Khao Lak – 15 Jahre danach

15. Jahrestag der Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004

Dieses Polizeiboot wurde 1.500 Meter von der Riesenwelle landeinwärts geschleudert. Heute ist es eines der Tsunami-Denkmäler von Khao Lak und ein beliebtes Fotomotiv. Foto: epa/How Hwee
Dieses Polizeiboot wurde 1.500 Meter von der Riesenwelle landeinwärts geschleudert. Heute ist es eines der Tsunami-Denkmäler von Khao Lak und ein beliebtes Fotomotiv. Foto: epa/How Hwee

PHUKET: Es ist bereits 15 Jahre her, doch noch immer bestimmt der verheerende Tsunami aus dem Jahr 2004 die Geschicke der Urlaubsregion Khao Lak.

Eigentlich sind 15 Jahre eine lange Zeit, in der allerhand passieren kann. Man könnte in diesem Zeitraum mehrfach umziehen, zwei oder drei neue Partner erkunden, mehrmals das Auto wechseln oder verschiedene Arbeitsplätze ausprobieren. 15 Jahre reichen bequem aus, um ganze Ortschaften vollkommen neu erstehen zu lassen, was zwar selten vorkommt, für das zerstörte Khao Lak jedoch eine unausweichliche Maßnahme war.

Doch egal wie lange uns 15 Jahre vorkommen, sie sind noch lange nicht genug, um bei den Menschen die Katastrophe vergessen zu lassen, die sie überlebt haben.

Khao Lak am 10. Januar 2015. Rund 230.000 Menschen rund um den Indischen Ozean kamen ums Leben, allein in Thailand 5.400. Foto: epa/Boris Roessler
Khao Lak am 10. Januar 2015. Rund 230.000 Menschen rund um den Indischen Ozean kamen ums Leben, allein in Thailand 5.400. Foto: epa/Boris Roessler

Zur Erinnerung: Am 26. Dezember, dem zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2004, raste ein unerwarteter, unbekannter, alles vernichtender Tsunami auf die Küsten Südostasiens zu. In Thailand am schwersten betroffen war die Region rund um Khao Lak, damals eine noch kleine, aufstrebende Touristensiedlung, eine knappe Stunde nördlich von Phuket gelegen.

Die Wucht und Gewalt, mit der die ungezügelt attackierende Welle auf die Strände, Buchten und Klippen traf, war sehr unterschiedlich. In Khao Lak fand sie offensichtlich einen ihrer Höhepunkte: Mit unvorstellbarer Dynamik donnerten die bis zu zehn Meter hohen, entfesselten Wassermassen auf die Küste zu. Dem extremen Druck, der enormen Schubkraft und dem unglaublichen Sog, den eine Horror-Welle dieser Größenordnung auslöste, hatten menschliche Kräfte absolut nichts entgegenzusetzen.

Als sichtbaren Beweis für die monumentalen Kräfte, die der Tsunami auslöste, ist noch heute das Polizeiboot zu bestaunen, das 1.500 Meter entfernt vom Meer ins Land hinein geschwemmt wurde.

Früher: Einzigartige Urlaubsidylle

Das alte, oder besser gesagt frühere Khao Lak, die kleine, gemütliche Ortschaft vor dem Tsunami, bildete eine beliebte Alternative zur nahe gelegenen aktiven und hektischen Urlaubsinsel Phuket. Um von der schmalen Straße, die durch den Ort führte zum Strand zu gelangen, musste ein kleiner, schattenspendender Wald durchquert werden. Die Bäume reichten direkt bis an den Strand und zogen sich über mehrere Kilometer hin. Der kleine Hain spendete Sonnenanbetern, die genug Hitze abbekommen hatten, eine in wenigen Schritten erreichbare Abkühlung. Dieser Waldstrich wurde von der Monsterwelle vollständig ausradiert – nicht ein einziger Baum blieb übrig.

Weil Khao Lak längst nicht so stark besucht wurde, wie das benachbarte Phuket, konnte man ungestört und in aller Ruhe kilometerlange Spaziergänge am Strand unternehmen. Es waren nicht viele Leute unterwegs und wenn man sich traf, wurde gegenseitig gegrüßt. Wer ganz unter sich sein wollte und einen Fußmarsch von mehr als einer Stunde auf sich nahm oder mit dem Auto oder Moped den Hauptort verließ, der konnte komplett menschenleere Strandabschnitte entdecken, wo auch ein heimliches FKK-Sonnenbaden möglich war.

Khao Lak heute: Der neue, extrabreite Highway 4 durchquert den Ort. Viel erinnert nicht mehr an die Zerstörung der Todeswellen. Foto: Emil / Adobe Stock
Khao Lak heute: Der neue, extrabreite Highway 4 durchquert den Ort. Viel erinnert nicht mehr an die Zerstörung der Todeswellen. Foto: Emil / Adobe Stock

Unmittelbar nach Sonnenuntergang stellten einige Restaurants ihre Tische und Stühle direkt in den Sand der Khao Lak-Strände. Unter dem schimmernden Sternenhimmel, bei sehr angenehmen Temperaturen, saßen die Urlauber direkt am Meer, die unendlichen Weiten des im Mondlicht glitzernden Indischen Ozeans vor sich und hinter dem Strand, als geheimnisvolle Kulisse, das kleine, in der Nacht tiefschwarze Wäldchen. Ein einzigartiges, exotisch-anregendes Abendessen, wovon die Touris­ten Wochen später noch träumten, als sie schon längst wieder in ihren gewohnten Alltag zurückgekehrt waren.

Ein weiteres Opfer des Massentourismus

Wer sich an dieses frühere, idyllische Khao Lak mit seinen bescheidenen Reizen, seinem beinahe ländlich anmutenden Charme und seiner exotischen Ausstrahlung erinnert, der wird die neu aufgebaute Ortschaft nicht wieder erkennen. Von klein und überschaubar kann 15 Jahre danach keine Rede mehr sein. Die ehemals schmale Durchgangsstraße wurde sechsspurig ausgebaut. Rechts und links stehen neue, größere Gebäude. Sie beherbergen alles das, was der Normal-Tourist erwartet: Hotels, Bars, Souvenir-Shops, Restaurants und Massagen.

Es sollen inzwischen mehr als dreimal so viele Besucher in Khao Lak einfallen, wie vor dem Tsunami. Trotzdem werden Urlauber auch ohne Vorausbuchung selbst in der Hochsaison keine Probleme haben, eine Unterkunft zu finden, denn der Neuaufbau wurde viel zu groß ausgelegt.

Khao Lak früher war ein Geheimtipp, eine Urlaubs-Spezialität, ein einzelnes Juwel, in erreichbarer Nähe der überbordenden Schatzkammer Phuket. Es hatte Freunde und Verehrer, die den Ort als etwas eigenes und besonderes liebten, schätzten und unter der Hand weiter empfahlen. Das neu aufgebaute Khao Lak hat sich sehr viel mehr dem Nachbarn Phuket genähert, ohne jedoch Phuket zu sein. Mit anderen Worten: Khao Lak hat seinen Geheimtipp-Nimbus verloren und ist nur noch eine unter vielen anderen Urlaubs-Adressen.

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Oliver Harms 27/12/2019 03:38
Manche Leute haben Sorgen
Ist den Herren schon mal aufgefallen,dass nichts aber auch wirklich rein überhaupt nichts
mehr vorhanden ist was vor einer Wiederholung von 2004 schützt?Die Rettungstürme sind schrott oder als Abstellraum zweckentfremdet,die gekennzeichneten Rettungswege führen in Sackgassen oder die Beschilderung ist nicht mehr vorhanden.Die Hotel-und Bungalowanlagen sind ohne Schutzbauten an genau der gleichen Stelle nur noch dichter als vorher wieder aufgebaut worden.
Das ganze fällt unter die Zeit der Regierung des Shinawatra Clans.
Walter Pfau 26/12/2019 17:46
Schade, nicht der Tsunami hat...
den Charm von KhaoLak vernichtet, sondern die globale Gesetzgebung der Regierung, dass auf allen öffentlichen KhaoLak Stränden keine Strandbuden, keine Sonnenschirme und auch keine Liegestühle mehr erlaubt sind. Ausnahmen oder ein ähnliches Feeling gibt es nur noch bei den (inzwischen) Hochpreis Hotel-Anlagen wie z.B. The Sands, Robinson, Orchid, Manathai oder auf Koh Kho Khao. Obwohl die Strände im Norden von KhaoLak sehr breit sind und dort wesentlich weniger Touristen am Strand unterwegs sind, begreife ich diese Entscheidung bis heute nicht. Einerseits kämpft man um jeden Touristen nach dem Motto „ Masse statt Rasse“ vergisst aber die Infrastruktur, die dem "gewollten" Ansturm nicht gewachsen ist und Nepp und Korruption die Türe öffnet. Thailand, ich möchte dich in guter Erinnerung behalten, 2020 wird mein letzter Urlaub dort sein.
Ingo Kerp 26/12/2019 11:56
Das Straßendorf Khao Lak ist lediglich für Badeurlaub geeignet. Die angelegten Friedhoefe / Bestattungsgärten, waren bereits vor 8 Jahren total verwildert und ungepflegt. Lediglich das Polizeiboot steht in einer Art Betonparkbucht in einem mehr oder weniger netten Park.
Marco Egloff 25/12/2019 23:01
Teuer
Ich war vor 4 Wochen in Khao Lak. Fazit: Sehr teuer, am Strand hat es einige nette Bungalow Anlagen, aber teuer( ab 2500 Baht, trotz Nebensaison. Alles entlang der Hauptstrasse ist absolut katastrophal. Keinr Linie, kein Scharm. Abzocke pur. Für Junge Leute gar nix. Um 22h werden die Bürgersteige hochgeklappt.
Da ist ja Lamai in Samui schon so etwas wie "heimelig"