Fahren ohne Führerschein: Touristen droht Haftstrafe

Wer ein Fahrzeug ohne gültige Fahrerlaubnis lenkt – Thai Driving Licence oder nationaler Führerschein zusammen mit internationaler Fahrerlaubnis – riskiert einen Monat Haft oder 1.000 Baht Geldbuße. Foto: The Thaiger
Wer ein Fahrzeug ohne gültige Fahrerlaubnis lenkt – Thai Driving Licence oder nationaler Führerschein zusammen mit internationaler Fahrerlaubnis – riskiert einen Monat Haft oder 1.000 Baht Geldbuße. Foto: The Thaiger

PATTAYA: Seit Jahrzehnten wurde das Fahren ohne Führerschein in Pattaya als Kavaliersdelikt betrachtet. Ein Problem, das man für einen geringen Betrag aus der Welt schaffen konnte.

Das soll sich ab sofort ändern, denn das Strafmaß wurde drastisch erhöht. So soll das Lenken eines Fahrzeugs ohne gültige Fahrerlaubnis fortan mit einem Monat Haft oder einer Geldstrafe in Höhe von 1.000 Baht geahndet werden. Jedenfalls für ausländische Touristen, die sich mit einem gemieteten Motorroller, Motorrad oder Auto auf den Straßen des Seebads fortbewegen. Denn sie stehen im Fokus der Polizei, die angekündigt hat, die Zahl ihrer Kontrollpunkte massiv zu erhöhen.

Um das Problem an der Wurzel zu packen sollen gemäß Pol. Maj. Arut Sathanon fortan jedoch auch Motorradvermieter in die Pflicht genommen werden. Vermieten sie ein Zweirad an Touristen, die nicht Inhaber einer gültigen Fahrerlaubnis sind, droht ihnen eine Geldstrafe in Höhe von 2.000 Baht.

Neben der thailändischen Fahrlizenz - Pflicht bei Aufenthalten über drei Monate - wird auch der internationale Führerschein - für Deutsche und Österreicher nach dem Internationales Abkommen über Kraftfahrzeugverkehr von 1926 / für Schweizer nach dem Internationales Abkommen über Kraftfahrzeugverkehr von 1949 - in Kombination mit dem Führerschein des Heimatlandes von der Polizei anerkannt. Der internationale Führerschein ist nur in Verbindung mit dem nationalen Führerschein gültig. Die Fahrerlaubnis des Heimatlandes allein wird in Thailand offiziell nicht anerkannt.

Weitere Voraussetzung: Nationaler Führerschein und internationaler Führerschein müssen natürlich für die Fahrzeugklasse gültig sein, mit der sich der Urlauber in Pattaya fortbewegt. Wer z. B. in seinem Heimatland Inhaber eines Motorradführerscheines ist und diese Fahrzeugklasse auch im internationalen Führerschein eingetragen ist, hat nichts zu befürchten, wenn er mit dem Mietmotorrad in eine Polizeikontrolle gerät. Anders schaut die Situation aus, wenn die in der nationalen und internationalen Fahrlizenz aufgeführte Fahrzeugklasse keine Gültigkeit hat für das Fahrzeug, mit dem man in Pattaya angehalten wird. Das ist z. B. der Fall, wenn ein Ausländer mit einem Motorroller in Pattaya angehalten wird und im Besitz eines nationalen und internationalen Führerscheines ist, in denen als Fahrzeugklasse nur PKW eingetragen ist.

Arut warnt sowohl ausländische Verkehrsteilnehmer als auch Motorradvermietungen, dass sich Pattayas neuer Polizeichef Pol. Col. Prawit Chorseng strikt an die Anweisungen der Zentrale der Königlich Thailändischen Polizei in Bangkok halten würde und sie fortan verstärkt mit Kontrollen der Behörden rechnen müssen. Gleichzeitig sollen auch getunte Zweiräder und Autos aus dem Verkehr gezogen werden.

Wie Pattayas lokaler TV-Sender Sophon Cable berichtet, sollen ausländische Gangs – vorwiegend aus dem Nahen Osten – den Stein ins Rollen gebracht haben, die vor allem nachts mit ihren getunten Motorrädern die Verkehrssicherheit im Seebad gefährden. Die strikte Umsetzung der Anweisungen aus Bangkok könnte jedoch auch Antwort auf einen Unfall mit Todesfolge in der Vorwoche sein, bei dem eine russische Touristin ums Leben kam. Ein weiterer schwerer Unfall ereignete sich zudem am frühen Mittwochmorgen, bei dem zwei thailändische Studentinnen von dem Motorrad eines arabischen Urlaubers erfasst und schwer verletzt wurden.

Anm. d. Red.: Der Artikel wurde aktualisiert mit dem Hinweis, dass die Polizei von Ausländern auch die internationale Fahrerlaubnis in Kombination mit dem nationalen Führerschein (DE/AT: intern. Führerschein nach Abkommen von 1926, CH: intern. Führerschein nach Abkommen von 1949) akzeptiert. Diese Information wurde zum Zeitpunkt der Erstellung der Originalnachricht zurückgehalten, nun jedoch von offizieller Seite aus bestätigt.

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Peter Jumpawong 12.07.19 23:31
Ohne F
Ich kann mich erinnern dass man die 1.000 Baht schon seit langem direkt vor Ort dem Beamten bezahlen konnte, das ist nichts Neues. Abgesehen davon ob man die Erforderliche Berechtigung besitzt und fahren darf, sollte man sich im Urlaub nicht diesem Risiko aussetzten. Solange man hinter jemand herfährt bleibt man leicht auf der richtigen „Linken“ Spur aber beim Abbiegen ist das nicht immer sicher. Dazu kommt das man als Fremder in dem Schilderwald und in anderer Sprache sehr leicht den Überblick verliert, und gestresst reagiert und dabei etwas zu weit über die Mittellinie kommt. Wie ich in meinem Bekanntenkreis sehe gibt es täglich Unfälle die meist mit ein paar Schrammen glimpflich ausgehen. Da die Fahrzeuge generell nicht entsprechend versichert sind muss man den Schaden (und Strafen) meist selbstbezahlen. Davon wird nie etwas berichtet, nur von den schweren Unfällen kann man fast täglich lesen. Wenn nun ein Urlauber das „Rechtsfahren“ seit Jahren gewohnt ist kann man sich leicht ausdenken was passiert wenn er ein (paar) Bierchen getrunken hat. Sehr oft liest man dass das Unfall verursachende Fahrzeug „zu schnell und zu weit“ in der Straßen Mitte war, oder der Fahrer das andere Fahrzeug nicht gesehen hat (weil er auf die „falsche“ Seite geschaut hat). Die schweren Unfälle passieren daher auch meist bei leeren Straßen.
Thomas Thoenes 12.07.19 10:01
@Chris Star
und was ändert sich daran wenn man einen Thai Führerschein besitzt, den zu erringen es ja nicht wirklich schwer ist? Oder selbst wenn man einen Internationalen Führerschein mit allen Klassen hat, fährt man dann besser im Linksverkehr oder auf dem Roller? Macht nicht so wirklich Sinn oder? Mit mehr als 20.000 Verkehrstoten und über 100.000 Verletzten scheint es ja dann auch wohl nicht so zu sein, das die Thais auch wenn sie keinen FS haben sicher fahren. Selbst wenn sie auf einem Roller geboren wurden. Diese neue Regelung ist einfach nur sinnlos und als Schlagzeile eher Kontraproduktiv.
Wolfgang Grille 12.07.19 06:29
Viel Tam, tam
Bei der letzten Kontrolle guckten die Polizisten unschlüssig auf den BRD-/EU-Führerschein und holten dann den scheinbar einzige Polizisten, der die dt. Fahrerlaubnis-Card lesen konnte. Ist das so eine Wissenschaft? Thailändische Polizei-Führung! Macht eine Kopie von so einer Card und Anweisung: Namen unter 1. vergleichen, dann muß ein Datum bei A1 und A da stehen und dann kann er Motorrad fahren ....
Chris Star 11.07.19 23:43
Richtig so
Naive Touristen, die der Meinung sind, sich in Thailand mehr herausnehmen zu können, werden so in ihrem Übermut gebremst. So viele haben nur eine PKW-Lizenz und sind noch nie die in Thailand üblichen Roller um die 125ccm gefahren. Dazu noch in fremden Verkehrsverhältnissen und im unbekannten Linksverkehr. Die meisten achten nicht einmal darauf, ob der Roller versichert ist. Da sind die Folgen oft hoch. Im eigenen Land würden sie sich das nicht trauen, aber im Urlaub geht die Vernunft verloren. Warum nicht die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen oder Taxis. Wobei letztere deswegen dazu gebracht werden sollten, sich an die korrekten Preise zu halten. Der vernünftigste Weg ohne Aufwand wäre die richtige internationale Fahrerlaubnis für PKW mitzubringen und sich einen PKW zu mieten. Dann hat man wenigstens als Neuling Airbags und Knautschzone um sich rum und ist klimatisiert und versichert. Bei den günstigen Preisen ab 600 Baht/24h sollte das doch kein Problem sein. Auch wenn die Thais keinen FS haben, so sind sie schon fast auf die Roller geboren. Denen passiert nicht so schnell etwas, die sind unglaublich geschickt mit so viel Fahrpraxis. Was zu der hohen Zahl an Zweiradunfällen führt ist erstmal die hohe Anzahl an Zweirädern in diesem Land. Und dann auch deren Übermut. Überwiegend Alkohol und Rasen. Also nochmal: zum Schutz lieber ein Auto um sich rum!
Ernst Schwartz 11.07.19 23:39
Es ist ja offensichtlich,
dass 10-jährige Knirpse, die zu Viert auf dem Motorrad durchs Dorf fahren, das Fahrzeug besser beherrschen, als ein Farang, der nicht mal richtig Fahrrad fahren kann. Gut so, drauf auf die Touristen, denn denen darf man bös kommen, den Thais dagegen nicht, die könnten betupft auf Kritik oder gar Busse reagieren. มีความสุขและยิ้ม.