Kakao zu ernten ist eine gefährliche Sache!

Scarlet ist schwanger, eine Banane mit zwei Köpfen und fliegende Samen

Mit einer Machete werden die Kakao-Früchte geöffnet: Machen wir aus den Bohnen Schokolade oder Setzlinge? Fotos: hf
Mit einer Machete werden die Kakao-Früchte geöffnet: Machen wir aus den Bohnen Schokolade oder Setzlinge? Fotos: hf

Meine vielen Kakaobäume im Discovery Garden Pattaya tragen schon seit einiger Zeit Früchte, jetzt zeigen wir unseren Besuchern im Rahmen der „Schokoladen-Akademie“, wie man daraus leckere Schokolade herstellen kann.

Geerntete Kakaofrüchte.
Geerntete Kakaofrüchte.

Bislang haben wir die meis­ten unserer eigenen Kakaobohnen benötigt, um daraus Setzlinge zu machen, jetzt aber reicht die Menge von etwa 30 Kilos im Monat auch, um daraus Schokolade zu machen. So oder so, das Ernten von Kakao ist nicht ganz ungefährlich. Denn auf vielen der Samenbehälter tummeln sich massenweise Ameisen, die die dort versammelten Läuse melken, in einem symbiotischen Verhältnis miteinander leben. Und, wenn man die Früchte ernten will, wird man arg gebissen und gar grauenhaft gepiesackt.

Man muss wissen, was zu tun ist

Als ich das allererste Mal ein paar frische Kakao-Samenbehälter (also Kakao-Früchte) in Brasilien beschaffen konnte, habe ich sie sehr sorgfältig an der Sonne getrocknet, bis sie etwa so aussahen wie die (vermeintlich) getrockneten Samen, die da ebenfalls angeboten wurden. Wieder zurück in Thailand, habe ich allesamt angepflanzt, um daraus Setzlinge zu ziehen. Doch daraus wurde nun wirklich rein gar nichts.

Nicht nur schön, Scarlet trägt auch leckere Früchte.
Nicht nur schön, Scarlet trägt auch leckere Früchte.

Kakaobohnen, einmal aus ihrem schützenden Samenbehälter heraus, müssen ganz frisch gepflanzt werden, weil sie nur etwa 7 bis 10 Tage keimfähig sind. Und auch, wenn man das einmal weiss, kann ein Schlaumeier sie immer noch leicht killen. Ich habe beim zweiten Versuch viele der frischen Samen 10 oder 20 Zentimeter tief eingebuddelt, was sie ebenfalls nicht überleben: Nach der Wurzelbildung schickt die Pflanze die Bohne einige Zentimeter über die Oberfläche hinaus und bildet dann dort Blätter aus. Ist sie allerdings zu tief vergraben, bricht sie sich beim hinaufschieben das Genick. Öffnet man einige Samenbehälter, dann haben ein paar der Bohnen bereits zu keimen angefangen, die sind dann für Setzlinge besonders geeignet, für die Produktion von Schokolade allerdings nicht mehr zu gebrauchen.

Schokoladekurs neu auf Anfrage

Diese Banane hat zwei Blüten, doppelt gemoppelt.
Diese Banane hat zwei Blüten, doppelt gemoppelt.

Wir haben bereits in der Vergangenheit mehrfach eine sogenannte „Schokoladen-Akademie“ durchgeführt, unseren Besuchern dabei in einer Führung die Highlights unseres Gartens gezeigt und anschließend eine simple Schokolade zusammen produziert, was den großen und kleinen Besuchern des Gartens durchaus gefällt. Dass dabei allerlei Produkte aus unserem Haus degustiert werden können, versteht sich von selbst. Da wir nun dauerhaft genügend Kakao-Früchte haben, können wir auf Anfrage jederzeit eine derartige „Schokoladen-Akademie“ anbieten (minimale Teilnehmerzahl 5, maximal 10). Das ist auch über Songkran möglich, wobei in unserem Garten garantiert nur die Pflanzen angespritzt werden, sicherlich keine Besucher.

Unsere schöne Scarlet ist gewissermaßen schwanger geworden, über Nacht, kein Wunder eigentlich, denn sie ist aufreizend gutaussehend, eine geile Erscheinung in jeder Beziehung... Es handelt sich um eine Passiflora coccinea, auch als Scarlet bekannt, eine Passionspflanze aus dem Amazonas-Gebiet und nun hängt plötzlich eine allererste Frucht an ihr, die auch essbar ist. Bis jetzt hatten wir von ihr noch nie Früchte, eine positive Überraschung.

Dann hat eine seltsame Banane endlich eine Blüte ausgefahren, wie man das im Allgemeinen von den Bananen kennt und dann noch eine zweite Blüte, wie es der Verkäufer der Pflanze ja versprochen hatte, aber wir glauben es natürlich erst, wenn es passiert ist. Jetzt steht sie gewissermaßen mit zwei Köpfen da, ein Faszinosum, das an die berühmten Siamesischen Zwillinge erinnert.

Und last, but not least, liefert der große Baum auf dem Nachbar-Grundstück wieder seine fliegenden Samen, die an Helikopter erinnern, der Dipterocarpus alatus (Zweiflügelfrucht), ein jährlich wiederkehrendes Phänomen, phänomenal!

Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957@gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite www.discovery-garden.net oder Facebookseite.

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