Buddhistisches Tempelfest in der Schweiz

Ein Jahresfest der besonderen Art steht vor der Tür: Am 23. und 24. Juni wird im schweizerischen Gretzenbach das elfte Jahresfest des Wat Srinagarindravararam begangen, das mit der Verleihung des neuen monastischen Titels an den ehrenwerten Abt Phrathep Kittimoli einher geht. Seit seiner offiziellen Eröffnung im Juni 1996 hat sich der nach der Königsmutter benannte Tempel zum spirituellen und kulturellen Zentrum für Tausende in der Schweiz lebende Thailänder und Thailänderinnen etabliert. Während der Festlichkeiten wird auch DER FARANG mit einem Marktstand vertreten sein.

Spirituelles Tempelfest in der Schweiz In Gretzenbach feiert das Wat Srinagarindravararam - der grösste thailändische Tempel in Europa - seinen elften Jahrestag

Phrathep Kittimoli in Bangkok, nach der Übergabe des monastischen Titels
Phrathep Kittimoli in Bangkok, nach der Übergabe des monastischen Titels "Phrathep” im Juni 2006.

Die Vorbereitung für einen besonderen Höhepunkt Tausender Thailänder und Thailänderinnen laufen auf Hochtouren. Am 23. und 24. Juni 2007 feiert das Wat Srinagarindravararam im schweizerischen Gretzenbach seinen 11. Jahrestag. In der 2500-Einwohner-Gemeinde, zwischen Olten und Aarau, steht seit der offiziellen Eröffnung im Juni 1996 das spirituelle und kulturelle Zentrum für viele Tausende Thailänder in der Schweiz.

Auch DER FARANG wird mit einem Stand vertreten sein, wenn die Verleihung des monastischen Titels an den Abt Phra Thep Kittimoli gefeiert wird und der Startschuss für das Jahresfest fällt. Auf die Besucher wartet während der beiden Tage ein vielfältiges kulturelles Programm, von buddhistischen Zeremonien über kulturelle Darbietungen wie Thaitanz, Thaiboxen und Gemüseschnitzen. Tempelführungen bringen einer breiten Öffentlichkeit das Buddhistische Zentrum näher. Am Samstag dann die grosse Abendunterhaltung mit Livekonzert (mehr zum Programm siehe Kasten). Daneben werden zwei bekannte Mönche aus Thailand eine Textpredigt zur Titelverleihung an den ehrenwerten Abt Phra Thep Kittimoli halten. Dieser führt heute das Wat Srinagarindravararam, das auf eine erfolgreiche Entwicklung zurückschauen kann.

Die Anfänge gehen bis 1984 zurück, als in der Schweiz ein Verein mit dem Namen Wat Thai unter der Führung von Generalkonsul Heinrich Steiner gegründet wird. Das Vereins-Komitee macht es sich zur Hauptaufgabe, thailändische Geistliche in die Schweiz einzuladen. Dr. Josef Burri, der 1987 zum neuen Präsidenten von Wat Thai gewählt wird, bittet auf seiner Reise nach Thailand die Mönche, sich der religiösen Betreuung der Thailänder und Thailänderinnen in der Schweiz anzunehmen und die Vereinigung dabei im richtigen Vorgehen zu beraten. Bereits 1988 reiste der damalige Abt des Marmortempels in Bangkok in Begleitung seines Mönch-Sekretärs, dem heutigen Abt des Wat, Phra Thep Kittimoli, in die Schweiz, um sich einen Überblick über die Bedingungen und den Bedarf für einen dauerhaften Aufenthalt von buddhistischen Mönchen zu verschaffen. Es entsteht ein Pilotprojekt mit dem Ziel, einen länger befristeten Aufenthalt für zwei buddhistische Mönche und die Gründung eines eigenen Zentrums für Thai-Buddhismus in der Schweiz zu prüfen. Schon vier Jahre nach der Gründung zählt der Verein 210 Mitglieder, die bereit waren, den Lebensunterhalt der Mönche und die Gründung eines Tempels zu ermöglichen. Bis heute hat sich der Verein zwei Ziele gesteckt:

Wand- und Deckenmalereien im Ubosoth, ausgeführt von namhaften Künstlern aus Thailand.
Wand- und Deckenmalereien im Ubosoth, ausgeführt von namhaften Künstlern aus Thailand.

• die Pflege der Thai-Kultur und der damit verbundenen Organisation von religiösen Anlässen für alle in der Schweiz lebenden Thai-Buddhisten, in Zusammenarbeit mit buddhistischen Mönchen aus Thailand,

• das Verständnis für die kulturellen und religiösen Bedürfnisse der Thailänder und Thailänderinnen in der Schweiz fördern. Massgeblich zu dem Erfolg dieses Engagements hat nicht zuletzt das thailändische Königshaus beigetragen. Insbesondere IKH Prinzessin Somdet Srinagarindra, die Mutter seiner Majestät König Bhumibol, die eine Vorliebe für die Schweiz hatte und dort oft verweilte, zeigte grosses Interesse an der Tempelgründung. Im Jahr 1990 spendet das thailändische Königshaus über 670.000 Euro für den Bau des Tempels. Auf Wunsch aller Beteiligten soll demnach Stiftung und Tempel nach der engagierten Königsmutter benannt werden, die ihr ganzes Leben Wohltätigkeiten, insbesondere Stiftungen und Beiträge zu sozialen Einrichtungen widmete und 1995 im hohen Alter von 94 Jahren verstarb. Nach einem Gesuch an das Königliche Sekretariat wird 1993 die Stiftung "Somdetyas Stiftung für Wat Thai" und der Tempel "Wat Srinagarindravararam" genannt. Vier Jahre später wird die Stiftung in Somdetyas Stiftung für Wat Srinagarindravararam umbenannt. Diese sieht ihren Zweck in vier Bereichen erfüllt. Sie will:

• die Errichtung und den Betrieb eines buddhistischen Zentrums in der Schweiz schaffen, das den Angehörigen des thailändischen Volkes in der Schweiz sowie anderen am Theravada-Buddhismus interessierten Personen dient,

Wer würde schon vermuten, dass dieses Foto nicht in Thailand entstanden ist, sondern mitten in Europa?
Wer würde schon vermuten, dass dieses Foto nicht in Thailand entstanden ist, sondern mitten in Europa?

• die Mönchsausbildung unterstützen und die religiöse Erziehung der Laien übernehmen,

• den Unterhalt der Mönche und der vom Mönchsorden Beauftragten finanzieren, die im religiösen Dienste dieses Zentrums stehen,

• gegebenenfalls die Unterstützung der sozialen Dienste, soweit sie thailändischer Tradition und Kultur folgen. Ebenso im Jahr 1997 gründet die Stiftung eine Baukommission, welche als Auftrags- und Kontrollorgan für weitere Bauetappen tätig sein soll. Das Wat wird in drei Bauphasen entwickelt und besteht heute aus drei Grundkomplexen, dem Mönchsgebäude (Gutti), einer Halle (Sala), in welcher heute die buddhistische Sonntagsschule ist, sowie dem Ubosoth und in dessen Untergeschoss eine Mehrzweckhalle. Insbesondere mit der buddhistischen Sonntagsschule macht der Tempel einen wichtigen Schritt in Richtung religiöser Bildung und Erziehung der buddhistischen Gemeinschaft in der Schweiz.

Seitdem der gesamte, im thailändischen Stil erbaute Komplex der Öffentlichkeit zugänglich ist, erfreut sich das Wat Srinagarindravararam immer grösserem Zustrom von Menschen aus der ganzen Schweiz und den umliegenden Ländern. Seit im März 07 die Wand- und Deckenmalereien im Ubosoth, ausgeführt von namhaften Künstlern aus Thailand, abgeschlossen sind, ist der Besucherstrom nochmals angewachsen. Vor allem in der Schweizer Bevölkerung wird die Resonanz des Zentrums für Thai-Buddhismus immer grösser. Das Land zählt zwar nur 7,5 Millionen Einwohner, von denen jedoch etwa jeder fünfte ein Ausländer ist. Die Anzahl der Thailänder und Thailänderinnen wird auf rund 9000 geschätzt; die meisten von ihnen sind wiederum mit schweizerischen Partnern verheiratet und haben aus dieser oder aus früheren Ehen Kinder. Gerade diese Zielgruppe profitiert von der Aufgabe der Mönche, nicht nur eine religiöse Unterstützung zu bieten sondern auch notwendige Zeremonien wie Geburten, Eheschliessungen, Totenehrungen durchzuführen sowie sozialen und psychologischen Rat zu erteilen. Nicht zuletzt wird vor allem den Thailändern mit Kindern ermöglicht, ihre kulturellen und sprachlichen Wurzeln in der Schweiz weiterhin zu pflegen.

Abendunterhaltung und Livekonzert mit der
Abendunterhaltung und Livekonzert mit der "Luk-Thung”-Superhit-Sängerin "Taay Orathai” und dem ebenfalls bekannten Sänger "Sorn Sinchai”

In dem 3401 Quadratmeter grossen Wat leben heute sechs Mönche. Im täglichen Klosteralltag werden sie tatkräftig unterstützt vom Komitee der Vereinigung Wat Thai und vielen Laienhelfern. Die Vereinigung besteht heute aus über 3000 Familien und ist in ihren Statuten ausschliesslich der Unterstützung dieses religiösen Zentrums verpflichtet. Das Wat ist täglich für die religiösen Besucher geöffnet. Für touristische Besucher ist es von 13:00 bis 18:30 Uhr zugänglich. Bei besonderen Einladungen zelebrieren die Mönche auch religiöse Zeremonien wie Geburtstagsfeiern, Hauseinweihungen und Trauerfeiern zu Hause bei den Gastgebern. Darüber hinaus sind Gruppenführungen, die im Tempel im Voraus angemeldet werden müssen, möglich. Weitere Informationen auf der Homepage unter www.wat-srinagarin.com.

Der buddhistische Tempel will folgendes sein: • ein Ort für buddhistische Mönche, • ein Zentrum für Theravada-Buddhisten und alle interessierten Mitmenschen, • ein Ort der Ruhe, der Meditation und der buddhistischen Lehre (Dhamma), • Unterstützung für hilfe- suchende Menschen nach buddhistischen Prinzipien, • ein Zentrum zur Pflege der Thai-Sprache, der Thai-Tradition und der Thai-Kultur.

Auszug aus dem Festprogramm Samstag, 23. Juni 2007 Um 09.30 Uhr werden die Festteilnehmer durch Peter Ernst, Präsident der Vereinigung Wat Thai begrüsst. Gemeinsames Singen der Hymne "Sadudi Maharacha” zu Ehren S.M. des Königs von Thailand. Danach führt S.E. der Botschafter Thailands die Zeremonie des Entzündens der Kerzen und Räucherstäbchen als Respektsbezeugung gegenüber dem dreifachen Juwel durch und verliest danach die königliche Ernennungsurkunde. Rezitation der Mönche zur Feier des neuen monastischen Titels des Abts. Essensspende an die Mönche und Mittagessen der Mönche, danach gemeinsames Mittagessen der Ehrengäste und Festteilnehmer. Am Nachmittag 13 Uhr findet die Texpredigt "Dhammatheetsana” zum neuen monastischen Titel des Abts, gehalten von, Phra Phrommavichirayan, Abt des Wat Yannawa und Phra Maha Sompong Talaputto aus dem Wat Soy-Thong in Bangsue, Bangkok, statt. Danach findet der bereits traditionelle Umzug "Phapa der Einigkeit”. Am Abend Luk-Thung Livekonzert.

Sonntag, 24. Juni 2007 Auch am Sonntag um 09.30 Uhr werden die Festteilnehmer begrüsst. Um 13 Uhr hält Phra Ratcharattanarangsi, Abt des Wat Thai Kusinara Chaloemrat, Indien eine Lehransprache zum Thema "Indien – wundersames Land und Heimat des Buddhismus”. Danach Zeremonie der Spende der "Phapa-Bäume” und Dankesrede des Abts des Wat Srinagarindravararam, Phra Thep Kittimoli, gefolgt von Spenden an die Mönche.

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