Die Spaßgesellschaft

Uwe und Hans, zwei Arbeitskollegen aus Deutschland, sind mit einigen Freunden auf Urlaub in Thailand und fühlen sich so wohl wie die hier auf Dauer lebenden Farangs. Die Sonne überzieht sie mit Glückshormonen. Warum sollten sie diese Zeit nicht genießen? In Europa, ja, da war es kalt, stürmisch und regnerisch, Aber hier? Sie stürzen sich ins Vergnügen.

Gestern Walking-Street mit Barbesuch, heute Abend Gourmet-Tempel und anschließend Nachtmarkt. Uwe und Hans haben sich inzwischen von ihren Freunden separiert, sich einem Stammtisch angeschlossen, wo es so recht zur Sache geht. Nur Hartmut, der immer die besten Witze kennt, fehlt. Der hat etwas andere vor. Okay, geht uns ja nichts an, von wem er sich heute beglücken lässt. Solange uns keine Spaßbremse dazwischenkommt, zum Beispiel in Person von Willy, der unser Augenmerk ständig auf die Hilfsbedürftigen lenken möchte. Soll er sich um sie kümmern, wir haben hart gearbeitet und gespart, um uns diesen Sorglos-Urlaub leis­ten zu können. Die Zeit geht sowieso schneller vorbei als wir ahnen. Wir treffen unterwegs Uwe und Hans. Sie kommen vom Stammtisch mit deutschen Expats und strahlen um die Wette. Was ist geschehen? „Wir haben zwei tolle Typen kennengelernt, die schon eine Ewigkeit hier leben. Als wir sagten, wir würden gerne mit ihnen tauschen, sagten sie, das wäre ganz einfach und boten uns ihre Hilfe an“. Wir hörten erstaunt zu. „Und wie soll das gehen“? fragten wir. „Langsam, langsam“ erwiderten Uwe und Hans im Glück. Die beiden haben hierzulande Erfahrung und verfügen über alle wichtigen Kontakte. Sie werden schon das Richtige für uns finden. Noch ist das alles ein Geheimnis“. Zwei Tage später trafen wir sie auf dem Weg zur Bank. Fragend schauten wir sie an. „Natürlich müssen wir hier zuerst mal jeder ein Konto anlegen, wenn wir uns hier eine neue Existenz aufbauen wollen. Ist doch klar, oder“? Klar, aber die Bank weigerte sich ein Konto für sie einzurichten, da sie keinen festen Wohnsitz nachweisen konnten.

Die neuen Freunde wussten einen Ausweg: „Ihr könnt eure Ersparnisse vorübergehend auf unsere Konten überweisen, bis ihr eine eigene Wohnung angemietet habt“. Wirklich, zwei herzensgute und hilfsbereite Landsleute. Uwe, der Junggeselle, besaß in Deutschland eine große Eigentumswohnung und Hans besaß ein Haus mit großem Garten. Er wies seine Frau an, es mit Hilfe eines Maklers schnell zu verkaufen. Seiner entgeisterten Frau sagte er, dass sie bald ihr Asthma los wäre, denn hier schiene ständig die Sonne. Uwe hatte über die Jahre ein hübsches Sümmchen zusammengespart. Beide taten wie von ihren neuen Freunden geraten und feierten abends schon mal mit ihnen ihr neues Leben im Paradies. Dabei wuss­ten sie noch nicht einmal, wie das aussehen sollte. Andreas, einer der beiden hilfswilligen Freunde, ging mit den beiden in eine große Firma, die Boote und Yachten verkaufte. Andreas wurde dort höchst respektvoll begrüßt. „Dies ist eine meiner Firmen, in die ihr eintreten könnt als Mitinhaber. Ich garantiere euch monatlich eine Summe, die höher ist als das, was ihr ausgeben könnt“. Uwe und Hans waren beeindruckt, und das steigerte sich noch, als der Partner von Andreas abends vorbeikam und sagte: „Ich habe ein herrliches Doppel-Apartement für die Übergangszeit für euch gemietet, direkt am Meer, allerdings erst zum kommenden Ersten, denn es wird für euch renoviert“. Inzwischen war das Geld aus Deutschland eingetroffen. Hans hatte, um den Verkauf zu beschleunigen, den Preis massiv reduziert. Allerdings hatte er zur Bedingung gemacht, dass seine Frau darin noch bis zum Jahresende wohnen konnte, um die bewegliche Habe veräußern zu können. Die beiden Helfer in der Not schickten Uwe und Hans nach Kambodscha, um ihr Visum für Thailand zu verlängern.

Ansonsten war täglich feiern angesagt. Hatten anfänglich Andreas und sein Kumpel die Zeche bezahlt, waren jetzt unsere beiden Glücksritter an der Reihe. Die Kollegen, mit denen sie vor einem Monat hier eingereist waren, lebten längst wieder in der alten kalten Heimat. Hier sollte in Kürze für Uwe und Hans die glücklichste Zeit ihres Lebens beginnen. Sie, verehrte Leserin und verehrter Leser ahnen natürlich längst, was auf unsere Traumtänzer zukommt. Als die aus Kambodscha zurückkehrten, war der Stammtisch leer. „Sie bereiten die Übertragung als Mitinhaber vor“, teilte der Wirt ihnen auftragsgemäß mit. „Prima“, meinten die Glückspilze und ließen sich das Bier schmecken. Als am anderen Tag immer noch keiner der beiden Helfer auftauchte, gingen sie in das Geschäft von Andreas, in dem sie bald Mitinhaber werden sollten. Sie fragten nach Andreas und seinem Kumpel, ernteten aber nur ein verständnisloses Achselzucken. „Die kennen wir gar nicht“, mussten sie sich anhören. „Aber Sie haben ihn doch begrüßt, als ob er der Chef wäre“. – „Nein, wir haben ihn begrüßt wie jeden Kunden, von dem wir hoffen, ihm ein Objekt verkaufen zu können.“ Langsam machte sich bei Uwe und Hans ein flaues Gefühl breit. Ihr nächstes Ziel war die Bank. Man bat die beiden Freunde in einen Nebenraum und eröffnete ihnen, dass die beiden Konten von Andreas und seinem Kumpel aufgelöst worden seien. Das war der entscheidende K.O.-Haken für unsere Thailand-Neueinsteiger. Sie waren total fertig. Den Tipp von einem der Banker, zur deutschen Botschaft in Bangkok zu fahren, um sich dort das Geld für den Heimflug zu leihen, befolgten sie noch am gleichen Tag. Jetzt wissen sie, die schlimmsten Ganoven in Thailand sind nicht die kleinen Betrüger, Diebe oder Drogenhändler, sondern die eigenen Landsleute, die sich hier inzwischen auskennen und immer wieder nach neuen Opfern Ausschau halten. Für naive Glücksritter wie Uwe und Hans ist dies gewiss die Lehre ihres Lebens, denn auch in der Spaßgesellschaft sollte man seinen Verstand nicht in der ersten Bar abgeben.

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Wilfried Stevens 28.10.19 20:04
Da lässt aber einer die Keule schwingen
Natürlich meine ich den letzten Vorschreiber..nunja, leben und leben lassen...jeder hat halt ein anderes Bild von preiswert und/oder gut leben in Thailand. ;)
Thomas Schiffer 28.10.19 17:04
Ich sach nur Horsti, damit dürfte alles gesagt sein. Ich finde es immer süß, wenn hier die einzigen Kerle mit Überblick sagen: mich hat noch nie jemand nach Geld gefragt. Ganz ehrlich, ihr macht euch doch lächerlich , sowas hier im Forum zu erzählen. Es gibt 1000 von solchen Geschichten. Meist sind es aber die Thai Mädels , die die Farangs ausnehmen. Ich fahre 4-5 x im Jahr nach Pattaya. Regelmäßig sehe ich Immobilienbesichtigungen für Privat und Gewerbe in der Kombination Farang / Thai. Genauso schnell werden die aber auch wieder geschlossen. Nämlich immer dann, wenn der Farang die Schnauze voll hat, jeden Monat zuzuschießen. Ist ja auch ne Milchmädchenrechnung. Ne hübsche Thai kostet mindestens 30 Mille. Das kann man drehen wie man will. Entweder zahlt man 30 und geht das Risiko ein, dass sie nach dem Urlaub wieder zurück zur Bar geht, oder man richtet ihr ein Laden ein, damit die Beschäftigung hat und zahlt 30 Mille , weil der/die Thai nicht in der Lage sind, zu wirtschaften. Also muss man sich die Frage stellen, was besser ist. Langsam alles zu verlieren, oder auf ein mal. Eine Thai zu finden, die nichts kostet, ist ein Lotto 6er und ich vermute, die gibt es nicht. Thailand bzw. Pattaya ist teuer, teurer wie DACH. Aber wenn man das Gleiche erleben will, wie in Thailand, dann ist DACH teurer. Preiswert in Thailand leben, bedeutet ein Leben voller Entbehrungen. Ein gelungener Abend in Pattaya kostet mindestens 100 €. Der Unterschied ist, dass man dann ein nettes Mädel hat
Norbert Schettler 27.10.19 21:36
Spass und Gesellschaft
Hans-Gerd Englich, hoert sich alles sehr gut an was Sie schreiben. Bis auf das Meiden von Farangs bin ich auch groessten Teils bei Ihnen. Der Herr Krueger hat da natuerlich einen Fall geschildert der schon von grosser Dummheit zeugt. Sie scheinen Glueck oder auch Weitsicht zu haben, denn oft ist es so, dass man als Umsiedler mal erst ins Dorf der Gattin oder Freundin kommt. Und dort ist die Familie und die meisten Kinder gehen eben noch nicht auf die Uni. Da bleibt es nicht aus, ein wenig zu unterstuetzen, Betonung auf ein wenig. Die Angetraute muss natuerlich mitspielen, sonst steht man schnell auf verlorenem Posten. Meine Frau hatte keine Kinder und so war es nicht ganz so schwer, sie irgendwann von der Familie weg mit nach Hua Hin zu nehmen. Dort war es mir allerdings nach einigen Jahren zu hektisch, also wieder zurueck nach Ubon. Hier allerdings bin ich froh, einige Bekannte (Farangs) zu haben, ein gutes Gespraech geht auch ohne Alkohol. Ein Paradies ist Thailand fuer mich zwar nicht, bin aber, wie Sie auch, zufrieden mit meinem Leben und nach Deutschland zurueck...never.
JoHu 27.10.19 21:30
H.-G. Englich
Endlich mal was Positives mit exakter Beschreibung der meißten hier lebenden Farangs. Gratuliere und freue mich mit Ihnen!
Norbert Kurt Leupi 27.10.19 21:23
Die Spassgesellschaft in TH...
auf Kosten von Traumtänzern und Liebeskasperln ! Und so weiter und so fort ! Trotz Touri-Mangels aus dem " Abendland " kommt täglich noch mindestens ein neuer Traumtänzer , der einfältig vom Eindruck des Augenblicks abhängig ist , dass einer , der in täuschen will , stets einen findet , der sich täuschen lässt ! " Die Traumtänzer denken zu viel und tanzen zu wenig " ?