«Blamage» und «Desaster»: Klinsmann rechnet mit DFB-Team ab
FOXBOROUGH: Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann nennt das WM-Aus gegen Paraguay eine «Blamage» und «Desaster». Wer laut ihm die Verantwortung trägt.
Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat deutliche Worte für das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay gefunden. «Die Art und Weise, wie wir heute Abend ausgeschieden sind, ist verheerend, ist eine Blamage, ist etwas, womit niemand, wirklich niemand gerechnet hat», sagte Klinsmann in einem Interview bei ESPN. Das Ergebnis stürze den deutschen Fußball in ein «riesiges Loch».
Alles müsse nun auf den Prüfstand gestellt werden, betonte der 61-Jährige. «Alles, von oben bis unten, muss hinterfragt und diskutiert werden. Natürlich wird es Konsequenzen geben, was auch immer diese Konsequenzen sein mögen.» Die Mannschaft habe «schlampig» gespielt und sei «nicht energisch, nicht entschlossen und nicht aggressiv genug» gewesen. Die Art und Weise des Ausscheidens sei «äußerst enttäuschend», betonte Klinsmann.
Klinsmann sieht «Desaster» als Teamverantwortung
Zur Frage nach der Verantwortung von Bundestrainer Julian Nagelsmann sagte Klinsmann, diese liege nicht bei einer einzelnen Person. «Die Verantwortung liegt bei allen - vom Trainerstab über den Verband bis hin zu jedem einzelnen Spieler, der in diesen 26-Mann-Kader berufen wurde. Jeder hat seinen Teil zu diesem Desaster beigetragen.» Die Mannschaft habe «definitiv ihr Gesicht verloren» und müsse die Schuld bei allen Beteiligten suchen.
WM-Aus: Nur bei der TV-Quote ein Erfolg
MÜNCHEN: Das WM-Aus der deutschen Mannschaft verfolgen Millionen von Menschen im ZDF - trotz später Anstoßzeit. Vom Bestwert ist die Übertragung weit entfernt.
Zumindest aus Quoten-Sicht war das letzte Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika ein Erfolg. Durchschnittlich 17,57 Millionen Menschen sahen das Aus der DFB-Mannschaft im Elfmeterschießen im ZDF. Die Übertragung im Zweiten kam nach Angaben der AGF Videoforschung auf einen Marktanteil von 74,5 Prozent.
Das war die geringste Reichweite der vier deutschen WM-Spiele. Allerdings hatte die Partie des Sechzehntelfinales mit 22.30 Uhr die späteste Anstoßzeit. Der Bestwert wurde beim 7:1 der deutschen Mannschaft in ihrem ersten Spiel gegen Curaçao (Anstoß 19.00 Uhr) mit im Schnitt 23,43 Millionen in der ARD erreicht.
Parallel zu den öffentlich-rechtlichen Sendern überträgt MagentaTV WM-Spiele aus den USA, Mexiko und Kanada. Die Telekom veröffentlicht für ihren kostenpflichtigen Streamingdienst keine Einschaltquoten zu einzelnen Spielen.
Gescheiterte Nationalmannschaft zurück im WM-Quartier
WINSTON-SALEM: Ein letztes Mal fliegt die DFB-Elf zurück nach Winston-Salem. Das Quartier in North Carolina muss viel zu früh geräumt werden. Nach dem Aus gegen Paraguay steht Bundestrainer Nagelsmann in der Kritik.
Tief in der amerikanischen Nacht ist die Fußball-Nationalmannschaft ein letztes Mal in ihrem WM-Quartier in Winston-Salem angekommen. Das Charterflugzeug landete nach dem 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay in der ersten K.-o.-Runde in Foxborough auf dem kleinen Stadtflughafen Smith Reynolds Airport in North Carolina.
Julian Nagelmann verließ als einer der ersten den Flieger und ging mit seinem silbernen Rollkoffer über das Flugfeld. Der Bundestrainer hatte einen Rücktritt trotz des viel zu frühen Ausscheidens ausgeschlossen. Mit der DFB-Elf waren auch Verbandspräsident Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig nach Winston-Salem zurückgekehrt.
Entscheidung über Nagelsmanns DFB-Zukunft steht an
Das Trio muss nun entscheiden, ob Nagelsmann tatsächlich im Amt bleiben und seinen bis zur EM 2028 datierten Vertrag erfüllen darf. Nach den letzten WM-Enttäuschungen 2018 und 2022, als jeweils nach der Gruppenphase Schluss war, waren Joachim Löw und Hansi Flick als Bundestrainer noch im Amt geblieben.