Militärjunta ordnet Begnadigung von 2000 Häftlingen an

Menschen warten hinter Barrikaden auf die Freilassung ihrer Angehörigen vor dem Haupteingang des Insein-Gefängnisgeländes in Yangon. Foto: epa/Lynn Bo Bo
Menschen warten hinter Barrikaden auf die Freilassung ihrer Angehörigen vor dem Haupteingang des Insein-Gefängnisgeländes in Yangon. Foto: epa/Lynn Bo Bo

YANGON: Die Militärjunta in Myanmar hat die Freilassung von landesweit mehr als 2000 Gefangenen angeordnet, darunter 700 allein aus dem berüchtigten Insein-Gefängnis in der größten Stadt Yangon. Am Mittwochabend (Ortszeit) verließen erste Häftlinge die für brutale Foltermethoden bekannte Haftanstalt, wie lokale Medien berichteten. Unter den Freigelassenen sollen auch Journalisten sein wie eine Multimedia-Reporterin des Nachrichtenportals «Myanmar Now», die seit 124 Tagen in Haft war.

Vor dem Gefängnis hatten den ganzen Tag lang Hunderte Angehörige in der Hoffnung ausgeharrt, dass sich Angehörige und Freunde unter den Begnadigten befinden. «Wir werden sie heute freilassen. Es werden mehr als 700 Häftlinge sein, aber ich kann nicht bestätigen, wer das genau sein wird», hatte Gefängnissprecher Zaw Zaw am Morgen der Deutschen Presse-Agentur bestätigt. Seit dem Militärputsch Anfang Februar versinkt das südostasiatische Land in Chaos und Gewalt. Die Armee unterdrückt jeden Widerstand mit brutaler Härte.

«Ich hoffe, dass ein Freund von mir heute freikommt», erklärte einer der Wartenden, Than Zaw. Der Bekannte sei in der Protestbewegung aktiv gewesen und im Mai festgenommen worden. Die Gefangenenhilfsorganisation AAPP schrieb in einer Mitteilung: «Die heutigen Ereignisse sollen den Eindruck erwecken, dass die Repressionen der Junta nachgelassen haben. Das ist nicht der Fall.» Die internationale Gemeinschaft dürfe dies nicht als Zeichen der Entspannung werten, sondern müsse Druck ausüben, damit alle politischen Gefangenen freikommen.

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