PATTAYA: Die ungebändigte Corona hat Pattaya im Griff und sorgt für ein Dilemma: Solange in Thailand nicht genügend Impfstoffe verfügbar sind, bedrohen nichtpharmakologische Maßnahmen wie verschärfte Einreiseregeln, Quarantänepflicht und strenge Auflagen für Gastronomie und Nachtleben die seit nunmehr einem Jahr brachliegende Tourismusbranche als das einzige wirtschaftliche Standbein der Stadt. Auch wenn die Erfolge im Kampf gegen das Virus nicht von der Hand zu weisen sind, zahlt die Bevölkerung einen hohen Preis. Armut, Arbeitslosigkeit und Hunger veranlassen immer mehr Einwohner, ihr letztes Hab und Gut zu verkaufen, um irgendwie über die Runden zu kommen.
Notverkauf versus Schnäppchenjagd
Pattayas Hotspot für den Handel mit gebrauchten Textilien oder Second-Hand-Artikeln jeglicher Art ist der „Talat Kwai Klang Khrung“ (ตลาดควายกลางเมือง) an der Thepprasit Road in Jomtien, auf Englisch zumeist nur kurz „Buffalo Market“ genannt. Jeden Tag treffen hier verzweifelte, in finanzielle Not geratene Verkäufer und Schnäppchenjäger in so großer Zahl aufeinander, wie wohl an keinem anderen Ort in Pattaya.

Hier gibt es eigentlich nichts, das es nicht gibt oder nichts, mit dem man nicht doch irgendwie probiert, an Geld zu kommen, auch wenn es nur ein paar einzelne Baht-Münzen sind: Von Autoradios über Büstenhaltern, Comicfiguren, Computern, Felgen, Fotografien, Kinderspielzeug, Motorenteile, Schreibtischlampen, Schuhen bis hin zu Zigarettenetuis wird hier alles angeboten, was bei Trödelfans für erhöhten Pulsschlag sorgt und womit Menschen am äußersten Rand der Existenz probieren, ihr Überleben zu sichern.
Seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie vor einem Jahr hat sich die Zahl der Händler und Besucher auf dem „Büffelmarkt“ spürbar erhöht. Egal, ob Käufer oder Verkäufer, in Corona-Zeiten verbindet sie vor allem eins: Armut durch Arbeitslosigkeit als Folge der de-facto Dezimierung der thailändischen Tourismusindustrie.
Gegensätze und Gemeinsamkeiten
An Tagen wie diesen präsentiert sich der „Talat Kwai Klang Khrung“ als ein skurriles Panoptikum der Gegensätze und Gemeinsamkeiten: Einheimische Familien kleiden ihren Nachwuchs mit günstigen T-Shirts und Shorts mit Comicmotiven ein, Bargirls stöbern in großen Kleiderhaufen nach einem billigen Fummel für die Nacht, Junkies probieren geklaute Mobiltelefone an den Mann zu bringen, Vintage-Hipster ziehen ihre Runden, um nicht doch noch irgendwo das Objekt der Begierde zum kleinen Preis zu erspähen.

Natürlich werden auf der lebhaften Marktmeile auch jede Menge Speisen und Getränke zum kleinen Preis angeboten, wie BBQ-Spießchen, Nudelsuppen, frittierte Hähnchenflügel sowie natürlich auch Papayasalat und Klebreis, weshalb der „Buffalo Market“ besonders auch bei Jugendlichen beliebt ist, die nach Schulschluss hierher strömen und sich mit günstigen Snacks eindecken.
Biegt man von der Sukhumvit Road aus in die Thepprasit Road ein, befindet sich der „Talat Kwai Klang Khrung“ einige hundert Meter nach dem bekannten „Thepprasit Night Bazar“ auf der linken Straßenseite, schräg gegenüber der Esso- und PTT-Tankstelle. Er hat täglich von ca. 14.00 bis 21.00 Uhr geöffnet, mal länger mal kürzer.