Acht Tote bei Brand in Behindertenheim

Feuerwehrleute stehen während der Löscharbeiten an einem Einsatzwagen vor einem Pflegeheim für Behinderte. Foto: Slavomír Kubeš/Ctk/dpa
Feuerwehrleute stehen während der Löscharbeiten an einem Einsatzwagen vor einem Pflegeheim für Behinderte. Foto: Slavomír Kubeš/Ctk/dpa

VEJPRTY (dpa) - In einem Pflegeheim für Behinderte im tschechischen Teil des Erzgebirges ist früh morgens ein verheerender Brand ausgebrochen. Auch aus dem benachbarten Sachsen kommt Hilfe.

Bei einem Brand in einem Pflegeheim für Behinderte in Tschechien an der Grenze zu Deutschland sind acht Menschen ums Leben gekommen. Vier Bewohner seien schwer verletzt worden, davon einer lebensgefährlich, sagte ein Sprecher der Rettungskräfte am Sonntag. Rund 25 weitere Menschen seien leicht verletzt worden. Viele Bewohner des Hauses mit dem Namen «Kavkaz» (Kaukasus) erlitten demnach Rauchvergiftungen.

Das Feuer, das sich schnell auf drei Räumlichkeiten ausbreitete, konnte im Laufe des Sonntagvormittags gelöscht werden. Es war am frühen Morgen aus noch ungeklärter Ursache in dem Pflegeheim in der Kleinstadt Vejprty (Weipert) ausgebrochen. Der Ort liegt in der Verwaltungsregion Usti (Aussig) im Nordwesten Tschechiens und grenzt unmittelbar an die sächsische Gemeinde Bärenstein im Erzgebirgskreis.

Bei den Opfern handelte es sich um Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen und nicht, wie zunächst gemeldet, um Senioren. Die Einsatzkräfte riefen einen Großalarm aus. Nach Angaben des Sprechers trafen neben sieben tschechischen Rettungswagen auch zwei Fahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes aus dem sächsischen Annaberg-Buchholz am Unglücksort ein. Ein Hubschrauber konnte aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen nicht starten.

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis eilte an den Unglücksort. Der 65-Jährige sprach bei Twitter von einer «schrecklichen Tragödie» und drückte den Hinterbliebenen sein Beileid aus. Innenminister Jan Hamacek erklärte: «Ich möchte allen versichern, dass die Ursachen des tragischen Brandes in Vejprty ordnungsgemäß untersucht werden.» Die Überlebenden des Unglücks sollen vorübergehend in anderen Heimen eine Bleibe finden.

Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Rauchmelder seien nur auf den Toiletten installiert gewesen, weil Bewohner dorthin zum Rauchen gegangen seien, sagte die Bürgermeisterin der Kleinstadt, Jitka Gavdunova, auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. Das Feuer brach indes in einem Gemeinschaftsraum aus. Gesetzlich vorgeschrieben sind Rauchmelder in Tschechien in Wohngebäuden nur für Neubauten.

Die erste Meldung über den Brand sei kurz vor fünf Uhr in der Früh in der Einsatzzentrale eingegangen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die erste Einheit traf zehn Minuten nach der Alarmierung ein. In der gleichen Region waren im Jahr 1984 bei einer Brandkatastrophe in einer Anstalt für Behinderte in Nordböhmen 26 junge Frauen gestorben.

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