Regierung will letzte Hausboote am Nil beseitigen

​Kairo  

Das tägliche Leben in Kairo. Foto: epa/Khaled Elfiqi
Das tägliche Leben in Kairo. Foto: epa/Khaled Elfiqi

KAIRO: In Ägyptens Hauptstadt Kairo sollen Dutzende alte Hausboote auf dem Nil beseitigt werden - unter Protest ihrer Bewohner und von Beobachtern, die in den Booten wichtige Kultursymbole sehen. Die Regierung hat Besitzern von 32 bewohnten Booten über die Räumung informiert, berichtete die staatliche Nachrichtenseite «Al-Ahram». Einige Bewohner mussten ihre hölzernen Hausboote bereits verlassen, die letzten Räumungen sind bis Anfang kommender Woche geplant. Erlaubt sind nur noch touristische und kommerziell genutzte Boote.

Es sei «herzzerreißend», twitterte die aus Kairo stammende Illustratorin Nora Said. Die Hausboote seien «historische Monumente» und «Teil unseres Erbes, das nicht ausradiert werden kann». In sozialen Netzwerken kritisierten viele Nutzer die Räumungen und stellten die genannten Gründe der Regierung in Frage. «Diese Häuser sind beweglich und der Nil ist lang», schrieb Autor Omar Robert Hamilton bei Twitter. «Macht uns ein Angebot.» Das Hausboot seiner Familie soll ebenfalls beseitigt werden.

Die Boote seien «marode», begründete Aiman Anwar, Vorsitzender der Zentralbehörde zum Schutz des Nils im Großraum Kairo, den Schritt kürzlich. Nur kommerzielle oder touristische Boote könnten noch neue Lizenzen erhalten. Ziel der Räumungen sei, die Gegend in Kairo und dem benachbarten Giseh zu verschönern, auch wegen der großen Bedeutung für den Tourismus.

Rund um Kairo gab es einst mehr als 600 Hausboote, die auch durch ihre prominenten Bewohner sowie durch ägyptische Filme und Romane bekannt wurden. Darunter ist auch der Roman «Das Hausboot am Nil» von Nobelpreisträger Nagib Mahfus. Nach Worten der Abgeordneten Amira Sabir sind die rund 30 Hausboote die Letzten noch verbleibenden.

Die Nil-Promenade im Zentrum von Kairo wird seit Monaten komplett erneuert. Die Bauarbeiten sind Teil großer Infrastruktur-Projekte unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi, darunter neue Brücken, Wohnsiedlungen und eine neue Hauptstadt östlich von Kairo. Die Aufsicht hat bei den meisten dieser Projekte das Militär.

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