Ungarn blockiert EU-Kredit für Kiew

Budapest knüpft Hilfe an Öltransit-Bedingung

Außenminister Péter Szijjártó spricht nach einer Kabinettssitzung bei einer Pressekonferenz in Budapest. Foto: EPA/Boglarka Bodnar
Außenminister Péter Szijjártó spricht nach einer Kabinettssitzung bei einer Pressekonferenz in Budapest. Foto: EPA/Boglarka Bodnar

BRÜSSEL/BUDAPEST: Die Ukraine braucht dringend Geld für die Verteidigung gegen Russlands Invasion. Daher einigten sich die EU-Staaten auf einen milliardenschweren Kredit. Doch nun stellt Ungarn neue Bedingungen.

Trotz der bereits gefundenen EU-Einigung droht Ungarn überraschend ein milliardenschweres Darlehen an die Ukraine nicht freizugeben. «Wir blockieren das 90-Milliarden-Euro-Darlehen der EU für die Ukraine, bis der Öltransit nach Ungarn über die Druschba-Pipeline wieder aufgenommen wird», schrieb der ungarische Außenminister Peter Szijjarto auf X.

Die Druschba-Pipeline ist nach ukrainischen Angaben durch russische Bombardierungen seit Ende Januar unterbrochen. Ungarn und auch die Slowakei beschuldigen die ukrainische Führung, die Wiederaufnahme der Lieferungen absichtlich zu verhindern. Die Ölversorgung beider Länder ist weitestgehend von der Pipeline abhängig. Aus ukrainischer Sicht trägt der Kauf von Gas und Öl aus Russland durch die Slowakei und Ungarn zur Finanzierung des russischen Angriffskriegs bei.

EU-Kommission fordert sich an Einigung zu halten

Ungarns Außenminister warf der Ukraine Erpressung vor. Das Land arbeite mit der ungarischen Opposition und Brüssel zusammen, um die Kraftstoffpreise vor den Wahlen in die Höhe zu treiben. Erstmals seit 16 Jahren läuft Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban Gefahr, die Parlamentswahl in seinem Land zu verlieren.

Eigentlich gab es in der EU bereits eine Einigung darauf, der Ukraine über zwei Jahre bis zu 90 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Das hatten zunächst die Staats- und Regierungschef im Dezember beschlossen, und dem stimmte vergangene Woche auch das Europäische Parlament zu. Damit die ersten Gelder ausgezahlt werden können, muss nun nur noch der Rat der Mitgliedstaaten zustimmen. Dies galt als Formalie.

Die dafür notwendige Abstimmung ist nun aber zunächst verschoben. Ein Sprecher der EU-Kommission verwies auf die einstimmige Entscheidung beim EU-Gipfel und teilte auf dpa-Anfrage mit: «Wir erwarten, dass alle Mitgliedstaaten diese politische Vereinbarung im Hinblick auf die endgültige Annahme des Darlehens einhalten.»

Das Geld soll den dringendsten Finanzbedarf der Ukraine bis Ende 2027 decken und dem Land eine Fortsetzung seines Abwehrkampfes gegen Russland ermöglichen. 60 Milliarden sind demnach für die Verteidigung vorgesehen.

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Chris Jomtien 22.02.26 23:20
Ansichtssache
Der ungarische Außenminister wirft der Ukraine vor "mit Brüssel zusammenzuarbeiten". Scheinbar erkennt er nicht die Ironie, die in seiner Aussage liegt. Würde Ungarn nicht Öl aus Russland kaufen, sondern mit Brüssel und der Ukraine eng zusammenarbeiten, so wäre der Krieg schon lange beendet und damit auch Ungarns Problem der Erdölbeschaffung längst gelöst.
Plante HDV 22.02.26 16:30
D.Kowalski 22.02.26 10:00
Ich halte es nicht für gut bzw. demokratisch wenn ein einziges EU-Mitglied die komplette Gemeinschaft lahmlegen kann. In wichtigen Angelegenheiten sollte die Zweidrittelmehrheit edntscheidend sein.
Ingo Kerp 22.02.26 16:20
Ungarn und die Slowakei gegen die Ukraine. Die Thematik wiederholt sich. Im vorliegenden Fall geht es um die Blockierung der EU Gelder, da lt. Ungarn und Slowakei, die Ukraine die Druschba-Pipeline blockiert. Selbst wenn sich die EU über die Blockade hinwegsetzt, ist das Thema nicht beendet. Die beiden Druschba-Pipeline Kunden könnten einem Teil der Ukraine den Energiehahn zudrehen. Ziemlich vertrackte Situation.
Dieter Kowalski 22.02.26 10:00
Ungarn hat unter Orban rein gar nichts in der EU zu suchen. Ein Bremsklotz der Sonderklasse, und Nettoempfänger.
Hoffentlich ist der bald weg, und zieht zu seinem Busenfreund in den Kreml.

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