Australiens Premier zeigt Verständnis für Italiens Impf-Exportstopp

Australiens Premierminister Scott Morrison hält eine Pressekonferenz in Sydney ab. Foto: epa/Dean Lewins
Australiens Premierminister Scott Morrison hält eine Pressekonferenz in Sydney ab. Foto: epa/Dean Lewins

CANBERRA: Australiens Regierung hat auf den Lieferstopp von Corona-Impfstoff aus der Europäischen Union enttäuscht, aber auch mit Verständnis reagiert. Premier Scott Morrison sagte am Freitag nach einer Kabinettssitzung, er verstehe die Gründe, warum Italien als zuständiges EU-Land die Ausfuhr von 250.000 Dosen des Herstellers Astrazeneca gestoppt habe. «In Italien sterben etwa 300 Menschen am Tag», erklärte er Medien zufolge vor Reportern. «Sie befinden sich in einer unkontrollierten Krisensituation. Das ist in Australien nicht der Fall.»

Ungeachtet dessen rief Australien die EU-Kommission an, die Entscheidung noch einmal zu überdenken, wie Gesundheitsminister Greg Hunt vor Journalisten sagte. Die heimische Impfkampagne werde durch den Wegfall der 250.000 Dosen aber nicht beeinträchtigt.

Italien hatte EU-Kreisen zufolge die Lieferung dieser 250.000 Dosen Impfstoff von Astrazeneca an Australien verhindert - und damit erstmals die Ausfuhr von Corona-Impfstoff aus der Europäischen Union in einen Drittstaat gestoppt. Ende Januar hatte die Europäische Union Exportkontrollen für Corona-Impfstoff gestartet. Im Visier sind Hersteller, die ihre EU-Lieferpflichten nicht erfüllen. Astrazeneca hält die ursprünglich zugesagte Liefermenge an die EU im ersten Quartal nicht ein, was für großen Unmut gesorgt hat. Zuständig für die Ausfuhrgenehmigungen ist der EU-Mitgliedstaat, in dem die für den Export vorgesehenen Impfstoffe produziert wurden.

Australien hat seit Beginn der Pandemie wegen extrem strikter Maßnahmen und drastischer Grenzschließungen nur rund 29.000 Coronavirus-Fälle verzeichnet - eine deutlich niedrigere Pro-Kopf-Rate als in den meisten Industrieländern. Die Zahl der Todesfälle liegt derzeit bei 909. In dem Land leben rund 25 Millionen Menschen.

Finanzminister Simon Birmingham sagte Sender Sky News, die Welt befinde sich derzeit in einem ziemlich unerforschtem Gebiet. Da sei es wenig überraschend, «dass einige Länder das Regelbuch zerreißen werden».

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