BANGKOK: Der Inlandstourismus in Thailand steht vor einer schwierigen Nebensaison. Während internationale Gäste vielerorts weiterhin für gut gefüllte Hotels sorgen, halten sich thailändische Reisende zunehmend zurück. Nach Einschätzung von Branchenvertretern dürfte der heimische Reisemarkt in diesem Jahr bestenfalls stagnieren oder sogar leicht schrumpfen, sofern die Regierung nicht rasch neue Anreize für Reisen innerhalb des Landes schafft.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Hua Hin. Nach Angaben von Udom Srimahachota, Vizepräsident der Thai Hotels Association (THA), ist die Zahl der inländischen Wochenendurlauber im Vergleich zum Vorjahr spürbar zurückgegangen. Ursache sei vor allem die sinkende Kaufkraft vieler Haushalte. Die Energiekrise und die Spannungen im Nahen Osten hätten die Unsicherheit zusätzlich verstärkt, auch wenn sich die Lage nach der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran allmählich entspannen dürfte.
Schwache Wirtschaft dämpft Reiselust der Thais
Viele Thailänder gingen derzeit deutlich vorsichtiger mit ihrem Geld um und reduzierten freiwillig ihre Reiseausgaben. Nach Einschätzung der Hotelbranche könnte diese Zurückhaltung noch zwei bis drei Jahre anhalten, da sich weder auf dem Immobilienmarkt noch in der Gesamtwirtschaft eine deutliche Erholung abzeichne. Gleichzeitig berichten zahlreiche Haushalte von steigenden Lebenshaltungskosten bei gleichbleibendem oder sogar sinkendem Einkommen.
Vor diesem Hintergrund drängt die Tourismusbranche auf eine rasche Einführung eines neuen staatlichen Förderprogramms für Inlandsreisen. Die Regierung plant zwar eine weitere Runde des bekannten Zuschussmodells, bei dem Reisekosten teilweise übernommen werden. Das mit drei Milliarden Baht ausgestattete Programm soll jedoch erst im vierten Quartal starten und rund eine Million Reisevergünstigungen umfassen. Nach Ansicht der Hoteliers käme diese Unterstützung zu spät, da gerade die Monate der Nebensaison entscheidend seien, um ausbleibende internationale Gäste teilweise zu kompensieren.
Feiertage bieten Chancen für Reisen
Dabei böten sich mit den Feiertagen im Juli und August sowie den Schulferien im Oktober durchaus gute Voraussetzungen, um mehr Menschen zu Reisen innerhalb des Landes zu bewegen. Im vierten Quartal seien viele Hotels aufgrund ausländischer Gäste bereits besser ausgelastet und verlangten entsprechend höhere Preise.
Fördermaßnahmen während der Nebensaison könnten deshalb sowohl Reisenden als auch Tourismusbetrieben größere Vorteile bringen.
Heimaturlaub verliert an Reiz
Auch der Verband für Inlandstourismus (Association of Domestic Travel, ADT) rechnet für das laufende Jahr lediglich mit einer stabilen Entwicklung. Nach Einschätzung von Berater Surawat Akaraworamat fehlt vielen Menschen das Vertrauen in eine baldige wirtschaftliche Erholung. Wer über ausreichende finanzielle Mittel verfüge, entscheide sich zunehmend für Auslandsreisen. Dank attraktiver Sonderangebote seien diese häufig kaum teurer als ein Urlaub innerhalb Thailands und böten zugleich neue Reiseerlebnisse.
Hinzu komme, dass viele heimische Reiseziele in den vergangenen Jahren kaum modernisiert worden seien. Weniger bekannte Destinationen würden zudem nur unzureichend beworben. Nach Ansicht des ADT hängt das Wachstum des Inlandstourismus daher entscheidend von den Marketing- und Fördermaßnahmen der Regierung ab. Als Beispiele nennt der Verband Bahnreisen oder Reiseziele auf vom Militär verwalteten Flächen, die bislang nur wenigen Reisenden bekannt seien, aber erhebliches Potenzial besäßen.
Branche fordert neue Reiseimpulse
Nach Angaben des Ministeriums für Tourismus und Sport wurden in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 landesweit rund 120 Millionen Inlandsreisen unternommen. Das entspricht einem Anstieg von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die dabei erzielten Einnahmen beliefen sich auf insgesamt 488 Milliarden Baht. Trotz dieses leichten Wachstums sieht die Branche die Entwicklung jedoch mit Sorge und hofft auf gezielte staatliche Impulse, um den heimischen Tourismus nachhaltig zu stärken.