Das Ehrenamt

Das Ehrenamt

Ohne ehrenamtliche Helfer wäre unsere Welt wahrscheinlich in einem schlimmeren Zustand als sie heute ist. Ohne die freiwillige Feuerwehr gäbe es viele Häuser, Höfe, Menschen und Tiere nicht mehr. Ohne ehrenamtliche Trainer wäre der Sport nicht so erfolgreich und verbreitet. Ohne ehrenamtliche Helfer und Helferinnen bei der Tafel ginge es vielen armen Menschen schlechter und ohne Menschen, die ohne jedes Lob und ohne Preis, anderen helfen, wäre diese Welt nicht mehr lebenswert.

Schon die ersten Menschen haben sich zusammengeschlossen in Clans und in Jagdgemeinschaften, um gemeinsam Beute zu machen und zu überleben. Kein Mensch ist eine Insel. Und wenn jemand beschließt, als Eremit zu leben, dann ist es seine Sache. Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Allein wäre er nicht überlebensfähig. Dass sich immer wieder Menschen engagieren, um anderen Menschen oder Tieren zu helfen, hat dazu beigetragen, dass diese Welt ein humanes Angesicht bekam. Inzwischen kümmern sich viele Menschen nicht nur um hilfsbedürftige Menschen, sondern auch um verlassene Haustiere oder wenden ihre Aufmerksamkeit auch den Tieren zu, deren Lebensgebiet immer weiter eingeschränkt wird. Viele Tiere, die ich als Kind noch überall antraf, kann man heute nur noch selten sehen: Störche, Fischreiher, Adler oder Uhus. Es gibt aber viele Gruppen, die sich zusammengefunden haben, um eine besondere Tierspezies zu retten, wie beispielsweise die Kröten. Andere kümmern sich darum, urbane Landschaften so herzurichten, dass Tiere, die sich längst zurückgezogen hatten, sich hier wieder ansiedeln. Diese Arbeit kann von der öffentlichen Hand gar nicht geleistet werden. Ohne ehrenamtliche Hilfe gäbe es auch schon viele Insekten nicht mehr, die für die Bestäubung unserer Früchte zuständig sind. Es geht dabei nicht nur um die Tiere, es geht dabei auch um uns. Beide, Menschen und Tiere sind gefährdet.

Menschen, die krank, alt oder arm sind, können ohne Hilfe von anderen nicht überleben, wenn sie keine Angehörigen haben, die sich um sie kümmern. Das ist häufiger der Fall als man denkt. In den Altersheimen leben viele Patienten, die niemals Besuch bekommen, weil sie keine Familienangehörigen mehr haben oder solche, die sich nicht für sie verantwortlich fühlen. Es gibt aber auch Menschen, die gehen freiwillig dorthin, um sie zu unterhalten oder um ihnen vorzulesen. Das galt zumindest bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie. Andere engagieren sich bei der Tafel, die für viele Menschen unverzichtbar ist. Mitleid sollte eigentlich schon aus dem Christentum entstanden sein. Aber dem ist leider nicht so. Das Ehrenamt ist aller Ehren wert. Ich denke dabei an meinen kranken Freund, der fast täglich Besuch von einer herzensguten Freundin bekam. Er lebt ohne Gedächtnis an früher, auch ohne Gedächtnis an mich, in einem deutschen Altersheim, aber diese Frau, die sich um ihn kümmert, die erkennt er noch, allerdings ist inzwischen jede verbale Unterhaltung unmöglich geworden, und auch Besuche sind bekanntlich inzwischen unmöglich.

Wir brauchen, und das gilt überall, viel mehr Menschen, die sich in einem Ehrenamt engagieren. Das gilt auch für Natur- und Tierschützer. All diese Helfer sind gar nicht hoch genug einzuschätzen. Ohne sie wäre unsere Welt eine andere. Es gibt genug Zeitgenossen, die sich fröhlich in ihren Sesseln fläzen, und meinen, die anderen werden es schon richten. Sie gehen sogar soweit, andere zu verspotten, die Notleidenden zu helfen versuchen. Wer anerkannten Asylanten hilft, sich hierzulande eine eigene Existenz aufzubauen, hat schon einen Orden verdient. Wer Obdachlose von der Straße holt und in einen Beruf bringt, der ist in meinen Augen ein Held. Weil ich das Leben so liebe, liebe ich auch alle, die den Hilfsbedürftigen helfen. Wer in ein gutes Leben hineingeboren wurde, ohne dass er selbst dazu beigetragen hat, der sollte ein Menschenfreund sein, der hilft, dass es den Ärmeren besser geht. Das gilt natürlich auch für die Neureichen, die es aus eigener Kraft – aber sicher nicht ohne die Hilfe schlecht bezahlter Mitarbeiter- geschafft haben, ein Vermögen anzuhäufen. Ich persönlich unterstütze eine Reihe von NGOs, nicht regierungsabhängiger Organisationen, die in Deutschland für jede Spende eine Quittung ausstellen, die von den Finanzämtern anerkannt werden, und damit die Steuern halbiert. Das führt dazu, dass ich keine Steuern mehr zahlen muss. Ich denke, jeder kann auf seine Art helfen, diese Welt besser zu machen. Es fängt damit an, den Extremisten den Rücken zu zeigen, um ihnen klar zu machen, dass wir mit ihnen nichts zu tun haben wollen.

Es geht weiter, wenn wir Menschen helfen, die von Rassisten angegriffen werden. Wir haben, jeder Einzelner, alle Möglichkeiten zu helfen oder um Erich Kästner zu zitieren, „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Das Ehrenamt ist die Krönung der Hilfsbereitschaft. Damit zeigen diese Helfer, dass sie sich zugehörig zu allen Menschen zählen, die weltweit helfen. Allein hier in Thailand gibt es unzählige Waisenhäuser, Heime für HIV-Infizierte oder für Straßenkinder. Sie alle sind auf private Spenden angewiesen. Auch die Vielfamilienverbände gibt es hierzulande immer weniger, in denen die Jüngeren sich um die Älteren kümmerten. In den größeren Städten findet man diese Lebensform kaum noch. Im Isaan leben immer noch viele Familien, die angewiesen sind auf die Hilfe ihrer Kinder, die in den Touris­tenstädten arbeiten. Jetzt, wo das Coronas-Virus so viele Existenzen bedroht, sollte jeder, dem es gut geht, sich überlegen, wo er helfen kann. Ehrenamtliche Helfer sind die Helden unserer Zeit. Unser aller Respekt und Dank sollten ihnen gewiss sein.

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Thomas Knauer 11.05.20 17:46
Sicher macht das Ehrenamt mit seinen Helfern die Welt zu einem besseren Ort. Das Klientel das sich im Ehrenamt tummelt ist aber deutlich 50+ und leider kommt selbst bei Feuerwehr THW und DRK nicht mehr viel nach. Wir mussten im Landkreis die Männer in 3 Gemeinden mittlerweile zum Dienst in der Feuerwehr verpflichten, es gab nicht mehr genug Freiwillige. Die Spendenbereitschaft ist, wenn diese Projektbezogen ist, ungebrochen.