Tausende Katalanen fordern Unabhängigkeit

​Jahrestag des Referendums

Foto: epa/Enric Fontcuberta
Foto: epa/Enric Fontcuberta

BARCELONA: Am fünften Jahrestag des illegalen Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien haben erneut Tausende für eine Trennung der Region von Spanien demonstriert. Die Separatisten versammelten sich am Samstagabend am Triumphbogen im Zentrum von Barcelona. Sie forderten unter anderem den Rücktritt der Regional-Regierung von Ministerpräsident Pere Aragonés, der ihrer Meinung nach bei der Einlösung des Wahlkampfversprechens der Gründung einer unabhängigen katalanischen Republik zu zögerlich agiert. Nach Polizeischätzung nahmen an der Kundgebung etwa 11.000 Menschen teil.

Die Präsidentin der Bürgerbewegung ANC, Dolors Feliú, forderte von Aragonés «einen Plan zur Verwirklichung der Unabhängigkeit». «Wenn sie (die Politiker) das nicht schaffen, werden wir das tun. Man wird uns nicht stoppen können», rief sie. Man werde Neuwahlen fordern und mit einer eigenen Partei antreten. Ähnlich äußerte sich in ihrer Rede die Präsidentin der Handelskammer von Barcelona, Mònica Roca. «Revolutionen werden von der Zivilgesellschaft und den Bürgern gemacht, nicht von den Politikern». Die Unternehmer Kataloniens seien auch deshalb mehrheitlich für eine Abspaltung, weil die Region von der Zentralregierung wirtschaftlich benachteiligt werde.

Aragonés versicherte unterdessen in einer Mitteilung, seine Koalitionsregierung strebe weiterhin die Unabhängigkeit an, wolle aber ein mit der Zentralregierung vereinbartes Referendum erreichen. «Wir haben das Referendum (vom 1. Oktober 2017) durchgeführt und wir werden erreichen, dass Katalonien erneut abstimmt», beteuerte der Politiker der linken Partei ERC. «Wir werden es wieder tun, denn viele von uns wollen, dass Katalonien ein freies Land wird.»

Der Jahrestag wird von einer Regierungskrise überschattet. Aragonés hatte am Mittwoch seinen Stellvertreter Jordi Puigneró von der liberalkonservativen JuntsXCat entlassen. JuntsXCat kritisiert den «Schmusekurs» von Aragonés zur linken Zentralregierung und hatte öffentlich die Möglichkeit eines Misstrauensvotums angesprochen.

Nach dem Referendum von 2017 und einem anschließenden Beschluss zur Trennung von Spanien war Katalonien von der damaligen konservativen Zentralregierung von Mariano Rajoy unter Zwangsverwaltung gestellt worden. Der damalige Regionalregierungschef Carles Puigdemont und einige Mitstreiter flohen ins Ausland. Andere Separatisten wurden zu langer Haft verurteilt, wurden 2021 allerdings begnadigt.

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