Estland enttarnt russische Helfer

16 Kollaborateure seit 2025 festgenommen

Polizei sichert ein Gebiet nach einem Vorfall in Estland, während Behörden gegen mutmaßliche Einflussnahmen aus dem Ausland ermitteln. Archivfoto: epa/Pirjo Tuominen
Polizei sichert ein Gebiet nach einem Vorfall in Estland, während Behörden gegen mutmaßliche Einflussnahmen aus dem Ausland ermitteln. Archivfoto: epa/Pirjo Tuominen

TALLINN: Russland versucht immer wieder gesellschaftliche Spannungen in seinen Nachbarländern zu schüren - und bedient sich dazu williger Helfer. In Estland wurden 2025 zahlreiche Handlager festgesetzt.

Estlands Sicherheitsbehörden haben im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben eine Rekordzahl von Personen festgenommen, die mit russischen Geheimdiensten zusammengearbeitet haben. Seit Anfang 2025 seien 16 Kollaborateure aufgedeckt und ihre Aktivitäten unterbunden worden, sagte Sicherheitspolizei-Chef Margo Palloson bei der Vorstellung des Jahresberichts der Behörde in Tallinn. Bei den meisten soll es sich demnach um Privatpersonen gehandelt haben, die nicht in einer staatlichen Institution des baltischen EU- und Nato-Landes arbeiteten und keinen Zugang zu sensiblen Informationen hatten.

Die Aktivitäten der vor allem für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB, aber teils auch für den Militärgeheimdienst GRU tätigen Personen wurden nach Angaben von Palloson relativ frühzeitig unterbunden. «Sie waren nicht in der Lage, der Sicherheit Estlands nennenswerten Schaden zuzufügen», sagte der Leiter des Inlandsnachrichtendienstes einem Rundfunkbericht zufolge. Auch deutet die höhere Zahl nicht auf eine erhöhte Bedrohungslage hin, sondern spiegele vielmehr das proaktive Handeln der Behörden wider.

Anwerbung und Propaganda erfolgt vermehrt online

Neun der gefassten Kollaborateure werden im Jahresbericht der Sicherheitspolizei namentlich und mit Bild aufgeführt. Darin vermerkt die auch für Spionageabwehr zuständige Behörde weiter, dass die russischen Geheimdienste vermehrt soziale Medien nutzen, um Personen zu rekrutieren. Zudem versuchten sie aktiv ausländische Staatsangehörige anzuwerben, die die das Land besuchen.

Auch seine feindseligen Propagandaaktivitäten verlagere Moskau aufgrund der Sanktionen, die nach Beginn des Ukraine-Krieges gegen Russland verhängt wurden, hauptsächlich in die sozialen Medien. Damit werde versucht, einfach und kostengünstig Spannungen innerhalb der estnischen Gesellschaft zu erzeugen, sagte Palloson. Estland grenzt im Osten an Russland. In dem Baltenstaat lebt eine starke russischstämmige Minderheit.

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