Corona-Überblick: Meldungen am Montag

Schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg in Stockholm. Foto: epa/Henrik Montgomery
Schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg in Stockholm. Foto: epa/Henrik Montgomery

Greta Thunberg: Klimakrise noch ernster als vor der Pandemie

STOCKHOLM/BERLIN: Klima- und Umweltaktivistin Greta Thunberg hält den an diesem Freitag geplanten globalen Klimaprotest für entscheidend. Nach anderthalb Jahren Corona-Pandemie sei die Klimakrise nicht einfach verschwunden, sagte die Schwedin am Montagabend auf einer Online-Pressekonferenz. «Im Gegenteil: Sie ist noch dringender, als sie zuvor gewesen ist.»

Während manche dächten, dass es beim Klimaschutz in die richtige Richtung gehe, drohe 2021 das Jahr mit dem zweithöchsten je gemessenen Emissionsanstieg zu werden, warnte Thunberg. Noch immer hörten die Entscheidungsträger nicht, was junge Menschen von ihnen forderten. Deshalb kehre man auf die Straßen zurück, um Handeln gegen die Klimakrise und für Klimagerechtigkeit einzufordern, und zwar unter Berücksichtigung der jeweils in den Ländern geltenden Corona-Beschränkungen. Thunberg selbst wird in Berlin dabei sein.

Für Deutschland komme der achte globale Klimaprotesttag nur zwei Tage vor der Bundestagswahl zu einem ganz besonderen Zeitpunkt, sagte die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Mehr als 400 Aktionen seien in der Bundesrepublik geplant. Man wolle mit den Protesten unterstreichen, dass eine Mehrheit im Land radikales und schnelles Handeln für das Klima einfordere. Es werde eine Botschaft an die Bevölkerung geschickt, so umweltbewusst wie möglich zu wählen - auch wenn derzeit keine politische Partei in der Bundesrepublik die Anforderungen erfülle, um die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.


Rede von US-Präsident Biden: UN-Generaldebatte startet in New York

NEW YORK: Mit der ersten Rede von Joe Biden als US-Präsident beginnt am Dienstag (ab 15.00 Uhr MESZ) die jährliche Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York. Zum Auftakt werden unter anderem auch Ansprachen der Vertreter Brasiliens, des Irans, der Türkei, Frankreichs und der Schweiz erwartet.

Nachdem die Generaldebatte im vergangenen Jahr aufgrund der Coronavirus-Pandemie hauptsächlich mit vorab aufgezeichneten Video-Reden abgelaufen war, sind in diesem Jahr viele Staats- und Regierungschefs wieder nach New York gereist, wenn auch mit deutlich kleineren Delegationen. Der Rest der Vertreter der 193 Mitgliedsstaaten nimmt online teil. Für Deutschland soll am Freitag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprechen.

Im Mittelpunkt der bis Montag angesetzten Veranstaltung sollen die Coronavirus-Pandemie und der Klimawandel stehen. Auch zahlreiche Konflikte wie der in Afghanistan werden Thema sein. Mehrere Nebenveranstaltungen sind geplant, darunter am Mittwoch ein hochrangig besetzter Online-Gipfel zur gerechteren internationalen Verteilung von Impfstoffen, organisiert von US-Präsident Biden.


Tschechien startet Corona-Auffrischimpfungen

PRAG: Tschechien hat mit Auffrischimpfungen gegen das Coronavirus begonnen. Die ersten Menschen erhielten am Montag ihre dritte Spritze. Voraussetzung ist, dass die letzte Impfung mehr als acht Monate zurückliegt. Das Gesundheitsministerium in Prag empfiehlt die sogenannte Booster-Impfung ausdrücklich für Senioren ab 60, Angehörige von Risikogruppen sowie das Gesundheits- und Pflegepersonal. «Bei allen anderen liegt es an ihrem eigenen Willen», sagte Gesundheitsminister Adam Vojtech.

Wer infrage kommt, erhält eine SMS-Benachrichtigung - am ersten Tag waren das knapp 8000 Krankenversicherte, bis Jahresende dürften es eine Million sein. Manche Impfzentren verlangen keine vorherige Anmeldung. Für die Auffrischung werden ausschließlich die Impfstoffe von Pfizer-Biontech und Moderna verwendet. In Tschechien sind inzwischen knapp 5,9 Millionen Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft - und damit mehr als die Hälfte der 10,7 Millionen Einwohner des EU-Mitgliedstaats.


Zutritt zum Vatikan ab 1. Oktober nur noch mit Corona-Pass

ROM: Der Vatikan ist vom 1. Oktober an nur noch für Menschen offen, die einen gültigen Corona-Pass haben. Wie der Heilige Stuhl am Montag mitteilte, muss jeder Bewohner, Beschäftigte oder Besucher des Kirchenstaats damit eine Impfung gegen Covid-19, eine Genesung oder einen negativen Test nachweisen. Als Zertifikate gelten dabei der auch in Deutschland gebräuchliche EU-Corona-Pass, ein «Green Pass» des Vatikans oder andere ausländische Bescheinigungen. Der Vatikan kündigte Einlasskontrollen durch das eigene Gendarmeriekorps an.

Eine Ausnahme von den neuen Regeln gilt nur für jene Zeiten, in denen Gläubige im Vatikan Messen und liturgische Feiern besuchen. Sie werden aber dazu aufgefordert, die Hygieneregeln zu befolgen.

Die Päpstliche Kommission für den Staat der Vatikanstadt folgte mit ihrer Verordnung einer Anweisung von Papst Franziskus, für die Sicherheit und Gesundheit der Menschen im Kirchenstaat zu sorgen.


Johnson: Auffrischungsimpfungen haben Vorrang vor Exporten

LONDON/NEW YORK: Der britische Premierminister Boris Johnson will Auffrischungsimpfungen im eigenen Land klaren Vorrang vor dem Spenden von Impfstoffdosen an ärmere Staaten einräumen. Das sagte der konservative Politiker am Montag vor Journalisten. Bereits in dieser Woche sollen mehr als 1,5 Millionen Menschen in England eine Einladung zur dritten Impfung erhalten. Insgesamt sollen alle über 50-Jährigen, besonders gefährdete Menschen sowie Gesundheits- und Pflegepersonal eine Auffrischungsimpfung erhalten.

«Ich habe mir die Fakten angeschaut, was Auffrischungsimpfungen bewirken können und ich muss sagen, dass dies unsere Priorität sein muss, und wir werden damit fortfahren», so Johnson auf dem Weg zur Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Trotzdem werde die Regierung in London ein «riesiges Bekenntnis» zur Unterstützung der restlichen Welt machen, betonte Johnson. «Wir stimmen grundsätzlich zu, dass niemand sicher ist, bevor nicht alle sicher sind», so Johnson.


Lockdown wird auch in Millionenstadt Auckland gelockert

AUCKLAND: Nach einem Monat wird der strenge Lockdown in der neuseeländischen Millionenmetropole Auckland gelockert. Grund seien die sinkenden Corona-Zahlen in der größten Stadt des Landes, die als Epizentrum des jüngsten Ausbruchs der Delta-Variante in dem Pazifikstaat galt, teilte die Regierung am Montag mit. Die Beschränkungen würden ab Mittwoch leicht gelockert, kündigte Ministerpräsidentin Jacinda Ardern an.

Geschäfte und Schulen dürfen dann zumindest teilweise wieder öffnen. Ältere Menschen forderte Ardern aber auf, weitgehend zu Hause zu bleiben, wenn sie noch nicht geimpft sind.

Im Rest des Landes wurde der am 18. August nach nur einem einzigen Corona-Fall verhängte Lockdown bereits vor zwei Wochen weitgehend wieder aufgehoben, in Auckland durften die Menschen aber weiter nur in Ausnahmen ihre Häuser verlassen.

Neuseeland gilt weltweit als Vorzeigestaat im Kampf gegen das Virus und verfolgt eine sogenannte Null-Covid-Strategie. Die Menschen leben seit Beginn der Pandemie weitgehend vom Rest der Welt abgeschottet, dadurch aber relativ normal weiter - monatelang auch ohne Masken. Bislang wurden nur rund 4000 Infektionsfälle bestätigt, 27 Menschen sind in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Allerdings sind bisher nur etwa 38 Prozent der fünf Millionen Einwohner vollständig geimpft.


Kinder impfen als Schutz vor Long-Covid? Forscher bemängeln Datenlage

MELBOURNE: Die Problematik von Long-Covid bei Kindern und Jugendlichen lässt sich anhand der aktuellen Studienlage kaum beurteilen. Das schreiben australische Forscher in einem Übersichtsartikel in «The Pediatric Infectious Disease Journal». Die Frage nach Long-Covid - als dem Anhalten von Corona-Symptomen über viele Wochen - ist brisant, weil das Syndrom ein Argument für Kinder-Impfungen sein könnte, sollte es weit verbreitet sein.

«Das geringe Risiko der akuten Erkrankung bedeutet, dass einer der Hauptvorteile einer Impfung von Kindern darin liegen könnte, sie vor Long-Covid zu schützen», sagt Nigel Curtis von der Universität Melbourne, einer der Autoren des Übersichtsartikels. Er und sein Team fassten vierzehn Einzelstudien zu Long-Covid zusammen, die rund 19.426 Kinder einbezogen. Die Prävalenz von typischen Symptomen variierte je nach Studie zwischen 4 und 66 Prozent. Die kleinen Patienten klagten über Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Bauchschmerzen und Muskel- sowie Gelenkbeschwerden. Nach höchstens zwölf Wochen war der Großteil der Kinder beschwerdefrei. Kinder scheinen zwar an Long-Covid zu erkranken - aber weniger lange und ausgeprägt als Erwachsene.

«In der Debatte über die Vorteile einer Impfung müssen wir das Risiko für Long-Covid in dieser Altersgruppe kennen», so Curtis. Die aktuellen Studien reichten dafür aber noch nicht aus.


Britischer Ex-Premier Brown wird WHO-Botschafter

GENF: Der frühere britische Premierminister Gordon Brown (70) wird Botschafter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die weltweite Gesundheitsfinanzierung. «Als langjähriger Freund von Gordon weiß ich, dass er einen scharfen Intellekt, entschlossenes Engagement und einen tiefen Gerechtigkeitssinn für seinen Botschafterposten mitbringt», erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Brown freue sich laut einer Medienmitteilung auf seine Aufgabe und wolle dabei helfen, dass alle Menschen Zugang zu einem Gesundheitssystem hätten.

Die dringendste Aufgabe sei es, die Finanzierung für die Durchimpfung der ganzen Welt gegen das Corona-Virus zu ermöglichen. Die ärmsten Länder müssten vor den «furchtbaren Auswirkungen von COVID-19 und anderen Krankheiten» beschützt werden, erklärte Brown.

Der 70-jährige studierte Historiker hatte zuletzt mit zahlreichen anderen früheren Staats- und Regierungschefs eine Aufhebung des Patentschutzes auf Corona-Impfstoffe gefordert. Er initiierte zudem eine breite Initiative, die großen Industrieländer zur Finanzierung der weltweiten Corona-Impfkampagne auffordert. Die WHO bezeichnete Browns Engagement als unermüdlich.

Der Sozialdemokrat und Buchautor war von 2007 bis 2010 Premierminister Großbritanniens. Er ist zudem Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für globale Bildung.

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Ingo Kerp 21.09.21 13:00
Greta mit gehäkeltem Mundschutz / Maske. Da erspart man sich besser jeden Kommentar.