Gedenken und Proteste fünf Jahre nach Dammbruch

Luftansicht des unter dem Namen
Luftansicht des unter dem Namen "Corrego do Feijao" bekannten Gebietes, das von einem Dammbruch in Brumadinho betroffen ist. Foto: epa/Antonio Lacerda

BRUMADINHO: Ein Dammbruch und eine damit ausgelöste Schlammlawine riss vor fünf Jahren mindestens 270 Menschen in den Tod. Bis heute hoffen Angehörige auf Aufklärung in dem Fall, in dem auch der TÜV Süd eine wichtige Rolle spielt.

Fünf Jahre nach dem Dammbruch einer Eisenerzmine in Brasilien haben Tausende Menschen an die mindestens 270 Toten von Brumadinho erinnert. Angehörige und Freunde besuchten eine Messe und ließen Ballons um die Uhrzeit steigen, zu der der Damm an der Mine Córrego do Feijão am 25. Januar 2019 gebrochen war, wie im brasilianischen Fernsehen am Donnerstag (Ortszeit) zu sehen war. Auch in São Paulo und der Hauptstadt Brasília hatte es eine Gedenkveranstaltung gegeben. Auf einem Platz vor dem Kongress wurden 272 Kreuze mit den jeweiligen Namen der Opfer aufgestellt. Auf einem Banner stand «5 Jahre ohne Gerechtigkeit». Drei Menschen werden bis heute vermisst. Eine Bestrafung von Verantwortlichen hatte es bisher nicht gegeben.

Eine Schlammlawine hatte sich nach dem Dammbruch vor fünf Jahren über die hügelige Landschaft von Minas Gerais ergossen. Sie wälzte sich über Teile der Mine und benachbarte Siedlungen, riss Menschen und Tiere, Häuser und Gerätschaften mit. Eine Tochtergesellschaft des TÜV Süd hatte den Damm erst ein halbes Jahr zuvor geprüft und für sicher befunden. So hatte es auch vor dem Hauptgebäude des Unternehmens TÜV Süd in der bayrischen Landeshauptstadt München am Donnerstag eine Protestaktion gegeben. Angehörige von Opfern fordern laut ihren Anwälten einen finanziellen Ausgleich von mehr als 580 Millionen Euro.

Der Münchner Prüfkonzern erklärte, er trage keine rechtliche Verantwortung für den Dammbruch. Die Stabilitätserklärungen, die das brasilianische Tochterunternehmen ausgestellt hatte, hätten geltenden brasilianischen Regelungen entsprochen. Der Dammbruch sei «ein schreckliches Unglück» gewesen, so der TÜV Süd. Das Mitgefühl des Unternehmens sei bei den Opfern und ihren Familien.

Die Staatsanwaltschaft hatte vor etwa einem Jahr erneut Anklage gegen 16 Beschuldigte erhoben. Bei den auf Bundesebene Angeklagten handelte es sich um dieselben Personen, die vor vier Jahren bereits auf Landesebene angeklagt worden waren. Zu ihnen gehören der ehemalige Präsident und zehn weitere Mitarbeiter des Bergbaukonzerns Vale sowie fünf Mitarbeiter des TÜV Süd. Das Oberste Gericht hatte das Verfahren auf Landesebene für ungültig erklärt. Damit begann es auf Bundesebene praktisch wieder von vorne und verzögert sich bis heute immer weiter.

«In Minas Gerais gibt es noch viele weitere Dämme, die zu brechen drohen. Die Tatsache, dass bisher kein Zeitrahmen genannt wurde, wann mit Urteilen zu rechnen ist, ist enttäuschend», sagte Cannelle Lavite von der Menschenrechtsorganisation ECCHR. Der Verband der Familien von Opfern und Betroffenen befürchtet, dass am Ende niemand für den Dammbruch verantwortlich gemacht wird. Angesichts der verschlungenen Wege von Brasiliens Justiz wollten Angehörige in den vergangenen Jahren auch in München vor Gericht Prozesse einleiten.

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