Tod von Elise: Mutter begrüßt neue Polizeiermittlung

Reaktion nach Presse-Lawine: Spezialeinheit CSD wird nach Koh Tao beordert

Ihr Tod an der Tanote Bay auf Koh Tao und die späte Bestätigung der Behörden sorgen im Sommer 2017 für ein neuerliches, imageschädigendes Medienecho in Thailand und der Welt: Elise Dallemagne. Fotos: privat
Ihr Tod an der Tanote Bay auf Koh Tao und die späte Bestätigung der Behörden sorgen im Sommer 2017 für ein neuerliches, imageschädigendes Medienecho in Thailand und der Welt: Elise Dallemagne. Fotos: privat

KOH TAO: Der mysteriöse angebliche Suizid-Tod der Belgierin Elise Dallemagne (30) hat nach dem gewaltigen Echo in internationalen Medien eine schnelle Reaktion der Royal Thai Police nach sich gezogen. Gestern wurde vom obersten Polizeichef des Landes, General Chakthip Chaijinda, eine Neuaufnahme der Ermittlungen angeordnet. Die Leiche der jungen Frau war am 27. April oberhalb der Tanote Bucht an einem Baum hängend gefunden worden (wir berichteten).

Eine Spezialeinheit der Polizei, die Crime Suppression Division (CSD), ist nach Koh Tao beordert worden und soll alle noch vorhandenen Spuren untersuchen sowie Zeugen befragen. Sie soll insbesondere alle CCTV-Aufzeichnungen von den vielen Videoüberwachungskameras auswerten, die rund um Koh Tao installiert worden sind.

Die Mutter des Opfers Elise Dallemagne erklärte gestern auf Anfrage des FARANG, sie setze alle Hoffnung in die Auswertung der Videos. Sie hatte mehrfach erklärt, sie vermute dass irgendjemand ihrer Tochter nach Koh Tao gefolgt sein könnte – Elise hätte sich nicht ohne Grund bei ihrer Ankunft am 19. April im Mae Haad Triple B Bungalow Resort unter dem falschem Namen Dupuis eingetragen. Ihr Bungalow brannte wenig später völlig aus und sie floh am frühen Abend des 19. April panisch in Richtung Tanote Bay.

Wie von unserer Redaktion mit Hilfe der Mutter und Zeugen vor Ort rekonstruiert, kaufte sich die Belgierin am 21. April im Poseidon Resort Tanote ein Fährticket nach Chumphon für den 24. April mit Weitertransport per Bus nach Bangkok. Gerade dieser Umstand, sagt Mutter Michele van Egten, werfe doch Fragen auf und stelle eine Selbstmordtheorie in Frage. Sie hofft, dass die Videoaufzeichnungen nicht wie in anderen Fällen zuvor keinerlei Aussagekraft mehr haben und heute noch voll einsehbar sind. Dann bestehe eine Chance, sagt Michele van Egten.

Nach dem ersten Bericht über den mysteriösen und von den Behörden zwei Monate lang verschwiegenen Leichenfund auf Koh Tao durch die Samui Times war eine regelrechte Medienlawine niedergegangen, die dann in Thailand einschlug. Plötzlich berichteten auch die nationalen Zeitungen in großer Aufmachung und die Reaktion der Polizei folgte schnell.

Die Neuanordnung der Untersuchung wurde von der Familie von Elise Dallemagne mit Genugtuung aufgenommen, weniger allerdings öffentliche Aussagen von Thailands Polizeigranden nach den ersten Pressepublikationen. Dabei wurde gesagt, die Mutter habe den Obduktionsbericht des Forensischen Institutes des Polizeihospitals Bangkok erhalten. „Das entspricht nicht der Tatsache“, sagt Michele van Egten, „ich habe das Obduktionsergebnis gestern in der Bangkok Post gelesen.“

Auch dass ihre Tochter angeblich selbstmordgefährdet gewesen sein, weist die Mutter zurück. „Elise war körperlich schwach, in ärztlicher Behandlung und wollte deshalb nach Hause und sich regenerieren, sie war im letzten Telefonat mit mir freudig und zeigte keinerlei depressiven Anzeichen.“ Michele van Egten: „Ich kenne meine Tochter und mir wäre etwas aufgefallen, sie hätte mir etwas gesagt…“

Mit Spannung wird nun erwartet, was in den nächsten Tagen auf Koh Tao bei den Neuermittlungen herauskommt. Der stellvertretende Polizeichef von Surat Thani, Oberst Wichob Kerdkliang, sorgte am Dienstag mit einer Aussage für weitere Verblüffung in diesem Fall. Er wies angeblich aufgestellte Behauptungen, die Obduktion im Bangkoker Polizeihospital hätte gar nie stattgefunden mit den Worten zurück: „Das stimmt nicht, die Akte war nur wegen einer falschen Namensbuchstabierung vorübergehend verlegt worden.“

Die Ungereimtheiten dieses Falles und das wochenlange Verschweigen des grausigen Fundes auf Koh Tao haben viele Spekulationen angeheizt und neuerlich Mordtheorien auf der Taucherinsel befeuert. Damit sind die vielen Hoteliers, Tauschulen, Restaurants und Ausflugsunternehmen ebenso in ein schales Licht gerückt worden, was nicht gut sein kann für die touristischen Ansprüche. Nicht nur Elise Dallemagnes Mutter hofft, dass dieses Mal eine transparente, glaubwürdige und nachhaltige Neuuntersuchung Klarheit bringt. Damit die Familie in Belgien Ruhe findet und endlich auch wieder die seit 2014 skandalgebeutelte Insel Koh Tao.

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