Lage ein Jahr nach Überschwemmungen weiter kritisch

Ein beschädigtes Gebäude in der Hafenstadt Derna, nachdem der Sturm Daniel über Ostlibyen hinweggefegt war. Foto: epa/Str
Ein beschädigtes Gebäude in der Hafenstadt Derna, nachdem der Sturm Daniel über Ostlibyen hinweggefegt war. Foto: epa/Str

DERNA: «Mit Worten nicht auszudrücken» - so fasst die UN-Koordinatorin die Lage in Libyen nach den Überschwemmungen von 2023 zusammen. Betroffene stehen vor hohen Hürden, wenn sie Entschädigung beantragen.

Ein Jahr nach den schweren Überschwemmungen in Libyen mit mehr als 5900 Toten leben viele Menschen weiterhin in Notunterkünften und sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. «Was die Menschen in Derna und Umgebung vor einem Jahr erlebt haben, ist so tragisch, dass es mit Worten nicht auszudrücken ist», sagte die UN-Nothilfekoordinatorin Georgette Gagnon. Familien würden weiter um Verstorbene trauern und sich wünschen, dass in ihrem Leben wieder Normalität einkehrt. Der Verlust sei in den Gemeinden noch stark zu spüren, sagte Omar Dschauda, Generalsekretär des Libyschen Roten Halbmonds.

Sturm «Daniel» hatte vergangenes Jahr schwere Regenfälle über dem Wüstenstaat in Nordafrika gebracht. Nach tagelangem Regen brachen in der Nacht zum 11. September zwei Dämme oberhalb der Küstenstadt Derna; ganze Viertel samt Märkten, Schulen und Infrastruktur wurden ins Meer gespült. Die freigesetzten Wassermassen hätten dem Volumen von 12.000 olympischen Schwimmbecken entsprochen, teilte der Norwegische Flüchtlingsrat mit. Nach UN-Angaben wurden 5900 Menschen getötet, mehr als 40.000 wurden obdachlos. Die Höhe der Schäden wurde von der Weltbank auf 1,6 Milliarden US-Dollar beziffert.

Der Wiederaufbau von Gebäuden und Infrastruktur komme nur schleppend voran, erklärte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Überlebende sagten, es gebe teils unüberwindbare Hürden bei der Beantragung von Entschädigung und Unterstützung für den Wiederaufbau. Grund sei auch die anhaltende politische Krise in Libyen, wo zwei verfeindete Regierungen um die Macht ringen.

Laut Hilfsorganisationen gibt es immer noch Probleme etwa beim Zugang zu Trinkwasser, Sanitäranlagen, Arzneimitteln und Notunterkünften. Vor allem Kinder brauchen psychologische Hilfe. Der 11. September wurde zum nationaler Trauertag für die Opfer von Derna ausgerufen.

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