Iran kann Irak nicht mehr mit Gas versorgen

Menschen tanken an einer Zapfsäule in Teheran. Iran führt ein dreistufiges Benzinpreissystem ein, das je nach Verbrauch höhere Preise vorsieht. Foto: epa/Abedin Taherkenareh
Menschen tanken an einer Zapfsäule in Teheran. Iran führt ein dreistufiges Benzinpreissystem ein, das je nach Verbrauch höhere Preise vorsieht. Foto: epa/Abedin Taherkenareh

BAGDAD/TEHERAN: Der Iran verfügt über gewaltige Öl- und Gasreserven, steckt aber in einer schweren Energiekrise. Jetzt enden die Gaslieferungen in den Irak - wo es zu neuen Stromausfällen und Protesten kommen könnte.

Der Iran kann im Zuge seiner Energiekrise seinen mitunter wichtigsten Abnehmer für Erdgas, den Irak, nicht mehr versorgen. Der Iran habe die Gaslieferungen komplett eingestellt, teilte das irakische Ministerium für Elektrizität heute in Bagdad mit. Das irakische Netz verliere damit 4.000 bis 4.500 Megawatt Strom, hieß es der Staatsagentur INA zufolge.

Die iranische Seite habe das Ministerium in Bagdad über den Schritt in einer schriftlichen Note informiert. Als Begründung habe Teheran «unvorhersehbare Umstände» genannt. Eine weitere Erläuterung zu den Ursachen gab es nicht. Der Irak habe in Absprache mit dem heimischen Öl-Ministerium «alternative Maßnahmen» ergriffen, um die Krise an den Kraftwerken zu mildern.

Irans Öl- und Gasreserven gehören zu den größten weltweit

Der Irak ist zusammen mit der Türkei das wichtigste Abnehmerland für Gasimporte aus dem Iran. Die Einfuhren decken im Irak etwa ein Drittel des landesweiten Stromverbrauchs. Der Iran hatte die Gasexporte an das Nachbarland in den vergangenen Jahren bereits reduziert, um die gestiegene heimische Nachfrage zu bedienen. Öl aus dem Iran geht dagegen größtenteils nach China.

Der Iran verfügt über einige der größten Öl- und Gasreserven weltweit, steckt aber in einer schweren Energiekrise. Als Gründe werden Sanktionen gegen das Land, mangelnde Investitionen in die Infrastruktur aber auch Korruption und Misswirtschaft genannt. Für Teheran gilt der Irak als strategisch wichtiger Partner.

Für Teheran gilt der Irak als strategisch wichtiger Partner. Deshalb dürfte der Iran den Stopp der Erdgaslieferungen kaum selbst beschlossen haben. Vielmehr könnte die Maßnahme mit der Politik von US-Präsident Donald Trump zusammenhängen, der den Iran unter Druck setzen will. Dazu zählen etwa Sanktionen, die Gas- und Ölverkäufe des Iran erschweren sollen.

Im benachbarten Irak ist die Stromversorgung nach Jahrzehnten der Kriege und Konflikte sehr schlecht, vor allem in der Sommerhitze kommt es zu Ausfällen. 2019 wie auch in Jahren zuvor kam es deshalb zu massenhaften Protesten. Hunderte Menschen wurden getötet und Tausende verletzt. Durch das vorläufige Ende der Gaslieferungen aus dem Iran besteht Sorge, dass sich solch ein Szenario im Irak wiederholen könnte.

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