ISU lehnt Ausschluss russischer Kandidaten ab

Bild: Facebook/ISU Speed Skating
Bild: Facebook/ISU Speed Skating

PHUKET: Der Kongress des Eislauf-Weltverbandes ISU in Phuket/Thailand hat den Ausschluss von russischen Kandidaten bei den Wahlen abgelehnt. Entsprechende Anträge des ukrainischen Eiskunstlaufverbandes fanden am Sonntag, dem ersten Kongresstag, zunächst bei den rund 250 Delegierten nicht die erforderlichen Zweidrittelmehrheiten, wie die ISU mitteilte. Allerdings wurden die Anträge danach als Dringlichkeitsanträge noch in die Tagesordnung aufgenommen. Dazu war eine Vierfünftelmehrheit notwendig.

Zu den russischen Kandidaten gehören Eiskunstlauf-Vizepräsident Alexander Lakernik, das Council-Mitglied Alexander Kibalko (Eisschnelllauf) und Julia Andrejewa, die für einen Sitz in der Technischen Kommission für Einzel- und Paarlauf kandidiert.

Der ISU-Kongress wird am Freitag mit den Wahlen abgeschlossen. Um das Amt des Präsidenten bewerben sich vier Kandidaten: Susanna Rahkamo (Finnland), Slobodan Delic (Serbien), Jae Youl Kim (Südkorea) und Patricia St. Peter (USA). Der 77 Jahre alte Amtsinhaber Jan Dijkema (Niederlande) tritt nach sechs Jahren an der Spitze der ISU ab. Neben der Präsidentenwahl steht die Entscheidung über ein Alterslimit im Eiskunstlauf von 17 Jahren beim Kongress im Zentrum des Interesses.

Die Entscheidung ist die Folge des Skandals um die damals 15 Jahre alte Eiskunstläuferin Kamila Walijewa bei den Olympischen Winterspielen in Peking. In einer Dopingprobe von Walijewa war eine verbotene Substanz entdeckt worden. Bekannt wurde das Ergebnis am 8. Februar - einen Tag nach dem Sieg der Russen mit Walijewa im olympischen Teamwettbewerb. Danach durfte die Teenagerin nach tagelangem Wirbel auch wegen ihres Status' als Minderjährige dennoch im Einzel starten, hielt dann aber dem massiven öffentlichen Druck nicht stand und verpasste als Vierte eine Medaille.

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Marco Egloff 08.06.22 11:50
Doping
Für alle die Sippenhaft ablehnen habe ich Verständnis. Man kann nicht alle in einen Topf werfen.
Was allerdings extrem bedenklich ist, ist die Tatsache des Staatsdopings in Russland, organisiert von den staatlich kontrollierten Sportverbänden. Die wiederum werden von Funktionären geführt welche selber früher Spitzensportler, oder besser gesagt Spritzensportler waren. Desshalb besser Rus. Funktionäre nicht mehr in int. Gremien.
Gilt auch für UN Sicherheitsrat.
Thomas Sylten 08.06.22 10:23
@Andreas Liliendamm
Da sind wir ja schon zwei, die sich ihrer Lage als Minderheit bewusst sind.
Aber auch ich halte es für ein Unding, dass inzwischen ganz offiziell alle Menschen einer Nation in Sippenhaft genommen werden für die Fehler oder auch Untaten ihrer Regierung -
sogar wenn sie sich klar gegen diese Politiker positionieren.

Ich lege ja auch Wert auf die Feststellung dass nicht alle Deutschen Nazis sind oder waren -
und es ist ein wichtiger Grundsatz im Rechtsstaat, dass jeder nur für seine eigenen Handlungen persönlich haftbar gemacht werden kann. Wir sollten bei der Abstrafung von Unrechtsstaaten nicht selber dazu werden -
sonst ist dieses sich-in-die-Brust-werfen für "unsere Werte" nur noch lächerlich.
Stefan Maiwald 08.06.22 08:30
@ Andreas Liliendam. 07. 06.
Sie stehen mit Ihrer Meinung keineswegs alleine. Wir sind ja schon zu zweit. Gebe Ihnen in fast allen Punkten recht. Habe allerdings eine Ambivalenz bei Sportlern, welche internationale Auftritte dazu zu benutzen, um ihre Sympathien mit dem Krieg gegen die UA zu zeigen. Siehe "Z" Zeichen auf der Kleidung etc.
Andreas Liliendam 07.06.22 19:40
@Günter Scharf
Ich bin nicht der Meinung, daß russische Sportler oder Sportfunktionäre generell von allen Wettbewerben ausgeschlossen werden sollten. Spirtler leben für ihren Sport, trainieren und arbeiten intensiv für den Erfolg. Leider sind Sportler aber auch ständig die Leidtragenden, die für den Unsinn ihrer Politiker und Regirungen bestraft werden. Erinnern sie sich an die Boykottierungen der Olympischen Spiele von 1980 und 1984. Fragen sie mal die betroffenen Sportler danach.
Außerdem kann ich mich nicht erinnern, daß irgenwelche Sanktionen gegen US Amerikanische Sportler oder Funkrionäre 2003, nach dem ebenfalls völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak, erhoben wurden. Natürlich ist der russisch geführte Krieg in der Ukraine zu verurteilen, nur denke ich, daß hier wie da der gleiche Maßstab angelegt werden sollte.
Ich weiß, das ich mit meiner Meinung vom augenblicklichen Mainstream abweiche, aber dazu steh ich. Ach so...gendern kann ich auch nicht (oder ich will nicht) AL
Guenter Scharf 07.06.22 15:10
Schade!
Schade, dass die ISU sich nicht zum Ausschluss russischer Kandidat*innen für die verschiedenen zu Besetzungen Funktionen durchgerungen hat. Das haben einige andere internationale Sportverbänre ja gemacht.
Abzuwarten bleibt also die Abstimmung über den Dringlichkeitsantrag.