LAMPANG: Eine der wohl ungewöhnlichsten Herstellungsmethoden für Papier findet man in der Elefantenschule von Lampang im hohen Norden Thailands. Dort wird aus Elefantendung sauberes und geruchloses Papier hergestellt. Autor Wilfried Stevens hat sich den Herstellungsprozess erklären lassen.

Heute gibt es modernste Produktionstechniken und Fabrikationen für die verschiedensten Papiersorten. Doch selbst im modernen Computerzeitalter, wird in einigen Teilen Asiens Papier noch nach der alten Variante und nicht industriell hergestellt. Eine ungewöhnliche und weitgehend unbekannte Methode, wird in der Elefantenschule von Lampang praktiziert: Sauberes und geruchloses Papier, hergestellt aus Elefantendung. Bei Nachfrage wird einem vor Ort genau erklärt, wie die ganze Prozedur der Papierherstellung abläuft.
So erfährt man auch, dass ein ausgewachsener Elefant am Tag bis zu 200 Kilogramm Futter vertilgt und auch bis zu 50 Kilogramm Dung erzeugen kann. Aus 25 Kilogramm wiederum lassen sich im Schnitt bis zu 100 Blatt Papier produzieren. Die ungewöhnliche Herstellung von Papier aus Elefantendung, läuft dann folgendermaßen ab, sobald der Dung an Ort und Stelle gebracht wurde:

1. Schritt: Zunächst werden die Exkremente in mehrere mit Wasser gefüllte Stahlfässer eingefüllt. Danach werden die Stahlfässer mit Holz und Holzkohle erhitzt, und man gibt der Masse Hydrogen-Oxid und Sodium-Silicate-Zusätze bei, um Bakterien, die sich im Dung befinden, zu vernichten.

2. Schritt: Danach wird nur der Dung aus den Fässern herausgeholt und in eine Art große Wanne, fast bis zum Rand, umgefüllt. Eine in der Wanne eingebaute Umwälzmaschine zerkleinert nun den Inhalt unter Zusatz von Wasser so lange, bis nur noch kleinste Fasern zu erkennen sind. Ist dieser Prozess abgeschlossen, wird Farbe zugesetzt. Hat sich die Farbe gleichmäßig in den Fasern verteilt, wird das Wasser soweit abgelassen, bis nur noch eine weiche Masse übrigbleibt.

3. Schritt: Nun fühlt sich der gefärbte Dung wie Knete an und entsprechend lässt er sich jetzt bequem aus der Wanne entnehmen. Danach werden aus der Dungknetmasse viele etwa 300 Gramm schwere Bälle geformt. Diese dienen nun als eine Art Mengeneinheit, wobei man nun einige von ihnen mit einem bestimmten Anteil an Wasser in einer anderen gefüllten Stahlwanne so lange erneut verrührt, bis sich der Dung im Wasser gleichmäßig verteilt hat.

4. Schritt: Zuletzt setzt man ein feinmaschiges Sieb bis etwa zur Hälfte in die Stahlwanne. Hat sich eine ausreichende Menge dieser Mixtur auf dem Sieb abgesetzt, wird es langsam herausgenommen, und man erkennt eine dünne farbige Schicht.

5. Schritt: Zuletzt wird das Sieb zum Trocknen in die Sonne gestellt.
Gefertigt werden Einzelblätter in verschiedenen Farben und den Größen DIN A3 sowie DIN A4, wobei der Preis von 20 Baht für ein DIN-A4-Blatt für unsere Verhältnisse sehr gering ist. Man fertigt aber auch Briefumschläge und sogar Fotorahmen aus Elefantendungpapier.

Das Papier selber, ist nicht ganz glatt und erinnert eher an Raufaserpapier. Die Einnahmen kommen der Elefantenschule von Lampang zugute, und der Großteil des Papiers wird in den kleinen Souvenirshops des Elefantencamps an Touristen verkauft