Polizeieinsatz auf Phangan und Koh Tao ausgeweitet

Sonderkommission ermittelt im Todesfall der Belgierin Elise Dallemagne

Helikopter kreisten über Koh Tao: Polizeieinheiten suchen seit Tagen nach möglichen übersehenen Spuren im Todesfall der Belgierin Elise Dallemagne (30). Hier fliegt gerade Surat Thanis Gouverneur Inthanak ein.
Helikopter kreisten über Koh Tao: Polizeieinheiten suchen seit Tagen nach möglichen übersehenen Spuren im Todesfall der Belgierin Elise Dallemagne (30). Hier fliegt gerade Surat Thanis Gouverneur Inthanak ein.

KOH TAO: Helikopter kreisen über Koh Tao und Phangan, aus Surat Thani und Bangkok entsandte Polizeieinheiten suchen nach weiteren möglichen Spuren im Todesfall der belgischen Touristin Elise Dallemagne. Die Leiche der 30 jährigen war am 27. April an der Tanote Bucht von Koh Tao gefunden worden.

Das argumentative Tauziehen zwischen den Polizeiermittlern („Wahrscheinlich Selbstmord durch Erhängen“) und den Angehörigen der toten Belgierin („Elise hätte sich niemals alleine in den Bergen mit einem Nylonseil erhängt“) hatte seit Bekanntwerden des mysteriösen Todesfalles weltweite Schlagzeilen nach sich gezogen. Insbesondere der Fakt, dass die Polizeiermittler von Koh Tao und Surat Thani nach dem Leichenfund wochenlang geschwiegen hatten, sorgte bei Beobachtern für Unbehagen.

Mit einem entschiedenen und erkennbaren Ermittlungseinsatz will die Royal Thai Police diesen Fall schnell klären und damit auch das Image Koh Taos wiederherstellen. Surat Thanis Polizeichef Oberst Preecha Kladsawad sagte gegenüber der Zeitung ‚Bangkok Post‘ wörtlich: „Die Spezialeinheiten unserer Polizei sowie der Crime Suppression Division aus Bangkok wollen alle Zweifel ausräumen, die öffentlich gehandelt werden.“

In den Fokus der Ermittler war in den vergangenen Tagen ein deutscher Guru mit dem Namen Raaman Andreas geraten, der als einer der spirituellen Führer der indischen Sathya Sai Baba Bewegung in engem Kontakt zu Elise Dallemagne gestanden haben soll. Auf Koh Phangan arbeitete der aus Nordrheinwestfalen stammende und zuvor in Indien praktizierende Guru laut Ermittlungen als Yoga- und Tantra-Lehrer. Er ist den Angaben seiner Jünger auf Koh Phangan zufolge seit zwei Monaten aus Thailand abgereist und soll sich in Indien oder Sri Lanka aufhalten, sagten Freunde auf Koh Phangan. Der Guru soll britischen Reportern gesagt haben, er sei mit Elise Dallemagne nur flüchtig bekannt gewesen.

Die Polizei wertet derzeit Videoaufnahmen auf beiden Inseln aus, an den Hauptstraßen, an den Fährhäfen, sie vernimmt Zeugen und frühere Wegbegleiter und untersuchte nochmals am 27. April an der Tanote Bucht aufgefundene Beweisstücke. Surat Thanis Polizeioberst Preecha erklärte, man gehe nach dem Obduktionsbericht des Bangkoker Polizei Hospitals von Tod durch Ersticken aus. Dies lasse auf Selbstmord durch Erhängen schließen, mutmaßte er.

Elise Dallemagnes Mutter Michele van Egten hat trotz einer gegensätzlichen Aussage aus Bangkoker Polizeikreisen bis heute keinen Autopsie-Bericht ihrer Tochter erhalten. Sie fragte erneut: „Wenn die Polizei diesen Abschlussreport über die belgische Botschaft am 16. Juni an mich weitergeleitet hat, warum ist er nicht bei mir angekommen oder weshalb wurde ich von niemandem kontaktiert?“ Die Mutter, die sich aus Angst vor Reportern an einem geheim gehaltenen Ort aufhält, bat in diesem Zusammenhang noch einmal: „Bitte finden Sie das Mobiltelefon meiner Tochter, das laut Zeugenaussagen neben ihrem Leichnam lag. Auf diesem könnten wichtige Hinweise sein“, hofft Michele van Egten.

Die Berichterstattung in nationalen und internationalen Medien scheint auch erste Konsequenzen für Journalisten nach sich zu ziehen. Surat Thanis Gouverneur Auaychai Inthanak kündigte rechtliche Schritte gegen die englischsprachige Onlinezeitung ‚Samui Times‘ an, die insbesondere durch die mehrfache Verwendung des Begriffs ‚Todesinsel‘ im Zusammenhang mit sieben genannten Todesfällen auf Koh Tao das Image der Insel und des thailändischen Tourismus geschädigt haben soll. Offensichtlich wird wegen der toten Elise Dallemagne und dem gewaltigen Medienecho nun auch in andere Richtungen fieberhaft ermittelt.

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