Regierungspartei gewinnt Parlamentswahl

In einem Wahllokal in Algier hebt ein Mann einen Stimmzettel auf, während er sich auf die Stimmabgabe während der Parlamentswahl vorbereitet. Foto: epa/Stringer
In einem Wahllokal in Algier hebt ein Mann einen Stimmzettel auf, während er sich auf die Stimmabgabe während der Parlamentswahl vorbereitet. Foto: epa/Stringer

ALGIER: Bei der ersten Parlamentswahl in Algerien nach dem Sturz von Langzeitherrscher Abdelaziz Bouteflika hat die regierende Nationale Einheitsfront ihre Position als stärkste Kraft verteidigt. Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis vom Dienstag erreichte die Partei von Staatspräsident Präsident Abdelmadjid Tebboune sowie von Ex-Präsident Bouteflika 105 von 407 Sitzen im Parlament. Im Vergleich zur letzten Wahl verlor sie dabei an Stimmen.

Zweitstärkste Kraft wurde mit 78 Sitzen ein Block aus unabhängigen Kandidaten. An dritter Stelle folgte die Partei der algerischen Muslimbrüder mit 64 Sitzen.

Mehr als 24 Millionen Algerier waren im größten Flächenland Afrikas dazu aufgerufen, ihre Stimmen für das Parlament abzugeben. Die Wahlbeteiligung lag bei nur rund 30 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau der vergangenen Parlamentswahlen.

Präsident Abdelmadjid Tebboune hatte das noch unter Bouteflika gewählte Parlament im Februar nach Massenprotesten aufgelöst und einen «grundlegenden Wandel» versprochen. Gegnern der Regierung ging der Schritt aber nicht weit genug. Sie wollen die bisherige politische Elite entmachten. Seit Monaten gehen dafür immer wieder Tausende auf die Straße. Sie sehen die jetzige Führung als Fortsetzung des alten Systems. Bouteflika hatte sich mit Unterstützung des Militärs 20 Jahre an der Macht gehalten. Im April 2019 wurde er nach anhaltenden Massenprotesten aus dem Amt gedrängt.

Viele Anhänger der Protestbewegung und Politiker der Opposition hatten einen Boykott der Wahl angekündigt. Ursprünglich war die Abstimmung für Mai 2022 vorgesehen. In den 1990er Jahren herrschte in Algerien ein erbitterter Bürgerkrieg. Heute gilt das Land als verhältnismäßig stabil.

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