Tourismus: Vietnam wird immer stärker

Touristen spazieren entlang der Bahnstrecke der berühmten „Train Street“ in Hanoi. Foto: epa/Luong Thai Linh
Touristen spazieren entlang der Bahnstrecke der berühmten „Train Street“ in Hanoi. Foto: epa/Luong Thai Linh

HANOI: Vietnam entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Konkurrenten für Thailand im Tourismusbereich. Nach Angaben von Fortune empfing das Land im Jahr 2025 mehr als 21 Millionen internationale Besucher, was einem Wachstum von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Besonders bemerkenswert ist, dass Vietnam Thailand inzwischen im wichtigen chinesischen Markt überholt hat: Während Vietnam etwa 5,3 Millionen chinesische Touristen verzeichnete, kamen nach Thailand nur rund 4,5 Millionen Reisende aus China. „The Nation“ fasst wichtige Fakten zusammen:

Der Erfolg Vietnams beruht auf mehreren Faktoren. Das Land bietet eine außergewöhnliche Vielfalt an Reisezielen – von den pulsierenden Metropolen Hanoi und Ho Chi Minh City über beliebte Küstenorte wie Da Nang und Phu Quoc bis hin zu den Bergregionen von Sa Pa. Dadurch spricht Vietnam unterschiedlichste Zielgruppen an, darunter Natur- und Kulturliebhaber, Feinschmecker sowie Luxusreisende. Gleichzeitig konzentriert sich das Wachstum nicht mehr nur auf die großen Städte. Immer mehr Touristen suchen authentische Erlebnisse in weniger bekannten Regionen und naturnahen Gebieten, was Destinationen wie Phu Quoc und Sa Pa zusätzliche Besucher beschert.

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist die vergleichsweise offene Visapolitik. Vietnam hat die Einreise für Besucher aus verschiedenen Ländern vereinfacht und teilweise längere Aufenthalte ermöglicht. Dies erleichtert spontane Reiseentscheidungen und macht das Land insbesondere für internationale Reisende attraktiv, die mehrere Länder während einer Reise besuchen möchten. Parallel dazu investiert die Regierung massiv in die touristische Infrastruktur. Flughäfen werden erweitert, neue Hotels entstehen und internationale Flugverbindungen werden ausgebaut. Vietnamesische Fluggesellschaften erhöhen ihre Kapazitäten insbesondere nach China, Japan und Singapur und prüfen langfristig weitere Verbindungen nach Europa.

Dabei verfolgt Vietnam nicht nur das Ziel, möglichst viele Touristen anzuziehen. Zunehmend richtet sich die Strategie auf sogenannte „Qualitätstouristen“, die mehr Geld ausgeben, länger bleiben und häufiger zurückkehren. Angesprochen werden vor allem Geschäftsreisende, Kongress- und Seminarteilnehmer, Luxusurlauber sowie Medizintouristen. Damit versucht Vietnam, die Erfahrungen anderer erfolgreicher Destinationen zu nutzen und gleichzeitig die negativen Folgen eines unkontrollierten Massentourismus zu vermeiden.

Gerade Thailand dient dabei als wichtiges Beispiel. Das Königreich gilt seit Jahrzehnten als führende Tourismusdestination Südostasiens, kämpft seit der Pandemie jedoch mit verschiedenen Herausforderungen. Dazu gehören die nur teilweise Erholung des chinesischen Marktes, Sicherheitsbedenken sowie die Diskussion darüber, ob künftig stärker auf Qualität statt auf reine Besucherzahlen gesetzt werden sollte. Vietnam beobachtet diese Entwicklung genau und versucht, von den Erfolgen und Fehlern seines Nachbarn zu lernen.

Dennoch birgt das schnelle Wachstum auch Risiken. Ein übermäßiger Ausbau von Hotels, Flughäfen und touristischer Infrastruktur könnte sich als problematisch erweisen, falls die Nachfrage künftig nachlässt. Zudem drohen Umweltbelastungen, steigende Lebenshaltungskosten für die lokale Bevölkerung und eine Überlastung beliebter Reiseziele. Die größte Herausforderung für Vietnam besteht daher darin, wirtschaftliches Wachstum mit Nachhaltigkeit und hoher Servicequalität in Einklang zu bringen.

Gelingt es dem Land, Besucherströme besser zu verteilen, die Qualität der Dienstleistungen weiter zu verbessern und einzigartige Reiseerlebnisse zu schaffen, könnte Vietnam langfristig zu einem der bedeutendsten Tourismuszentren Asiens aufsteigen. Gleichzeitig ist die Entwicklung ein deutliches Signal an Thailand und andere ASEAN-Staaten, dass der Wettbewerb um internationale Reisende intensiver wird. In einer Zeit, in der Touristen zwischen zahlreichen attraktiven Reisezielen wählen können, entscheiden nicht mehr nur die Besucherzahlen über den Erfolg einer Destination, sondern auch Faktoren wie Sicherheit, Nachhaltigkeit, Servicequalität und der Nutzen für die lokale Bevölkerung.

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