Kreml soll russisches Rotes Kreuz vereinnahmt haben

Ein Blick auf den Kreml in Moskau. Foto: epa/Juri Kochetkov
Ein Blick auf den Kreml in Moskau. Foto: epa/Juri Kochetkov

GENF: Humanitäre Hilfe und Gefangenenbesuche: für diese Arbeit pocht das Rote Kreuz auf strikte Neutralität. Geheime Dokumente aus dem Kreml sollen zeigen, dass Russland das untergräbt.

Nach Medienberichten über zweifelhafte Aktivitäten der russischen Rotkreuzgesellschaft will der Dachverband der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) die Vorwürfe prüfen. Das teilte ein Sprecher in Genf am Montag auf Anfrage mit. «Uns ist klar, dass die heutigen Berichte Sorgen und Fragen aufwerfen könnten, die Folgen für Vertrauen und Zuversicht bezüglich der Rotkreuz- und Rothalbmundbewegung haben könnten», hieß es von der Föderation.

Unter anderem berichteten der «Spiegel», der «Standard» in Österreich und der schweizerische «Tages-Anzeiger» am Montag, dass der Chef der russischen Rotkreuzgesellschaft etwa auch in Organisationen aktiv sei, die sich für den Krieg gegen die Ukraine einsetzen und Ukrainer als neonazistisch verunglimpft haben. Die Medien berufen sich auf russische Geheimdokumente, die einer Organisation in Estland zugespielt worden seien.

Nach Angaben des «Spiegel» zeigten sie, dass die russische Rotkreuzgesellschaft «Teil einer umfassenden Propagandastrategie ist, mit der die Macht und der Einfluss von Putin und seinen Getreuen gesichert werden soll». Russland soll zudem planen, in besetzten ukrainischen Gebieten Ableger des russischen Roten Kreuzes zu gründen, um dort die humanitäre Arbeit des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zu ersetzen.

Das IKRK gehört auch zur Rotkreuzbewegung. Während die nationalen Gesellschaften vor allem in der humanitären und Katastrophenhilfe tätig sind, überwacht das IKRK neben eigener humanitärer Hilfe auch die Einhaltung der Genfer Konventionen. Sie sind global gültig und sollen Menschen in Kriegssituationen schützen. Das IKRK koordiniert etwa den Austausch von Kriegsgefangenen und besucht Gefangene.

Vom IFRC und dem IKRK hieß es, von allen 191 nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften werde erwartet, dass sie sich an die Statuten und Prinzipien halten. Dazu gehören unter anderem Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit.

Dem IKRK bringt seine strikte Neutralität oft Kritik ein. Die Ukraine wirft dem IKRK vor, nicht genug für ukrainische Kriegsgefangene zu tun. In Israel heißt es, es bemühe sich nicht genug um die nach den Massakern vom 7. Oktober verschleppten Geiseln. Das IKRK ist bei allen Aktivitäten aber immer auf die Kooperation beider Seiten eines Konflikts angewiesen.

Das IKRK teilte mit, es sei seit 2014 in den besetzten ukrainischen Gebieten Donezk und Luhansk tätig. Es habe keinerlei Kenntnis über Pläne Russlands, seine Arbeit dort zu ersetzen.

Die Föderation kann das russische Rote Kreuz suspendieren. So verfuhr sie 2023 mit der Organisation in Belarus, weil deren Generalsekretär mit dem russischen Kriegssymbol «Z» an seiner Kleidung in von Russland besetzte Gebiete der Ukraine gereist war. Auch die Gesellschaft von Peru ist seit 2022 suspendiert. Dort geht es um Machtmissbrauch durch den Präsidenten, so der IFRC-Sprecher.

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