Auf nach Huai Lan, die Wolken kitzeln!

Am 6. und 7. Juli in Chiang Mai: das letzte große Raketenfestival dieses Jahr

Bei dieser Rakete scheint alles optimal gelaufen. Die Rauchfahne geht schnurgrade hoch in die weißen Wolken.
Bei dieser Rakete scheint alles optimal gelaufen. Die Rauchfahne geht schnurgrade hoch in die weißen Wolken.

CHIANG MAI: Während im Juli die meisten bedeutenden Raketenfeste in Laos und Nordost-Thailand vorbei sind, wird östlich von Chiang Mai noch eifrig an den Raketen gebastelt. Das größte und berühmteste Fest dieser Art findet jedes Jahr im Mai in Yasothon statt. Wer das verpasst hat oder wer organisierte Festival-Ausflüge, Tickets und Nebenschauplätze eher überflüssig findet, wird viel Freude an dieser traditionellen Veranstaltung in Huai Lan haben.

Ein wenig Hintergrundwissen

Letzte Fachgespräche vor dem Abflug. Der explosive Inhalt befindet sich in den kurzen Rohren am dicken Ende.
Letzte Fachgespräche vor dem Abflug. Der explosive Inhalt befindet sich in den kurzen Rohren am dicken Ende.

Bunbangfei (บุญบั้งไฟ) so heißt das Raketenfestival auf Thai. Der traditionelle Hintergrund ist eine Mischung aus Geisterglauben und Buddhismus, wie so oft in Thailand. Vordergründig geht es auf jeden Fall auch um Spaß und darum, dass man sich für die bevorstehende Regenzeit ergiebige Regenfälle für die Reisfelder wünscht. Dafür wird in Richtung Himmel ordentlich Krawall gemacht und vielleicht auch noch die ein oder andere Wolke angepiekt, damit sie Wasser lässt. Das hat bisher fast jedes Jahr ganz gut funktioniert.

Die Raketen werden in mühevoller Handarbeit von den Teilnehmern selbst hergestellt. Der Ehrgeiz ist groß. Zunächst geht es darum, eine geeignete Bambusstange zu finden und diese dann möglichst gerade hinzubiegen. Dafür wird sie immer wieder über Feuer erhitzt und vorsichtig in Form gebracht. Am gefährlichsten ist dann wohl das Anmischen des Schwarzpulvers sowie das finale Befüllen der PVC-Rohre. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen. Vor zwei Jahren hat in Banthi ein Hobbybastler dabei Haus und Hof niedergebrannt. Über das Thema Sicherheit sollte man rund um die Veranstaltung am besten gar nicht erst nachdenken. Ach, und besser auch nicht über Feinstaubbelastung, Vegetarismus, verbotene Wetten, Alkohol und Machogehabe. Bei diesem Bunbangfei geht es schon arg rustikal zu.

Ob auf dem Boden, auf Stühlen oder beim Umherlaufen: Das Spektakel lässt sich hier in jeder Position verfolgen.
Ob auf dem Boden, auf Stühlen oder beim Umherlaufen: Das Spektakel lässt sich hier in jeder Position verfolgen.

Es nehmen Dörfer und Distrikte aus ganz Chiang Mai teil. Am Samstag starten, quasi zur Einstimmung, die kleineren Raketen. Am Sonntag wird es Ernst mit dem Spaß und die großen Raketen heben von der Rampe ab. Eine Jury verteilt Punkte, wobei es sowohl auf die Höhe als auch auf die Ästhetik der Rauchfahne ankommt. Jeder Abschuss wird lautstark kommentiert und besonders gute Flüge werden mit frenetischem Jubel und Tanz gefeiert. So geht das, Schuss auf Schuss, den ganzen Sonntag lang. Natürlich gibt es auch Rohrkrepierer. Diese vernebeln dann fast den ganzen Platz und werden hingebungsvoll ausgelacht. Vielleicht ist es ja nicht nur Schadenfreude, sondern auch ein wenig Erleichterung, dass niemand von den herumfliegenden Trümmerteilen der Rakete getroffen wurde.

Was hier so abgeht…

Wenn sie schon ihren Segen geben, dann wollen sie auch wissen, wie weit es ihre Schützlinge bringen.
Wenn sie schon ihren Segen geben, dann wollen sie auch wissen, wie weit es ihre Schützlinge bringen.

Damit wir uns da also nicht falsch verstehen, auf diesem Raketenfestival geht es nicht darum, beschaulich an ein paar größeren Silvesterraketen herumzuzündeln. Hier werden 10 bis 15 Meter lange Bambusstangen ein bis zwei Kilometer hoch in die Luft geschossen. Es wird geschrien, getrommelt, gelacht und gewettet (pssst). Das Rahmenprogramm verdient seinen Namen. Das heißt, auf Chichi wird während der Veranstaltung weitestgehend verzichtet. Natürlich nicht auf zünftige Musik, Fleisch, Whisky und Bier. Sicherheitsabsperrungen sucht man vergeblich, ein respektvoller Abstand zur Rampe scheint einigermaßen selbstverständlich. Kurz, dieses Fest ist so ein richtiges Männerding. Frauen sind nur selten zu sehen und wenn, dann stehen sie hinter den Essständen. Erst abends, wenn die letzte Rakete gezündet wurde, erscheinen auch Frauen auf der Bildfläche, denn die Veranstaltung ist noch lange nicht vorbei. Richtig, es folgt das Rahmenprogramm. Glücklicherweise gibt´s da weder einen Schönheits- noch Tanz-Contest, sondern lediglich noch mehr zu trinken und Tanz für alle. Auf einer Bühne animieren hochbeschuhte Schönheiten das Volk zum Tanze. Und das Volk lässt sich nicht lange bitten. Es stürmt, mit einem Tanzticket im Wert von „Sau“-Baht (Lanna für 20 Baht) versehen, auf die Bühne, und bewegt sich. Ein jeder wie er mag und kann.

Autsch, hier scheint was schiefgelaufen. Rohrkrepierer sind keine Stimmungskiller beim Publikum, im Gegenteil!
Autsch, hier scheint was schiefgelaufen. Rohrkrepierer sind keine Stimmungskiller beim Publikum, im Gegenteil!

Beunruhigend zu wissen und für den ultimativen Kick: Überall auf diesem Platz befindet sich irgendwo Schwarzpulver, ein bis fünf Kilo pro Bambusstange dürften es sein. Während einige Raketen noch auf den Pick-ups liegen, sind andere in einer Ecke geparkt. Dort warten sie auf den Mönchssegen oder bereits auf ihren Abtransport zur Rampe. Wieder andere werden mit musikalischem Getöse durch die Menge zur Rampe getragen. Dort angekommen, geht´s mühevoll die steile Rampe hoch. Oben angelangt, wird das obere Ende der Stange vorsichtig mit einem Seil nach unten abgelassen und in eine senkrechte Position gebracht. Der Zündkopf befindet sich jetzt oben. Direkt daneben sieht man einen winzig kleinen Raum mit Fenster. Darin sitzt tatsächlich jemand, der die Raketen anzündet. Eine Flamme blitzt auf, es folgt ein spannungsgeladener Moment der absoluten Stille, dann zischt´s und ab geht´s mit großem Getöse und viel Rauch. Eine Weile lang versinkt das Häuschen in den Rauchschwaden. Doch alle schauen nach oben und bewerten für sich bereits die Flugbahn. Für mitfühlende Gemüter ist es jedes Mal beruhigend zu sehen, wenn der Mann bei der nächs­ten Rakete wieder zündelt: Er hat überlebt!

Stausee Huai Pa Rai
อ่างเก็บน้ำห้วยป่าไร่
Huai Lan
T. Ontai, A. Sankamphaeng
50130 Chiang Mai
GPS: 18.690605, 99.207347
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THOMAS S 30.06.19 11:45
Dachte erst,dass dies Fest verboten wurde
Wegen jedes Jahr wiederholte Unfälle, Brände usw. Aber was soll's. Der Kindergarten muss weiter gehen.