PATTAYA: Die Stadt, die eigentlich niemals schläft, wacht im Juli 2021 nicht mehr auf. Als Corona Pattaya Anfang 2020 zum ersten Duell herausforderte, waren die bis dahin nie enden wollenden Partynächte in Thailands bekanntestem Urlaubsziel mit einem Schlag Geschichte. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, wie rasant sich das Coronavirus auf der Welt ausbreiten und auch das alltägliche Leben in Pattaya verändern würde.

Bei einem Spaziergang über Pattayas Strandpromenade im Juli 2021, eineinhalb Jahre nach Pandemiebeginn, stechen die tiefen Wunden, die das Seebad und seine Einwohner im Kampf gegen Corona erlitten haben, förmlich ins Auge. Die Folgen der Pandemie sind für alle Einwohner eine schmerzhafte Erfahrung: Die Corona-Krise zerstörte die Lebensgrundlage der Einheimischen, die auf dem „Strip“ jahrzehntelang genug Geld verdienten, um für sich selbst sowie für ihre Familie auf dem Land zu sorgen und machte den langersehnten Auswanderertraum vieler ausländischer Residenten zunichte.
Vermisst: Eierlegende Wollmilchsau

Sowohl von der eierlegenden Wollmilchsau, die mehreren Generationen arbeitssuchender Menschen aus dem ländlichen Isaan ein besseres Leben bescherte, als auch von dem vergnügsamen Urlaubsziel, das jahrzehntelang Touristen aus der ganzen Welt anzog, fehlt Ende Juli 2021 jede Spur.
Verschwunden: Sanuk & Sabai

Auf Pattayas Strandpromenade, wo in Vor-Corona-Zeiten „Liebeskasper“ mit ihrem „Tirak“ den Sonnenuntergang genossen und sich „Butterflys“ aller Herrenländer allabendlich ins Abenteuer stürzten, herrscht heutzutage eine bedrückende Stimmung, die nichts mehr mit der legendären „Sanuk & Sabai“-Atmosphäre lang vergangener Tage gemein hat, mit der Pattaya mehrere Jahrzehnte die Herzen von Urlaubern aus aller Welt im Sturm eroberte.
Obdachlosigkeit und Drogenmissbrauch

Spätestens nach Einbruch der Dunkelheit macht sich ein beklemmendes Gefühl breit. Von Urlaubsfeeling keine Spur.
Wo vor zwei Jahren noch junge Studentinnen aus Bangkok – in der Hoffnung auf das schnelle Geld – kichernd beisammen saßen, um sich nach einem Wochenende an der See das neueste und teuerste Smartphone leisten zu können, lungern in der „neuen Normalität“ vorwiegend Obdachlose, Drogensüchtige oder drogensüchtige Obdachlose herum. Einige von ihnen rauchen in aller Öffentlichkeit Meth, ein polizeibekanntes Problem. Nicht selten liefern sie Passanten ein Exempel, warum die winzigen, doch hochdosierten Meth-Pillen von den Einheimischen „Ya Ba“ – „verrückte Medizin“ – genannt werden.

Tagsüber ist die Strandpromenade auch heute noch ein beliebtes Ziel von Joggern, Radfahrern und Skatern. Nach Sonnenuntergang dominiert ein anderes Publikum: Verwirrte, unter mentalen Problemen leidende Frauen und Männer sitzen einsam unter den Palmen, einige führen Selbstgespräche, andere laufen laut schimpfend oder wild gestikulierend hin und her. Parallel zur steigenden Zahl der Obdachlosen hat auch die Bettelei wieder zugenommen, einige Stadtstreicher schnorren Zigaretten, andere bitten um eine Kleingeldspende Das Ausmaß der Corona-Armut ist erschreckend hoch.
Corona sorgt für große Armut

In bester Innenstadtlage hat die Pandemie einen sozialen Brennpunkt entstehen lassen, über den die meisten Einheimischen – der asiatischen Mentalität entsprechend – einfach hinwegschauen: Sie wechseln die Straßenseite – aus den Augen, aus dem Sinn!

Deshalb überrascht es auch nicht, dass der Fahrer eines großen Pick-up-Trucks, der allabendlich auf der Beach Road seine Runden dreht und Obdachlose mit Lebensmittelspenden und anderen lebenswichtigen Artikeln versorgt, ein Ausländer ist. Seinen Namen will der Skandinavier nicht nennen, ebenfalls nicht als „großer Wohltäter“ für ein Foto posieren. Ihm geht es einzig und allein darum, Menschen in Not zu helfen – ohne Fotografen und ohne Kamerateam!