Inselidylle statt Wasserschlacht

Koh Si Chang ist eine ruhige Oase für Songkran-Flüchtlinge

Einen Superausblick auf den Hauptort und die in der Bucht auf Reede liegenden Schiffe bietet der chinesische Tempel. Fotos: Jahner
Einen Superausblick auf den Hauptort und die in der Bucht auf Reede liegenden Schiffe bietet der chinesische Tempel. Fotos: Jahner

SRI RACHA: Während sich in Pattaya zur Songkran-Zeit alljährlich der Ausnahmezustand breitmacht und feuchtfröhliche Wasserschlachten die Straßen der Küstenstadt tagelang in ein gigantisches Freiluftplanschebad verwandeln, gibt es unweit davon einen Ort, an dem man die thailändischen Neujahrsfeierlichkeiten auf eine ganz andere, trockene und beschauliche Weise erleben kann: Koh Sichang.

Rund zwölf Kilometer vor der Küste von Sri Racha, gut eine Stunde nördlich von Pattaya gelegen, verbirgt sich ein echter Geheimtipp für alle, die dem Songkran-Partytrubel entfliehen möchten. Bereits König Chulalongkorn wusste die erholsame Atmosphäre des kleinen Eilands zu schätzen. 1889 ließ er sich hier einen Sommerpalast errichten – dessen Ruinen heute noch von einer Zeit zeugen, in der Koh Sichang königliche Rückzugsstätte war.

Hafenrundfahrt inklusive

Die Anreise beginnt auf Koh Loy, einer kleinen Halbinsel, die über einen Damm mit dem Festland von Sri Racha verbunden ist. Hier erhebt sich die chinesische Tempelanlage Wat Sri Maharaja, deren Gründung einer der königlichen Gemahlinnen Chulalongkorns zugeschrieben wird. Von hier aus legen die kleinen Fähren nach Koh Sichang ab. Die Überfahrt kostet 50 Baht – und ist ein Erlebnis für sich. Statt türkisfarbenem Meer und Palmenkulisse gleiten die Boote durch eine maritime Industrie­landschaft, vorbei an riesigen Frachtern, die auf Reede liegen und auf ihre Beladung warten. Eine Szenerie, die eher an den Hamburger Hafen erinnert als an den Golf von Thailand – aber genau darin liegt ihr Reiz.

Der Tham Phang Beach im Westen der Insel ist der einzige Sandstrand Koh Sichangs.
Der Tham Phang Beach im Westen der Insel ist der einzige Sandstrand Koh Sichangs.

Ursprünglich und unaufgeregt

Auf Koh Sichang angekommen, offenbart sich schnell der Charme der Insel: keine Großhotels, kein Massentourismus, kein durchinszeniertes Urlaubs­erlebnis. Stattdessen warten windschiefe Holzhäuser, kleine Gärten voller Orchideen und tropischer Pflanzen, lächelnde Marktfrauen und fangfrischer Fisch an jeder Ecke. Touristennepp? Ein Fremdwort. Sam Lor-Fahrer empfangen ihre Gäste mit ehrlicher Freundlichkeit, erklären Sehenswürdigkeiten und chauffieren für faire 250 Baht über die Insel. Wer selbst mobil sein möchte, kann ein Automatikmoped für etwa 300 Baht am Pier mieten – ohne Reisepasspfand, wie es andernorts üblich ist.

Zu den Highlights der Insel zählt neben den Resten des königlichen Sommerpalas­tes der Tempel Wat Asdang Nimitr, der mit seiner europäischen Kapelle überrascht. Auch der chinesische Pavillon, die felsige Westküste mit ihren Schnorchelplätzen, die Vashiravut-Brücke oder der Aussichtspunkt des Königs laden zum Entdecken ein.

Mit der Motorradrikscha, Sam Lor genannt, kann man entspannt und günstige die kleine Insel besichtigen.
Mit der Motorradrikscha, Sam Lor genannt, kann man entspannt und günstige die kleine Insel besichtigen.

Ein besonderes Erlebnis bietet der chinesische Tempel San Jow Por Kao Yai, der sich auf einem Hügel über dem Hauptort erhebt. Die Aussicht über Hafen und Bucht ist atemberaubend. Wer nicht die steilen Stufen erklimmen möchte, nutzt die kostenfreie Seilbahn. Im Inneren des Tempelareals verbergen sich mehrere Schreine in geheimnisvoll schimmernden Höhlen. Zum chinesischen Neujahr oder Songkran strömen viele Thai-Chinesen zu diesem Ort der Spiritualität – ohne dass es je überlaufen wirkt.

Strandfeeling – aber entspannt

Der Tham Phang Beach im Westen der Insel ist der einzige Sandstrand Koh Sichangs. Sauberes Wasser, feiner Sand und ein gutes Angebot an Speisen und Getränken unter Sonnenschirmen sorgen für unbeschwerte Badefreuden. Die Bungalows des angrenzenden Tampang Beach Resorts sind einfach, aber charmant – und preislich attraktiv. Nur an Wochenenden und Feiertagen kann es hier durch einheimische Urlauber lebhafter werden. Wer Ruhe sucht, kommt einfach unter der Woche.

Koh Sichang ist kein Ort für Adrenalinjunkies oder Nachtschwärmer. Wer jedoch das Bedürfnis verspürt, dem „Wasserkrieg“ von Songkran für ein paar Tage zu entfliehen und in eine Welt einzutauchen, in der die Zeit langsamer zu vergehen scheint, der wird hier fündig. Die Insel bietet einen wohltuenden Kontrast zur Reizüberflutung Pattayas – authentisch, ruhig und mit dem gewissen Etwas. Ein perfekter Rückzugsort für alle, die das neue Jahr lieber mit Blick auf Tempel, Meer und Geschichte beginnen möchten – statt mit Wasserpistolen und Lärm.

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Chris Jomtien 06.04.26 11:56
Koh Sichang - Entschleunigung pur
Die Insel ist wochentags definitiv eine Reise wert, sofern man Ruhe und Erholung sucht. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Richtung Bangkok oder Pattaya ist sehr einfach und wer selbst mit Auto oder Moped fährt, findet reichlich bewachte Parkplätze in der Nähe des Bootsablegers. Am Wochenende ist dort allerdings heftiger Trubel. Die 250 Baht für die Fahrt mit einem Songtaew auf der Insel kann man sich schenken, denn die Ressortbetreiber holen ihre Kunden kostenlos am Hafen ab, sodenn diese rechtzeitig ihr Kommen ankündigen.
Im obigen Bericht werden "die Ruinen eines 1889 errichteten Sommerpalastes" erwähnt. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht falsch. Der Pra Chuthathut Palast wurde erst 1892/93 errichtet, und er war nicht lediglich eine Sommerresidenz, sondern als regulärer Amtssitz von König Chulalonkorn gedacht. Mit einer Grundfläche von 60 x 20 Metern war der Palast (und blieb bis zuletzt) das weltgrößte Teakholzgebäude.
Diverse Gebäude für die Königfamilie und deren Personal waren bereits in den Jahren zuvor errichtet worden. Aufgrund des Einmarsches der Franzosen musste der Palast jedoch schon kurz nach dessen Fertigstellung wieder verlassen werden.
Im Jahre 1900 ließ König Chulalonkorn den Pra Chuthathut Palast abbauen und nach Bangkok verschiffen. Dort wurde er mit dem neuen Namen Vimanmek Palast auf dem Dusit Gelände wieder aufgebaut. 2019 wurde er erneut demontiert. Diesmal zur Renovierung.

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