Biya bleibt Präsident von Kamerun

​92-Jähriger gewinnt achte Amtszeit – Opposition ruft zum Aufstand auf

Der kamerunische Präsident Paul Biya gibt seine Stimme bei den Präsidentschaftswahlen in Yaoundé ab. Foto: epa/Rodrigue Ngassi Pouassi
Der kamerunische Präsident Paul Biya gibt seine Stimme bei den Präsidentschaftswahlen in Yaoundé ab. Foto: epa/Rodrigue Ngassi Pouassi

JAUNDE: Kameruns Staatschef Paul Biya darf im Amt bleiben, bis er fast 100 ist. Sein stärkster Gegner kündigt einen Volksaufstand an.

Kameruns Präsident Paul Biya ist im Alter von 92 Jahren für eine achte Amtszeit wiedergewählt worden. Der älteste Präsident der Welt siegte nach Angaben des Verfassungsrats des zentralafrikanischen Landes mit mehr als 53 Prozent der Stimmen. Dies ist sein schlechtestes Ergebnis seit 1992. Die Wahlen in Kamerun gelten als unfrei.

Zweiter wurde den offiziellen Angaben zufolge Ex-Minister Issa Tchiroma Bakary (76) mit rund 35 Prozent. Tchiroma beansprucht den Sieg für sich und rief die Kameruner zu einem Aufstand auf. Dutzende seiner Unterstützer wurden bei Protesten festgenommen. Mehrere andere der insgesamt elf Oppositionskandidaten legten beim Verfassungsrat Einsprüche wegen Unregelmäßigkeiten ein, die allesamt abgewiesen wurden.

Am Vorabend der Verkündung gab es in mehreren Städten Kameruns Proteste von Tchiromas Anhängern. In der Hafenstadt Douala kamen dabei nach Behördenangaben vier Menschen ums Leben.

Hälfte der 30 Millionen Einwohner sind Kinder und Jugendliche

Biya ist seit 1982 Präsident und war davor seit 1975 Premierminister. Länger ist weltweit nur der Diktator in Kameruns Nachbarland Äquatorialguinea, Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, im Amt. Vollendet Biya die jetzt begonnene Amtszeit, wird er bei der nächsten Wahl fast 100 Jahre alt sein.

Kamerun hat rund 30 Millionen Einwohner, die Hälfte von ihnen Kinder und Jugendliche. Rund acht Millionen Wahlberechtigte hatten sich für die Abstimmung registriert.

Das Land war einst deutsches Kolonialgebiet, das nach dem Ersten Weltkrieg zwischen Frankreich und Großbritannien aufgeteilt wurde. In einem Konflikt zwischen der französischsprachigen Mehrheit und Separatisten in den englischsprachigen Regionen des Landes sind seit 2017 mindestens 6.500 Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben worden. Zudem gibt es im Norden Angriffe islamistischer Terroristen.

Opposition, Meinungs- und Pressefreiheit sind stark eingeschränkt. Zu den Problemen des Landes gehören Verschuldung, Korruption, eine zerfallende Infrastruktur sowie Jugendarbeitslosigkeit. Schätzungen zufolge leben rund 40 Prozent der Einwohner Kameruns in Armut.

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