mit einer durchschnittlichen Strom- und Gasrechnung von 2800 Pfund im Jahr rechnen.


Steinmeier: Deutschland braucht mehr Handelspartner

STUTTGART: Als Lehre aus der Corona-Pandemie muss Deutschland nach Ansicht von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Zahl seiner Handelspartner vergrößern. «Wir werden die Globalisierung nicht zurückdrehen können. Wir werden es auch nicht wollen», sagte Steinmeier am Donnerstag auf einer Podiumsdiskussion des Katholikentags in Stuttgart. Der Prozess der Globalisierung könne aber auch nicht weiter betreiben werden wie bislang. «Nur noch, wo wir am billigsten einkaufen können, mit denen treiben wir Geschäfte - das ist jedenfalls das Konzept, das keine Zukunft hat.»

Steinmeier sagte weiter: «Wir werden die Zahl der Länder, von denen wir Rohstoffe und Vorprodukte bekommen, soweit wie möglich erweitern müssen, um in solchen Krisen wie jetzt besser reagieren zu können.» In der Pandemie sei deutlich geworden, wie riskant es sei, von einem Exportland wie China abhängig zu sein. Beispielsweise würden 80 Prozent der Wirkstoffe in Arzneimitteln in Ostasien hergestellt, vor allem in China. Das gelte auch für Kunststoffvorprodukte und Corona-Schnelltests.


Ölpreise wenig verändert - Starke Gewinne auf Wochensicht

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Freitag die starken Kursgewinne vom Vortag gehalten. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 117,50 US-Dollar. Das waren zehn Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um sechs Cent auf 114,15 Dollar zu.

Kurz vor dem Wochenende wurden die Ölpreise durch einen schwächeren Dollar nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA gestützt. Eine Kursschwäche der amerikanischen Währung macht das in Dollar gehandelte Rohöl auf dem Weltmarkt günstiger, was für eine stärkere Nachfrage sorgt.

Seit Montag haben sich Rohöl aus der Nordsee und US-Öl jeweils mehr als vier Prozent verteuert. Marktbeobachter verwiesen auf die Entwicklung der Treibstoffreserven in den USA. Im Verlauf der Woche war bekannt geworden, dass die amerikanischen Benzinreserven einen mehrjährigen Tiefstand erreicht haben.


Euro legt weiter zu

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro hat am Freitag an die Kursgewinne vom Vortag angeknüpft und ist auf den höchsten Stand seit rund einem Monat gestiegen. In der Spitze legte der Euro in der Nacht bis auf 1,0765 US-Dollar zu. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0754 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,0697 Dollar festgesetzt.

Seit Donnerstagmorgen ist der Kurs des Euro um etwa einen Cent gestiegen. Zuletzt profitierte die Gemeinschaftswährung von einer allgemeinen Dollar-Schwäche nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die amerikanische Wirtschaft im Winter stärker als erwartet geschrumpft war.

Zudem wurde der Euro im Verlauf der Woche durch die Aussicht auf eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank gestützt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte nach langem Zögern zu Beginn der Woche Signale für eine Zinswende im Juli geliefert. Darüber hinaus hatten einige EZB-Vertreter im Verlauf der Woche auch einen größeren Zinsschritt um 0,50 Prozentpunkte nicht ausgeschlossen. Seit Montag hat der Euro im Handel mit dem Dollar rund zwei Cent an Wert gewonnen.

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