Im Februar hatte Schweine-Dieter in Pattaya seinen Grillgarten eröffnet. Der Standort einer etwas anderen Gastronomie liegt ein wenig versteckt an der Soi 16 in Naklua. Ursprünglich handelte essich nicht um ein Restaurant, sondern um den Lagerschuppen von Dieters Party-Service. Als Schweine-Dieter anfing, dort ein paar Stühle aufzustellen und seine Spezialitäten direkt anzubieten,strömten plötzlich die Gäste. Mittlerweile ist die Lokalität zu einem ansehnlichen Restaurant ausgebaut worden. Das Flair einer privaten „Hinterhof-Party“ ist jedoch geblieben.
Hin und wieder verirrt sich zur Soi 16 auch einmal ein Tourist - meist um Schweine-Dieter zu erleben, der durch Fernseh-Berichterstattung mittlerweile zu einer Art Kultfigur der deutschenGemeinde in Pattaya geworden ist.
In der Mehrzahl versammeln sich hier jedoch „Insider“: Farang, die schon länger in Thailand leben und sich über das Leben in Thailand und die erlebten Geschichten austauschen. Da wird heftigüber Wolfgang Ullrich diskutiert, den in Pattaya fast jeder gekannt hat, es werden Geheimtipps über abgelegene Short-Time-Bars ausgetauscht, und es wird über den täglichen Kampf der Residentenmit thailändischen Behörden berichtet.
Schweine-Dieter stammt aus Herne und heisst mit bürgerlichem Namen Dieter Latawiec. In Herne hatte er eine Kfz-Werkstatt, später arbeitete er als Lohnschlachter.
1985 siedelte Dieter nach Pattaya über und eröffnete hier die erste deutsche Metzgerei. Seither hat er allerlei Geschäfte betrieben: Rinderherden aufgekauft, eine Zeitung herausgegeben undeinen Versandservice gegründet. Seiner Liebe zu Wurst und Fleisch ist er jedoch treu geblieben. Er betreibt einen Partyservice und jetzt das Restaurant in Naklua mit den „grösstenFleisch-Portionen“ (Eigenwerbung). Den Namen Schweine-Dieter hat er sich durch seine Metzgerei erworben.
Der Deutsche ist kein Kind von Traurigkeit; er zieht durch Short-Time-Bars und A-GoGos. Auf unsere Frage, was es eigentlich mit der Tube Zahnpasta auf sich hat, die er auf seinen Bar-Tourenimmer dabei hat, erklärt er verschmitzt: „Das ist wohl nicht für die Zeitung geeignet“.
Mit Bar-Team geht’s an Bord
In den Bars lassen die Mädchen andere Gäste stehen und gesellen sich sofort lachend zu dem fülligen Mann mit dem kugelrunden Kahlkopf. Richtig rund geht es aber erst auf seinem Boot. „Wenn wirmal einen Ausflug machen, nehmen wir gleich ein ganzes Bar-Team mit und machen Party. Die Mädchen kommen gerne mit. Denen gefällt das natürlich besser, als den ganzen Tag in so einem dunklenSchuppen auf Gäste zu warten.“
Dann gibt es noch Gerüchte: Schweine-Dieter soll vor Jahren von Wolfgang Ullrich eine Million Mark erhalten haben. In Pattaya machen Geschichten die Runde, was mit dem Geld geschehen sei. GuteKontakte zur Polizei soll Dieter auch haben.
Wir fragen einen seiner Gäste, der es eigentlich wissen sollte. „Dieter ist immer sauber geblieben. Er ist halt ein Metzger, der gerne einen wegsteckt. Und sein Erfolg weckt die Neider“.
Schweine-Dieter lebt mit seiner charmanten thailändischen Freundin Mäm zusammen, die auch seine Geschäfte führt. Was sagt sie eigentlich zu seinem Lebenswandel „Zu anderen Frauen gehen sowiesoalle Männer. Natürlich weiss ich, dass er nicht in die Short-Time-Bar geht, weil das Bier dort so gut ist. Wenn er allerdings eine richtige andere Frau haben würde dann . . . “
Mäm greift nach einem Tranchiermesser vom Schweinegrill und macht eine Geste, die jedem deutlich macht, was Dieters bestem Stück droht, wenn er zu weit gehen würde.
Schweine-Dieter erläutert uns lachend, was gemeint ist: „Als ich noch verheiratet war, ist meine Frau dahinter gekommen, dass ich eine Mia Noi hatte, der ich ein Motorrad geschenkt hatte. DasMotorrad musste ich nachts um drei abholen, und meine Frau hat sich die Mia Noi vorgenommen. Damit war die Sache erledigt. Aber ich hab’ daraus gelernt.“ Das also ist wahre Liebe.
Wir wollen von Schweine-Dieter wissen, wie man sich eigentlich in Thailand behauptet. Er erklärt uns:
„Hier musst du alles selber machen. Nur ein Beispiel: Als ich meine erste Rinderherde schlachten liess, habe ich mir das fünf Minuten lang angeguckt. Dann habe ich die Viecher selber vorn Koppgehauen und zerlegt. Danach wollte mir der Schlachthof einen Beratervertrag geben.“