Ein kleines Paradies

Der Khao Sam Roi Yot National Park in der Provinz Prachuap Khiri Khan

Reise zum Berg mit dreihundert Gipfeln. Foto: banjongseal324/Adobe Stock
Reise zum Berg mit dreihundert Gipfeln. Foto: banjongseal324/Adobe Stock

PRACHUAP KHIRI KHAN: Der Khao Sam Roi Yot bzw. „Berg mit dreihundert Gipfeln“ gilt als bestgehüteter Geheimtipp der Provinz Prachuap Khiri Khan. Thailands erster Meeresnationalpark entpuppt sich als ein Paradies für Naturliebhaber und Hobbyfotografen, die sich nach ausgiebigen Wanderungen durch eine unvergleichlich kontrastreiche Landschaft sehnen: Jungfräuliche Strände und Buchten, faszinierende Höhlen, markante Kalksteinberge, tropische Süßwassersümpfe und intakte Mangrovenwälder warten nur darauf, entdeckt zu werden.

Die Nationalparks in Thailand bieten außergewöhnliche Einblicke in zum Teil unberührte Natur. Neben den prominenten Parks, wie zum Beispiel Erawan oder Khao Yai, sind auch andere eher unbekannte Reservate immer einen Ausflug wert.

Eine Bootsfahrt hilft den Besuchern, die wahre Schönheit des Nationalparks Khao Sam Roi Yot mit seiner einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt zu genießen. Fotos: Dunsbach
Eine Bootsfahrt hilft den Besuchern, die wahre Schönheit des Nationalparks Khao Sam Roi Yot mit seiner einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt zu genießen. Fotos: Dunsbach

Wer in den Süden Thailands will, der nutzt ja meistens das Flugzeug. Oder wenn man mit dem Auto unterwegs ist, dann vielleicht mit einer Übernachtung auf dem Weg nach Phuket, Ranong oder Surat Thani. Letztlich ist man zufrieden, wenn man sein südliches Ziel glücklich und endlich erreicht hat. Da bleibt selten Zeit, sich abseits der Reiseroute noch großartig umzusehen.

Maritimes Flair und Bergpanorama

Schade eigentlich – denn damit vergibt man die große Chance, einige Wunder der Natur Thailands zu entdecken, die quasi vor der Haustüre liegen. Dazu gehört mit Sicherheit der Khao Sam Roi Yot National Park – gelegen zwischen Hua Hin und Kui Buri. Die nach Süden führenden Autobahnen lassen den Park auf der linken Seite liegen. Vielleicht sieht man von Ferne die Berge, die sich Richtung Meer erheben, aber ansonsten fährt man eigentlich daran vorbei.

Dabei lohnt es sich mit Sicherheit, sich Zeit zu nehmen für diese Gegend, die maritimes Flair mit Bergpa­norama verbinden kann. Die dicht bewaldeten, karstigen Kalksteinfelsen erheben sich bis auf rund 200 Meter Höhe, schmiegen sich an den Küstenverlauf an und bilden einen wunderbaren Kontrast zum Grün-Blau des Ozeans. Im Hintergrund Richtung Westen grüßen die hohen Gebirgszüge, die bereits zu Myanmar gehören.

Die Skipper kennen das Gebiet wie ihre Westentasche und schippern die Gäste gemächlich durch die Mangroven.
Die Skipper kennen das Gebiet wie ihre Westentasche und schippern die Gäste gemächlich durch die Mangroven.

Wenn man sich also die Zeit nimmt und den Park besuchen will, ist es zunächst – wie bei allen Nationalparks – üblich, im Besucherzentrum die Eintrittskarten zu erwerben. Bisher noch in unterschiedlichen nationalitätsabhängigen Preisstufen – wir kennen dieses ambivalente Prozedere…

Im Besucherzentrum sind Mitarbeiter schnell bereit, durch das kleine Museum zu führen: Gezeigt werden Bilder der sehenswürdigen Schauplätze, Aussichtspunkte, Innenaufnahmen der verschiedenen Höhlen und Panoramen von ausgewählten Aussichtspunkten auf den umliegenden Höhenzügen, das Skelett eines vormals in Thailand einheimischen Rhinozeros, sowie prähis­torische Funde frühzeitlicher Besiedlung.

Man muss schon eine gewisse körperliche Fitness mitbringen, um einige attraktive Ziele zu erreichen. Mit dem Auto ist der Zugang nur bedingt möglich. Am besten fragt man gleich nach, und die Mitarbeiter des Nationalparks geben gerne Auskunft über Schwierigkeitsgrad und Erreichbarkeit.

Bootsfahrt durch die Mangroven

Die Vögel haben keine Scheu vor Besuchern und lassen es zu, dass sie sich mit dem Boot langsam nähern.
Die Vögel haben keine Scheu vor Besuchern und lassen es zu, dass sie sich mit dem Boot langsam nähern.

Zwei Ziele sind allerdings einfach zu erreichen und zu erleben: Ganz in der Nähe des Besucherzentrums zieht sich ein kleiner Fluss, der noch von den Gezeiten des Meeres geprägt ist, vom Ozean durch die Hügelkette bis ins dahinter liegende Flachland. Ein eigens angelegter Pier (Khun Rin, Tel.: 083-982.7324) bietet die Möglichkeit, ein Longtail-Boot mit Skipper für kleines Geld zu mieten und etwa eine Stunde zunächst zwischen den Bergen hindurch zu schippern. Inmitten der rundumgelegenen Aufzuchtteiche für Fische und Garnelen eröffnet sich dem Naturbegeisterten eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt. Zwischen den Mangroven wagen sich Fischreiher auf ihren Hochstand – kleine Felsen im Fluss, die ihnen den besten Ausblick und Zugriff auf ihre Beute gewähren. Vom allgegenwärtigen Schlick – besonders bei Ebbe – bleiben auch jene Vögel in ihrem strahlend weißen Gefieder nicht verschont. Manche haben nach erfolgreicher Jagd sicher eine Rundumpflege nötig. Die Vögel lassen es zu, dass man sich im Boot langsam nähert. Erst wenn ihre – sehr nahe – Toleranzschwelle überschritten ist, suchen sie das Weite. Beobachtungen vom Boot aus, insbesondere mit einem kleinen Fernglas machen das Erlebnis noch intensiver.

Umherblickende Augen im Schlick

Der Nationalpark ist mit einer kontrastreichen und unverwechselbaren Naturvielfalt gesegnet. Khao Sam Roi Yot verbindet maritimes Flair mit idyllischem Bergpanorama.
Der Nationalpark ist mit einer kontrastreichen und unverwechselbaren Naturvielfalt gesegnet. Khao Sam Roi Yot verbindet maritimes Flair mit idyllischem Bergpanorama.

So unattraktiv der vom Brackwassser angeschwemmte Schlick auch auf den ersten Blick anmutet, so viel Interessantes bietet er beim genauen Hinsehen. Krebse ergreifen die Flucht zur Seite, in kleinen Tümpeln warten Fische auf die nächste Flut und ihre Befreiung aus dem temporären Gefängnis. Schlammspringer observieren mit ihren großen, hervortretenden Glupschaugen die Umgebung fast im Rundumblick – woher sie auch ihren lateinischen Namen haben: Periophthalmus (umherblickendes Auge). Es sind amphibisch lebende Fische, atmen durch Kiemen und können diese beim Landgang verschließen, um ein Austrocknen zu verhindern.

Der Rückweg mit dem Boot führt zunächst am Pier vorbei Richtung Meer. Man passiert auf Höhe einer kleinen Siedlung die vom Fischfang zurückgekehrten Boote und erkennt genau die bei Nacht hellgrüngelb strahlenden Quecksilberdampflampen, die eine betörende, unwiderstehliche, aber letztlich tödliche Anziehungskraft auf Tintenfische ausüben.

In der Sumpflandschaft sind bis zu 300 Vogelarten beheimatet, darunter bis zu 28 Arten größerer Wasservögel.
In der Sumpflandschaft sind bis zu 300 Vogelarten beheimatet, darunter bis zu 28 Arten größerer Wasservögel.

Der Skipper lenkt das Boot noch etwas auf das Meer hinaus, so dass sich der Blick auf die Küstenlinie ergibt, wo ebenfalls hunderte von Kranichen am seichten Ufer versuchen, ihren immerwährenden Hunger zu stillen. Die kleinen Sandkrebse und Fische in seichtem Wasser helfen ihnen selbstlos, wenn auch sicher nicht freiwillig dabei.

Nach der einstündigen Fahrt lohnt es sich dann, den nicht weit davon entfernten Lotus-See zu besuchen. Mit den für einen Tag gültigen National­parktickets die man sicher aufbewahren sollte, ist der Eintritt dann auch kostenlos.

Zwar gibt es die Möglichkeit, mit einem kleinen gemieteten Boot durch die alles bede­ckenden Lotuspflanzen und die hohen Stauden von Schilfgras zu fahren – nur: Da das Gras so hoch steht, ist von der niedrigen Perspektive aus nicht viel zu erkennen. Außerdem verscheucht der Lärm der Boote die allgegenwärtige Fauna.

Spazieren durch das Seerosenmeer

Das Seerosenmeer lässt sich am besten zu Fuß über Stege erkunden, denn es gibt hier so viel zu entdecken.
Das Seerosenmeer lässt sich am besten zu Fuß über Stege erkunden, denn es gibt hier so viel zu entdecken.

Besser: Sich Zeit nehmen und über die kilometerlangen Stege etwa ein bis zwei Meter über der Seeoberfläche spazierengehen und im glasklaren Wasser große Fische entdecken, die zwischen den saisonal blühenden Lotuspflanzen gemütlich ihre Kreise ziehen. Diese Wege führen durch das auf Augenhöhe liegende Schilf von einer kleinen Sala zur nächs­ten. Jene kleinen schattigen Häuschen laden ein, sich nicht nur der Sonne zu entziehen, sondern auch zu rasten und in Stille die Weite dieses Schilfmeeres zu genießen.

Wer dann noch Geduld hat und in Ruhe eben jene Stille aushalten kann, dem zeigt sich auch der Grund für die fremden und eigenartigen Klänge und Geräusche, die dem Di­ckicht entsteigen.

Verschiedene Vögel nisten in den Grasbüscheln, und tarnen sich vor unerwarteten Besuchern. Nester mit Eiern werden bebrütet, andere waten mit breiten Krallenfüßen durch und über abgestorbene oder niedergedrückte Schilfreste und beäugen vorsichtig die Umgebung und die neugierigen humanoiden Beobachter.

Anthrazitglänzende Kormorane sitzen entspannt auf dem Geländer der Stege und verdauen – das Ergebnis dieses Vorgangs wird sogleich der Natur wieder zurückgegeben, und der Tisch für diese Vogelart bleibt weiterhin reichlich gedeckt.

Der artenreiche Mangrovenwald beheimatet neben den verschiedensten Vogelarten auch jede Menge Makaken-Clans, die ihr Schwimmtalent lebhaft unter Beweis stellen.
Der artenreiche Mangrovenwald beheimatet neben den verschiedensten Vogelarten auch jede Menge Makaken-Clans, die ihr Schwimmtalent lebhaft unter Beweis stellen.

Leider haben einige Stege in der Zwischenzeit gelitten und bedürfen der Renovierung, was die Parkleitung auch angekündigt hat. Aber der Spaziergang führt dennoch weit auf den See hinaus.

Die Wasserqualität ist einzigartig gut. Das ergeben mikrobiologische Untersuchungen, mit deren Hilfe man anhand der Mikroorganismen die Güteklasse bestimmen kann. Einblick gibt ein kleines Video über den faszinierenden Mikrokosmos in einem Wassertropfen aus eben jenem See (siehe: „Little Life in Lotus Lake from Khao Sam Roi Yot under the Microscope“: https://youtu.be/Urf5UboqKvE).

Früchte des Meeres gehen auf Reise

Beim Rückweg aus dem Park zu den großen Durchgangsstraßen trifft man auf Einheimische, die die Früchte des Meeres, bzw. der Seen am Straßenrand aufbereiten. Schrimps, Garnelen und anderes Meeresgetier wird nach Art und Größe sortiert, in vorgehaltenen Kühlcontainern gelagert und abtransportiert. Abnehmer sind die umliegenden Restaurants und Märkte, bis nach Hua Hin und Bangkok. Ein Aufseher berichtet, dass sie sogar bis nach Japan und Amerika exportieren. Na, wenn das dann mal alles frisch bleibt…

Am Straßenrand bereiten Einheimische Meeresfrüchte für den Transport ins ganze Land und sogar nach Übersee vor.
Am Straßenrand bereiten Einheimische Meeresfrüchte für den Transport ins ganze Land und sogar nach Übersee vor.

Apropos frisch: Die Gastronomie im Umfeld des Parks lädt ein, sich die gerade erst gefangenen Meeresfrüchte in diversen Variationen auf der Zunge zergehen zu lassen. Ein Leckerbissen der besonderen Art: sog. Rock Lobster – eine kleine Hummerart, die gekocht oder gedünstet mit Knoblauchbutter oder gerös­tetem Knoblauch unwiderstehlich ist. Man bekommt Verständnis für die kulinarischen Vorlieben der Kormorane und Fischreiher.

Frischer Fisch frisch auf den Tisch

Zu empfehlen sind zwei Restaurants: Etwas südlich des Parks befindet sich das Lokal Krua Poo Na. Ein traditionelles Meeresfrüchte-Thai-Restaurant, auf Stelzen über einem kleinen Teich errichtet, mit verschiedenen kleinen Sala für Besucher und Gruppen (Tel.: 061-397.3118) sowie das etwas nördlich gelegenere Restaurant Pa Ueang Pa Ing (Tel.: 085-182.2161 oder 087-167.0401). Dort werden in Aquarien noch lebende Meeresfrüchte bereitgehalten, um sie dann nach eigenem Gutdünken auszuwählen und ihrer weiteren Bestimmung zuzuführen.

Es lohnt sich also allemal, diese Gegend nicht nur als temporäre Übernachtungsmöglichkeit auf der Reise in den Süden zu wählen, sondern sich die Zeit zu nehmen, diese eher unbekannte Gegend in Ruhe zu genießen. Weitere Informationen zumKhao Sam Roi Yot finden Sie hier.

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