ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung» kommentiert am Dienstag das vorläufige Scheitern des geplanten Pandemie-Abkommens der Weltgesundheitsorganisation (WHO):
«Gescheitert ist der Vertrag jetzt am Nord-Süd-Konflikt, konkret an finanziellen Forderungen der ärmeren Länder. Sie wollten zum Beispiel erreichen, dass sie im Austausch für Informationen über Erreger oder Virusvarianten, die in ihren Ländern entdeckt und charakterisiert wurden, einen Anteil an Impfstoffen oder auch Medikamenten erhalten. (.)
Die Forderung, Informationen über ein potenzielles Pandemievirus nur gegen die Lieferung von Impfstoffen oder Medikamenten preiszugeben, ist ein gefährlicher Kuhhandel. Denn derzeit können nur Pharmaunternehmen in reicheren Ländern solche Substanzen entwickeln. Gibt ein Land nicht schnellstmöglich vorhandene Informationen über einen potenziell gefährlichen Erreger bekannt, kostet das in allen Ländern rund um den Globus Menschenleben.
Die Frage, wie ärmere Länder im Ernstfall schnell zu ausreichend Impfstoffen, Medikamenten und auch anderen Pandemieprodukten kommen, ist wichtig. Aber sie darf nicht so bürokratisch gelöst werden, wie es im nun gescheiterten Pandemievertrag vorgesehen war.»