Affe nach Stromschlag gerettet

Junges Tier erholt sich langsam

Tierärzte versorgen das schwer verletzte Brillenlanguren-Jungtier im Schutzzentrum in Cha-am. Archivfoto: Hua Hin Sarn News
Tierärzte versorgen das schwer verletzte Brillenlanguren-Jungtier im Schutzzentrum in Cha-am. Archivfoto: Hua Hin Sarn News

CHA-AM: Ein junges Brillenlanguren-Weibchen hat einen schweren Stromschlag auf einem Militärgelände überlebt. Das erst ein Jahr alte Tier wurde mit schweren Verbrennungen aufgefunden. Es wird derzeit in einem Wildtierzentrum in Cha-am medizinisch behandelt. Die Fachleute beobachten schrittweise Fortschritte bei der Genesung.

Das Jungtier war am 11. April auf dem Gelände der Luftwaffenbasis Wing 5 im Unterbezirk Ko Lak nahe dem Waldpark Khao Tamonglai entdeckt worden. Helfer brachten den verletzten Affen umgehend in eine tierärztliche Einrichtung, wo zunächst sein Zustand stabilisiert werden musste. Die Verbrennungen im Gesicht waren deutlich sichtbar, beide Augen waren weitgehend geschlossen und der Kreislauf geschwächt, berichten thailändische Medien.

Im Huai Sai Wildlife Breeding Center wird das Tier seitdem intensiv betreut. Die behandelnden Tierärzte berichten von einer allmählichen Besserung: Die Bewegungsabläufe werden stabiler, das Tier frisst wieder selbstständig und nimmt reguläre Nahrung auf. Die Brandwunden beginnen zu heilen, bislang ohne Anzeichen einer Infektion, und das rechte Auge lässt sich bereits zur Hälfte öffnen, während beim linken Auge ebenfalls eine langsame Besserung einsetzt.

Behandlung mit Aussicht auf Freilassung

Die Therapie umfasst eine regelmäßige Wundreinigung, die Gabe von Antibiotika und Schmerzmitteln sowie intravenöse Flüssigkeitszufuhr. Das Team in Huai Sai beobachtet den Gesundheitszustand engmaschig, da Stromverletzungen zu Spätfolgen an Nerven und Organen führen können. Erst wenn die Fachleute sicher sind, dass keine zusätzlichen Schäden auftreten, wird über die weiteren Schritte entschieden.

Das Huai Sai Wildlife Breeding Center liegt nördlich von Cha-am in der Provinz Phetchaburi und ist Teil eines staatlichen Programms zur Pflege und Zucht einheimischer Wildtiere. Die Einrichtung nimmt verletzte oder beschlagnahmte Tiere auf und versucht, sie nach der Genesung wieder in geeignete Lebensräume zu entlassen. Besucher können die Anlage kostenlos betreten, in Bewertungen wird sie jedoch unterschiedlich beurteilt: Während einige Gäste die ruhige Umgebung und die Nähe zu den Tieren loben, kritisieren andere den Zustand einzelner Gehege und fordern mehr Investitionen in die Infrastruktur.

Die Verantwortlichen berichten inzwischen, dass das Jungtier die akute Lebensgefahr überwunden hat und stabil auf die Behandlung reagiert. Der kleine Brillenlangur bewegt sich wieder häufiger, nimmt mehr Milch auf und zeigt deutlich mehr Kraft, etwa wenn er kräftig mit dem Schwanz schlägt. Das rechte Auge kann nach Angaben der Tierärzte inzwischen zu etwa 50 Prozent geöffnet werden, das linke Auge zu rund 10 Prozent, die schweren Brandwunden im Gesicht beginnen zu trocknen und zu verkrusten, bislang ohne Anzeichen einer Infektion. Die Tierärzte setzen die intensive Versorgung mit Infusionen, Schmerzmitteln und Antibiotika fort und überwachen den Affen rund um die Uhr.

Das Regionalbüro für Schutzgebiete 3 in Phetchaburi hat die Menschen auf seiner Facebook-Seite สำนักบริหารพื้นที่อนุรักษ์ที่ 3 สาขาเพชรบุรี dazu aufgerufen, dem kleinen Brillenlanguren-Mädchen einen Namen zu geben und ihr mit aufmunternden Nachrichten Kraft zu schicken.

Gefährdete Art mit geschrumpftem Lebensraum

Brillenlanguren sind in Thailand geschützt und kommen vor allem in Waldgebieten entlang der südlichen Zentralküste vor. Bekannt sind sie durch ihre auffälligen hellen Augenringe, die dem Gesicht ein „maskenartiges“ Aussehen verleihen. In der Provinz Prachuap Khiri Khan leben mehrere kleinere Gruppen in der Nähe von Küstenwäldern und Hügeln, unter anderem im Umfeld von Khao Lom Muak und angrenzenden Waldparks.

Die Ausbreitung von Siedlungen, Straßen und Stromtrassen setzt diesen Primaten jedoch zunehmend zu. Immer wieder kommt es zu Unfällen mit unisolierten Leitungen, bei denen Affen, Faultiere oder Vögel zu Schaden kommen. Fachleute fordern seit Jahren bessere Schutzmaßnahmen, etwa die Isolierung von Kabeln in der Nähe von Waldkorridoren und Schutzgebieten sowie eine stärkere Koordinierung zwischen Energieversorgern, Behörden und Naturschützern.

Behörden prüfen Sicherung von Leitungen

Vertreter der zuständigen Behörden betonen, dass Leitungen in der Umgebung von Schutzgebieten regelmäßig überprüft und nachgerüstet werden. In der Praxis verlaufen viele Trassen jedoch weiterhin offen durch oder entlang von Waldstreifen, in denen sich Wildtiere bewegen. Für kletternde Arten wie Brillenlanguren, die häufig von Baumkrone zu Baumkrone wechseln, werden Masten und Kabel so zur tödlichen Falle.

Im Fall des verletzten Jungtiers wollen die Verantwortlichen abwarten, bis die Wunden vollständig verheilt sind und eine möglichst normale Beweglichkeit von Gliedmaßen und Augen sichergestellt ist. Erst dann soll entschieden werden, ob eine Auswilderung im Bereich des Khao Tamonglai Forest Park möglich ist oder ob das Tier dauerhaft in menschlicher Obhut bleiben muss. Eine Rückkehr in die Natur wäre ein wichtiger Erfolg – auch als Symbol dafür, dass schnelle Hilfe und funktionierende Rettungsketten Wildtiere vor bleibenden Schäden bewahren können.

Für die Region dürfte der Vorfall die Debatte um sicherere Infrastruktur in und um Waldgebiete erneut anstoßen. Denkbar sind unter anderem zusätzliche Isolierungen besonders riskanter Leitungsabschnitte, bessere Hinweisschilder für Besucher sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Militär, Forstverwaltung und Wildtierzentren bei der Meldung und Bergung verletzter Tiere. Ob das Schicksal des jungen Brillenlanguren-Weibchens langfristig zu konkreten Maßnahmen führt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Das Huai Sai Wildlife Breeding Center liegt im Tambon Sam Phraya im Amphoe Cha-am der Provinz Phetchaburi, etwa 15 Kilometer nördlich von Hua Hin an der Straße 1010. Die Anlage ist täglich von 8 bis 16.30 Uhr geöffnet, der Eintritt ist kostenlos; am einfachsten findet man sie über Google Maps unter „Huai Sai Wildlife Breeding Center“.

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