Nachrichten zum Thema Seefahrt am Freitag

Collage: DER FARANG
Collage: DER FARANG

Staatsanwältin geht gegen «Estonia»-Urteil in Schweden in Berufung

GÖTEBORG: Die schwedische Staatsanwaltschaft ist gegen das Urteil im neu aufgerollten Prozess um Aufnahmen am Wrack der gesunkenen Ostsee-Fähre «Estonia» in Berufung gegangen. Sie sei der Meinung, dass die beiden angeklagten Schweden zu härteren Strafen verurteilt werden sollten, teilte Staatsanwältin Helene Gestrin am Freitag mit. Nun müsse die zuständige höhere Instanz entscheiden, ob sie die Berufung zulasse. Auch die beiden Männer hätten das Urteil angefochten und wollten freigesprochen werden.

In dem neu aufgerollten Prozess waren die beiden Schweden Anfang September wegen Verstoßes gegen den über der «Estonia» geltenden Grabfrieden zu Geldstrafen verurteilt worden. Anders als bei einem Freispruch im Februar 2021 war das Bezirksgericht von Göteborg zu dem Schluss gekommen, dass sie nach dem schwedischen «Estonia»-Gesetz verurteilt werden können. Die Strafe wurde auf je 40 Tagessätze in Höhe von 470 beziehungsweise 560 schwedische Kronen festgelegt - umgerechnet belaufen sich die jeweiligen Gesamtsummen damit auf rund 1750 beziehungsweise 2100 Euro. Gestrin hatte eine Bewährungsstrafe plus Geldstrafe gefordert.

Die «Estonia» war im September 1994 mit 989 Menschen an Bord auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm vor der finnischen Südküste gesunken. 852 Menschen starben, nur 137 überlebten. Es handelte sich um die größte Schiffskatastrophe der europäischen Nachkriegsgeschichte. Weil viele der Toten nicht geborgen werden konnten, steht das Wrack als Ruhestätte unter Schutz und darf nicht aufgesucht werden.

Für eine Dokumentation hatte ein Filmteam um die beiden Männer im September 2019 dennoch einen Tauchroboter zum Wrack heruntergelassen. Dabei hatten sie unter anderem ein mehrere Meter großes und bislang nicht bekanntes Loch im Schiffsrumpf entdeckt, was letztlich zu neuen Untersuchungen der Behörden geführt hatte.


Dutzende Todesopfer nach Bootsunglück vor syrischer Küste

DAMASKUS: Bei einem Bootsunglück vor der syrischen Küste ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 70 gestiegen. Das berichtete die syrische Staatsagentur Sana am Freitag. Das Schicksal weiterer rund 60 Migranten war unklar, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. 21 Menschen sind demnach bisher gerettet worden. Während die Suchaktion fortgesetzt wurde, war die Sorge vor einer noch höheren Zahl an Opfern hoch.

Eine Quelle im syrischen Verkehrsministerium sagte, es seien auch einige Überlebende gefunden worden. Sie seien zur Behandlung in ein Krankenhaus in der syrischen Küstenstadt Tartus gebracht worden.

Das Boot mit Migranten verschiedener Nationalitäten sei ursprünglich am Dienstag aus dem Libanon aufgebrochen, sagte eine Quelle im Hafen von Tripoli im Nordlibanon der Deutschen Presse-Agentur. «Sie wollten Europa erreichen», sagte ein Verwandter eines der Bootsopfer in Tripoli. Die Menschen seien verzweifelt. «Sie wollen den Libanon verlassen, weil die Lebensbedingungen unerträglich sind.»

Das Boot war vor der Insel Arwad bei der Hafenstadt Tartus in syrischen Gewässern gekentert. Immer wieder wagen viele Menschen aus dem Bürgerkriegsland die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer.

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