Estlands Armeechef: Kein Abschuss nötig

Foto von Sam Schooler auf Unsplash
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TALLINN: Drei russische Militärflugzeuge durchfliegen minutenlang den estnischen Luftraum über der Ostsee. Doch warum wurden sie nicht abgeschossen? Estlands Armeechef begründet das Vorgehen.

Estlands Armeechef Andrus Merilo hat die Reaktion seines Landes und der Nato auf die Luftraumverletzung durch drei russische Kampfjets als richtig und angemessen bewertet. «Ich behaupte, dass es ein strategischer Fehler gewesen wäre, sie dieses Mal abzuschießen. Die Folgen wären für uns weitaus schlimmer gewesen als der diplomatische Erfolg, den wir durch die Lösung des Vorfalls erzielt haben. Und viele unserer Verbündeten hätten einen solchen Schritt wahrscheinlich nicht verstanden», sagte Merilo in einem Interview im estnischen Fernsehen.

Nach Angaben Estlands waren am 19. September drei bewaffnete russische Maschinen vom Typ MiG-31 zwölf Minuten über der Ostsee durch estnischen Luftraum geflogen. Der EU- und Nato-Staat hatte deswegen sowohl eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt als auch Beratungen nach Artikel 4 des Nato-Vertrags mit den Verbündeten. In der anschließenden Erklärung warnte die Militärallianz Russland unter Androhung von Gewalt vor weiteren Grenzverletzungen.

Nato-Reaktion auf künftige Zwischenfälle situationsabhängig

Bereits unmittelbar nach dem Vorfall kamen Forderungen nach einem härteren Vorgehen gegen die Luftraumverletzungen auf - bis hin zum Abschuss von russischen Flugzeugen. Der künftige Umgang mit Zwischenfällen hängt nach Angaben Merilos von der jeweiligen Situation ab. Wenn nötig, werde die Nato entschlossen reagieren und gegebenenfalls auch Gewalt anwenden.

Vor zwei Wochen habe es aber keinen Grund gegeben, die russischen Jets abzuschießen, sagte der estnische Militärchef. So sei etwa deren Bewaffnung nicht dazu bestimmt gewesen, Landziele zu zerstören. Dadurch seien sie nicht als unmittelbare Bedrohung eingestuft worden.

Trotz der jüngsten Luftraumverletzungen hat sich nach Einschätzung von Merilo die allgemeine Bedrohungseinschätzung Estlands nicht verändert. Das Risiko eines konventionellen Militärangriffs sei nicht gestiegen, sagte er. Der Grund dafür sei, dass Russlands Kräfte weiterhin in der Ukraine gebunden seien.

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Thomas Sylten 08.10.25 13:42
@Jörg
Nun, da muss ich zunächst deine ersten und letzten Worte zitieren: "Deine Überlegungen klingen ja nicht verkehrt. Aber es hakt halt daran, dass.. ..auf die USA unter diesem Präsidentendarsteller auch gar kein Verlass ist."

Mich erinnert die Diskussion an einen alten Witz, der mit den Worten des Protagonisten zu Angreifern endet: "Und dumm seid ihr auch, weil ihr mit Messern zu 'ner Schießerei kommt" -
so kommt mir unsere Aufrüstungsdebatte vor: Auch wenn Deutschland tatsächlich die größte konventionelle Armee Europas aufbauen sollte, hilft uns das überhaupt nix gegen eine Atommacht.

Angesichts der möglichen Folgen wäre es verantwortungslos, Putins Bereitschaft zum Atomschlag herauszufordern - und das wäre spätestens der Fall, wenn er konventionell tatsächlich (mithilfe der NATO) irgendwann den Kürzeren ziehen sollte. Er ist halt nicht Gorbatschow, der sich einfach damit abfand, verloren zu haben. Diese Glück hatten wir (völlig unverdient) einmal - das gibt es so bald nicht wieder.

Daher wären ERNSTHAFTE Verhandlungen auf Augenhöhe doch mal einen Versuch wert - in Istanbul waren wir doch schon nah dran: Garantierter Nichtbeitritt zur NATO gegen garantierte Souveränität der Ukraine - als Vorschlag und Verhandlungsgrundlage, ohne weitere störende vorab-Maximalforderungen.
Das halte ich für besser als säbelklirrendes Spielen mit dem nuklearen Feuer.
Thomas Sylten 07.10.25 20:10
@Jörg
Es ist zum Mäusemelken: Meine Antwort wieder rot im Orbit - obwohl wirklich nix Verdächtiges, nur Konstruktives..
Jörg Obermeier 07.10.25 17:03
@ Thomas
Deine Überlegungen klingen ja nicht verkehrt. Aber es hakt halt daran, dass die Russen das gar nicht verhandeln wollen. Nur mal so ein Gedankenspiel eines völligen Amateurs, der noch dazu niemals in der Bundeswehr war. Was wäre, wenn die europäischen NATO-Staaten zuerst einmal, ausgenommen von mir aus Ungarn und Türkei, massiv Kampfverbände an die Grenzen der Ukraine verlegen würden? Und das mit dem klaren und eindeutigen Auftrag die Russen bis an die Grenzen und keinen Meter weiter zurückzuschlagen. Dann die nötige Logistik und Infrastruktur aufbauen um diese Truppen auch entsprechend in der Ukraine versorgen zu können. Das könnte einen Zeitkorridor für Gespräche und Verhandlungen wie von Dir skizziert öffnen. Wer weiß, ob dann der Kremlherrscher nicht vielleicht doch dazu bereit wäre. Der mag gewissenlos und irre sein, aber blöd ist der nicht. Und der weiß, dass er bei einem aktiven Eingreifen der NATO in der Ukraine mit seiner Schrottarmee keine echte Chance hätte die besetzten Gebiete zu halten. Das könnte funktionieren, wenn die Amis laut und sehr deutlich Rückendeckung mit ihrem atomaren Schutzschild bieten würden. Und wenn dieser Kriegsverbrecher es dann wirklich noch immer nicht kapieren sollte, dann eben auch mit aller Macht tatsächlich eingreifen. Warum es nicht schon längst passiert ist? Angst ist der vermutlich schlechteste Ratgeber. Und auf die Amis unter diesem Präsidentendarsteller auch gar kein Verlass ist.
Thomas Sylten 07.10.25 15:30
@Jörg (2)
Konkret:
Du empfiehlst einen massiven NATO-Einsatz, da Putin anders nicht zu stoppen ist, und hoffst darauf, dass Putin dann einknickt, weil auch er den Planeten nicht unbewohnbar machen will. Zugeich hältst du ihn aber für einen völlig Irren -
entschuldige, aber das passt nicht zusammen, und es ist wichtig, sich dies klarzumachen, BEVOR du die NATO-Truppen losschickst: Ein "völlig Irrer" wird nicht rational den Planeten retten und sich dafür in Den Haag verurteilen lassen. Er wird seine Drohung einfach wahr machen, so wie er bisher jede Drohung wahr gemacht hat.

Ich halte Putin nicht für irre, sonder für rational konsequent: Er verfolgt unbeirrbar ein Ziel, und lässt darüber keinen Zweifel, denn er kündigt das an. Er hat gesagt, dass der NATO-Beitritt der Ukraine seine rote Linie ist - und wir haben das nicht ernst genommen. Heute wird gern angeführt, dass eine UKR in der NATO nicht angegriffen worden wäre - falsch: Sie wäre dann halt entsprechend früher angegriffen worden. Das ist ein Problem - aber doch ein lösbares.

Warum nehmen wir nicht seine Forderung ernst, und zugleich das Schutzbedürfnis der UKR, und formulieren eine neue Sicherheitsarchitektur unter Einschluss der Sicherheitsbedürfnisse von RUS und UKR: Die USA sind unter Trump offenbar dazu bereit. Dann sollten wir Europäer das dankbar aufgreifen und diese Chance nutzen - was hält uns davon ab, es zu versuchen??
Thomas Sylten 07.10.25 15:10
@Jörg
Ich kenne dich ja inzwischen als reflektiert argumentierenden Foristen, und so ist es auch hier: Ich stimme dir auch eigentlich völlig zu. Denn das Dilemma ist ja deutlich: Man darf Landraub nicht durchgehen lassen und muss sich und Andere gegen usurpatorischen Imperialismus schützen - und will zugleich ein Abgleiten in den großen Krieg vermeiden.

Ein Weg raus aus dem Schlamassel ist nicht leicht zu finden und rechtfertigt jede Diskussion. Daher gehe ich ja auch ernsthaft auf jede noch so einseitige Darstellung ein, um Möglichkeiten für ein Entkommen aus dieser Abwärtsspirale aufzuzeigen. Denn natürlich können Menschen ihre menschengemachten (nicht naturgesetzlichen) Probleme lösen - man muss nur bereit sein, nach beidseitig akzeptablen Lösungen zu suchen, statt auf Maximalforderungen zu bestehen.

Und da sehe ich Chancen, sofern es gelingt, die Falken beider (!) Seiten zur Vernunft zu bringen. Denn wie du richtig sagst, kann auch Putin kein Interesse an einer totalen nuklearen Vernichtung des Planeten haben - worauf es aber ohne Einlenken hinausläuft: Erst eine kleine Atombombe zur "Abschreckung" - auf die dann eine "symmetrische Antwort" folgt, etc..
Will sagen: Irgendwann MUSS eingelenkt werden - sonst Planet kaputt. Also doch besser VOR der ersten Atombombe.

Daher denke ich, dass auch Putin letztlich verhandlungsbereit ist - vorausgesetzt, er sieht seine Interessen (NATO-Beitritt) berücksichtigt. Weshalb ich für ERNSTHAFTE Verhandlungen plädiere, die dies tun.
Jörg Obermeier 07.10.25 14:00
@ Thomas
Wer hier der Kriegstreiber ist, sind wir uns vermutlich sehr einig. Nur in den Konsequenzen nicht wirklich. Auch bezweifle ich, dass wir "unbeteiligte Dritte" wären. Die Ukraine wäre schon längst gefallen, wenn nicht u.a. wir die Waffen und das Geld dazu gegeben hätten. Der Fehler war und ist, das hat den Krieg bis heute verlängert und das Sterben geht ungebremst weiter. Putin ist offensichtlich auch an nicht weniger als nur und ausschließlich an der Kapitulation der Ukraine in Gesprächen/Verhandlungen bereit. Wäre ich als Kriegsverbrecher vermutlich auch nicht, wo wir mit einer selten blöden Auslegung der Appeasement-Politik ihm direkt in die Karten spielen. Wenn es nicht anders geht und es scheint so zu sein, dann kann diesen Krieg nur die NATO mit einem massiven Einsatz die Putin-Truppen aus der Ukraine vertreiben und damit beenden, Die immer wieder wiederholte Drohung mit einem atomaren Armageddon, klar, die kann schon Angst machen. Verstehe ich, aber zum einen glaube ich nicht, dass selbst ein Putin den Planeten nicht unbewohnbar machen will, nur wegen der Ukraine. Und zum anderen, diesen in meinen Augen völlig Irren gewähren zu lassen ist absolut keine Garantie in Zukunft Ruhe zu haben. Ganz im Gegenteil, wir würden uns freiwillig zu seinen Marionetten ergeben. Aus unserer eigenen, zumindest Ostdeutschen Geschichte wissen wir, dass das nicht gut enden kann.
Thomas Sylten 06.10.25 19:50
Herr Schwake,
wir sind uns doch völlig einig das Putin einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, und vermutlich sind wir uns auch einig, dass wir nach Wegen suchen müssen, aus dem Schlamassel rauszukommen. Dabei wäre es halt hilfreich, wenn man als eigentlich unbeteiligter Dritter, der wir ja sind, nicht ständig Öl ins Feuer gießen würde zum Schaden der Beteiligten, sondern Vorschläge entwickelt, wie man dieses Ziel erreicht. Einfach zu erwarten dass der Andere einknickt ist leider nicht hilfreich, weil unrealistisch.
Rolf W. Schwake 06.10.25 09:02
Hier werden anscheinend mal wieder ...
... die Fakten vertauscht: Wer hat mit einem verbrecherischen Angriffskrieg die Ukraine überfallen? Einen Krieg vom Zaun gebrochen, der eigentlich ein "Blitzkrieg" werden sollte und nunmehr über 3 1/2 Jahre andauert, millionenfaches Blut fordert und unvorstellbares Leid erzeugt?
Wer ist hier "Kriegstreiber"? Derjenige, der sich täglich gegen verbrecherische Aggressivität verteidigen muss inklusive seiner Unterstützer - oder der Kriegsverbrecher, der angegriffen hat?
Bei aller ideologischen Voreingenommenheit sollte zumindest versucht werden, ehrlich und vor allem fair zu bleiben!
Thomas Sylten 04.10.25 15:50
@Detlef M.
Fürs Abkassieren musst du nicht lange warten: Gerade haben sich die verehrten Bundestagsabgeordneten eine kleine Diätenerhöhung gegönnt, die allein höher ist als das höchste Bürgergeld - weshalb man ja dort jetzt (also bei den eh schon Benachteiligtsten im Land) dringend sparen muss. Einzig die Linken (!) haben sich dieser unverfrorenen Selbstbereicherung entgegengestellt und spenden die Erhöhung komplett an gemeinnützige Vereine.

Ihr Furor betreffs Kriegsgeschrei allein gegen die Grünen ist aber mindestens unfair, da alle anderen je an Regierungen beteilgten Parteien ebenso - und teils heftiger, mindestens "erfolgreicher" - dieses Geschrei anheizen.

Bei den Gründen für dieses irrationale Gezeter haben Sie möglicherweise recht: Unser Finanzsystem ist derart am Ende, dass nichts mehr klappt (Rentensystem, Gesundheitssystem, Bauwesen etc.pp.) -
und es neigt tatsächlich dazu, den Reset per Krieg zurückzusetzen, um einfach neu beginnen zu können (s. "Wirtschaftswunder" nach WW2). Das klappt aber auch nicht immer - und schon gar nicht in einer atomar verseuchten Welt..
Detlef Milkert 04.10.25 14:09
Kriegstreiber wollen Kohle...
Man kann den Eindruck haben, daß jemand unbedingt am Krieg verdienen will und alles für einen Kriegsbeginn machen will. Dann stirbt die Wahrheit immer zuerst, da hat Hartmut Recht. Internationaler Luftraum, wenn da wirklich einer den Krieg erklärt, dann sind das die Esten, oder die Polen, die ihre eigenen Raketen verlieren. Fast schon wie bei der Chaostruppe Bundeswehr.
Im übrigen laufen die Kriegsvorbereitungen seit 1990. Seinerzeit wurde den Russen versprochen, daß es kein vorrücken der NATO in Richtung Osten geben wird. Jetzt will sich der Ami die Ukraine einverleiben, wegen der Rohstoffe. Das letzte Land vor der russischen Grenze also.
So verlogen ist westliche Politik, und auch die Deutschen in Gestalt von Gensch-man haben damals ja gesagt, um Deutschland wieder verenigen zu können.
Ja, die westlichen Finanzen sind so schlecht, da muss man mal wieder Krieg führen, das Finanzwesen konslidieren, oder so. Und Russland bietet sich ja an, denn da ist was zu holen. Viele Rohstoffe, die man gerne hätte, und nebenbei könnten man so dann ja auch noch die Chinesen in die Zange nehmen...
Nein, es wird immer Krieg geben, und wer die größten Kriegstreiber in letzter Zeit gewesen sind? Das waren die Grünen. Kampfpanzer Ricarda, der Sprachfehler, alle wollen Krieg spielen gegen Russland.
Aber an die Front wollen sie dann doch nicht, da schicken sie lieber die Soldaten aus dem "Volkssturm" dann hin. Zum Abkassieren sehen wir sie dann wieder in erster Reihe, wetten?
Thomas Sylten 03.10.25 14:50
Es scheint tatsächlich ähnlich der Thai-Khmer-Problematik die unterschiedliche Auffassung über die Grenzen des nationalen Luftraums der Grund für diese "Luftraumverletzung" zu sein -
ein Abschuss mit vermutlich tödlichen Folgen für den Piloten wäre die unmittelbare Eskalation seitens des Westens direkt in den heißen Krieg mit Russland. Das kann ja eigentlich niemand wollen - auch wenn es angesichts einiger erschreckend unüberlegter (?) Äußerungen unverantwortlicher Verantwortlicher manchmal den Anschein hat.
Hartmut Wirth 03.10.25 13:10
Luftraumverletzung
Was für ein Quatsch: die Jets befanden sich in internationalem Luftraum ==> außerhalt der 12 Meilenzone gibt es einen international anerkannten Korridor, in welchem russische Flugzeuge von Russland aus in die Enklave Kaliningrad fliegen können.

Nur: Estland beansprucht diesen Luftraum für sich als eigenes Hoheitsgebiet. Und somit haben diese Jets nach estischer Auffassung den eigenen Luftraum verletzt!!

Man muss sich fragen, was das soll:
1. russische Drohnen aus der Ukraine in Polen
2. 3 Jets angeblich in estischem Luftraum
3. Angebliche Störung des Flugzeug GPS der Flintenuschi durch Russland, was sich später als Unwahrheit herausstellte
usw...

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