Iraker wählen neues Parlament

​Misstrauen und politische Spannungen prägen den Urnengang

Irakische Frauen geben ihre Stimme in einem Wahllokal für die vorgezogenen Parlamentswahlen in Bagdad ab. Foto: epa/Ceerwan Aziz
Irakische Frauen geben ihre Stimme in einem Wahllokal für die vorgezogenen Parlamentswahlen in Bagdad ab. Foto: epa/Ceerwan Aziz

BAGDAD: Mehr als 20 Jahre nach der US-Invasion im Irak ist die Stabilität im Zweistromland immer noch brüchig. Viele Menschen misstrauen nach Jahren von Krieg und Gewalt dem politischen Prozess.

Mehr als 21 Millionen Irakerinnen und Iraker sind heute aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Ministerpräsident Mohammed Shia al-Sudani, der auf eine Wiederwahl hofft, betonte bei seiner Stimmabgabe in Bagdad, die Wahl sei ein Bekenntnis zum Prinzip des friedlichen Machtwechsels.

Mit einem vorläufigen Ergebnis wird innerhalb von 24 Stunden nach Schließung der Wahllokale gerechnet. Die Chancen al-Sudanis auf einen Verbleib im Amt aber gelten aufgrund von Streitigkeiten in seiner Koalition als eher schwach.

Über 20 Jahre nach der US-Invasion und dem Sturz des früheren Machthabers Saddam Hussein und Jahren der Terrorherrschaft durch die IS-Miliz in Teilen des Landes gilt die Stabilität im Zweistromland weiterhin als brüchig. Sowohl die USA als auch der Nachbar Iran versuchen ihren Einfluss in dem Land geltend zu machen. Angesichts von Spannungen zwischen verschiedenen ethnischen und konfessionellen Gruppen, Korruption und anhaltender Gewalt sitzt das Misstrauen vieler Menschen in die Politik tief.

Wahlkampf war teils von Gewalt geprägt

«Ja, ich habe gewählt, aber ich bin vollkommen davon überzeugt, dass die Wahlergebnisse keine Rolle spielen werden und Verhandlungen geführt werden, um die Posten gemäß dem Konses-Mechanismus zu verteilen, der vom Konzept der Demokratie weit entfernt ist», sagte der 58 Jahre alte Lehrer Samir Sami einem dpa-Journalisten. Ein anderer Wahlberechtigter, der 64-jährige Ali Al-Bederi sagte der dpa, er habe aus Protest gegen korrupte Politiker und konfessionelle Spaltung nicht gewählt. Der einflussreiche schiitische Geistliche Muktada al-Sadr hatte zum Boykott der Wahl aufgerufen - er fordert Reformen und ein härteres Vorgehen gegen Korruption.

Der Wahlkampf war teilweise von Gewalt geprägt. So wurde ein sunnitischer Kandidat im vergangenen Monat durch eine Autobombe getötet. Kurz vor Öffnung der Wahllokale am Dienstag starben zwei Polizisten bei einem Feuergefecht vor dem Büro eines Kandidaten in der Provinz Kirkuk im Norden des Landes. Die Wahl selbst verlief nach Angaben des Innenministeriums bis zum Mittag aber friedlich.

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