Faeser über IOC-Entscheidung zu Russland

«Schlag ins Gesicht»

Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Foto: epa/Filip Singer
Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Foto: epa/Filip Singer

BERLIN: Die Bundesinnenministerin hat kein Verständnis für die IOC-Entscheidung zu Russland und Belarus. Andere Stimmen aus der deutschen Politik sehen es genauso.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat die IOC-Entscheidung zur geplanten Wiederzulassung von Sportlerinnen und Sportlern aus Russland und Belarus mit scharfen Worten verurteilt. In einer Mitteilung sprach die SPD-Politikerin am Dienstag angesichts des andauernden Angriffskrieges gegen die Ukraine von einem «Schlag ins Gesicht der ukrainischen Sportlerinnen und Sportler». Faeser betonte: «Es gibt keinerlei Grund für eine Rückkehr Russlands in den Weltsport.»

Dass das Internationale Olympische Komitee Angehörige des russischen Militärs wie auch Mannschaften nicht zulassen wolle, sei nur das absolute Minimum und reiche nicht aus. «Olympische Spiele finden nicht im luftleeren Raum statt. Wer den Kriegstreiber Russland internationale Wettbewerbe für seine Propaganda nutzen lässt, der schadet der olympischen Idee von Frieden und Völkerverständigung», sagte die für den Sport zuständige Ministerin.

«Es gibt hier nicht den "neutralen Athleten', den sich das IOC offenbar vorstellt. Dies wird die Reaktion der Ukraine zeigen, die aller Voraussicht nach in einen Boykott der Spiele in Paris mündet», sagte der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU, Stephan Mayer. Damit seien die Rollen von Tätern und Opfern endgültig in grotesker Weise vertauscht. Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt (CDU), kritisierte, es sei «für ukrainische Sportler unzumutbar, sich mit Sportlern zu messen, denen sie möglicherweise bald an der Front in einem Kampf um Leben und Tod gegenüberstehen». Zu erwarten, dass sich siegreiche russische Sportler nicht anschließend vor den Propagandakarren des Kremls spannen lassen, sei daher bestenfalls naiv.

Ähnlich äußerte sich die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Renata Alt (FDP). Trotz neutraler Flagge biete die Entscheidung eine internationale Bühne für die menschenverachtende Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin. «Das IOC beweist damit wieder einmal ein mangelndes Verständnis der Menschenrechte», erklärte Alt in einer Mitteilung.

Enttäuscht äußerte sich auch Tina Winklmann, die sportpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis90/Die Grünen. Sie wünsche sich, dass das IOC seine Entscheidung überdenke.

Eine Entscheidung über einen Start russischer und belarussischer Sportlerinnen und Sportler bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris hatte das IOC am Dienstag ausdrücklich noch offen gelassen.

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Leserkommentare

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Hammmmm 30.03.23 11:29
Die dame sollte sich mal um die innere Sicherheit im land kümmern. Stichwort Mssenmigration, vergewaltigungen. Messermorde, sozialbetrug. Aber sie kümmert sich ja lieber um bruderkriege zwischen russen. Die uns nix angehen.
werner mueller 29.03.23 13:10
Bedenklich
Ich finde es bedenklich, dass man überhaupt darüber diskutieren muss, welche Sportler wo mitmachen dürfen oder nicht. Was können denn diese hart trainierenden Menschen dafür, dass sie dafür büssen müssen, dass sie Russen sind? Wenn alle Sportler von kriegsführenden Nationen ausgeschlossen würden, wären viele Sportevents nur noch zu 50 Prozent mit Sportlern belegt!