«La Repubblica»: Verrückteste WM der Welt
ROM: Die italienische Zeitung «La Repubblica» meint zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA:
«Willkommen. Von wegen. Auf den Mond zu fliegen ist einfacher vielleicht. Willkommen bei der verrücktesten Weltmeisterschaft der Welt, die so aufgebläht ist, dass sie Mühe hat, ihre Türen zu öffnen. Die reichste, die teuerste, die am weitesten reichende, die grenzenloseste, die umstrittenste, aber vor allem die am wenigsten friedliche. USA - Kanada - Mexiko. Eine Großfamilie. Alle für einen und einer für drei.
Zum ersten Mal in der Geschichte empfängt ein Gastgeberland ein Land, mit dem es im Krieg steht, sowie andere, die es zu Feinden erklärt hat, und kommt zudem mit seinen Partnern nicht gut zurecht. Geben wir es zu: Zu bombardieren und dann die Türen der eigenen Stadien zu öffnen, sorgt für einige Verlegenheit. Um General Carl von Clausewitz zu paraphrasieren: Sport ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.»
«Trouw»: Die Fußball-WM gehört nicht Trump
AMSTERDAM: Zur Fußball-WM in den USA meint die niederländische Zeitung «Trouw» am Donnerstag:
«Es fällt nicht schwer, diese Fußball-WM zu verachten. Noch bevor der erste Ball rollt, häufen sich Nachrichten über die repressive und diskriminierende Einreisepolitik der USA. Die iranische Mannschaft bestreitet ihre Spiele zwar in den USA, kann sich aber aufgrund von Visaproblemen nicht im Land aufhalten und muss jedes Mal von Mexiko aus zu den Stadien anreisen. Eintrittskarten von Fans aus dem Iran wurden für ungültig erklärt. Spieler aus Usbekistan wurden vor dem Testspiel gegen die Niederlande in New York einer peinlichen Sicherheitskontrolle unterzogen. Ein Schiedsrichter aus Somalia durfte nicht in die USA einreisen. Fans unter anderem aus Haiti und der Elfenbeinküste sind ohnehin nicht willkommen. (...)
Es ist bemerkenswert, dass in der Vergangenheit sogar autokratische Staaten (Russland 2018, Katar 2022) ihr Bestes gaben, um die Weltmeisterschaft so reibungslos wie möglich ablaufen zu lassen, während US-Präsident Donald Trump sich nicht im Geringsten darum schert. Das sogenannte «Land of the Free» ist ganz sicher nicht frei, sobald man aus Afrika oder dem Nahen Osten kommt. (.)
Eine Frage drängt sich auf: Lassen sich die Teilnehmer und Fans von einem unberechenbaren Präsidenten als Geiseln nehmen, oder machen sie diese Veranstaltung zu ihrer eigenen, wie es sein sollte? Diese Weltmeisterschaft gehört weder Trump noch der Einwanderungsbehörde ICE, nicht einmal FIFA-Chef Gianni Infantino. Der Fußball wird von zu vielen Menschen geliebt, als dass man ihn ihnen wegnehmen könnte.»