​Martin Walkers «Connaisseur»

​Von Renaissance bis Résistance

​Martin Walkers «Connaisseur»

ZÜRICH: Neuer Fall für den Chef de Police: Bruno muss den Tod einer amerikanischen Kunststudentin aufklären. Martin Walkers zwölfter Bruno-Roman «Connaisseur» lädt zu einer spannenden Reise ins Périgord ein, bei der auch wieder fürstlich getafelt wird.

Die Geschichte in Martin Walkers neuem Krimi «Connaisseur» (Experte) ist schnell umrissen: Eine Kunststudentin aus den USA kommt nach Frankreich, um im Périgord und in Paris ihre Kenntnisse der französischen Renaissance zu vertiefen. Doch dann verschwindet die junge Dame nach einem Vortrag plötzlich. Bruno, der Chef de Police von Saint-Denis und Umgebung, sucht und findet sie ertrunken am Grund eines tiefen Brunnens. Unfall, Suizid oder Mord? Dieser Frage muss Bruno nun nachgehen und/oder höher gestellten Beamten und sogar dem FBI bei der Lösung des Falls zuarbeiten.

Natürlich ist der 12. Fall des beliebten Dorfpolizisten nicht so simpel. Es tun sich zahlreiche Spuren auf, Nebenpfade stiften Verwirrung, mal gibt es mehr, mal weniger Verdächtige. Und dann ist da noch die schwierige Frage nach dem Warum: Unfall, weil Claudia, so der Name des Mädchens, eine Katze aus dem Brunnen retten wollte; Mord, weil sie womöglich einem Verbrechen in der Kunstszene auf der Spur war oder einen Verehrer abgewiesen hatte; Suizid, weil... Letzteres scheint am abwegigsten zu sein, denn Claudia war reich, sehr reich, schön und allseits beliebt, wie ihr wirklich jedermann bescheinigte - auch Bruno selbst.

Der Chef de Police steht vor einem Rätsel, aber natürlich keins, das er nicht lösen könnte. Sein Schöpfer, der Autor mit den schottischen Wurzeln, nutzt wie gehabt - und von seiner Lesergemeinde unbedingt erwartet - die komplizierte Entschlüsselung des Falls für Ausflüge in die wechselvolle Geschichte seiner zweiten Heimat, insbesondere in die Zeit des Zweiten Weltkriegs und der Résistance, in die Natur rund um das Périgord und selbstredend in die regionale Küche. Hier, beim Kochen, aber auch beim Schlemmen, beim Reiten und bei Spaziergängen kommen Martin Walker und somit seinem Bruno die besten Einfälle.

Bruno ist gut vernetzt in seiner Gemeinde Saint-Denis und darüber hinaus. Es ist schon erstaunlich, wie weit seine Verbindungen reichen. Zum Beispiel organisiert er ein Konzert mit einer Künstlerin im früheren Schloss der berühmten Tänzerin und Résistance-Kämpferin Josephine Baker, der Walker übrigens auch diesen Roman gewidmet hat. Die Zeilen mit ihrer Würdigung gehören zu den schönsten des Buches. Doch was hat das alles mit Claudias Tod zu tun? Walker schafft tatsächlich mehrmals den Spagat, nicht nur zu Baker, sondern unter anderem auch zur Falknerei.

So wie Bruno anderen stets hilfsbereit zur Verfügung steht, nutzt auch er seine Beziehungen, um zum Beispiel einem alten, schwer behinderten Résistancekämpfer auf den Zahn zu fühlen. Der 90-Jährige im Rollstuhl hat Claudia ein Praktikum in seinem mit Renaissancekunst vollgestopften Chateau ermöglicht. Er ist aber auch derjenige, bei dem ihr einige Unregelmäßigkeiten aufgefallen sind.

Neueinsteiger haben es bei Walker nicht immer leicht, das dichte Personengeflecht zu entwirren - vor allem dann, wenn es sich um alte Bekannte Brunos handelt. Auch ein bisschen Kenntnis der Geschichte der Résistance, die - wie Walker in seiner Danksagung betont - den Tatsachen entspricht, wäre hilfreich. Letzten Endes jedoch bekommt das Puzzle Format. Das letzte Teilchen wird dann zwar nicht mehr ganz so überraschend eingepasst, zuvor aber gab es eine Menge Spannung und auch mehrfach ein nicht unerhebliches Wohlgefühl angesichts der tollen Landschaft und der wunderbaren Schlemmereien aus dem Périgord.

Der Titel «Connaisseur» ist nicht ganz eindeutig: Claudia war ebenso wie der alte Résistancekämpfer eine Kennerin der französischen Renaissance. Es tauchen noch weitere Fachleute auf. Und nebenbei bemerkt ist natürlich auch Bruno nicht nur in seinem Metier als Polizist ein Experte, sondern auf vielen anderen Gebieten wie Küche und Wein. Tja, der Mann hat's einfach drauf. Er ist zu gut, um wahrhaftig zu sein. Und doch hätte man gern einen Bruno um sich.

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