PATTAYA: Ein Jahr ist es nun her, als Sontaya Khunpluem zum 11. Bürgermeister von Pattaya City ernannt wurde. Zeit für eine Bilanz, welche Entwicklungen der Sohn von Somchai Khunpluem, besser bekannt als der „Pate von Chonburi“, dessen Tod am 17. Juni dieses Jahres für eine Welle der Anteilnahme sorgte, in den letzten 12 Monaten vorangetrieben hat.

Eines gleich vorweg: Als Khun Sontaya am 25. September 2019 von der Militärregierung ohne Vorankündigung und zur Überraschung der Bevölkerung zum neuen Stadtoberhaupt ernannt wurde, stand er vor schwierigen Aufgaben: Das noch in den Kinderschuhen steckende Projekt zum Aufbau des Östlichen Wirtschaftskorridors (Eastern Economic Corridor / EEC) in den Provinzen Chachoengsao, Chonburi und Rayong mit Pattaya City im Herzen sollte erste Resultate liefern, der Einbruch chinesischer Besucherzahlen ließ den seit Jahrzehnten auf Hochtouren laufenden Tourismusmotor besorgniserregend stottern, die ersten demokratischen Wahlen seit dem Militärputsch im Jahr 2014 standen in Vorbereitung und eine Reihe an Problemen in der Touristenmetropole mussten dringend angepackt werden, die von seinen Vorgängern jahrelang unbeachtet blieben.
Großreinemachen statt Resignation

Mit Khun Sontaya hatte die Militärregierung mit einem schielenden Auge auf die anstehenden Parlamentswahlen augenscheinlich den Mann fürs Grobe gefunden. Während sein von der Militärregierung ernannter Vorgänger Maj. Gen. Anan Charoenchasri die Geschicke der Stadt in seiner nur einjährigen Amtszeit im politischen Schlummerzustand gelenkt hatte, benannte Khun Sontaya bei seinem Amtsantritt auch gleich die am dringendsten zu lösenden Probleme in Pattaya: Hochwasserschutz, Umweltschutz, Verkehrskollaps und ein effektiveres Abfallmanagement. Was Kritiker als „alten Wein in neuen Schläuchen“ verspotteten im Hinblick darauf, dass er seine Ziele mit keinen konkreten Maßnahmen untermauerte, trägt 12 Monate später bereits erste Früchte: Es vergeht fast kein Tag, an dem die Reinigungskräfte der Stadtverwaltung nicht mit Radladern, Lastwagen und jeder Menge Personal ausrücken, um die Stadt von wilden Mülldeponien zu befreien, verstopfte Kanalisationen auszubaggern, verwahrloste Strände wie den Yim Yom Beach zu neuer Schönheit zu verhelfen, Bäume zu beschneiden…, die Liste lässt sich fortsetzen.

Dass Khun Sontaya seine Hausaufgaben gemacht hat beweisen besonders auch die Verbesserungen im Abfallmanagement der Stadt. In den meisten Stadtgebieten kommt die Müllabfuhr nun täglich - und zwar mit modernen LKWs im schicken Blau. Stinkende Müllberge, noch vor einem Jahr allgegenwärtig, gehören inzwischen weitgehend der Vergangenheit an. Überhaupt ist es auffallend sauberer geworden. Wer einmal unbeachtet vom typischen Steintisch-Gemecker betreffend Kosten und Sinn der Sandaufschüttung an der Beach Road tatsächlich einen Ausflug an den Stadtstrand der Touristenmetropole unternimmt, kann durchaus überrascht sein. Denn der für viele Jahre als „Rat Beach“ verunglimpfte Sandstrand ist attraktiver als je zuvor. Auch hier scheint man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben und setzt alles daran, das Millionenprojekt konstant zu pflegen: Eine neu angeschaffte Sandreinigungsmaschine dreht regelmäßig ihre Runden, Mülleimer stehen in Abständen von wenigen Hundert Metern auf der Strandpromenade zur Entsorgung von Unrat bereit und dank einem stadionähnlichen Beleuchtungssystem gehören Sicherheitsbedenken bei einem Strandspaziergang nach Sonnenuntergang endlich der Vergangenheit an. Seit Kurzem sogar bis zum Delfin-Kreisverkehr in Naklua. Denn die Flaniermeile wurde bis zum Verkehrsknotenpunkt am Terminal 21 Pattaya verlängert und erlaubt einen Spaziergang von der Shopping Mall runter zum Strand frei von Stolperfallen.

Auch wenn Autofahrer wegen der vielen Baustellen aktuell Nerven wie Drahtseile benötigen, so gibt es kaum eine Hauptverkehrsachse in der Stadt, die nicht aufgerissen wird, ist selbst für den Laien erkennbar, dass man auch beim Thema Hochwasserschutz mit Taten statt Worten glänzen möchte. Die im Vergleich zu früher riesigen neuen Drainagerohre vermitteln zumindest Hoffnung, dass die jährlich zur Monsunzeit vom Himmel niedergehenden Wassermassen in Zukunft besser bewältigt werden.
City Hall treibt Image-Wandel voran
Auf die Transformation der Touristenschichten scheint man in der City Hall ebenso vorbereitet zu sein, wie auf die Neuausrichtung von Pattaya als bedeutende MICE-Destination im Zentrum vom EEC. Hier steigt Khun Sontaya in die Fußstapfen seines Bruders Itthipol Khunpluem, der in den Jahren 2008 bis 2016 für die Geschicke der Stadt verantwortlich zeichnete und wegen der Fülle an Großveranstaltungen den Ruf als „Party-Bürgermeister“ innehatte. So vergeht fast kein Monat, in der nicht aufsehenerregende Mega-Events in der Touristenmetropole ausgerichtet werden, die aus der Feder des Bürgermeisterteams stammen. Verständlich, dass die lokale Geschäftswelt Gefallen an den vielen Veranstaltungen findet, spülen Events wie das internationale Feuerwerksfestival oder das Pattaya Music Festival doch ordentlich Bares in die besonders zur touristischen Nebensaison klammen Kassen und verleihen Pattaya ein positives, internationales Image.
