Ungarn ist keine vollwertige Demokratie mehr

Demonstration der Opposition unter dem Motto
Demonstration der Opposition unter dem Motto "Wir sind die Mehrheit - Kundgebung für die Demokratie" nach der ersten Sitzung der neuen Nationalversammlung in Budapest. Foto epa/Marton Monus

STRAßBURG: Ungarn ist nach Ansicht des Europaparlaments keine vollwertige Demokratie mehr. Stattdessen hätten sich die Zustände in dem mitteleuropäischen Land so sehr verschlechtert, dass es zu einer «Wahlautokratie» geworden sei, heißt es in einem Bericht, den die große Mehrheit der Abgeordneten am Donnerstag in Straßburg annahm. Auch die Untätigkeit der EU habe zu «einem Zerfall der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und der Grundrechte in Ungarn beigetragen». Die ungarische Regierung versuche, die Grundwerte der EU-Verträge vorsätzlich und systematisch zu untergraben.

Das Europaparlament übt seit langem heftige Kritik an der rechtsnationalen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban. Bereits 2018 leiteten die Abgeordneten ein Verfahren nach Artikel 7 der EU-Verträge gegen Ungarn ein, weil es Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte in dem Land bedroht sah. Das Verfahren, an dessen Ende der Entzug der Stimmrechte im Ministerrat stehen könnte, tritt im Rat der EU-Staaten jedoch auf der Stelle.

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Ingo Kerp 16.09.22 13:50
Was auch immer Ungarn ist, es ist EU Mitglied und bleibt es so lange, bis es von sich aus dem EU-Verein die Kündigung schickt. Bis dahin kassiert man weiter, dank eines genialen EU-Mitglieder-Vertrages.