PATTAYA: Die deutschsprachige BarÂszene in Pattaya trauert um Holger „Staubi“ Staub. Der Wirt, der mit seiner „Hamburger Schnauze“ und seiner Treue zum HSV über Jahrzehnte hinweg als echtes Urgestein in Naklua galt, ist im Alter von nur 63 Jahren nach langer chronischer Erkrankung verstorben. Mit „Mr. Pitbull“ verliert Pattaya einen der letzten Kneipiers der „alten Schule“.
Staubi entstammte einer Architektenfamilie, absolvierte eine Ausbildung zum Speditionskaufmann und war bereits in jungen Jahren in Hamburg mit einer Thailänderin liiert. Bei seinem ersten Urlaub in Pattaya stand für ihn fest, dass er dort leben wollte. 1993 siedelte er endgültig nach Thailand über und eröffnete zunächst einen Motorradverleih. Drei Jahre später fiel ihm an der Naklua Road ein leerstehender Rohbau ins Auge, in dem er – obwohl er ursprünglich nie in dieses Geschäft wollte – gemeinsam mit Oliver Schillerkovsky das S & S Barcenter gründete. Herzstück war die Pit Bull Bar, die schon bald regen Zulauf erfuhr. 1998 kam die Fan-Treff Bar hinzu, 2005 die Bully Bar. Damit beherbergte das S & S Barcenter Ende der 1990er Jahre die wohl erfolgreichsten Bars in Naklua.
Die Lokale zogen ein buntes, oft raues Publikum an: Motorradclubs, Fußballfans, britische Hooligans und zahlreiche Stammgäste aus aller Welt fanden hier ihren Treffpunkt. Staubi verstand es dennoch, Streit und Ärger weitgehend fernzuhalten. Mit klaren Regeln, Fingerspitzengefühl und – wenn nötig – konsequenter Härte sorgte er für eine friedliche, ausgelassene Stimmung. Diskrete Security-Mitarbeiter trugen ihren Teil dazu bei, sodass Deutsche, Engländer, Schweden und viele andere Nationen gemeinsam feierten.
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Im Jahr 2001, nach etlichen Jahren mit „Titten und Bier von acht bis vier“, hatte Staubi genug vom ausufernden Nachtleben. Er suchte nach einer neuen Herausforderung und übernahm mit einem befreundeten Sternekoch das Restaurant „Little Hill“ im Hinterland Pattayas. Mit großem Enthusiasmus versuchte er sich in der gehobenen Gastronomie, wollte sich fernab vom lauten Nachtgeschäft einer anspruchsvolleren Klientel widmen und ein völlig anderes Publikum ansprechen. Doch die steife Schickeria war nicht seine Welt, aber auch eine klare Bestätigung: Sein Platz war nicht im Fine Dining, sondern in der Barszene, wo er sich frei entfalten und mit Menschen auf Augenhöhe begegnen konnte. Nach einem Jahr kehrte er daher zurück und baute gemeinsam sein Bar-Imperium weiter aus.
Unter dem unverwechselbaren Markenzeichen des humanoiden Kampfhundes entstanden über die Jahre der Pit Bull Place, die Bulli Bar, das Pit Bull Beer Pub und die Pit Bull Pool Bar. Die Bars wurden für viele Besucher zu einer Institution, und Staubi verstand es, diese Orte mit Leben, Stimmung und unverwechselbarem Charakter zu füllen.
Als das alte Pit-Bull-Entertainment-Barcenter nach über einem Vierteljahrhundert aufgrund von Investorenplänen schließen musste, wagte Staubi 2020 während der Pandemie den Neuanfang auf der gegenüberliegenden Seite der Soi 33 und eröffnete die Pit Bull Food & Corner Bar. Doch auch dort konnte er nicht dauerhaft bleiben: Im Jahr 2024 konfrontierte ihn der Landbesitzer mit umfassenden Sanierungsplänen, sodass er sich schweren Herzens erneut verabschieden musste. Staubi reagierte entschlossen und zog in die Pit Bull Lounge & Bar um, die er bereits 2022 als „Plan B“ eröffnet hatte und die schließlich seine letzte Wirkungsstätte wurde.
Sein grobschlächtiges Äußeres und die Tätowierungen, auf denen „Ehrlichkeit – Gerechtigkeit“ zu lesen war, schreckten manchen ab, doch gerade diese Werte prägten sein Leben. Für Staubi galt ein Handschlag so viel wie ein Vertrag, Loyalität und Geradlinigkeit machten ihn zu einer Respektsperson. Wer sein Vertrauen gewann, konnte sich auf ihn verlassen, wer ihn hinterging, lernte auch seine andere Seite kennen.
Unvergessen bleiben die legendären Feiern, allen voran das traditionelle Gratis-Weihnachtsessen mit Bockwurst und Kartoffelsalat, die ausgelassenen Songkran-Partys und seine Geburtstagsfeste in der Pit Bull Bar.
Am 28. September 2025 fand im Wat Nalikawanaram in Takhian Tia die Einäscherungszeremonie statt. Mehrere hundert Menschen nahmen Abschied – darunter Rocker verschiedener Motorradclubs, Muay-Thai-Legenden, Expats, Stammgäste sowie Weggefährten aus Hamburg, die eigens angereist waren. Staubi hatte die Zeremonie selbst bis ins Detail geplant. Als der Sarg dreimal um das Krematorium getragen wurde, ertönte „Highway to Hell“ von AC/DC – ganz nach seinem Geschmack. Ein eigens komponiertes Hamburger Lied, „From Pit Bull Bar to the open sky“, lief in Endlosschleife, bis die Flammen das Holz erfassten.
Staubi hinterlässt seine beiden thai-deutschen Zwillingssöhne Joey und Timo sowie seine Frau Khun Ae, die die Pit-Bull-Geschichte fortführen wird. Mit ihm verliert Pattaya nicht nur einen erfolgreichen Kneipier, sondern eine prägende Persönlichkeit – direkt, rau, herzlich und unverwechselbar.
Die Redaktion von DER FARANG verabschiedet sich in Trauer von einem außergewöhnlichen Menschen und engen Freund.