Zwei Palästinenser bei israelischem Militäreinsatz getötet

Israels Sicherheitskräfte am Tatort eines Messerangriffs durch einen Palästinenser. Foto: epa/Yonatan Sindel
Israels Sicherheitskräfte am Tatort eines Messerangriffs durch einen Palästinenser. Foto: epa/Yonatan Sindel

RAMALLAH/TEL AVIV: Die Lage in Nahost heizt sich nach einer blutigen Anschlagsreihe in Israel weiter auf. Israel geht militärisch gegen Verdächtige vor. Die Polizei setzt beim muslimischen Freitagsgebet in der Jerusalemer Altstadt auf massive Präsenz.

Neue Gewalt in Nahost: Drei Palästinenser wurden am Donnerstag im besetzten Westjordanland getötet - zwei bei einem israelischen Militäreinsatz und einer bei seinem eigenen Angriff. In Dschenin wurden bei dem Einsatz ein 17-Jähriger und ein 23-Jähriger tödlich verletzt, wie das Gesundheitsministerium in Ramallah mitteilte. Der palästinensische Angreifer wurde laut israelischer Armee im südlichen Westjordanland erschossen.

Beide Vorfälle folgten auf eine blutige Anschlagsserie in Israel, bei der innerhalb von rund einer Woche elf Israelis getötet wurden. Israel befürchtet weiteres Blutvergießen mit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan am Wochenende. Die Armee unterstützt die Polizei mit 1000 Soldaten, um die allgemeine Sicherheitslage zu verbessern. Zusätzliche Kräfte wurden auch in das Westjordanland entsandt. Ministerpräsident Naftali Bennett kündigte die Einrichtung einer neuen Einheit der Grenzpolizei an.

In Bezug auf den Militäreinsatz teilte die israelische Armee mit, Soldaten seien in Dschenin gewesen, um mehrere Verdächtige festzunehmen. Dabei seien sie beschossen worden. Die Soldaten hätten zurückgeschossen. Videos zeigten Militärfahrzeuge und schwer bewaffnete Soldaten, ein Ambulanzfahrzeug und eine Person, die am Boden lag.

Im südlichen Westjordanland soll ein Palästinenser in einem Bus einen Israeli mit einem Schraubenzieher schwer verletzt haben, wie die Armee und der israelische Rettungsdienst mitteilten. Ein Zivilist im Bus habe den Attentäter daraufhin erschossen.

In Israel sind seit Anfang vergangener Woche bei drei Anschlägen insgesamt elf Israelis getötet worden. Bei zwei Anschlägen waren die Attentäter arabische Israelis. Alle drei waren Unterstützer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Bei dem vorerst letzten Anschlag am Dienstag in der Nähe von Tel Aviv war der Attentäter ein Palästinenser aus der Nähe von Dschenin.

Angesichts der blutigen Anschlagswelle sprach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seinem israelischen Amtskollegen sein Beileid aus. Steinmeier habe im Gespräch mit Präsident Izchak Herzog die Anschläge verurteilt, teilte Herzogs Büro am Donnerstag mit. Er habe den Verletzten eine rasche Genesung gewünscht.

Wie das Armeeradio berichtete, setzt die Polizei am Freitag rund um den Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt (Al-Haram al-Scharif) insgesamt 3000 Kräfte ein. Zum Freitagsgebet um die Al-Aksa-Moschee werden rund 50.000 Muslime erwartet, wie nach Angaben der jordanischen Wakf-Behörde üblich. In der Vergangenheit kamen zu den Freitagsgebeten während des Ramadans 500.000 bis eine Million Menschen. Der Tempelberg ist Juden und Muslimen heilig.

Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen verurteilte den Militäreinsatz in Dschenin und rief zum Widerstand gegen die israelische Besatzung auf. Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

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